Mauerfalls-Deutschland wird erwachsen

Innen 09.11.1989 18:57 Berlin, 23.12.2018 18:00

Liebe Leserinnen und Leser,

seit dem Mauerfall vollendet sich einen Tag vor Weihnachten diesen Jahres eine volle Saturn-Runde. Astrologisch gesehen ist damit die Jugendzeit beendet, wäre es nicht ein Land, sondern ein Mensch. Mit meiner Aspektscheibe habe ich das Wassertrigon Deutschlands nach dem Mauerfall-Horoskop eingestellt. Beide großen Machtwechsel 1998 und 2005 – einmal von Kohl zu Schröder und dann von Schröder zu Merkel, fanden unter einem großen Wassertrigon statt.

Der Abschied von Angela Merkel als Kanzlerin ist deswegen auch aus der inneren Astro-Logik des Landes heraus bereits zum Jahreswechsel nachvollziehbar.

Dass die Anständigen ihr zu Liebe nicht so genau hinguckten, wenn sie Waffenfabriken nach Algerien verkaufte, statt, wie versprochen, solarthermische Kraftwerke, oder wenn Sie die Zuschüsse für die Lagerhilfe der Flüchtlinge um Syrien herum entgegen des Rats ihres eigenen Entwicklungshilfeministers Müller, der rechtzeitig und unüberhörbar die Glocke läutete, drastisch kürzen ließ, oder wenn sie – entgegen des Kinderschutzes – ein Gesetz zur Knabenbeschneidung durchpeitschen ließ, dass bei Unterlassung die „Komiker“-Nation – wie sie sich im Zusammenhang mit der Beschneidung ausdrückte – ja sonst der Welt gegenüber in Abseits gestellt hätte, das hat sie lange an der Macht gehalten.

Demokratie lebt von Inhalten und beteiligten Bürgern, nicht vom Personenkult. Als sie vor ein paar Jahren – ich glaube 2012 – nach Algerien fuhr, hatte ich mich schon gefreut: jetzt wird sie den deal mit den solarthermischen Kraftwerken vorantreiben! DESERTEC hieß das sogar von Schäuble favorisierte Hoffnungsprojekt einer sauberen Energieversorgung die Afrika und Europa verbinden würde. Als dann am nächsten Tag in den Nachrichten kam, dass sie gleich eine ganze Panzerfabrik verkauft hatte (natürlich wie immer: Verträge der Vorgängerregierung erfüllen) – war klar, die Kanzlerin der „Komikernation“ sieht nur dann „Neuland“ und ist „überrascht“ von den Entwicklungen, wenn ihr eine erfolgreiche Verdrängungsleistung gelungen ist, um sie anschließend lächelnd und völlig frei von Skrupeln bei z. B. Anne Will unters Volk zu bringen.

In ihre Regierungszeit fällt der Brexit, die Eurokrise ist ungelöst, in der Ukraine eitert Europas chronische Wunde, von der Presse vernachlässigt, es liegt ja an Putin. Da tut es mir leid, wenn ich mich nicht denjenigen anschließen kann, für die sie einfach nur die nette, weibliche Managerin war, die es den oft korrupten und karrieregeilen Machos mit Charme und Chupze zeigte.

Spannend wird die Nachfolge-Frage in der CDU, weil 3 Persönlichkeiten antreten, die jeweils für eine ziemlich unterschiedliche Programmatik stehen. Nur mit einer Vorsitzenden Kramp-Karrenbauer (die scheinbar vor dem Spiegel die Gesten der Chefin einprobt) könnte Merkel entgegen meiner Ahnung bis 2020 Kanzlerin bleiben. Nach den Landtagswahlen 2019 im Osten wäre dann Schluss, denn jeder zuzätzliche Tag Merkel ist Wachstum für die AfD. Was sie aber sicher nicht vorhat.

Auf jeden Fall ist jetzt schon erreicht, dass die Lobeshymne auf sie so lange dauern wird, bis sie (endlich) politisch „weg“ ist (gewiss wird sich in Europa ein Amt finden, das sie nicht ablehnen kann). Bis dahin wird viel über Personalien geredet, die CDU bekommt kostenloses Marketing von allen Seiten – Wagenknechts Aufbruchs-Bewegung ist dagegen langweilig … die SPD ist schach-matt und wird in der Opposition die Annäherung an die Linken suchen müssen – die Grünen können mal durchatmen – die FDP muss schnappatmen und die AfD ausatmen …

Wer von den dreien es wird, wird uns hier noch beschäftigen. Skorpion (Merz), Stier (Spahn) oder Löwe (AKK)? Von den kardinalen zu den fixen Zeichen …

Mit freundlichen Grüßen,

Markus

 

 

Καιρός im Morgenrot

Foto Termin ©

Liebe Leserinnen und Leser,

endlich tut sich was im Land. Die FDP hat schon jetzt, außerhalb der Regierung, Politik gemacht. Was wird man weiter zulassen? Und vor allem, wie löst sich die Souveränitäts-Frage? Was bisher geschah:

Das Volk wählte am 24. September diesen Jahres ein neues Parlament. Da die SPD ihrer eigenen Leitung Meinung nach zu viele Stimmen für zu gute Politik verloren hat, denkt sie jetzt auch mal an sich, und nicht ans Land. Denn auch mal an sich denken ist bekanntlich auch wichtig, wenn´s dem Land gut gehen soll, schließlich ist man/frau als Partei auch Teil des Landes. Oder wie? Daraufhin kamen die Jamaika-Gespräche in Gang – frenetisch gewollt von unserer Presse, die jetzt fast so enttäuscht ist, wie nach der Wahl von Donald Trump. Ein paar Tage später erst hört die bürgerliche Presse auf, auf Lindner rumzupöbeln vom Übelsten: „Hätte sich wie ein kleiner Junge verhalten … “ (ZOn) – Boahhh … ?! Nun erst wird ihm – wahrscheinlich hat di Lorenzo von der ZEIT seine jungen Bluthunde zurückgepfiffen – Gelegenheit gegeben, sich rational zu positionieren: „Man hätte sich zum nützlichen Idioten gemacht“ – Und nun? Was bisher geschah:

Das Volk, der Souverän, hat gewählt. Die Parteien, Beauftragte der Wähler, finden aber keine Mehrheit, weil sich der „Junior-Partner“ SPD schmollend zurückzieht. Damit hat er die Souveränität an sich gerissen, der Schulz, vom Souverän, dem Volk. Stolz konnte man sich als Antifaschist vor die rechtsradikale andere Oppositionspartei stellen, deren Namen man nur in den Mund nimmt, wie wenn man Pistazienschalen ausspucken würde, salzig und klebrig. „Ihr habt uns abgewählt, Leute, wir haben verstanden.“ Umsetzung des Wählerwillens. What went wrong? Die Kanzlerin hätte ebenfalls den Wählerwillen respektieren müssen, zurücktreten als Parteivorsitzende und dann Kanzlerin to go.  Seehofer soll endlich den Stuhl räumen für unseren Franken. Damit den Weg freimachen für eine weitere große, aber verjüngte Koalition. Freude hätte geherrscht, wie nach dem Rücktritt des Papstes. Und nun ist Kairos verpasst, der hübsche junge Mann hat kein Vertrauen zum Matriarchat, sieht er doch in seinen unmittelbaren Vorgängern Opfer der alles verschlingenden großen weißen Göttin.

Francesco Salviati, Rom 1552/54

Spätestens jetzt war Καιρός vorüber – und ein cooler player namens Lindner hält durch sein „Nein“ die Souveränität des Wählerwillens weiter in der Hand. Kairos wäre gewesen, den jungen Mann als Engel zu erkennen, und ihm entsprechend einen Logenplatz in der Geschichte anzubieten. Gar noch mit Pluto im Sonnenzeichen und in Opposition zu Merkels Sonne: „Dis uan `im a´ true Killa, mon, me a tell ya´- ¡ Jo ! … “ würde man tatsächlich auf Patois im karibischen Jamaica gesagt haben, wo die deutschen Ereignisse mit Interesse verfolgt wurden – das hat sie nicht gemacht und daher die Lage völlig falsch eingeschätzt. Wie geht es weiter?

Folglich gibt es für Merkel nur noch eine Möglichkeit, souverän zu handeln: alle Optionen sonst sind von Lindner bestimmt: Neuwahl, Groko, selbst Schwarz & Grün, = alles. Es gibt also für Merkel gar keine Möglichkeit, von Lindner den Ball zurück zu bekommen, als allein das, womit sie ihn marginalisieren könnte: als souveräne Chefin einer schwarz/schwarzen Minderheitsregierung. Plötzlich sind wirklich alle Piraten. Und Lindner wäre ein gezähmter Lindwurm, das Matriarchat feiert Karneval, der Prinz wird durch Freundlichkeit geschluckt.

Das allein könnte – von der SPD mitgewählt – Merkel noch machen. Aber mal ehrlich – schafft sie das mit Saturn am AC? Ihre Erfahrung in Ehren, aber dafür braucht es eine gesellschaftliche Vision, die Bewusstwerdung der Gesellschaft. Es kommt die Zeit ohne „Mutti“. Daher doch kurz die GroKo – und dann Neuwahlen mit Vertrauensfrage: ein würdevoller Abtritt.

Mit freundlichen Grüßen,

Markus

P.S. Auch in Böhmen findet eine zentrale Partei, die „populistische“ ANO („Ja“ – akce nespokojených občanů „Aktion unzufriedener Bürger“), obwohl sehr stark (30%), keine Mehrheit und keinen Koalitionspartner. Und man hält sich an die Ehre, zumindest nicht mit den Rechtsradikalen zusammen zu gehen. Gleichzeitig ist die Staatsanwaltschaft dabei, die Immunität des Wahlsiegers – ehemaliger Geheimdienstler und jetziger Oligarch – aufzuheben. Auch dort ist der Präsident – ein bekennender Alkoholiker – plötzlich Entscheider. Wenn Tschechien und Deutschland eine Minderheitsregierung hätten, würde das Interesse füreinander wachsen?

 

 

„Souverän ist, wer den Ausnahmezustand bestimmt.“*

https://markustermin.com/2017/08/08/kanzelrinnendaemmerung-zur-mondfinsternis/

https://markustermin.com/2017/01/21/bundestagswahl-24-september-2017/

Liebe Leserinnen und Leser,

es lohnt sich, nochmal ins Wahlhoroskop zu schauen, nachdem wir jetzt schon ein wenig klüger sind. Souverän sollte eigentlich das Volk sein. Doch durch die Entscheidung der SPD, nicht richtig zu regieren, wird der Volkswille nicht umgesetzt. Es ist eben nicht so, dass die GroKo abgewählt wurde, sie hat nur Federn gelassen. Mars ist immer noch Gabriel, der fleißig den Außenminister macht und durch internationale Reiserei im Gespräch bleibt. Schütze-Saturn hat sich als Schulz/Lindner (Schulz ist Schütze, Lindner Steinbock) erwiesen – Venus & Mars entwickelten Quadrate zu ihm. Zentraler Satz meiner Vorhersage im Januar 2017 (Schulz war noch nicht Kandidat):

„Es sieht so aus, als würden hier zwei Verlierer mit der Venus in Jungfrau, Herrin des Waage-Aszendenten koalieren.“

Das würde darauf hinauslaufen, dass eben doch CDU/CSU und SPD – die sich ja tatsächlich als Wahlverlierer herausgestellt haben – es wieder machen. Ist denn der Weg dazu völlig verbaut? Wenn wir Neuwahlen hätten, brauchen wir auch ein neues Horoskop. Nun zeigt aber das „alte“ Wahlhoroskop durchaus ein Zusammenkommen von Herr Haus 1 = Venus und Herr Haus 7 = Mars. Wenn sich nun genügend Gegenstimmen in der SPD finden, die aus „staatspolitischer Verantwortung“ doch regieren wollten, wäre eine erneute Mitgliederbefragung denkbar. Schulz müsste „entsorgt“ werden und Gabriel bleibt, was er ist. Man hätte auch den Königsweg der Rechtfertigung: mit den Grünen und der FDP ging nichts – beide dürfen ja zustimmen, wenn es um Ökonomie und Ökologie geht.

Gibt es Neuwahlen, wäre Lindner und seine FDP Souverän – weil er sie gegen alle anderen erzwungen hätte. Jetzt kann sich die SPD ihre Souveränität nicht mehr durch Ablehnung einer alten Regierung, sondern nur noch durch Zustimmung zu einer neuen wieder holen. Die Argumente liegen auf der Hand: staatspolitische Verantwortung.

Die Balkon-Verhandler wären wieder Statisten der Politik: welch ein Triumph gegenüber dem als arrogant empfundenen Lindner. Wer hört schon eine Opposition krakeelen, wenn es 4 Stimmen dort gibt: AfD, Linke, Grüne & FDP – während der ungeliebte GroKo-Block das Land „rettet“.

All das entspricht nicht meiner politischen Vorstellung, um die es hier nicht geht. Meines Erachtens hat Lindner alles richtig gemacht: man füllt keinen neuen Wein in alte Schläuche – aber die Alten brauchen noch eine Runde, bevor sie endlich den Platz räumen für Jüngere …

Mit freundlichen Grüßen,

Markus

*Georges Bataille

 

 

Con-cordia: „Gemeinsamen Herzens“: Chiron in Fische

Liebe Leserinnen und Leser,

unteres Bild zeigt – so ich die richtigen Zeiten habe – die Taufe der Costa Concordia innen und außen den Zeipunkt, als sie den Felsen schrammt. Wichtig ist – finde ich – daß es in Italien passiert – gerade dort, wo der Goldman Sachs Statthalter Mario Monti es geschafft hat, die Zinsen entscheidend zu drücken, ohne daß dies von der sensationsgeilen Presse als große Nachricht verkündet wurde – geht mit der „Costa Concordia“ in Wahrheit Europas Eintracht unter?

Mir fiel dazu Godards prophetischer Film (2010) über eine Mittelmeerkreuzfahrt ein. Und natürlich der Untergang der Titanic.

Wie kann man denn so blöd sein, ein Schiff „Titanic“ zu nennen? Wir schauen zurück auf den Anfang des letzten Jahrhunderts – die Titanic war ein europäisches Projekt. „Concordia“ – wie kann man denn so blöd sein, ein Schiff „Eintracht“, „gemeinsamen Herzens“ zu nennen, wenn in Europa gerade ein sich gegenseitig Übervorteilen Trumpf ist (2006) – das ist zwar auch blöd, aber anders und nicht ganz so schrecklich, wie es die Dummheit ist, ein Schiff „Titanic“ zu nennen, ein Name, der per se mit dem Untergang der Titanen assoziiert ist?

„Wir befinden uns auf einem Kreuzfahrtschiff, auf dem Godard eine ganze Welt entfaltet. Diese Welt ist Europa, seine Geschichte und Gegenwart, sein Gutes und sein Schlechtes auf das Mittelmeer hin entworfen, von diesem seine Kräfte, seinen Antrieb empfangend. Das Meer, von dem „Film Socialisme“ seinen Ausgang nimmt, und auf das der Film wieder und wieder zurückkommt – … – dieses Meer kann beides sein, das Offene oder der Abgrund. Für die Dauer von „Film Socialisme“ ist es einmal wirklich, wofür der lahme Kalauer aus dem Reiseprospekt es uns verkaufen will: ein Mehr, das über die verfestigten Formen des All(zu)täglichen hinausreicht.“

Lukas Foerster, Nikolaus Perneczky: Auf das Mittelmeer hin entworfen

Innen: Costa Concordia Taufe, 07.07.2006 12:00 Civitaveccia, außen 13.01.2012 21:43 Livorno: Taufe bei rückläufigem Merkur mit Mars/Saturn Konjunktion im Löwen – Italien ist dem Löwen zugeordnet – und klar, daß der Latin Lover über den rückläufigen Merkur stolpert. Opferschutz, trotz und wegen der Toten: für den Capitän, bevor er sich was antut.

Titanic Untergang: 15.04.1912 23:30 lokal time: der Eisberg als Neptun/Mars/Pluto in Haus 7, Merkur rückläufig vor der Titanic-Sonne.

Concordia Untergang 13.01.2012 21:43 lokal time. Der Concordia stand Uranus im Widder entgegen, plötzlich, unerwartet, doch Neptun war zwar nass, aber mit Venus in Haus 6 auch sofort bereit, sich zu kümmern. Merkur/Pluto ist natürlich der Fels, Mars/Mond cholerische Befindlichkeit an Bord.

Der Bezug zwischen beiden Untergängen ist jeweils Chiron in den Fischen. Und sie stehen komplementär wegen Mond in Jungfrau (Concordia) und Fische-Mond (Titanic).

Der Mondknoten (Nord) des Concordia-Unfalls steht ungefähr auf dem Jupiter als Aszendenten-Herrscher der Titanic.

Nun was also – ist der Untergang der „Costa Concordia“ ein Menetekel für den Untergang Europas?

Gewiss, die Costa Concordia erinnert in ihrer Hybris – die ganze Kreuzfahrer-Branche zusammengenommen – an die Titanic – aber tatsächlich ist die Maßgabe der Tragödie gleichwertig und doch milder – wenngleich die Umstände betreffend weit grotesker – denn es ist irgendwie nachvollziehbar, daß im Atlantik unsichtbare Eisberge lauern, während Felsen und feste Inseln vor der Küste der Toskana nicht lauern – es sei denn auf einen Grad an Selbstvergessenheit, der jedes nur erdenkliche Maß bereits weit überschritten hat.

Ein schales Gefühl bleibt – als wäre Europa selbst untergegangen – auch die Jahrhundertspanne gibt zu denken – avanti popolo! – hier kann noch ein Umdenken stattfinden – wenn wir die FDP erstmal rausgeschmissen haben, diese trägen Dummblödel, deren bester Mann Westerwelle eine europäische Rating-Agentur fast ungehört fordert – entscheidend ist nicht, was sie nicht tun, sondern was sie unterlassen – obwohl es doch ihre Aufgabe wäre, für die Freiheit einzustehen – nur sind die Piraten – fürchte ich – not ready for power.

Mit freundlichen Grüßen,

Markus