Mundan, Personen, Poetry

Friedrich Hölderlin

holderlin-bild

20.03.1770 23:59 Lauffen am Neckar

holderin

Nürnberg, – 00:18 Widder. Der Anfang des Jahres. Des wahren Kalenders! Astrologisch ist heute Jahresanfang. Dieses Jahr ist das einzig logische. Wir teilen das Jahr nach Tag- und Nachtgleiche, die übrigens heute auf der ganzen Welt gleich ist. Mit dem Frühlingsanfang reift in Südafrika der Herbst. Und auch am Nord- und Südpol ist der Tag gleich lang. Daher die ungeheure Bedeutung dieses Tages! Zwischen Chicago und Detroit läuft übrigens die neue Widder-Sonne genau am AC. Auf unserem Horskop, also für den Längengrad, auf dem sich Nürnberg befindet, da ist der Aszendent auf dem Grad ungefähr-genau auf dem der Sonnenfinsternis, die wir im Juli  in China sichtbar haben werden … Das könnte Veränderungen für Chinas Regierung bedeuten, und zwar davon in Folge, im Herbst. Im Horoskop von China ist der Sonnenfinsternisgrad im Haus der Arbeit; hat ein Trigon zur Himmelsmitte. Also verändert sich auch die Regierung, jedoch ohne starken Umbruch.

sonnenfinsternis-20091Sonnenfinsternis 22.07.09 2009 02:35 UT NBG

widder-ingres

Widder-Ingres 2009, NBG 12:44 MEZ

Dieser Bedeutung angemessen ist der Dichter Hölderlin. Er ist der Dichter des Beginns. Und er hat Pluto im Steinbock.

Patmos

dem Landgrafen von Homburg

Nah ist
Und schwer zu fassen der Gott.
Wo aber Gefahr ist, wächst
Das Rettende auch.
Im Finstern wohnen
Die Adler und furchtlos gehn
Die Söhne der Alpen über den Abgrund weg
Auf leichtgebaueten Brüken.
Drum, da gehäuft sind rings
Die Gipfel der Zeit, und die Liebsten
Nah wohnen, ermattend auf
Getrenntesten Bergen,
So gib unschuldig Wasser,
O Fittige gib uns, treuesten Sinns
Hinüberzugehn und wiederzukehren.

So sprach ich, da entführte
Mich schneller, denn ich vermutet
Und weit, wohin ich nimmer
Zu kommen gedacht, ein Genius mich
Vom eigenen Haus‘. Es dämmerten
Im Zwielicht, da ich ging
Der schattige Wald
Und die sehnsüchtigen Bäche
Der Heimat; nimmer kannt‘ ich die Länder;
Doch bald, in frischem Glanze,
Geheimnisvoll
Im goldenen Rauche, blühte
Schnellaufgewachsen,
Mit Schritten der Sonne,
Mit tausend Gipfeln duftend,

Mir Asia auf, und geblendet sucht‘
Ich eines, das ich kennete, denn ungewohnt
War ich der breiten Gassen, wo herab
Vom Tmolus fährt
Der goldgeschmückte Paktol
Und Taurus stehet und Messogis,
Und voll von Blumen der Garten,
Ein stilles Feuer; aber im Lichte
Blüht hoch der silberne Schnee;
Und Zeug unsterblichen Lebens
An unzugangbaren Wänden
Uralt der Efeu wächst und getragen sind
Von lebenden Säulen, Zedern und Lorbeern
Die feierlichen,
Die göttlichgebauten Palläste.

Es rauschen aber um Asias Tore
Hinziehend da und dort
In ungewisser Meeresebene
Der schattenlosen Straßen genug,
Doch kennt die Inseln der Schiffer.
Und da ich hörte
Der nahegelegenen eine
Sei Patmos,
Verlangte mich sehr,
Dort einzukehren und dort
Der dunkeln Grotte zu nahn.
Denn nicht, wie Cypros,
Die quellenreiche, oder
Der anderen eine
Wohnt herrlich Patmos,

Gastfreundlich aber ist
Im ärmeren Hause
Sie dennoch
Und wenn vom Schiffbruch oder klagend
Um die Heimat oder
Den abgeschiedenen Freund
Ihr nahet einer
Der Fremden, hört sie es gern, und ihre Kinder
Die Stimmen des heißen Hains,
Und wo der Sand fällt, und sich spaltet
Des Feldes Fläche, die Laute
Sie hören ihn und liebend tönt
Es wieder von den Klagen des Manns. So pflegte
Sie einst des gottgeliebten,
Des Sehers, der in seliger Jugend war

Gegangen mit
Dem Sohne des Höchsten, unzertrennlich, denn
Es liebte der Gewittertragende die Einfalt
Des Jüngers und es sahe der achtsame Mann
Das Angesicht des Gottes genau,
Da, beim Geheimnisse des Weinstocks, sie
Zusammensaßen, zu der Stunde des Gastmals,
Und in der großen Seele, ruhigahnend den Tod
Aussprach der Herr und die letzte Liebe, denn nie genug
Hatt‘ er von Güte zu sagen
Der Worte, damals, und zu erheitern, da
Ers sahe, das Zürnen der Welt.
Denn alles ist gut. Drauf starb er. Vieles wäre
Zu sagen davon. Und es sahn ihn, wie er siegend blickte
Den Freudigsten die Freunde noch zuletzt,

Doch trauerten sie, da nun
Es Abend worden, erstaunt,
Denn Großentschiedenes hatten in der Seele
Die Männer, aber sie liebten unter der Sonne
Das Leben und lassen wollten sie nicht
Vom Angesichte des Herrn
Und der Heimat. Eingetrieben war,
Wie Feuer im Eisen, das, und ihnen ging
Zur Seite der Schatte des Lieben.
Drum sandt‘ er ihnen
Den Geist, und freilich bebte
Das Haus und die Wetter Gottes rollten
Ferndonnernd über
Die ahnenden Häupter, da, schwersinnend
Versammelt waren die Todeshelden,

Izt, da er scheidend
Noch einmal ihnen erschien.
Denn itzt erlosch der Sonne Tag
Der Königliche und zerbrach
Den geradestrahlenden,
Den Zepter, göttlichleidend, von selbst,
Denn wiederkommen sollt es
Zu rechter Zeit. Nicht wär es gut
Gewesen, später, und schroffabbrechend, untreu,
Der Menschen Werk, und Freude war es
Von nun an,
Zu wohnen in liebender Nacht, und bewahren
In einfältigen Augen, unverwandt
Abgründe der Weisheit. Und es grünen
Tief an den Bergen auch lebendige Bilder,

Doch furchtbar ist, wie da und dort
Unendlich hin zerstreut das Lebende Gott.
Denn schon das Angesicht
Der teuern Freunde zu lassen
Und fernhin über die Berge zu gehn
Allein, wo zweifach
Erkannt, einstimmig
War himmlischer Geist; und nicht geweissagt war es, sondern
Die Locken ergriff es, gegenwärtig,
Wenn ihnen plötzlich
Ferneilend zurück blickte
Der Gott und schwörend,
Damit er halte, wie an Seilen golden
Gebunden hinfort
Das Böse nennend, sie die Hände sich reichten –

Wenn aber stirbt alsdenn
An dem am meisten
Die Schönheit hing, daß an der Gestalt
Ein Wunder war und die Himmlischen gedeutet
Auf ihn, und wenn, ein Rätsel ewig füreinander
Sie sich nicht fassen können
Einander, die zusammenlebten
Im Gedächtnis, und nicht den Sand nur oder
Die Weiden es hinwegnimmt und die Tempel
Ergreifft, wenn die Ehre
Des Halbgotts und der Seinen
Verweht und selber sein Angesicht
Der Höchste wendet
Darob, daß nirgend ein
Unsterbliches mehr am Himmel zu sehn ist oder
Auf grüner Erde, was ist dies?

Es ist der Wurf des Säemanns, wenn er faßt
Mit der Schaufel den Weizen,
Und wirft, dem Klaren zu, ihn schwingend über die Tenne.
Ihm fällt die Schale vor den Füßen, aber
Ans Ende kommet das Korn,
Und nicht ein Übel ists, wenn einiges
Verloren gehet und von der Rede
Verhallet der lebendige Laut,
Denn göttliches Werk auch gleichet dem unsern,
Nicht alles will der Höchste zumal.
Zwar Eisen träget der Schacht,
Und glühende Harze der Ätna,
So hätt‘ ich Reichtum,
Ein Bild zu bilden, und ähnlich
Zu schaun, wie er gewesen, den Christ,

Wenn aber einer spornte sich selbst,
Und traurig redend, unterweges, da ich wehrlos wäre
Mich überfiele, daß ich staunt‘ und von dem Gotte
Das Bild nachahmen möcht‘ ein Knecht –
Im Zorne sichtbar sah‘ ich einmal
Des Himmels Herrn, nicht, daß ich sein sollt etwas, sondern
Zu lernen. Gütig sind sie, ihr Verhaßtestes aber ist,
So lange sie herrschen, das Falsche, und es gilt
Dann Menschliches unter Menschen nicht mehr.
Denn sie nicht walten, es waltet aber
Unsterblicher Schicksal und es wandelt ihr Werk
Von selbst, und eilend geht es zu Ende.
Wenn nämlich höher gehet himmlischer
Triumphgang, wird genennet, der Sonne gleich
Von Starken der frohlockende Sohn des Höchsten,

Ein Losungszeichen, und hier ist der Stab
Des Gesanges, niederwinkend,
Denn nichts ist gemein. Die Toten wecket
Er auf, die noch gefangen nicht
Vom Rohen sind. Es warten aber
Der scheuen Augen viele
Zu schauen das Licht. Nicht wollen
Am scharfen Strahle sie blühn,
Wiewohl den Muth der goldene Zaum hält.
Wenn aber, als
Von schwellenden Augenbraunen
Der Welt vergessen
Stillleuchtende Kraft aus heiliger Schrift fällt, mögen
Der Gnade sich freuend, sie
Am stillen Blicke sich üben.

Und wenn die Himmlischen jetzt
So, wie ich glaube, mich lieben
Wie viel mehr Dich,
Denn Eines weiß ich,
Daß nämlich der Wille
Des ewigen Vaters viel
Dir gilt. Still ist sein Zeichen
Am donnernden Himmel. Und Einer stehet darunter
Sein Leben lang. Denn noch lebt Christus.
Es sind aber die Helden, seine Söhne
Gekommen all und heilige Schriften
Von ihm und den Blitz erklären
Die Thaten der Erde bis itzt,
Ein Wettlauf unaufhaltsam. Er ist aber dabei. Denn seine Werke sind
Ihm alle bewußt von jeher.

Zu lang, zu lang schon ist
Die Ehre der Himmlischen unsichtbar.
Denn fast die Finger müssen sie
Uns führen und schmählich
Entreißt das Herz uns eine Gewalt.
Denn Opfer will der Himmlischen jedes,
Wenn aber eines versäumt ward,
Nie hat es Gutes gebracht.
Wir haben gedienet der Mutter Erd‘
Und haben jüngst dem Sonnenlichte gedient,
Unwissend, der Vater aber liebt,
Der über allen waltet,
Am meisten, daß gepfleget werde
Der feste Buchstab, und bestehendes gut
Gedeutet. Dem folgt deutscher Gesang.

Fotos, Poetry

Krokus – κρόκος

Nürnberg, – Sonne auf 27.02° Fische. Der Krokus ist eine Sonnen-Pflanze nach astrologischer Zuordnung. Das liegt am Safran, einer Gewürzdroge, die in alten Zeiten mehr als Droge, denn als Gewürz gebraucht wurde. Untere Fotos zeigen den Gartenkrokus, aus dem man keinen Safran gewinnt. Untere Zeichnung hingegen trägt die Safran-Fäden deutlich sichtbar. Krokus ist eine Kulturpflanze, deren Wildform unbekannt ist.

Passend zu den ersten Frühlingsblüten bringt Spiegel-Online folgende Nachricht:

Wirtschaftskrise: Konjunkturerwartungen überraschend verbessert – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – Wirtschaft

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img_35071Fotos Markus Termin ©

„Der Safran gehört zum Garten der Wollust und wurde deshalb auch von Hekate gezüchtet; diese rufen die orphischen Hymnen als „Meeresgöttin im Safrangewand“ an. Besonders heilig jedoch war der Safran der strahlenglänzenden Eos oder Aurora, der Göttin der Morgenröte und „Tempelhüterin des Lebens“. Von einem gelben Krokusschleier umwallt, öffnete sie mit ihren Rosenfingern die Pforte des Himmels, wenn sie, aus dem Ozean steigend, den Horizont berührte. Die gelbe Farbe war ein Symbol der Sonne. Es hieß, der Safran erblühe überall dort, wo dereinst Juno und Jupiter sich der körperlichen Liebe hingegeben und mit ihren wollüstigen Ausdünstungen die Erde befeuchtet und so befruchtet hätten. Deswegen bestreute man in der Antike die Brautbetten, als Stätte der ehelichen Wollust, mit Safranblüten.“ (Aus C. Rätsch, C. Müller-Eberling: „Lexikon der Liebesmittel, S. 591)

krokus-zeichnung

Personen, Poetry, Weltbild

So etwas Wunderbares!

Hat mir gestern ein Freund gezeigt:

YouTube – vanuatu sand drawing

Vanuatu – Wikipedia

rudolf-steiner

Rudolf Steiner um 1891/92, Radierung von Otto Fröhlich

„Jupiter ist ja gerade diejenige Kraft, die den Appell, den fortwährenden Appell an unsere Aufmerksamkeit richtet.“ (Aus Die Weltenuhr, Dornach 8. Januar 1918)

steinerRudolf Steiner 27.02.1861, 23:15  Kraljevec AT, bitte vergrößern!

Liebe Leserinnen und Leser,

Rudolf Steiners Geburtstag ist meist als der 27., aber auch als der 25. Februar angegeben. Der Hauptunterschied ist der Mond. Entweder er wäre im Zeichen Jungfrau, oder – später, wie hier abgebildet – im Zeichen Waage. Wenn man bedenkt, wie Steiner, insbesondere in der zweiten Lebenshälfte, sich den künstlerischen Dingen im Sinne einer sozialen Vermittlung  (Haus 11-12) gewidmet hat, und für die Grundsteinlegung des ersten Goetheanums den „Merkurius in der Waage“ abwartete (tropisch übrigens, nicht siderisch!), so spricht doch viel für den Waage-Mond*. Auf jeden Fall aber hat Rudolf Steiner seinen Saturn in der Jungfrau, wo er jetzt auch steht. Und genau dies gab ihm die Fähigkeit – ähnlich wie Descartes, dem Begründer des wissenschaftlichen Rationalismus, der ebenfalls den Saturn in der Jungfrau hat – einen geistigen Rationalismus zu begründen, oder besser: offen zu legen, dessen Wesen ich hier kurz erklären will.

Im Kern sagt Rudolf Steiner nicht weniger, als dass es jenseits unseres Tagesbewusstseins ein weiteres, für die meisten Menschen kaum zugängliches Bewusstsein gibt, welches sich aber ebenso konkret zwar subjektiv aber kontrolliert erleben läßt. Es ist schwierig, dies zu beschreiben, ohne den Reflex auszulösen, dass es als „Phantasie“-Gebilde abgetan wird. Die schablonierte Abwehr-Haltung ist die erste zu überwindende Bastion eines ebenso dünkelhaft-frechen,  wie aber auch trostlosen Zeit-Geistes, der uns zu allererst und zunehmend durch die ganz miese Stimmung, die er verbreitet, davon abhalten will, den Reichtum auch nur zu vermuten, der sich tatsächlich hinter der Projektion einer künstlichen Jenseits-Welt versteckt.

Wir können nur mehr an „Vorstellungen“ denken, als handelte es sich um Illusionen, als gäbe es eine wahre, naturwissenschaftlich beweisbare Welt und eine weitere, die zwar nett sein mag, aber eher dem Bereich Einbildung, Phantasie, Hirngespinst zuzuordnen ist. Selbst Menschen, denen das Wort „spirituell“ vertraut ist, denken oft, es handele sich um eine Art „Glauben“, eine Form emotionaler Inbrunst, die Tatsachen herbeisehnt, die wohl wünschenswert, aber völlig unrealistisch sind.

Doch nichts könnte absurder sein, als eine solche Anschauung. Denn das „Geistige“, welches Steiner aufzeigt und vor allem: zu dessen Erlangung und Begriff er einen nachvollziehbaren Weg zu zeigen nicht müde wird – ist tatsächlich eine ebenso faktisch belastbare Realität, wie ein Gegenstand, beispielsweise ein Stein. Alles, was akzeptiert werden muß, um zu begreifen, dass es so etwas geben kann und notwendigerweise gibt, ist eben, dass der „Sinn“, der zum Wahrnehmen dieser „höheren“ Welt nötig ist, bei uns Menschen in der Regel nicht (mehr) von selbst vorliegt, sondern trainiert, gebildet werden muß.

Analog wäre ein Vergleich zum musikalischen Empfinden möglich, aber nicht erschöpfend: erst der gebildete Hörer versteht Musik wirklich.

Dann aber ist die weitere „Handhabung“ objektiv, logisch kommunizierbar und kann nachgewiesen und zurückgeführt werden auf den Einweihungsweg aller Mysterien- und Schamanenschulen, die mit unterschiedlichen Mitteln die verlorene zweite Hälfte des Menschen zurück zu erreichen trachteten, erkennend, dass eigentlich nur darin und komplett überhaupt irgendein Sinn sich wiederfindet, der uns verbindet mit den Zeiten von vor der Flut und einen Weg in die Zukunft weist.

Erst in diesem Sinn wird auch das Hirtentum von Jesus verständlich, der uns Schafe leitet, denen die Sicht auf die wahren Dinge nicht gegeben ist. Das ist jedoch nicht, wie bei Kant gemeint wird, ein prinzipielles Hindernis unserer Erkenntnismöglichkeiten, sondern lediglich ein historisch gewachsenes und gleichzeitig doch auch verkümmertes Wahrnehmungshindernis. So halten wir beispielsweise die Darstellung von Geistern und Dämonen aus babylonischer Zeit gemäß unserem eigenen psychologisierenden Weltbild für Projektionen unserer eignen Innenwelt. Und im Sinne der jungschen Archetypen wäre noch nicht mal die zeitliche Distanz ein Hindernis für das Unterbewusste, sich Bilder und Mythen nutzbar zu machen, um eine Botschaft gleichzeitig auszudrücken und zu verbergen. Aber was diese alten Völker dargestellt haben, das konnten sie auch sehen: oder fanden es mindestens beschrieben als Kraft, die seelisch wahrnehmbar Einfluss hatte und in der Darstellung ihren Bann erfahren sollte, die Illusion einer Beherrschbarkeit, weil das Phänomen einen Namen hat.

Unsere Bewusstseinswelt hat dennoch ebenso Dinge hinzugewonnen, die unseren Vorfahren nicht in dieser Art zur Verfügung standen.  Das ist vielleicht eine der wichtigsten Steiner-Botschaften: die des sich wandelnden Bewusstseins – sich hineindenken in die andere Bewusstseinswelt vergangener Zeiten, um zu begreifen, wo das Bewusstsein jetzt steht – damit mit Gottes Hilfe das gegenwärtige Tun zum Segen der Zukunft wird.

Wenn Bewusstsein sich wandeln kann – was leicht erfahrbar wird, wenn das Prinzip, das die Historiker in groben, ins Erdgeologische kippenden Zügen beschreiben als Entwicklung verschiedener Homo-Typen (Homo Sapiens, Faber, etc. … ) mit mehr oder weniger präzisen Abgrenzungen, meist anhand eines Kiefer-Knochens, eher als ein Kontinuum aufgefasst wird, eine Entwicklung deren Zeugnisse, wenn wir sie lesen, viel über den Sinn & Glauben der ausführenden KünstlerInnen sagen.

An Steiners Horoskop fällt mir heute auf die Merkur-Neptun Konjunktion in den Fischen und der starke Jupiter im Löwen im Haus 9 des Lehrers.

Mit freundlichen Grüßen,

Markus

* Das sehe ich – Nachtrag 1.12.20112 – heute anders – Jungfrau-Mond bringt die Klarheit ins Werk.

Personen, Poetry

Bertold Brecht

Bertold Brecht, 10. Februar 1898 um 4:30 in Augsburg, aktueller denn je. Es hat nur wenig genützt, dass die Germanisten in den Gymnasien ihre Schüler vor dreißig Jahren mit Brecht erziehen wollten. Heute glauben sie wieder an Propaganda.

Geglaubt wird, wie bräuchten ein Bildungswesen der Auslese und nicht der Förderung. Comic-Strip mäßig wird der Übervater der Selektion – Darwin – gefeiert, als könnte eine Hohlformel sich der Qualität des Lebens auch nur einen Millimeter nähern: „Staub“ denkt darüber nach, wie es wohl dazu kam, dass er per Zufall  darüber nachzudenken in die Lage versetzt wurde, wie lebendig organisierter Staub denken kann.

Sie schauen zu, wie Milliarden und Abermilliarden durch erpresserische Bankenbankrotte für das Gedeihen der Wirtschaft und den Erhalt der Arbeitsplätze „geopfert“ werden, während es in Wirklichkeit nur darum geht, ein System der Weltsklaverei aufrecht zu erhalten, in dem die protektionistisch orientierten Überflussländer die Armen auspressen bis zum letzten Tropfen Wasser, während sie gleichzeitig stetig davor warnen, diese armen Länder könnten ihre Märkte abzuschotten.

Sie wollen uns glauben machen, die armen Bauern in Afganistan wären mit unseren Soldaten zu retten, während offensichtlich der Heroin-Handel durch dunkle Kanäle zur Finanzierung des Krieges auf beiden Seiten dient, und unsere Rüstungsindustrie Familienvätern (und Müttern!) Arbeitsplätze garantiert, die für die Bundeswehr am Hindukush allenfalls ein Nachschubproblem sind.

Weiss machen wollen sie uns auch, dass wir eine Gesundheitsreform brauchen, während doch gleichzeitig die großen Pharmakonzerne von der Krise nichts spüren und offensichtlich die Einzigen sind, die von steigenden Kosten des Gesundheitssystems nichts merken, dafür jedoch jährlich exorbitant steigende Einnahmen zu verbuchen haben.

Wir hätten Demokratie, wie behauptet, doch gleichzeitig verweigert man dem angeblichen Souverän in Europa selbst über seine Verfassung zu entscheiden und dirigiert lieber in endlosen undurchsichtigen bürkratischen Schleifen quasi feudalistisch Macht von oben.

Und sie wollen uns weiss machen, dass es eine Forschung gibt, die Millarden verschlingt, und Jahr für Jahr Abermillionen von Versuchstieren dem Foltertod preisgibt, dass aber dies der Gesundheit von allen dient, und es keinen anderen Weg gibt, endlich von Krankheiten erlöst zu werden.

Dass wir, während wir hier noch nicht einmal unsere Brüder und Schwestern ernähren können, doch Milliarden und Abermilliarden brauchen, um einen Teilchenbeschleuniger zu bauen, mit dem man hofft, die Energie der Sonne zu erzeugen, um letztendlich zu erfahren, ob Materie aus Energie, oder doch nur aus Geist besteht.

brecht

Jupiter-Mond in der Waage (Theater!), Haus des Veröffentlichens, Neptun, Herr des Schreib-Hauses 3 im Feld der praktischen Arbeit …

Bertold Brecht

Notwendigkeit der Propaganda


1

Es ist möglich, daß in unserem Land nicht alles so geht, wie es gehen sollte.
Aber niemand kann bezweifeln, daß die Propaganda gut ist.
Selbst Hungernde müssen zugeben
Daß der Minister für Ernährung gut redet.

2

Als das Regime an einem einzigen Tage
Tausend Menschen erschlagen ließ, ohne
Untersuchung noch Gerichtsurteil

Pries der Propagandaminister die unendliche Geduld des Führers
Der mit der Schlächterei so lange gewartet
Und die Schurken mit Gütern und Ehrenstellen überhäuft hatte
In einer so meisterlichen Rede, daß
An diesem Tage nicht nur die Verwandten der Opfer
Sondern auch die Schlächter selber weinten.

3

Und als an einem andern Tage das größte Luftschiff des Reiches
In Flammen aufging, weil man es mit entzündbarem Gas gefüllt hatte
Um das nicht entzündbare für Kriegszwecke zu sparen
Versprach der Luftfahrtminister vor den Särgen der Umgekommenen
Daß er sich nicht werde entmutigen lassen, worauf
Sich lauter Beifall erhob. Selbst aus den Särgen
Soll Händeklatschen gekommen sein.

4

Und wie meisterhaft ist die Propaganda
Für den Abfall und für das Buch des Führers!
Jedermann wird dazu gebracht, das Buch des Führers aufzulesen
Wo immer es herumliegt.
Um das Lumpensammeln zu propagieren, hat der gewaltige Göring
Sich als den größten Lumpensammler aller Zeiten erklärt und
Um die Lumpen unterzubringen, mitten in der Reichshauptstadt
Einen Palast gebaut
Der selber so groß wie eine Stadt ist

5

Ein guter Propagandist
Macht aus einem Misthaufen einen Ausflugsort.
Wenn kein Fett da ist, beweist er
Daß eine schlanke Taille jeden Mann verschönt.
Tausende, die ihn von den Autostraßen reden hören
Freuen sich, als ob sie Autos hätten.
Auf die Gräber der Verhungerten und Gefallenen
Pflanzt er Lorbeerbüsche. Aber lange bevor es soweit war
Sprach er vom Frieden, wenn die Kanonen vorbeirollten.

6

Nur durch vortreffliche Propaganda gelang es
Millionen davon zu überzeugen
Daß der Aufbau der Wehrmacht ein Werk des Friedens bedeutet
Jeder neue Tank eine Friedenstaube ist
Und jedes neue Regiment ein neuer Beweis
Der Friedensliebe.

7

Allerdings: vermögen gute Reden auch viel
So vermögen sie doch nicht alles. Manchen
Hat man schon sagen hören: schade
Daß das Wort Fleisch allein noch nicht sättigt, und schade
Daß das Wort Anzug so wenig warm hält.
Wenn der Planminister eine Lobrede auf das neue Edelgespinst hält
Darf es nicht dabei regnen, sonst
Stehen seine Zuhörer im Hemd da.

8

Und noch etwas macht ein wenig bedenklich
Über den Zweck der Propaganda: je mehr es in unserem Land Propaganda
Desto weniger gibt es sonst.

Personen, Poetry

Lord Byron

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Lord Byron, 22. Januar 1788 um 14:00 in London (United Kingdom):

lord-byronAda Lovelace war seine Tochter, 10. Dezember 1815 um 1:00 PM in London (United Kingdom) unten:

„Ada Lovelace was bled to death at the age of 36 by her physicians, who were trying to treat her uterine cancer. She perished at the same age as her father and from the same cause: medicinal bloodletting. She left two sons and a daughter, Lady Anne Blunt, famous in her own right as a traveler in the Middle East and a breeder of Arabian horses, co-founder of the Crabbet Arabian Stud.“

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Anne Isabella Milbanke, die Mutter von Ada, 17. Mai 1792 in Seaham, steuerte ihren Widder-Mond dazu bei …

Im Zentrum dieses Posts steht also gar nicht das Geburtstags-Kind, schon wieder ein Pluto-Wassermann-Mensch, der als Steigerung seines unstillbaren Lebenshungers sogar militärisch in den Freiheitskampf der Griechen gegen die Türken zog, und dabei von einem Fieber und wahrscheinlich kurpfuscherischem Adelass zur Unzeit, siehe oben, sein Leben lassen mußte, sondern seine Tochter, in deren Horoskop Mutter und Vater so wunderbar deutlich als Mond im Widder (die Mutter auch Mond im Widder) hat, und mit dem Vater, den sie nie gekannt hat, Saturn im Wassermann teilt. Solche Entsprechungen – ich kann das hier nicht oft genug betonen – sind in der Astrologie nicht selten, sondern die Regel. Freilich immer individuell variiert!

Written after Swimming from Sestos to Abydos

If, in the month of dark December,
Leander, who was nightly wont
(What maid will not the tale remember?)
To cross thy stream, broad Hellespont!

If, when the wintry tempest roared,
He sped to Hero, nothing loath,
And thus of old thy current poured,
Fair Venus! how I pity both!

For me, degenerate modern wretch,
Though in the genial month of May,
My dripping limbs I faintly stretch,
And think I’ve done a feat today.

But since he crossed the rapid tide,
According to the doubtful story,
To woo -and -Lord knows what beside,
And swam for Love, as I for Glory;

sestus

‚Twere hard to say who fared the best:
Sad mortals! thus the gods still plague you!
He lost his labour, I my jest;
For he was drowned, and I’ve the ague.

Das ganze Gedicht mag ich nicht übersetzen, denn englische Gedichte zu übersetzen ist ohnehin vermessen, diese Sprache läßt wunderbar dichten und Lord Byron war einer der wirklich guten Dichter, ein Großer, wasn`t he? Aber er schwamm auch längere Strecken, wo die Einheimischen sich vielleicht an die Stirn tippten, und meinten: „Die spinnen, die Briten“. Die Hellenen werden das jedoch von Lord Byron nicht sagen: für sie ist er ein Held. In seinem Gedicht scheint auch das Motiv durch: klassische Bildung und Renaissance des Hellenentums. Ob jener „ague“, der Schüttelfrost nach der Anstrengung, ihn umgebracht hat letztlich, bezweifle ich. Sicher ist astrologisch, dass es sich um die zweite Mondknotenwiederkehr handelte, die er nicht mehr erleben sollte. In Venedig soll Lord Byron damit geprahlt haben, 250 Frauen und sich selbst glücklich gemacht zu haben (ob da nicht noch weitere Nachkommen sind?), und verbürgt ist außerdem sein Durchschwimmen des Canal Grande der Länge nach. Schauen wir uns ganz oben sein Horoskop an, finden wir Neptun in Haus 5 in der Waage! Dieser hält ein gewaltiges Trigon mit den anderen Luftzeichen, und hält die Spannung zum gesamten Horoskop. Man beachte auch den Mond im Krebs und das Haus 10 in den Fischen (eingeschlossen zwar, jedoch liegt wohl keine ganz genaue Zeit vor, 14:00 ist wohl gerundet): so einer muß kreativ schwimmen und dichten!

Personen, Poetry

Michel de Montaigne

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Bleiben wir noch ein wenig in dem Thema mit Pluto im Wassermann. Eine Runde vorher, also vor der Zeit der französischen Revolution (siehe gestriger Artikel) lebte Michel de Montaigne, 28 Februar 1533 um 11:30 AM in Chateau de St. Michel Frankreich:

montaigne

Berühmt und bekannt wurde de Montaigne nicht als Politiker oder Bürgermeister von Bordeaux – Würden und Ämter die er bekleidete – sondern durch seine Essays: eine Sammlung von Schriften, an denen er sein ganzes Leben lang feilte und verbesserte, und die auch heute noch eine Fundgrube tiefster Weisheit sind, ein ganzer Dachspeicher voller geistiger Schätze. Dabei stand er inmitten fürchterlicher Kämpfe seiner Zeit, Religionskriegen und wechselnden Allianzen und den Thron. Hier geht es ihm ebenso, wie Alphonse de Larmartine, unserem Pluto in Wassermann-Menschen von gestern. Auch Tycho de Brahe, ein paar Posts weiter unten, hatte den Pluto im Wassermann und gehörte also der selben Generation an, wie Montaigne.  Pluto ist  also der, der die Generationenfolge bestimmt, meine ich.

Ein „Pionier im Kampf um die Toleranz“, wird er genannt, ein „Dichter der Freiheit und Intelligenz.“ (Jean Lacouture)

Klingt das nicht nach Pluto im Wassermann? Und gar noch verbunden mit dem Mars, dem Inneren Krieger auf dem Feld der Intelligenz und des Geistes? Auffallend: fast alle Planeten in der Taghälfte. Die sind ihm also bewußt zugänglich, bis auf den Jupiter, der ihn dann auch praktisch (Haus 6) als Bürgermeister und Königsmacher in die erfolgreiche Pflicht genommen hat.

Richtig: die Sonne ist seit heut im Wassermann, im Zeichen des Jünglings! Und prompt wird Obama zum Präsidenten vereidigt: das timing stimmt also, schließlich ist er Wassermann-AC.

Liz Greene bringt den Wassermann klugerweise nicht nur mit Uranus und Saturn in Verbindung, sondern auch mit Prometheus: „Prometheus ist der kosmische Vertreter des sozialen Impulses, dessen Raub des Feuers aus den Händen des Zeus zum Wohle der Menschen eine Geisteshaltung verkörpert, die sich nicht mit dem Instinktleben zufrieden gibt, sondern immer noch weiter nach Vervollkommnung und Erleuchtung strebt.“ (Aus Schicksal und Astrologie, Chiron-Verlag, 2007 „Die Familie im Spiegel des Horoskops“, das bisher tiefste und ernsthafteste Buch dieser genialen Prosa-Stilistin und Astrologin).

Um einen neuen „Raub des Feuers“ wird es auch ganz Prometheus-gemäß in Amerika gehen, denn Energiegewinnung ist dem Feuer gleichzusetzen, das wir den Göttern stehlen. Wir brauchen, so der amerikanische Essayist Friedmann im aktuellen SPIEGEL eine grüne Revolution; zu Recht verlacht er die Europäer mit ihrer kalkulierten Rabattmarkenzählerei, um das Klima zu retten: „Dann gnade euch Gott!“

Es gibt ja die Sitte, dass der scheidende Präsident seinem Nachfolger einen handgeschriebenen Zettel in der Schublade hinterläßt. Ich würde einen Aphorismus von Montaigne für angemessen halten:

„Es gibt nur ein Zeichen für Weisheit:
gute Laune, die anhält …“

und vielleicht diesen noch:

„Das Meisterstück eines Menschen, auf das er besonders stolz sein kann, ist, sinnvoll zu leben; alles übrige, wie regieren, Schätze sammeln, Bauten errichten, sind Nebensachen.“

Wer noch mehr Lust und Zeit hat, den Wassermann-Merkur dieser Fische-Sonne schätzen zu lernen (und voller Faszination starre ich auch auf seinen Neptun in den Fischen!) kann sich auch hier noch lohnend durchlesen:

„In meiner Jugend hat es mich oft geärgert, sehen zu müssen, daß in den italienischen Komödien ein Schulmeister, dort pedante genannt, stets als dummer August dargestellt wurde und daß hierzulande der Titel Magister kaum von ehrenvollerer Bedeutung war; hätte ich mich denn, da ich den Lehrern ja zur Erziehung und Aufsicht anvertraut war, mit weniger begnügen dürfen, als eifersüchtig über ihr Ansehen zu wachen? Ich versuchte deshalb, sie mit dem natürlichen Mißverhältnis zu entschuldigen, wie es nun einmal zwischen dem gemeinen Volk und Männern von ungewöhnlicher, überragender Urteilskraft und Bildung bestehe, weil beider Wege völlig entgegengesetzt verliefen. Mein Latein ging mir aber plötzlich aus, als ich bemerkte, daß die Verachtung der Schulmeister gerade bei den gebildetsten Männern am größten war – unser guter Du Bellay mag als Zeuge hierfür dienen: Der Pedanten Wissen ist, da vorgefaßt, mehr als alles andre mir verhaßt. Dabei handelt es sich um eine antike Überlieferung, denn schon Plutarch sagt, Grieche und Schulgelehrter seien bei den Römern Wörter der Ablehnung gewesen, ja der Verachtung. Mit zunehmendem Alter habe ich dann gefunden, daß dies völlig ins Schwarze traf und tatsächlich die Gelehrtesten nicht die Gescheitesten sind. Wie es aber dazu kommen kann, daß eine an Kenntnis so vieler Dinge reiche Seele hiervon nicht aufgeweckter und lebendiger wird und ein gemeiner und dumpfer Geist die Gedanken und Urteile der hellsten Köpfe, die es auf der Welt je gegeben hat, in sich zu beherbergen vermag, ohne etwas daraus zu lernen und sich zu läutern, ist mir nach wie vor ein Rätsel. Eine junge Dame, die erste unserer Prinzessinnen, sagte mir, als sie auf eine bestimmte Person zu sprechen kam, wer so viele große und denkstarke fremde Gehirne in sich aufnehmen wolle, müsse zwangsläufig das eigene verengen, zusammenziehen und verkleinern, um den anderen Platz zu machen. Ich wäre fast geneigt, dem zuzustimmen und zu sagen: Wie die Pflanzen an zu viel Nässe eingehen und die Lampen an zu viel Öl ersticken, kommt auch die Tätigkeit des Geistes durch zu viel Studium und Stoffhuberei zum Erliegen, weil er, von der ungeheuren Vielfalt der Dinge bis zur Verwirrung in Anspruch genommen, die Fähigkeit verliert, sich hiervon wieder freizumachen, so daß er unter der Last schließlich krumm und schief wird. In Wirklichkeit jedoch verhält es sich anders, denn unsere Seele weitet sich um so mehr, je mehr sie in sich aufnimmt, und aus den Beispielen des Altertums kann man ersehn, daß gerade umgekehrt die zur Führung der öffentlichen Angelegenheiten fähigen Männer, die großen Feldherrn und die großen Berater der Staatsmänner zugleich bedeutende Gelehrte waren. Was aber diejenigen Philosophen betrifft die sich jeder öffentlichen Beschäftigung enthielten, so wurden wie die Schulmeister auch sie zuweilen durch die ihre Narrenfreiheit nutzenden Komödiendichter der damaligen Zeit der Verachtung preisgegeben, weil sie sich mit ihren Auffassungen und ihrem Verhalten in der Tat lächerlich machten. Wollt ihr, heißt es bei Platon, daß sie über die Rechtslage in einem Prozess oder die Handlungen eines Menschen ihr Urteil abgeben? Sie tun’s, nichts lieber als das! Sie werden gleich noch untersuchen wollen, ob es überhaupt Leben, ob es Bewegung gebe, ob der Mensch sich vom Ochsen unterscheide, wie man Handeln und Leiden zu definieren habe und was für Wundertiere Gesetz und Gerechtigkeit seien. Ganz gleich, ob sie von oder zu einer Amtsperson sprechen, stets nehmen sie sich dabei ungebührliche und flegelhafte Freiheiten heraus. Hören sie, daß man einen König oder ihren eignen Fürsten preist, so ist er für sie nur ein Schafhirt, faul wie ein Schafhirt und ausschließlich damit beschäftigt, seine Herde zu melken und zu scheren, noch viel rücksichtsloser aber als ein Schafhirt. Findet ihr einen größer, weil er zwei Morgen Land besitzt? Gewohnt, die ganze Welt als ihren Besitz zu umfangen, können sie hierüber nur lachen. Rühmt ihr euch eures Adels, weil ihr sieben reiche Ahnherrn vorweisen könnt? Da schauen sie erst recht auf euch herab, denn offenbar wisst ihr euch keinen Begriff vom allumfassenden Wesen der Natur zu machen und vermögt nicht zu sehen, wie viele Vorfahren jeder von uns gehabt hat: Könige und Knechte, Reiche und Arme, Griechen und Barbaren; und wärt ihr der fünfzigste Nachfahr von Herkules, würden sie euch nur für eitel halten, wenn ihr ein solches Geschenk Fortunas ins Feld führtet. So wurden diese Philosophen der Antike vom gemeinen Volk als anmaßende und überhebliche Menschen verachtet, weil sie von den wichtigsten, nämlich alltäglichen Dingen keine Ahnung hätten. Aber das Bild, wie es Platon von ihnen zeichnet, ist weit davon entfernt, auf unsere Schulgelehrten zuzutreffen. Jene standen in Missgunst, weil man sie als dem gewöhnlichen Dasein Enthobene ansah, die jede öffentliche Tätigkeit gering schätzten und ein nach so veralteten wie hochgestochnen Grundsätzen geregeltes, nicht nachvollziehbares Privatleben führten. Diese hingegen verachtet man, weil man sie als unter das gewöhnliche Dasein Gesunkene ansieht, die zur Übernahme öffentlicher Aufgaben unfähig seien und mit ihrem nichtswürdigen Leben und Treiben noch hinter dem gemeinen Volk zurückblieben. Philosophisch reden, doch das Handeln lassen – solche Menschen finde ich fürwahr zum Hassen. Die anderen Philosophen der Antike jedoch waren, wie gesagt, nicht nur groß im Wissen, sondern größer noch in all ihrem Handeln. Von Archimedes, dem Syrakusischen Geometer, berichtet man folgendes: Als er eines Tages aus seinen tiefsinnigen Berechnungen weggeholt wurde, auf daß er davon etwas zur Verteidigung seines Landes in die Praxis umsetze, stellte er prompt ungeheuerliche Maschinen her und erzielte mit ihnen Wirkungen, die alle menschliche Vorstellung übertrafen; dennoch fand er selber solch handwerkliche Tätigkeit verächtlich, weil er meinte, damit die Würde seiner Kunst erniedrigt zu haben, für die seine Apparate nichts als Versuchsobjekte und Spielsachen seien. Genauso verhielt es sich mit jenen Philosophen: Wenn sie gelegentlich ihr Denken durch Handeln beglaubigen sollten, sah man sie einen derartigen Höhenflug nehmen, daß offenbar wurde, wie sehr die Erkenntnis der Dinge ihnen Herz und Seele auf wunderbare Weise geweitet und bereichert hatte. Manche freilich zogen sich, da sie die Zitadelle der politischen Macht von Unfähigen eingenommen sahen, daraus zurück. Als Krates gefragt wurde, wie lange man Philosophie treiben solle, antwortete er: »So lange, bis unsre Heere nicht mehr von Eseltreibern angeführt werden.« Heraklit trat die Königsherrschaft seinem Bruder ab, und den Ephesern, die ihn vorwurfsvoll fragten, warum er statt dessen seine Zeit damit verbringe, vorm Tempel mit Kindern zu spielen, stellte er die Gegenfrage: »Ist das denn nicht besser, als in eurer Gesellschaft die Staatsgeschäfte zu führen?« Diese Philosophen, deren Gedanken hoch über der Welt und ihren Glücksgütern schwebten, fanden Richterstühle und eben selbst Königsthrone niedrig und verachtenswert. So schlug Empedokles die ihm von den Agrigentinern angebotene Königsherrschaft aus; und weil Thales manchmal das Streben nach gewinnträchtigem Wirtschaften geißelte, warf man ihm vor, er verhalte sich wie der Fuchs in der Fabel zu den ihm unerreichbaren Trauben. Da packte ihn die Lust, spaßeshalber den Gegenbeweis anzutreten; zu diesem Zweck würdigte er seine Gelehrsamkeit zur Dienstmagd für die Mehrung von Hab und Gut herab und zog ein Geschäft auf, das ihm in einem einzigen Jahr so große Reichtümer einbrachte, wie sie selbst die in diesem Metier Erfahrensten in ihrem ganzen Leben kaum hätten anhäufen können. Aristoteles berichtet, manche hätten Thales, Anaxagoras und ihresgleichen, weil ihnen die einträglichsten Dinge kaum der Mühe wert gewesen seien, weise, aber nicht lebensklug genannt. Das aber kann (davon abgesehen, daß ich den Unterschied zwischen beiden Worten nicht recht zu begreifen vermag) unseren Schulmeistern keineswegs zur Entschuldigung dienen: Wenn man sieht, welch niedriges, armseliges Los sie in ihrer Unbedarftheit hinnehmen, hätten wir eher Anlass, ihnen beides abzusprechen – sie also weder weise noch lebensklug zu nennen. Jene erste Erklärungsmöglichkeit, nach der die Abstumpfung der Schulmeister von zu viel Studium und Stoffhuberei kommen könnte, lasse ich also fallen und glaube, es ist zutreffender zu sagen, daß sie von ihrer falschen Weise kommt, sich mit den Wissenschaften zu befassen, und daß man sich bei der Art, auf die wir unterrichtet werden, gar nicht zu wundern braucht, wenn weder Lernende noch Lehrer dabei gescheiter werden, sondern allenfalls gelehrter. In Wahrheit zielen Sorge und Aufwand der Väter bei uns auf nichts anderes ab, als den Kopf der Kinder mit Bücherschränken zu möblieren; von Urteilskraft und Tugend hingegen kaum ein Wort! Macht unsere Leute einmal auf einen Passanten mit dem Ruf »Seht, was für ein Gelehrter!« aufmerksam, auf einen andern aber mit dem Ruf »Seht, was für ein Ehrenmann!«, und unfehlbar werden sie Augen und Achtung dem ersten zuwenden. Da müßte ein dritter Ruf ihnen selbst gelten: »Was für Holzköpfe ihr seid!« Meistens fragen wir ja- »Kann er Griechisch oder Latein? Schreibt er Verse oder Prosa?« Ob er dadurch aber besser oder verständiger geworden sei, wäre doch das Wichtigste – und ebendas bleibt auf der Strecke. Erkundigen sollte man sich deshalb, wer das bessere, und nicht, wer das größte Wissen habe. Wir arbeiten ausschließlich daran, unser Gedächtnis vollzustopfen, -Verstand und Gewissen jedoch lassen wir leer. Wie die Vögel zur Brutzeit auf der Suche nach Körnern ausfliegen, die sie dann, ohne sie zu kosten, im Schnabel herbeitragen, um ihre Jungen damit zu füttern, klauben und klauen auch unsre Pedanten unaufhörlich ihr Wissen aus Büchern zusammen, nehmen es aber nur mit gespitzten Lippen auf und spucken es zudem gleich wieder in den Wind. (Überrascht muß ich plötzlich feststellen, wie sehr ich für solche Torheit selber ein Beispiel bin. Tue ich denn im größten Teil dieser Arbeit nicht genau das gleiche? Ich stibitze mir hier und da aus anderen Büchern die mir gefallenden Sentenzen, nicht um sie im Gedächtnis zu speichern, denn ich habe keinen Gedächtnisspeicher, sondern um sie in mein Werk einzubringen, wo sie mir wahrhaftig kein bißchen mehr gehören als an ihrem ersten Platz. Wir sind, davon bin ich überzeugt, Wissende nur des heutigen Wissens, des vergangenen jedoch ebensowenig wie des künftigen.) Das Schlimmste ist, daß auf diese Weise das Wissen unsrer Schulmeister auch ihren Nestlingen und Schülern nicht zum inneren Wachstum und Gedeihen dienen kann, da sie ihrerseits das Erlernte lediglich von Hand zu Hand weiterreichen – zu dem einzigen Zweck, damit zu prahlen und anderen zur Unterhaltung etwas vorzuschwätzen: Wertloses Klimpergeld, zu nichts zu gebrauchen denn zum Zählen und als Spielmarken. Mit anderen zu reden, haben sie gelernt, mit sich selber, nicht. Doch nicht zu reden gilt es, sondern das Steuer zu führen. Die Natur läßt, um zu zeigen, daß nichts Gestaltloses aus ihren Händen kommt, Völker von niedrigster Schulbildung oft geistige Schöpfungen hervorbringen, die es mit den höchsten Werken von Kunst und Wissenschaft aufnehmen können. Wie köstlich illustriert doch das Gascognische Sprichwort „Bouhaprou bouba, mas a remuda lous ditz qu’em“, worauf ich hinauswill: Feste blasen, das klappt, nur mit dem Fingerspiel hapert’s! (Es ist einem Schalmeienlied entnommen.) »So sagt Cicero«, »Dies ist die Ethik Platons«, »Aristoteles behauptet wortwörtlich« – all das kommt uns leicht über die Lippen. Aber wir, was sagen wir denn selbst? Wie urteilen wir selbst? Wie handeln wir selbst? Ein Papagei würde ebensogut daherreden. Unser Verhalten erinnert mich an jenen reichen Römer, der keine Kosten gescheut hatte, für jedes Wissensgebiet Fachleute in seine Dienste zu nehmen; sie mußten ständig um ihn sein, denn sie sollten, wenn sich ihm in der Unterhaltung mit seinen Freunden Gelegenheit zu einer Äußerung über dieses oder jenes Thema bot, sofort für ihn einspringen und ihm bald ein bestimmtes Argument, bald einen Vers von Homer liefern können, jeder aus seinem Jagdrevier. So wähnte er, dieses Wissen sei, da er es im Kopf seiner Leute habe, sein eignes. Das gleiche tun jene, die ihre prächtigen Bibliotheken für sich denken lassen. Ich kenne einen, der jedesmal, wenn ich etwas von ihm wissen will, ein Buch von mir verlangt, um mir die Antwort darin zu zeigen; und wenn er die Krätze im Hintern hätte, würde er sich nicht getrauen, mir das zu sagen, ohne vorher im Lexikon nachzusehen, was Krätze ist, und was Hintern. Wir nehmen die Meinungen und das Wissen anderer in Obhut, das ist alles. Es gilt aber, sie uns anzueignen. Wir gleichen insoweit einem Mann, der, wenn er Feuer brauchte, es sich bei seinem Nachbarn holen ginge und nun, da er dort ein schönes, großes brennen sähe, zum Aufwärmen daran sitzen bliebe und hierüber ganz vergäße, ein Stück Glut nach Hause zu tragen. Was nützt es, uns den Wanst vollzuschlagen, wenn wir’s nicht verdauen? Wenn die Speisen sich in uns nicht transformieren? Wenn sie uns nicht größer und stärker machen? Meinen wir denn, daß Lukullus, den nicht eigene Erfahrung, sondern das Lesen literarischer Werke zum großen Heerführer ausbildete, diese nach unserer Art aufgenommen habe? Wir verlassen uns derart auf die Kraft anderer Arme, daß wir die unsren entkräften. Will ich mich gegen die Todesfurcht rüsten? Gewiß – mit der Rüstung Senecas! Suche ich Trost für mich oder jemand anders? Rasch ist er von Cicero. Geborgt! Wäre ich aber darin eingeübt worden, hätte ich ,ihn aus mir selbst geschöpft. Dieses erschnorrte, aus zweiter Hand stammende Bescheidwissen liebe ich nicht. Auch wenn uns die Gelehrsamkeit anderer gelehrt machen sollte Weise sein können wir nur durch unsre eigene Weisheit. Den Weisen find‘ ich hassenswert, der Weisheit nicht sich selber lehrt….// Nichts weiß der Weise, wenn er nicht mit Fleiß, durch Weisheit selber sich zu läutern weiß…// …wenn haltlos er nach Mammon giert, und feige wie ein Lamm sich führt. Es ist nicht damit getan, uns Weisheit zu erwerben, wir müssen uns ihrer auch bedienen.“

„Essai Buch I – Über die Schulmeisterei – Erster Teil“

Personen, Poetry

Schnee

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Schneeflocken sind ziemlich eigenartige Gebilde. „Neben den astronomischen Untersuchungen verfasste Kepler einen Aufsatz zur Symmetrie von Schneeflocken. Er entdeckte, dass natürliche Kräfte – nicht nur in Schneeflocken – das Wachstum regulärer geometrischer Strukturen bewirken. Konkret bemerkte er, dass zwar jede Schneeflocke ein einzigartiges Gebilde ist, andererseits Schneeflocken bei einer Drehung um jeweils 60 Grad ihr Aussehen behalten (sechszählige Symmetrie).“  (Zitat aus Wikipedia)

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Über Schneeflocken, wie und warum sie entstehen, weiß man heute ebensowenig, wie über „Schwarze Löcher“. Man kann also ungefähr angeben, unter welchen Temperaturbedingungen sie entstehen, hat aber nicht die geringste Ahnung, warum eigentlich. Und vor allem: warum niemals eine Schneeflocke der anderen zu gleichen scheint. Für uns Astrologen, und damit auch für Johannes Kepler (27. Dezember 1571 um 14:37 in Weil Der Stadt):

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… waren die Schneekristalle vor allem deshalb von Bedeutung, weil sie für ihn mikrokosmisch wiederspiegelten, was er an makrokosmischen Rhythmen der Planeten erlebte. Er sah dieselben Strukturen im Himmel und in der Kristallbildung. Dies wird freilich nur dem ersichtlich, der den Lauf der Planeten über längere Zeit beobachtet und dann aufzeichnet. Es sind die Kardinalpunkte, die, miteinander verbunden, jene Figuren ergeben, die stark an die Schneekristalle erinnern. Kardinalpunkte sind Konjunktionen, Oppositionen, Trigone und Quadrate. Also genau die Punkte, die für uns in der Astrologie von großer Bedeutung sind.

An Keplers Horoskop beeindruckt mich persönlich vor allem seine Jupiter-Pluto Konjunktion. Sie liegt an der Spitze zum Haus 11 und erklärt – dies ist im geistigen Quadranten – wunderbar seine gewaltige Wirkung mit Echo durch die Zeit hindurch.

Gerne würde man man von naturwissenschaftlicher und rosenkreuzerischer Seite her Kepler zum Pflichtastrologen machen, der nur widerwillig und gegen Geld Horoskope erstellt hat. Und in der Tat, es ist ein Ringen um den Gegenstand in seinem Werk bemerkbar. Doch dieses Ringen finden wir bereits 1550 Jahre früher bei Claudius Ptolemäus.

Betrachten wir jedoch die Schneeflocken, so macht es Sinn, wenn wir bei dem heiligen Gefühl, das ihr Sinken und die Stille hervorruft, die mit ihrem Auftreten einhergeht, uns auch erfüllt mit der tiefen Verbundenheit zu allem Lebendigen und den bislang unentdeckten Weisheiten des Lebens, die sich auch im Horoskop lesen lassen. Denn auffallend ist das schon: wie diese Schneeflocken dem Horoskop mit seiner Häuseraufteilung gleichen, nur dass es sechs statt zwölf sind. Vielleicht sollten wir mit einem sechs-Häuser Horoskop experimentieren?

Fotos, Poetry

Das seltsame Geschenk

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Foto Markus Termin ©

 

 

 

 

Das seltsame Geschenk

 

 

 

Sabine findet in der Butterdose

Eine blaue Unterhose.

Na sowas?“ Hat doch wenig Sinn,

Ist ja noch keine Butter drin!

 

 

Dann gibt es noch ein Buch,

Und das ist schon genug.

All diese Dinge reimen sich nich´ richtig,

Ein richt´ger Reim ist kostenpflichtig.

 

 

Und dennoch liegt in dieser Gabe

Zum hochheiligen Weihnachtstage

Ein ziemlich tiefer Sinn.

Denn bald ist in der Hose die Sabine,

Und in der Dose Butter drin.

copyright Markus Termin

Fotos, Poetry

Der Froschkönig

Nürnberg 00:16 – Merkur ist an der Spitze meines zehnten Hauses angekommen, gleich purzeln mir die Worte in die Feder:

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Das Jahr fällt aus dem Rahmen

Und mit ihm steige ich.

Die Tage tragen Namen

Gedanken sind ein Strich.

Zeit wird mehr und gleicher

zum Gegenwartsbereicher,

froschküssende Damen:

sie wissen:

wohin wir gehn,

sie ahnen,

woher wir kamen.

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Geschichte, Personen, Poetry, Weltbild

Neptun-Uranus Rezeption

erde-und-neptunFotomontage: NASA

“ … als Le Verrier damals die Bahn des Uranus untersucht hat, hat er auch festgestellt, dass Neptun sich nicht so bewegt, wie es die Gravitationstheorie vorhersagen würde. Das bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass die Theorie falsch war. Sondern nur, dass da etwas war, dass man vorher noch nicht kannte und dessen Einfluss man deswegen auch nicht berücksichtigen konnte. In diesem Fall war das der Planet Neptun. Genau so war es mit der dunklen Materie. Die Astronomen können „sehen“ dass sie da ist – eben weil sie (auch wenn sie nicht leuchtet) gravitativ wirkt. Und diese gravitative Wirkung macht sich in der Bewegung der sichtbaren Sterne bemerkbar.“

So schreibt Dr. Florian Freistetter am 4.12.08 in seinem Sience-Blog. Nun müssen wir anfügen, dass jenes kleine Wörtchen „… war es mit der dunklen Materie …“ nicht zutreffend ist, sondern man forscht diesbezüglich, und abgesehen von einer großen Unwägbarkeit und einer Vermutung gibt es gar nichts. Solche Täuschungen sind jedoch typisch für das astrologische Wirken des Neptun.

Wirklich interessant ist, dass Neptuns Entdeckung aufgrund der Abweichungen von Uranus Umlaufbahn von zwei Mathematikern zeitgleich und unabhängig voneinander vorbereitet wurde. Gesichtet wurde Neptun wohl am 23. November 1846. Da stand er wie heute im Wassermann und pflegte eine Konjunktion zu Saturn, als hätte er den gebraucht, um in die Welt der festen Dinge hineinzukommen. (Wir kennen Neptun also noch keinen Umlauf lang durch den Tierkreis, und werden dies am 3. Mai 2009 zum ersten Mal erleben!) Die beiden Mathematiker, die damals die Vorarbeit zur Sichtung leisteten, hießen Urban Le Verrier, geboren am 11. März 1811 um 10:00 AM in Saint-Lô, Frankreich:

leverrier_l11

le-verrier… und John Coach Adams (geb, 5. Juni 1819 in Leneast, Cornwall, GB). Wir können erkennen, dass Neptun zur Zeit seiner Entdeckung (Wassermann 25.20°) im Haus 10 von Le Verrier stand, und dazu im genauen Quadrat zu Jupiter im 12. Haus im Stier: dem Unendlichen Substanz (Jupiter, Stier, 12) geben, und dabei Wissen und Bewußtsein erweitern, allerdings in Form eines kollektiven Wettstreits. Dabei zeigt sein Geburtsbild, genau wie zur Entdeckung des Planeten Neptun, ebenfalls eine Konjunktion Neptun-Saturn.

Zeitgleiche Entdeckungen sind in der Wissenschaft keine Seltenheit. Das Periodensystem der Chemie selbst wurde 1869 nahezu gleichzeitig und unabhängig voneinander von Dmitri Ivanovitch Mendeleiev, 8. Februar 1834 in Tobolsk, Russland und Julius Lothar von Meyer (19. August 1830, Oldenburg) begründet. Ähnliches wird von der Entdeckung des Aids-Virus berichtet. Luc Montagnier (geboren am 18. August 1932 um 2:00 AM in Chabris, Frankreich) und Robert Gallo (geb. 23. März 1937 in Waterbury, CN) USA entdeckten das Virus zeitgleich.

Der Zusammenhang zwischen allen drei Entdeckungen (Virus, Chemie, Planet selbst) ist astrologisch als Neptun-Zuordnung eindeutig klassifiziert (das Penicillin könnte man auch noch benennen, doch da ist die Geschichte uneindeutig).

Merkwürdig genug sind diese „Zwillingsentdeckungen“, die von rein materiell denkenden naiven Realisten (als Denkrichtung, nicht als Beleidigung gemeint!) dem Zufall zugerechnet werden. Uns Astrologen ist dies – das scheinbar Zufällige – und weit mehr Forschungsmaterie. Interessant und bedeutungsvoll ist auch das Horoskop des Uranus Entdeckers William Herschel, welches ich in unterer Grafik mit seinem Todestag in ein Synastriebild kombiniert habe (zum Vergrößern zwei mal draufklicken):

herschel-todestag

William Herschel, geb. am 15. November 1738 in Hannover, gest. am 25 August 1822 Sough

herschel-bild

Abgesehen davon, dass dieses Portrait optisch den Skorpion reinsten Wassers zeigt (Waage-AC scheint mir auch möglich), bietet das Horoskop seines Todeszeitpunkts die gradgenaue Konjunktion von Uranus zu Uranus Radix, eben jenes Planeten, den er entdeckt hat. Herschel wurde genau so alt, wie der von ihm entdeckte Planet Uranus für einen Umlauf braucht. Und auch die Neptun Korrelation zeigt sich im Horoskop, nämlich durch eine Opposition des laufenden Neptun zum Geburtsneptun. Was jedoch nicht verwunderlich ist, weil die beiden Planeten rhythmisch miteinander „tanzen“. Den Krebs-AC habe ich auf die rhythmische Auslösung (nach Döbereiner) seines Uranus erstellt, reine Spekulation, aber doch auch Forschung. Man/frau beachte auch die gradgenaue Mondknoten-Opposition zum Todestag.

Kommen wir zurück auf den Anfang unseres Posts, wo ein Astronom, Dr. Freistetter, versucht, die Neptun-Entdeckung anlog zur „Entdeckung“ der „dunklen Materie“ (Spekulation) zu setzen. Wer so etwas macht, wird dabei – wen wunderts – von Neptun beeinflußt, das bedeutet verwirrt. Denn Neptun ist astrologisch nicht nur Chemie, Viren, der Schleier und positiv der Regenbogen, sondern auch die Täuschung! Mit Herr Dr. Freistetter ist nun freilich nicht gut Kirschen essen. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Esoterik zu bekämpfen. Sprechen wir jedoch von „dunkler Materie“, so sprechen wir von geschätzten 95% des gemessenen und gewogenen Universums! Abgesehen davon, dass das wirklich sehr spekulativ ist, müssen wir auch feststellen, dass ein Fehlerquotient von 95% wohl oder übel den kosmologischen Rechnungen zugrunde liegen muss, nach denen eben gerade die Existenz der sogenannten „dunklen Materie“ als Hypthese postuliert wird. Dies freilich kommt Naturwissenschaftlern mit der Hoffnung auf CERN-Ergebnisse nicht mehr selbstkritisch zu Sinn, weshalb sie einen erstaunlich großen Teil ihrer Zeit dem Kampf gegen die „Esoterik“ widmen. Auch glauben Sie, die quantenphysikalischen Messungen schon verstanden zu haben, und lassen sich gern zu einem jovialen Ton herab, wenn sie mitbekommen, dass man nicht in ihrem Sujet promoviert hat. Allein, dass namhafte Vertreter ihres eigenen Faches dies anders sehen, wird verdrängt:

„Viele Physiker hofften, dass die Welt in gewissem Sinne doch klassisch sei – jedenfalls frei von Kuriositäten wie großen Objekten an zwei Orten zugleich, doch solche Hoffnungen werden durch eine Serie neuer Experimente zunichte gemacht“, sagte der dieses Jahr verstorbene Physiker und Nobelpreisträger John Archibald Wheeler.

„Unsere Gedanken, unser Wille, Bewusstsein und Empfindungen weisen Eigenschaften auf, die als Merkmale des Geistigen bezeichnet werden können. Damit sind Intentionalität, Nicht-Lokalität, Nicht-Kopierbarkeit, Nicht-Kommunizierbarkeit usw. gemeint. Der Geist ist also im wahrsten Sinne »nicht zu fassen«. Geistiges lässt keine direkte Wechselwirkung mit den bekannten naturwissenschaftlichen Grundkräften – wie Gravitation, elektromagnetischen Kräften etc. – erkennen. Auf der anderen Seite aber entsprechen diese Eigenschaften des Geistigen haargenau denjenigen Charakteristika, die die äußerst rätselhaften und wunderlichen Erscheinungen der Quantenwelt auszeichnen“,

so schreibt Dr. Christian Hellweg, der praktischerweise Physik und Medizin studiert hat, und vielleicht etwas tiefer blicken kann. Und Dr. Hans-Peter Dürr, der ehemalige Leiter des Max-Planck-Instituts für Physik in München …

“ … vertritt heute die Auffassung, dass der Dualismus kleinster Teilchen nicht auf die subatomare Welt beschränkt, sondern vielmehr allgegenwärtig ist. Mit anderen Worten: Der Dualismus zwischen Körper und Seele ist für ihn ebenso real wie der “Welle-Korpuskel-Dualismus” kleinster Teilchen. Seiner Auffassung nach existiert ein universeller Quantencode, in der die lebende und tote Materie eingebunden ist. Dieser Quantencode soll sich über den gesamten Kosmos erstrecken.“ (Readers Edition)

All diese Dinge sind astrologisch gesehen Neptun-Phänomene: das Nicht-Wissen, ob es sich um Welle oder Teilchen handelt, die Veränderung der Ortsbestimmung von Photonen allein durch Beobachtung, Nicht-Lokalität, ect. Und dass sie so sehr in den Vordergrund rücken, mag der anhaltenden Neptun-Uranus Rezeption geschuldet sein (einer im Zeichen des anderen), die wie eine Durchdringung und Verstärkung wirkt.

Wir können uns darauf vorbereiten, wenn unsere Physiker endlich den objektiven Beweis ihrer Grenzen gefunden (bzw. begriffen) haben werden, ihnen freundlich und interessiert zur Seite zu stehen mit den erstaunlichen und fast unerforschten Tiefen der Astrologie und des Bewußtseins. Wir wissen als Astrologen sogar, wann dies sein wird: wenn „Butter bei die Fische geht“, also 2012 ff., wenn Neptun in die Fische geht!