Weltbild

Der rote Faden

Liebe Leserinnen und Leser,

der sprichwörtliche rote Faden aus dem Labyrinth, ich hab ihn gerade auf der Strasse gefunden, jemand hatte ihn verloren. Wer denn? Die Naturwissenschaftler vielleicht? Auffallend still sind sie angesichts der Öl-Katastrophe im Golf von Mexico, ich hab mal bei den science-blogs rumgeschaut und nichts gefunden. Und die Leitung sprudelt und sprudelt. Zur Beruhigung hat man sich ein date gesetzt: “ … könnte bis August dauern“, hört man. Und BP verspricht 20 Milliarden für das cleaning-up der Folgeschäden. Dabei wird offensichtlich verdrängt, daß man gar nicht weiß, ob diese Ölquelle nicht weiter und weiter blubbert.

Da der Unfall so exakt mit Chirons Eintritt in die Fische datiert ist, wäre es logisch, bei seinem neuerlichen rückläufigen Übertritt in den Wassermann Hoffnung zu schöpfen, denn daß dieses Öl sprudelt, solange Chiron in den Fischen ist, wollen wir nicht hoffen und auch nicht vorhersagen: es wäre für die Weltwirtschaft das Ende und das Ende der Zivilisation, as we know her, so far …

20.07.2010 11:41, NBG

Hier unten sehen wir eine Renaissance-Darstellung von Bambini, wie die gute Ariadne Θησεύς den berühmten Faden reicht. Theseus ist ja ein großer Kentauren-Killer, Chiron ist ein Kentaur, insofern passt die Suche nach dem roten Faden … Außerdem soll er von Poseidon/Neptun abstammen, also genau der Superheld, den wir in 1500 Metern Tiefe brauchen. Ist es nicht bemerkenswert: wir geben überflüssige Unsummen für die Erforschung extrasolarer Planeten aus, sind aber weder technisch noch naturwissenschaftlich (altes Ehepaar) in der Lage, ein 50cm Ø Rohr am Meeresboden zu stopfen.

Was mir jedoch dieser Tage wirklich auffällt, das ist, wie all diejenigen, deren Gesinnungswandel im Grunde in der Luft liegt, wie der Geruch von Rohöl an der Küste von Luisiana, sich naturgemäß weigern, ihn zu vollziehen. Die Linken können Gauck (Wassermann, übrigens) nicht wählen, die FDP kann sich nicht vom Neoliberalismus lösen, die Naturwissenschaftlicher nicht von Ihren Vorurteilen und der Dunklen Materie, die Esoteriker nicht von ihrer nebulösen geistigen Sparflamme (Engelskontakte, Channeling), die Banker nicht von ihren Boni, die Bauern nicht vom Pflug, die Gentechniker nicht vom Glauben an ihren Pseudo-Fortschritt, Mixa nicht von seinem Bischofsring, Hollywood nicht von seinem Bombastik-Mist ohne Geist (Lady-Gaga, übrigens Widder), die Werbebranche ganz allgemein nicht von ihrer Morbidität, der Dandy nicht von seinem Dünkel und der Prolo nicht von seiner Schlamperei, die Israelis nicht von ihrer Strategie, die Palästinenser nicht von ihrer ansteckenden Dummheit, die Schöngeister nicht von ihrer flötenden Schuhmann-Gestrigkeit, die death-metal-fans nicht von ihrem tätowierten Diabolismus und die Afrikaner nicht von ihren rücksichtslosen Vuvuzelas, die zu all dem einen unheimlichen Sound verbreiten …

Und hier nun die Möglichkeit, den roten Faden zu ergreifen, um einen Ausweg aus dem Labyrinth zu finden: was uns am meisten widerstrebt, was uns als größtes persönliches Recht erscheint, das ist genau das, was unsere Seele sich selbst ausgesucht hat, es vor uns hinzustellen und durch eine innere Wandlung in uns selbst zu überwinden: denn eben dies haben wir dermaleinst selbst für uns so angelegt.

Soweit, so gut: doch was wenige wissen, denn es ist den Fischen in die Wiege gelegt: mit dieser inneren Wandlung wandelt sich auch das Äußere, vorher nicht.

Daher, die Menschheit muß sich wandeln, um dieses Loch im Golf von Mexico zu schließen, je eher, desto besser. Und die Menschheit sind nicht die anderen.

Also, um mit dem Sprüchlein eines Mineralöl-Riesen zu sprechen: „Es gibt viel zu tun. Packen wir´s an!“

γνῶθι σεαυτόν – erkenne Dich selbst: wisse von Dir selbst, ist der rote Faden, den auch nur Du selbst greifen kannst. Freilich wirst Du ihn nicht finden, wenn Du glaubst, Dein Leben beginnt mit der Geburt und endet mit dem Tod. Dein „Selbst“ ist etwas anderes, dieses gilt es zu erkennen; daran gemessen, ist alles Äußere „Gleichnis“.

Mit freundlichen Grüßen!

Markus

Mond

Stier-Vollmond

Nürnberg 19:04 – sie bauen hier schon den Christkindelsmarkt auf. Ich werde mich hüten, hier meine Meinung zu ehrwürdigen Traditionen zu äußern. Immerhin sind dort Musikkonserven nicht erlaubt. Nur einen Tip: Fraunholzer Lebkuchen ohne Mehl sind die Besten! Wir haben hier eine gewisse Auswahl, versteht sich. Auch die Bratwürste gibt´s eigentlich nur perfekt vom Metzger in der Oberen Wörthgasse. Was sich sagen läßt: es ist Vollmond! Das runde Mond-Auge schaut uns aus dem Tierkreiszeichen Stier an. Wenn die Wolken weg wären. Dort will es Wärme und Geselligkeit. Wer den Mond im Stier hat, verfügt über einen körperbetonten, sinnlichen Charakter. Sicherheit will frau/man. Gefühle können auch vereinnahmend sein. Grundsätzlich sind Stier-Monde jedoch nett und in der Regel absolut lieb. Sie sind sogar so lieb, dass sie öfter mal weinen müssen, weil die anderen das vielleicht nicht sind. In Kombination mit der Sonne in Skorpion haben wir die bekannte „Pelikannatur“. Den Vorratsjäger. Die Sonne wird gewissermaßen ein wenig entschärft. Und zwar durch „ein rätselhaftes, vielfach unbewußt bleibendes Gefühl innerer Hemmungen, die zu einer wesentlichen Einschränkung der Skorpionenergien frühren.“ (O. Adler) Das innere Kind ist laut indianischer Astrologie ein Biber. Das selbstbewußte Ich eine Schlange. Gut möglich, dass sie sich am Ufer begegnen.

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Foto Markus Termin ©

„Bei allen Vollmondkindern“, schreibt Oskar Adler, „wird demnach die Richtung der Entwicklungstendenz besonders stark empfunden werden.“ Und er sagt, „weil jedes Zeichen seinem Gegenüber gerade jene Möglichkeiten entgegenhält, die diesem abgehen, wie etwa je zwei Komplementärfarben des Spektrums sich zu einer Art Integrale des gesamten Spektralbandes verbinden“, dass „Vollmondmenschen, bewußt oder unbewußt, einen klar vorgezeichneten Lebensweg vor sich haben, dessen Richtung eindeutig gegeben ist.“ Ich fand dies absolut bestätigt. Ein junger Freund, den ich begleite, seitdem er vier Jahre alt ist, steuert so zielsicher auf seinen Berufswunsch Lehrer zu, als wäre dieser Wunsch-Pfeil von einem Magneten angezogen, um ein Beispiel zu nennen. Goethe war ein Vollmond-Mensch. Hier für alle, denen die Zielbestimmung nicht so leicht fällt, ein Zitat von ihm:

„In dem Augenblick, in dem man sich endgültig einer Aufgabe verschreibt, bewegt sich die Vorsehung auch. Alle möglichen Dinge, die sonst nie geschehen wären, geschehen, um einem zu helfen. Ein ganzer Strom von Ereignissen wird in Gang gesetzt durch die Entscheidung, und er sorgt zu den eigenen Gunsten für zahlreiche unvorhergesehene Zufälle, Begegnungen und materielle Hilfen, die sich kein Mensch vorher je so erträumt haben könnte. Was immer Du kannst, beginne es. Kühnheit trägt Genius, Macht und Magie. Beginne jetzt.“

Johann Wolfgang v. Goethe

Mond

Fische-Mond, Dichtung und Wahrheit

Foto Markus Termin ©

Nürnberg 15:04 etwas spät dran, um 16:19 zieht Mond bereits in den Widder, aber die Aufnahme stammt von heute morgen um sieben Uhr, und da hatten wir den Mond noch im Wasserzeichen Fische. Was macht nun der Mond in den Fischen? Audrey Hepburn, Paul Cezanne aber auch J.W. Goethe hatten ihren Mond in den Fischen. So sieht es Goethe selbst: „Am 28. August 1749, mittags mit dem Glockenschlage zwölf, kam ich in Frankfurt am Main auf die Welt. Die Konstellation war glücklich; die Sonne stand im Zeichen der Jungfrau, und kulminierte für den Tag; Jupiter und Venus blickten sie freundlich an, Merkur nicht widerwärtig; Saturn und Mars verhielten sich gleichgültig: nur der Mond, der soeben voll ward, übte die Kraft seines Gegenscheins um so mehr, als zugleich seine Planetenstunde eingetreten war. Er widersetzte sich daher meiner Geburt, die nicht eher erfolgen konnte, als bis diese Stunde vorübergegangen. Diese guten Aspekten, welche mir die Astrologen in der Folgezeit sehr hoch anzurechnen wußten, mögen wohl Ursache an meiner Erhaltung gewesen sein: denn durch Ungeschicklichkeit der Hebamme kam ich für tot auf die Welt, und nur durch vielfache Bemühungen brachte man es dahin, daß ich das Licht erblickte.“ (Aus „Dichtung und Wahrheit“)

Fische-Mond Geborenen „gelingt es nahezu immer, einen Schleier des Geheimnisvollen, Unerforschlichen um ihr Werk zu legen, in den übrigen Fällen übernimmt dies die Nachwelt mit Legendenbildungen oder Verfälschungen,“ schreibt Michael Roscher. Und Oskar Adler sagt: „Man könnte von einer Art Mitleidssüchtigkeit sprechen, die, als Gabe oder Talent angesehen, etwas zur Folge haben muß, was wir jetzt geradezu als seelische Hellsichtigkeit ansehen dürfen, mit allen Täuschungsmöglichkeiten, denen eine solche Hellsichtigkeit ausgesetzt ist, weil ja das Objekt dieser Hellsichtigkeit, das fremde Seelenleben, nur in Gestalt der eigenen Mitleidsregung gegeben ist.“ Aber auch: „Die seelische Hellsichtigkeit, die wir als wesentliches Kennzeichen der aus dem Fischezeichen inspirierten Mondnatur beschrieben haben, entfaltet ja die Gesamtheit ihrer Vorzüge im Interesse der jeweiligen Sonnennatur.“ So paßt für Goethe allein schon der Titel seines Buches „Dichtung (Fische-Mond) und Wahrheit (Jungfrau-Sonne)“ optimal zu seiner Vollmondstellung. Das Konzept der „Planetenstunde“ ist eines von vielen Konzepten der chaldäischen Planetenreihe Saturn, Jupiter, Mars, Sonne, Venus, Merkur und Mond, nach denen man die Tages- und Nachtstunden á 12 Teile jeweils in dieser Reihenfolge durchzählte. Dies entsprach nicht den ganzen Stunden, sondern der realen Tages- bzw. Nachtlänge geteilt durch 12. Den Anfang machte dabei bei Sonnenaufgang der Planet, der den Tag regierte: Sonntag die Sonne, Montag der Mond, Dienstag Mars, Mittwoch Merkur, Donnerstag Jupiter, Freitag Venus, Samstag Saturn. Um die Planetenstunde zu berechnen war es also nötig, die Zeit von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang genau zu kennen, und jeweils durch 12 zu teilen. Warum, mag man fragen, in dieser Reihenfolge? Die Logik ist die Geschwindigkeit: Saturn als langsamster, Mond als schnellster Planet. Ein anderes Konzept dieser Art in der klassischen Astrologie ist die oder das Firdaria, und es gibt weitere, die ein wenig nach Abzählkunst anmuten. Was natürlich dazukommt, und Goethe auch zunächst nicht wissen konnte: Pluto, Neptun und mindestens Chiron. Uranus hingegen hätte er kennen müssen, allerdings vielleicht noch nicht unter diesem Namen. Der Name setzte sich erst gegen 1850 durch und wurde, entsprechend den römischen Namen der anderen Planeten, der lateinischen Schreibweise angepasst. Mit diesen läuft die Reihe so nicht mehr durch. Doch zählt ja unsere Woche nach wie vor sieben Planeten lang. Goethe hatte seinen Pluto, wie leicht zu sehen, im ersten Haus; hätte er das gewußt, er würde sich selbst als Mensch mit der Kraft, andere zu zerstören, (besser: tiefgreifend zu wandeln) beschrieben haben. Erzählt er nicht im Faust eben genau diese Geschichte? Und Saturn so unmittelbar vor der Spitze des Aszendenten bringt wahrlich nicht selten schwierige Geburten zustande, oft mit schlimmen Folgen. Da muß nicht gleich Gretchen, alias die Hebamme sterben, bzw. schuld sein. Interessant ist bei Goethe die Elternachse: hier steht die Mutter als Mond eindeutig, denn sie war Fische, im Haus vier, der Vater aber als Sonne in der Jungfrau in Haus 10, denn er war Löwe. Also umgekehrt, wie sonst so oft. Hier lohnt sich die Forschung!