Personen, Poetry

Rainer Maria Rilke

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4. Dezember 1875 um 23:50 PM in Prag

rilke

Daraus, daß einer dich einmal gewollt hat…

Daraus, daß einer dich einmal gewollt hat,
weiß ich, daß wir dich wollen dürfen.
Wenn wir auch alle Tiefen verwürfen:
wenn ein Gebirge Gold hat
und keiner mehr es ergraben mag,
trägt es einmal der Fluß zutag,
der in die Stille der Steine greift,
der vollen.

Auch wenn wir nicht wollen:
Gott reift.

R.M. Rilke

Dies ist das achte Gedicht aus dem „Buch vom mönchischem Leben“, 1899. Es ist Teil einer Kompilation, die Rilke „Das Stundenbuch“ nannte, und schon dies allein verpflichtet mich, dem großen Dichter zu huldigen. Ich komme etwas zu spät für den Jubilar, aber immer noch steht die Sonne im Schützen, also laut indianischer Astrologie im Zeichen der Eule. Zum Wassermann-Mond sagt Oskar Adler ein paar eulenweise Worte: „Es entsteht so das Bild eines Menschen, der zeitlebens in dem Glauben befangen ist, vor allen anderen ausgezeichnet und etwas danz und gar einmaliges zu sein, aber nicht begreift, um wessentwillen er eigentlich diese Auszeichnung genießt.“ „Mit Mond in Wassermann ist man entweder die unverstandene Frau, oder der verkannte Mann.“ Wenden wir diese Zeilen auf obiges Gedicht an, so begreifen wir schnell, dass einfache Psychologie beim Genie an eine Aussagegrenze stößt. Denn das Unverstandene und Unverständliche, das Einzigartige, das Hervorgehobene ist hier, wie bei allen Rilke Gedichten in Worte gegossen, die es eben doch – dies das tiefe Geheimnis der poetry (um nicht „Poesie“ zu sagen) verständlich ist, und zwar so sehr, dass Rilkes Gedichte gleich denen des nicht minder genialen Hölderlin sogar über kurz oder lang absolut praktische und brauchbare Wegweiser für den einzigen Weg, den es sich zu gehen lohnt, sind: den Weg der Seele zu sich selbst. Sein Wassermann-Mond wird ihn auch an Lou Andreas-Salome gebunden haben (12. Feb. 1861 St. Petersburg), eine Wassermann-Frau mit unendlich offenem Fische-Mond. Lou Albert-Lasard, Skorpion mit wahrscheinlich Schütze-Mond (10. November 1885 in Metz) hatte, wie Rilke, eine Steinbock-Venus. Warum er sich vom Namen Lou angezogen fühlte, hab ich noch nicht rausgefunden. Ob es mit der verstorbenen Schwester zu tun hatte? Dass sich der Dichter in der bohème heimisch fühlte, zeigt uns die Lilith in vierten Haus. Und seine Unstetigkeit bei der Wohnortwahl mag dem Trigon von Uranus und Sonne geschuldet sein. Bei einem Dichter muß ich wohl nicht eigens auf Jupiter und Merkur in Haus 3, dem des Schreibens und der Intelligenz hinweisen?

Fotos, Poetry

Jupiter-Saturn-Tier

Nürnberg 22:09 – das Kamel ist ein Jupiter-Saturn Tier. Mir ist das sofort einsichtig. Zweifelt jemand?

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Foto Markus Termin ©

Spruch 50 aus dem Thomas Evangelium:

Jesus sprach:

„Wenn sie euch sagen:

‚Wo kommt ihr her?‘,

sagt zu ihnen:

‚Wir sind aus dem Licht gekommen,

dem Ort,

wo das Licht aus sich selbst heraus

geworden ist.

Es entstand

und wurde in unserem Bilde manifest.‘

Wenn sie euch sagen:

‚(Wer) seid ihr?‘, sagt:

‚Wir sind seine Söhne,

und wir sind die

vom lebendigen Vater erwählten.‘

Wenn sie euch fragen:

‚was ist das Zeichen

eures Vaters an euch?‘,

sagt ihnen:

‚Es ist, in einem,

Bewegung und Ruhe.'“‚

Personen, Poetry

Hölderlin

Foto Markus Termin ©

Nürnberg 23:01 – Friedrich Hölderlin wurde am 20. März 1770 um 23:59 PM in Lauffen am Neckar geboren. Von ihm stammen die Sätze: „Was bleibt aber stiften die Dichter“ und „Wo Gefahr ist, da wächst das Rettende auch.“ Es gibt einen Biographen, der sagt, Hölderlin sei gar nicht wahnsinnig geworden. Ich stimme solchen Vermutungen grundsätzlich zu. Warum Hölderlins Horoskop hier interessiert, ist nicht sein Fische-Merkur oder sein Jupiter im Schützen, sondern der Pluto im Steinbock. Da können wir doch wirklich was lernen!

Die Liebe

Wenn ihr Freunde vergeßt, wenn ihr die Euern all
O ihr Dankbaren, sie, euere Dichter schmäht,
Gott vergeb‘ es, doch ehret
Nur die Seele der Liebenden.
Denn o saget, wo lebt menschliches Leben sonst
Da die knechtische jetzt alles, die Sorge zwingt?
Darum wandelt der Gott auch
Sorglos über dem Haupt uns längst.

Doch, wie immer das Jahr kalt und gesanglos ist
Zur beschiedenen Zeit, aber aus weißem Feld
Grüne Halme doch sprossen
Und ein einsamer Vogel singt,

Und sich mählich der Wald dehnet, der Strom sich regt,
Schon die mildere Luft leise von Mittag weht
Zur erlesenen Stunde,
So ein Zeichen der schönern Zeit,

Die wir glauben, erwächst einziggenügsam noch,
Einzig edel und fromm über dem ehernen,
Wilden Boden die Liebe,
Gottes Tochter, von ihm allein.

Sei gesegnet, o sei, himmlische Pflanze, mir
Mit Gesange gepflegt, wenn des ätherischen
Nektars Kräfte dich nähren,
Und der schöpfrische Strahl dich reift.

Wachs und werde zum Wald! eine beseeltere,
Vollentblühende Welt! Sprache der Liebenden
Sei die Sprache des Landes,
Ihre Seele der Laut des Volks!

Poetry, Weltbild

Nachtschatten

Nürnberg 20:51 – Solanum Nigrum, schwarzer Nachtschatten: schwarz wegen seiner schwarz werdenden Beeren (auf der Abbildung sind sie noch grün, also unreif, wird in vielen Kulturen medizinisch verwendet.

Das während der Blütezeit gesammelte und getrocknete Kraut wird in der Volksheilkunde als Medizin gegen Magen- und Blasenkrämpfe und Keuchhusten eingesetzt, eine äußerliche Anwendung wird bei Ekzemen, nässenden Flechten, Juckreiz, Hämorrhoiden, Schrunden, Prellungen und Abszessen empfohlen. In der Homöopathie wird die gesamte, frische, blühende Pflanze bei Erkrankungen des Zentralnervensystems eingesetzt.

Durch das Vorkommen von Solanin und anderen Alkaloiden, vor allem in den unreifen Früchten, werden immer wieder Vergiftungen beschrieben. Bei Kleinkindern ist zum Teil auch der eigentlich geringe Solaningehalt reifer Früchte ausreichend, um Vergiftungserscheinungen hervorzurufen. Die Symptome können dabei Erbrechen, Durchfall, Atembeschwerden, erhöhte Herzfrequenz und Nierenreizung sein. Zudem treten Angstzustände, Krämpfe und Lähmungen auf, ebenso ein Ansteigen der Körpertemperatur mit anschließendem Abfallen unter den Normalwert. Bei starken Vergiftungen tritt der Tod durch Lähmung des zentralen Atemsystems ein.“ (Wikipedia)

„Die Römer nannten die Pflanze solanum, von lateinisch sol, „Sonne“, und solatium „Trostmittel, Linderungsmittel“. Etymolgisch korrekt ist Solanum also ein Licht bringendes Trostmittel (nach Rätsch, Liebesmittel, S. 513). Der germanische Name „Nachtschatten“ nimmt Bezug auf eine im Volksmund „Nachtschaden“ genannte Krankheit, die sich in nächtlicher Unruhe, Schweißausbrüchen und Albträumen äußert. „Die Pflanze Nachtschaden (nicht Nachtschatten) ist diejenigen, welche gegen die Krankheit hilft …“ (Rätsch/Höfler; ebenda)

Fotos Markus Termin ©

Dem Prinzip der Homöopathie entsprechend, kann die Pflanze gegen genau dieselben Beschwerden eingesetzt werden, die sie hervorruft. Natürlich ist solches von mutigen Forschern im Selbstversuch bereits oft erprobt worden, und sie fanden heraus, dass die Wirkung um so größer sein kann, je geringer die Dosis – also weit unter der chemischen Nachweisgrenze. Nun gibt es Menschen, die haben zwar kein Problem damit, über den Rand des Universums (und darüber hinaus!) zu gucken, von „Dunkler Materie“ zu fabeln und uns das Märchen von der Zeitdilatation zu erzählen, doch die Idee, dass eine Sache ihre Wirksamkeit noch steigern sollte, wenn die Verdünnung materiell unauffindbar gering ist, kommt ihnen absurder vor, wie ihr mathematisches Spiegelkabinett. Nachtschattengewächse sind auch der Stechapfel, die Tomate, Kartoffel und Chili, die Engelstrompete und der Korkbaum, und ebenso das Bilsenkraut, welches unserem Pilsener Bier den Namen gab (weil´s früher drin war), und last not least der Tabak. All diese Pflanzen haben zwar oft völlig unterschiedliche Blüten, aber bemerkenswert ähnliche Blätter. Der Zusammenhang mit den kosmischen Kräften kann vor allem in der Blütenform erkannt werden. Sie gleicht nicht von ungefähr dem Venus-Pentagramm:

Diese Form einer rhythmischen Figur ist nicht ohne weiteres am Himmel sichtbar. Sie bedarf einer Beobachtung von ca. 8 Jahren. Es stellt die achtjährige Periode der fünf oberen und unteren Konjunktionen der Venus mit der Sonne dar. Doch auch die Winkelbildung von 144° zwischen Saturn und Jupiter bildet nach fünf Jupiterumläufen eine Petagrammstellung des Saturn (immer geozentrisch gesehen).

Wie an Leonardo da Vincis Menschenbild leicht zu erkennen, sind wir selbst auch nach einem solchen rhythmischen Prinzip gebaut. Lilly ordnet die Nachtschattengewächse dem Saturn zu. Doch nach Meinung anderer sind sie Saturn-Venus Gewächse. Schließlich gehören sie in viele Aphrodisiaka und Hexenflugsalben. Beim Stechapfel z.B. könnte die Differenz zwischen den Astma lindernden, doch frisch geradezu stinkenden Blättern (Saturn) und den süßlich unglaublich intensiv duftenden Blüten (Venus) nicht größer sein. Auch den Eichbaum, den Salbei und das Kümmelgewürz ordnet Lilly dem Saturn zu. Wir sehen, dass es tatsächlich Sphären gibt, die ihre Gestaltkraft sehr konkret auf die Erde „übersetzen“, „projizieren“, oder besser, die sich untrennbar in eines mit den irdischen Kräften zum Ausdruck ihrer Lebewesen verbinden. Wer davon eine Ahnung hat, der stellt nicht mehr die Frage nach der Möglichkeit oder Unmöglichkeit der Einflussnahme von Planeten auf das menschliche Leben, denn ihm käme diese Frage vor, wie die eines Schwimmers im Wasser, der fragte, was denn, um Himmels Willen H²O sei? Vorsicht vor dem Gebrauch dieser Pflanzen. Sie sind in großen Dosen gefährlich, und was eine kleine Dosis ist, ist unbekannt. Keinesfalls will dieser Post zum Gebrauch verbotener Mittel auffordern!

Poetry, Weltbild

Zauberlehrlinge

Nürnberg 18:56 – „Wir arbeiten seit hundert Jahren mit der Relativitätstheorie und der Quantenmechanik – aber seit 20 Jahren stecken wir fest“, sagt im SPIEGEL der Physiker Jürgen Schukraft, der am CERN arbeitet, wo man nun anfängt, die Monstermaschine langsam hochzufahren. Immer wieder wird davon gesprochen, dass es ja so schauerlich schwer sei, moderne Physik zu verstehen. Ist es eigentlich nicht. Das Problem ist die sprachliche Kompetenz der Physiker, und natürlich die Irrationalität, die sie in Formeln gepresst haben, nach denen ihrer Meinung nach die Welt funktioniert, wie jenes Zwillingsparadoxon, wonach zwei Zwillinge unterschiedlich schnell altern würden, je nach Geschwindigkeit, mit der ihre Raumschiffe im All unterwegs wären. Freilich läßt solcher Wahnsinn sie nicht nach Fehlern im System suchen, sondern sie sind begeistert von ihrem Hokuspokus. Um die dimensionale Verschachtelung zu erklären, wird auch immer wieder gern auf eine Scheibenwelterklärung zurückgegriffen, um uns weiszumachen, es gäbe x-Dimensionen, wenn wir nur bereit wären, dass Modell einer zwei-dimensionalen Welt als Analogieschluß zu akzeptieren. Diese Dinge sind alle jedoch hoch töricht, und machen Physik kompliziert, weil man sich ähnlich betrogen fühlt, wie beim Hütchentrick, von dem dies auch gar nicht weit entfernt ist. Der Betrug ist jedoch so fundamental, dass man meint, all diese Genies hätten es ja selbst merken müssen. Der springende Punkt ist dabei die Zeit, die nun mal keine physikalische Größe ist, und erst durch eine angeblich fixe und konstante Lichtgeschwindigkeit in diesen Status erhoben wird. Um aber die Lichtgeschwindigkeit zu definieren, die erst wieder Raum und Zeit definiert, werden sowohl Raum als auch Zeit von vornherein vorausgesetzt. Hier zieht sich Münchhausen am eigenen Schopf aus dem Sumpf. Das potentiell Unendliche bedient sich der Mathematik zum Zweck seiner Begrenzung. Das Wesen, welches erkennbar wird, ist ein mathematisches, das Universum wird statt physikalisch mathematisch. Unzweifelhaft bringen jedoch diese mathematischen Formeln Ergebnisse von dinglicher Qualität hervor, die die Gültigkeit des Systems zu bestätigen scheinen, und so vergißt man leicht – ein Handy funktioniert ja, und es scheint ihm egal, ob mit Welle oder Teilchen, das Feld ist überall und läßt sich mit quantenphysikalischen Formeln berechnen – dass es nur Bilder der Wirklichkeit sind, derer man anhand von mathematischen Zauberformeln habhaft geworden ist. Diese Formeln sind jedoch viel älter, als die Quantenphysik. Sie haben einen Geist, der in ihnen steckt, wie der Geist in der Flasche, und dieser bringt auch die Gewalt der Kernexplosion hervor, wenn er entfesselt wird. Fragen Sie mal einen Mathematiker, und sei´s einen Oxford geprüften, was Zahlen eigentlich sind? Er wird sich über Sie lustig machen, denn er kennt die Antwort nicht, und findet es allenfalls höchst verwunderlich, wie man solche Fragen stellen kann. Dennoch aber ist es so: dass diese Systeme vor Urzeiten, als man sie als göttliche Offenbarung erträumte, mit magischer Kraft geladen wurden, und diese Kraft auch von ihnen ausgeübt wird.

Der Versuch am CERN ist denkbar einfach. Man läßt ein paar Teilchen mit einer Geschwindigkeit, die fast der Lichtgeschwindigkeit (oder dem, was man dafür hält) entspricht, aufeinander prallen. Nun sollte man denken: klar: prallen zwei Autos aufeinander, und sie haben eine Geschwindigkeit von 100 km pro Stunde dann ist die Aufprallgeschwindigkeit 200 km pro Stunde. Nicht so bei Lichtgeschwindigkeit! Denn sie soll ja schon die schnellste denkbare sein, läßt man hier Teilchen kollidieren, muß was anderes dabei rauskommen, als noch mehr Geschwindigkeit: da muß sich die Raumzeit selbst verändern! Wir sehen also, was hier für Zauberlehrlinge am Werk sind. Derweil feiert man in Genf – es sind Angestellte des CERN – mit viel Bier „Weltuntergangspartys“, was selbst der Spiegel makaber findet. Andere Wissenschaftler berichten, dass ja auch bei der Entwicklung der Atombombe der Weltenbrand befürchtet wurde, der ja dann nicht eingetreten sei, als lebten wir seitdem nicht in permanenter Angst, dass irgendein Wahnsinniger auf den roten Knopf drückt. Heisenberg, dem Mitbegründer der Quantenphysik selbst (05. Dezember, 04:45 in Würzburg), geboren unter der königlichen Konjunktion von Saturn und Jupiter im Steinbock, war zunächst mal Hitlers Atombombenentwickler. Jetzt bekommt er posthum den Pluto in den Steinbock:

Der Zauberlehrling

Hat der alte Hexenmeister
Sich doch einmal wegbegeben!
Und nun sollen seine Geister
Auch nach meinem Willen leben.
Seine Wort und Werke
Merkt ich und den Brauch,
Und mit Geistesstärke
Tu ich Wunder auch.
Walle! walle
Manche Strecke,
Daß, zum Zwecke,
Wasser fließe
Und mit reichem, vollem Schwalle
Zu dem Bade sich ergieße.

Und nun komm, du alter Besen,
Nimm die schlechten Lumpenhüllen!
Bist schon lange Knecht gewesen:
Nun erfülle meinen Willen!
Auf zwei Beinen stehe,
Oben sei ein Kopf,
Eile nun und gehe
Mit dem Wassertopf!
Walle! walle
Manche Strecke,
Daß, zum Zwecke,
Wasser fließe
Und mit reichem, vollem Schwalle
Zu dem Bade sich ergieße.

Seht, er läuft zum Ufer nieder;
Wahrlich! ist schon an dem Flusse,
Und mit Blitzesschnelle wieder
Ist er hier mit raschem Gusse.
Schon zum zweiten Male!
Wie das Becken schwillt!
Wie sich jede Schale
Voll mit Wasser füllt!
Stehe! stehe!
Denn wir haben
Deiner Gaben
Vollgemessen! –
Ach, ich merk es! Wehe! wehe!
Hab ich doch das Wort vergessen!

Ach, das Wort, worauf am Ende
Er das wird, was er gewesen.
Ach, er läuft und bringt behende!
Wärst du doch der alte Besen!
Immer neue Güsse
Bringt er schnell herein,
Ach! und hundert Flüsse
Stürzen auf mich ein!
Nein, nicht länger
Kann ich’s lassen;
Will ihn fassen.
Das ist Tücke!
Ach, nun wird mir immer bänger!
Welche Miene! welche Blicke!

O du Ausgeburt der Hölle!
Soll das ganze Haus ersaufen?
Seh ich über jede Schwelle
Doch schon Wasserströme laufen.
Ein verruchter Besen,
Der nicht hören will!
Stock, der du gewesen,
Steh doch wieder still!
Willst’s am Ende
Gar nicht lassen?
Will dich fassen,
Will dich halten
Und das alte Holz behende
Mit dem scharfen Beile spalten.

Seht, da kommt er schleppend wieder!
Wie ich mich nur auf dich werfe,
Gleich, o Kobold, liegst du nieder;
Krachend trifft die glatte Schärfe.
Wahrlich! brav getroffen!
Seht, er ist entzwei!
Und nun kann ich hoffen,
Und ich atme frei!
Wehe! wehe!
Beide Teile
Stehn in Eile
Schon als Knechte
Völlig fertig in die Höhe!
Helft mir, ach! ihr hohen Mächte!

Und sie laufen! Naß und nässer
Wird’s im Saal und auf den Stufen.
Welch entsetzliches Gewässer!
Herr und Meister! hör mich rufen! –
Ach, da kommt der Meister!
Herr, die Not ist groß!
Die ich rief, die Geister,
Werd ich nun nicht los.
In die Ecke,
Besen! Besen!
Seid’s gewesen.
Denn als Geister
Ruft euch nur, zu seinem Zwecke,
Erst hervor der alte Meister.

Johann Wolfgang von Goethe

Poetry, Weltbild

Astrologie in Griechenland

Nürnberg 18:32 – Hermes hat viele Ausdrucksformen, und eine davon ist schlicht die kantige Säule. Man kann dies an Wegkreuzungen und Grenzsteinen sehen, die nichts anderes, als stilisierte „Hermen“ sind, Zeichen, die dem Gott des Handels und der Handelswege entsprechen.Herme (ἕρμα herma) bezeichnet in der antiken Kunst einen Pfeilerschaft mit aufgesetztem Kopf, als Kultbild des bärtigen Wegegottes Hermes. Die obere Mini-Säule stammt sogar aus Griechenland. Sie ist aus weißem Marmor, und ich hab sie dort, auf der Insel Samothrake, es ist ein paar Jahre her, am Strand gefunden. Nun hatte ich, verbunden mit unterem Stundenbild, folgende Idee (zwei mal anklicken, dann wird´s groß und klar):


Es gibt auf Korfu einen ‚Club‘, der sich Ouranos nennt. Dort war ich noch nicht, aber sie haben ein schönes Seminarhaus. Mein Gedanke war: ich biete ihnen Astrologiekurse für ihre Gäste an, und sie gewähren mir für diesen Vorteil, den sie dann haben, freie Kost und Logis und vielleicht noch was oben drauf. Doch so ist es nicht angelegt: naiv, wie ich wohl zu sein scheine, habe ich nicht bedacht, dass man natürlich den schönen Seminarraum an Leute wie mich gegen Geld zu vermieten gedenkt, und es wohl als besonderen Service betrachtet, dass die eventuellen Kursteilnehmer gleich im Club wohnen können; vielleicht ist das Haus ja sowieso immer ausgebucht, so daß man sich um attraktive Kurs-Angebote nicht weiter bemühen muß? Obiges Stundenbild gibt die Situation wieder: ich selbst bin Jupiter, denn Schütze steigt auf. Merkur und Venus bilden im Haus 9 eine gerade voll werdende Konjunktion. Doch diese beiden und mein Einkommen (Saturn) sind im Haus 9 in der Jungfrau eingeschlossen, und also von der Sonne abhängig, die klar an der Spitze zu Haus 9 steht. Es gibt eine positive, zunehmende Verbindung zwischen Jupiter und Saturn, die am Dienstag, den 9. September exakt wird, genau an dem Tag, wenn Jupiter wieder direkt geht. Daher rechne ich damit, dass doch irgendwas zustandekommt, das mein, wenn auch karges (Saturn) Einkommen begünstigt, und zumindest mit dieser Idee zusammenhängt. Merkur gibt mir dazu jedoch keinen Anlass, und er ist der Herr von Haus sieben, in diesem Fall mein Verhandlungspartner. Statt zu hoffen, hätte ich mir lieber das Stundenbild angucken müssen. Mit Zwillinge im Haus 7 haben die anderen Glück, während ich mit Schütze am AC an Aufbruch denke. Der Glückspunkt im Haus des Einkommens meiner Verhandlungspartner gibt ihnen auch Recht. Dass Ihr Einkommen durch meinen Wunsch, oder vielleicht sogar meine Gefühle mit bestimmt würde, sieht man dem Mond an, der das Haus 8 regiert, und relativ stark in einem Eck-Haus, in Haus vier steht. Mars, Dispositor vom Mond, steht oben in der Himmelsmitte, aber noch in Haus 9 und hat keine Zukunftsaspekte; später wird er ein Quadrat zu Jupiter bilden; hat also keinen Zweck, zu verhandeln, obwohl Mars in der Waage zu Verhandlungen aufgelegt ist. Was mich ermutigt, zumindest an der Idee dranzubleiben, ist das Trigon zwischen Jupiter und Saturn. Denn Saturn in der Jungfrau ist geradezu archetypisch für Griechenland, dem beide Zeichen zugeordnet werden. Vielleicht hat jemand von euch Verbindungen nach Hellas? Was mir vorschwebt sind forschende Kurse, nicht nur einmal, sondern jedes Jahr, vielleicht sogar ein Zentrum für Astrologie. Mit Himmelsbeobachtung und viel Muße. Der Herme unten fehlt übrigens der Phallos, den die Athener Frauen in einer Nacht- und Nebelaktion als Protest gegen einen hasardeurhaften Kriegszug ihrer Männer abschlugen, welcher Feldzug denn 413 v. Chr. auch mit einer vernichtenden Niederlage der Athener endete. 7000 Athener wurden gefangen genommen und mussten in den Steinbrüchen von Syrakus schuften, ganz zu schweigen von denen, die auf der Strecke blieben.

Mundan, Poetry, Weltbild

Gründungshoroskop von Baghdad

Nürnberg 17:59 – Mashalla und Naubakht hießen die beiden Astrologen des Kalifen Abu Ja’far Al-Mansur, die die Gründung der Stadt als sogenannte Elektion genau berechneten, und zwar für den 2. August 762 p. Chr. um 09:40 vormittags:

Ohne Zweifel werden die beiden, denen eine ganzes Team von Schülern zur Seite stand, dabei an den Wohlstand der Stadt und des Kalifen gedacht haben: Venus regiert nicht nur das Zeichen im Aufstieg, den sogenannten Aszendenten, sondern auch das zweite Haus, Besitz und Substanz. Dabei steht sie noch in der Himmelsmitte und ist sehr weit von der Sonne entfernt, so daß sie in ihrem diamantenen Glühen als Morgenstern dem Sonnenaufgang voraus schon sichtbar war und Glück verhieß, wenn der Kalif sich das erste mal an diesem Tag gen Mekka wandte. Er selbst ist natürlich die Sonne im Löwen im Haus 11, dem der Gönner und Freunde, auch seinem eigenen Besitz, denn das Haus 11 ist der Besitz des Königs. Und Jupiter im eigenen Zeichen Schütze im dritten Haus, also dem Bereich, wo es um die Geltung dessen, was das zweite Haus verspricht, geht, könnte besser nicht stehen, denn er bildet den Jupiter-Aspekt, das Trigon zur Sonne. Perfekte Arbeit! Mond-Pluto zweites Haus im Skorpion – : mit magischen Mittel ans Geld kommen, werter Kalif-Storch! – Und auch das Volk ist der Mond und hilft also mindestens mit guten Wünschen. Den Regeln der Kunst entsprechend landet Saturn im achten Haus, dem Besitz der anderen, denen man nichts gönnen braucht, und irgendwo muß Saturn – Ninurta, wie er bei den Babyloniern hieß – ja stehen, bzw. laufen. Und die Konjunktion des Uranus mit Saturn gibt auch kund, dass der Besitz der anderen ganz schön gestaut und geschleudert wird, wie es jetzt den Amerikanern geht, seitdem sie in der Stadt „in Immobilien investieren“; Verzeihung den Sarkasmus, er ist unangebracht, ich geb´s zu. Nun erfährt aber die stolze Löwe-Sonne von Baghdad die Auswirkungen der Sonnenfinsternis von gestern. Und nicht nur die „abergläubischen Chinesen waren fest davon überzeugt“, wie die Neue Zürcher von heute schreibt, „dass eine sichtbare totale Sonenfinsternis Unheil ankündige und oft das Ende einer Kaiserdynastie einläute.“ Und „Feng-Shui-Meister aus Hongkong erklärten noch letzte Woche, wegen der Sonnenfinsternis vom Freitag sei an den Olympischen Sommerspielen zumindest mit kleineren Turbulenzen zu rechnen.“ Nun müssen wir schauen, wie sich das auf die Machthaber in Peking auswirkt. Es muß aber nicht immer ein Unglück sein, wenn eine Herrscher-Dynastie ihren Abgang findet, auch wenn es das früher meist war. Denn ruhige Zeiten waren gute Zeiten für´s Volk. Und wer regiert in Baghdad? Sind die Amerikaner noch Haus 7, also die Feinde, die Anderen, oder haben sie sich an die Sonnen-Position gestellt? Insofern erlaubt es diese Sonnenfinsternis für Baghdad eine Veränderung der Herrschaft vorauszusagen, und Obama, der seine Sonne ein paar Grad vor dem Sonnenfinsternisgrad hat, denn er ist am 4. August geboren, bekommt wahrscheinlich die Autorität, dies durchzuführen.

Poetry

Der Weiße Elefant (im 12. Haus)

Nürnberg 22:02

Der Weiße Elefant

Es folgt mir doch durch`s ganze Land

Ein ziemlich großer Elefant.

Dreh ich mich um

Und schau ins Leere; – ??

Obgleich mir´s ist,

Als ob da eben noch was wäre?


Schon zweifle ich mir am Verstand,

Fata Morgana – Wüstensand:

Des Wahngebilds bleinere Schwere,

Da steht er dort: – und: – frisst!

Der Retter: – meiner Ehre!


Er dreht sich – : um.

Im Rüsssel den Schlüssel:

Der Weisheit!

„Wie ist“, frag ich, „der Stand?

Sind von großen Geheimnissen welche bekannt?“

Fortsetzung folgt! Text und Bild © Markus Termin

Poetry, Weltbild

Der Glückspunkt

Liebe Leserinnen und Leser,

Nürnberg 13:50 – die ganzen Wolken, die sich vor den Alpen stauen, machen so einen Wassermenschen wie mich morgens doch recht schläfrig (im besten Fall).

Ich glaube, von Nietzsche (15. Okt. 1844 Röcken bei Lützen) stammt der Satz: „Renne deinem Glück nicht hinterher, vielleicht verfolgt es dann ja dich?“

Foto Markus Termin

Käfer sind Merkur-Wesen. Dieser Marienkäfer auf meinem Basilikum sowieso. Der Glückspunkt ist einer der alten arabischen Punkte, den wir einfach noch gern benutzen. Der Glückspunkt, schreibt Lilly, „wirft keine Aspekte, aber Planeten strahlen ihre Aspekte auf ihn.“ Dieser Punkt ist soviele Grade vom Aszendenten enfernt, wie die Sonne vom Mond. „Wird der Glückspunkt an einem Neumond errechnet, so wird dieser am AC liegen“, denn der Abstand zwischen Sonne und Mond sind gering oder null. „Im ersten Viertel im 4. Haus, bei Vollmond im 7. Haus, im letzten Viertel im 10. Haus.“ Besonders günstig steht der Glückspunkt in Konjunktion mit dem Fixstern Regulus. „Jeder Mensch“, schreibt Martin Schulmann, „weiß von Natur aus, dass es irgendwo einen ‚Goldschatz‘ gibt, der ihn am Ende seines Regenbogens erwartet. Um ihn zu erreichen, ist der Mensch bereit, durch die Stürme des Lebens zu gehen, aus denen er als ‚Kapitän seines eigenen Schiffes‘ wieder hervorkommt.“ Alle arabischen Punkte, wie auch der Glückspunkt, sind Konstrukte der Geometrie, aber sie haben Gültigkeit, weil die Geometrie aus der Astrologie hervorgegangen ist. Astrologie ist die Mutter aller Wissenschaften. Doch freilich: der Glückspunkt selbst ist kein eigentlicher Formfaktor im Horoskop! Wird er, siehe oben, bestrahlt, so empfängt er – doch selbst bestrahlt er nicht, denn er ist ja nur die Stelle, wo die Energien anderer Planeten – Sonne und Mond – zusammengeführt wird. Martin Schulmann hat das schönste Buch über den Glückspunkt geschrieben, es ist sehr zu empfehlen, und auch jemand, die/der nicht tiefer in die Astrologie einsteigen will, kann mit einer einfachen Glückspunktastrologie viel erkennen. „Der Glückspunkt symbolisiert die Stelle im Horoskop, an der Sonne und Mond und Aszendent in bester harmonischer Beziehung zueinander stehen und zum besten Vorteil des Menschen ausgedrückt werden können.“

Mit freundlichen Grüßen,

Markus

Poetry, Weltbild

Die Wahrheit tun*

Nürnberg 19:34 Regen, Regen, und wegen der Kälte wollen auch die Blüten nicht lange am Baum bleiben. Dafür bekommen die Aktien Schwung, DAX und Dow Jones. Beim DAX geht die Venus auf den Jupiter zu, der im zweiten Haus steht. Den Dow Jones weiss ich erst, wenn das betreffende Buch kommt von Claudia von Schierstedt. Demnach würde sich der aktuelle Transit von Neptun über DAX-Venus, die das dritte Haus beherrscht, weniger auswirken. Doch die laufende Venus, die ja für Geld steht über dem Jupiter im Haus des Wertes, dabei Jupiter als Herrscher dieses Hauses: das bringt`s wohl! Der Papst ist/war in den USA und hatte dort seinen Auftritt vor der UNO. Wenn ich Papst wäre, würde ich mir einen Sack anziehen, und demonstrativ in einen Orden mit Armutsgelübte eintreten. Warum nur fallen so wenig öffentliche Würdenträger zum Wohle der Menschheit aus der Rolle? Jesus ist auch aus der Rolle gefallen. Ich frage mich aber auch langsam, ob wir nicht selbst etwas tun sollten. Sind alle Wege schon gegangen? Aus dem revolutionären Geist der 70ger Jahre wurde Joschka Fischer. Wir haben gelernt, dass jede Organisationsform ein Problem ist: sie produziert Außenseiter, Leitfiguren und Werte, die letztlich dafür sorgen, dass die Idee, wegen der man ja gerade angetreten war, ins Gegenteil verkehrt wird. Deswegen sagt Lao Tse:

Wenn einer begehrt, das Reich zu nehmen

um an ihm zu tun –

Ich sehe voraus, dass er scheitert,

Denn das Reich ist ein Geist-Gerät:

Es darf an ihm nichts getan werden.

Wer ihm antut, zerstört es;

Wer es festhält, verliert es.

Wenn Lao Tse, der Weise Chinese (möge er den heutigen Chinesen Weisheit schenken!), von Reich spricht, dann meint er durchaus dasselbe, wie Jesus, wenn er vom Himmelreich spricht. Doch es gibt einen Unterschied in der Conclusio: Jesus mischt sich ständig ein. Er sieht, die Pächter des Weinbergs haben den Weinberg mißbraucht. Deswegen ist er gekommen, um das Schwert zu bringen. „Ich werde dieses Haus zerstören und niemand wird es ein weiteres Mal aufbauen können“, wird er im Thomas Evangelium zitiert. Zwischen Lao Tse und Jesus besteht eine große Übereinstimmung hinsichtlich des Reiches: „Wenn ihr euch nicht der Welt enthaltet, werdet ihr das Reich nicht finden …“, doch Jesus Lehre ist so wenig friedlich, wie die Mohameds. Freilich interessiert Jesus nicht das weltliche, er denkt nicht daran, mit Gewalt zu missionieren. Will er überhaupt überzeugen? Für Lao Tse wäre Jesus vielleicht gerade der gewesen, der versucht hätte, etwas „an ihm“, dem Reich zu tun, es also irgendwie zu beeinflussen. Er meinte: im Nicht-tun liegt die Kraft. Use the force, Luc! Soll ich nun neunmalklug meine Meinung dazu sagen? Lao Tse hat Recht. Doch sein Sinn kann nicht ganz gründen, denn auch er tut ja. Was? Er schreibt, er äußert, er sagt. Das ist sogar das eigentliche tun, denn tief betrachtet ist Denken tun. Er ist also in einem Widerspruch gefangen. Er hat Recht, also fehlt ihm das Reich. Jesus ist Recht. Denn er kennt „die Pächter des Weinbergs“, das sind die, denen die Atzteken Opfer brachten. Möge Gott uns erleuchten, das Richtige zu tun. Die Wahrheit tun*.

* Die Wahrheit tun, Titel von Georg Kühlewind