Poetry

Stundenbuch …

Stundenbuch

Die Könige der Welt sind alt…

Die Könige der Welt sind alt
und werden keine Erben haben.
Die Söhne sterben schon als Knaben,
und ihre bleichen Töchter gaben
die kranken Kronen der Gewalt.

Der Pöbel bricht sie klein zu Geld,
der zeitgemäße Herr der Welt
dehnt sie im Feuer zu Maschinen,
die seinem Wollen grollend dienen;
aber das Glück ist nicht mit ihnen.

Das Erz hat Heimweh. Und verlassen
will es die Münzen und die Räder,
die es ein kleines Leben lehren.
Und aus Fabriken und aus Kassen
wird es zurück in das Geäder
der aufgetanen Berge kehren,
die sich verschließen hinter ihm.

Rainer Maria Rilke/Das Stundenbuch/Das Buch der Pilgerschaft

Gerade die letzte Strophe von den „aufgetanen Bergen“ und deren „Geäder“ erinnert sehr an den Klimawandel. Das ganze Gedicht überhaupt an unsere „sinnlose“ Bankenkrise. „Dehnt sie im Feuer zu Maschinen“: ei, wie müssen wir hoffen, dass das bald wieder richtig läuft! Vielleicht nicht, vielleicht lohnt sich ein Innehalten? Die Zeitungen verkünden bereits das tüchtige Anschwellen des US-Verbraucherindex. Der ist dort so wichtig, weil in den USA, anders, als bei uns, zwei Drittel der Wirtschaftskraft in Kosumentenhänden liegt. Warum nicht auch bei uns? Weil das Geld nicht bei den Verbrauchern landet.

Poetry, Weltbild

Lustig: Merkur rückläufig …

IMG_0558Foto Markus Termin ©

Nürnberg, 22:32 – wer den heutigen Post sucht, bitte zwei Eintragungen weiter unten: eine Buchbesprechnung: „Gesetze des Chaos“. Warum dieser Post sich nicht einreihen will, weiß ich nicht … ?

Außerdem aus der Nürnberger Sonntagszeitung:

„Um ein Haar hätten sich die beiden Glückspilze noch in der Lotto-Annahmestelle getroffen: Im Abstand einer Viertelstunde haben zwei Nürnberger sechs Richtige in ein und demselben Lottoladen getippt und damit bei der Samstagsziehung 610 000 Euro gewonnen, wie die Lottoverwaltung in München mitteilte. Mehr noch: Beide tippten auch noch mit den Glückszahlen verstorbener Familienangehöriger“, der eine des Vaters, der andere seiner Frau.

Sowas hatten wir in Franken schon einmal vor ein paar Jahren, doch da knackte ein und dieselbe Person den Jackpot zweimal im Abstand von einigen Jahren.

Eigentlich sind es solche Sachen, die die Menschen davon überzeugen, dass es auch mit den Geheimwissenschaften – der Astrologie –  nicht nur leere Versprechen sind.

Gemäß irgendeinem Gedanken an Wahrscheinlichkeit hätten die beiden oben geschilderten Fälle (rückläufiger Merkur in Zwilling, also doppelt) keine Chance. Es ist schon sehr unwahrscheinlich, im Lotto zu gewinnen, aber dazu noch dieselbe Person zweimal? Falls eine/r von den smarten NaturwissenschaftlerInnen das liest, bitte mal ausrechnen!?

Doch das war`s noch nicht: beide Fälle von Lottogewinn haben genau jenes, was Goethe in seinem Faust so trefflich beschreibt: mephistophelischen Witz. als wäre dahinter ein Spaßmacher, der uns an der Nase herumführen wollte. Der sagt: „Ganz sicher liegt ihr mit eurem Wahrscheinlichkeitsschaisss daneben“ – mir klar, man schreibt Scheiß mit e-i, aber wenn die geneigten LeserInnen das „a“ mitsprechen, wird deutlicher, was ich meine.

Ach so: ja. Es stimmt, ich betreibe private Lottoforschung. Bislang hatte ich drei nennenswerte GewinnerInnen mit einigen tausend Euro, deren Horoskope ich das Glück hatte, untersuchen zu dürfen, und immer waren Haus 5 und 8 äußerst genau (Orbis 1º) involviert. Entweder direkte Venus- oder Jupiterauslösungen mit Mondknotenbeteiligung. Mein eigenes Glücksspielkonto ist – wie immer – ausgeglichen. Was ich investiere, bekomme ich auch zurück. Mal gucken!

Fotos, Mond, Poetry

Geheimnisvolles Flugobjekt!

Nürnberg, 13:21 – Gestern gelang es mir zu unbestimmter Zeit unteres Flugobjekt  zu fotografieren. Es handelt sich um den Mond. Durch die Bewegung während der Aufnahme ist dieser Mond aber langgezogen, und symbolisiert tatsächlich den Ballonkörper eines Zeppelins. Damit ist wieder klar, dass wir aus der Realität Zeichen lesen können, und es ist dabei egal, ob die Zeichen technisch übermittelt werden, in der Wirklichkeit vorkommen oder beides.  Jedenfalls soll uns dieses Bild dazu anregen, weiter über die Ballon-Zeppelin-Fahrrad-Verbindung nachzudenken.

img_0443Foto Marus Termin ©

Geschichte, Poetry, Weltbild

Astrologische Partner-vermittlung

Niemals würde ich zu einer Partnervermittlung gehen! Mein Saturn steht im Wassermann: ich habe edle Prinzipien. Dazu gehört die Magie des Zufalls und des Augenblicks. Als gäbe es ein geheimes Abkommen unter den Menschen: die Liebe muß sich per Zufall ergeben.

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Was ist Zufall? Zufall ist all das, was sich einstellt, sich ergibt, ohne durch eine logische Schlussfolgerung in den Sinnzusammenhang einer praktischen Tätigkeitsabfolge zu passen. Von der Liebe eben erwarten wir, dass sie sich solcherart zufällig ergibt.  Offensichtlich ist das die Sicherheitsschranke, die die Liebe passieren muß, bevor sie in unser Leben darf. Was fürchten wir? Fürchten wir, kontrolliert zu werden, wenn wir nach Vereinbarung handeln? Sobald die Liebe auch nur einen Augenblick alt ist, erwarten wir von der Partnerin/dem Partner sofortige Verlässlichkeit.

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Jetzt darf sich nichts mehr „zufällig“ ereignen.  Doch  muß sich die Liebe zuvor zufällig an allen Regularien des Lebens vorbeischmuggeln, und es wird als Makel ausgelegt, wenn ein Paar öffentlich bekennt, es habe sich durch eine Partnervermittlung kennengelernt. Alles andere halten wir für weniger gültig. Woran liegt das? Wie bekannt, gibt es Länder mit anderen Sitten, die drehen obige Regel geradezu um: Verbindungen kommen dort nur und ausschließlich durch Vermittlung zustande, und die Eheunterhändler sind oft die eigenen Eltern, die mit den Kindern, die verheiratet werden, ihr „Eigentum“ zu bestimmten Bedingungen „verleasen“. Gerade in diesen Ländern – wo Liebe und Tod sehr nahe verbunden sind (Schehezerade in den Märchen „1001 Nacht“ muß den Kalifen während anhaltender Todesdrohung unterhalten) – gedeiht eine traurige Liebesromantik, die sich durch alle Schlager zieht. Wo alle Liebe bedingt ist, leistet man/frau kollektiv Anarchie und lebt in Wahrheit nur in seinen Gefühlen, betrügt, richtet sich sein Leben ein und schmachtet un-be-Dingt nach ausschließlich den reinen Dingen des Herzens, die durch die Braut oder den Bräutigam kommen werden, als hätte es den Handel um materielle Dinge nicht gegeben.

img_0344Fotos Markus Termin ©

Matriarchatsforscher unter den Ethnologen bestätigen außerdem, dass die Ehe mit der traditionellen Mitgift eine alte Form des Zusammenlebens ablöste, in der Frauen im Mittelpunkt ihrer Familie standen und am Rand gab es eine Männergruppe, aus denen Liebhaber, Sakralkönige, Krieger, Bauern, ect. hervorgingen. Es ist geschichtlich, aber Romantik als Sehnsucht nach dem Matriarchat, ist nicht angebracht. Die Gründe, dem nachzuforschen, warum und wie solche Gesellschaften sich ändern mußten, und über welchen Weg sie die Entwicklung bis heute genommen haben, gehört zu den spannendsten Pfaden, die wir in Erkenntnis unserer Zukunft gehen können. Das ist leicht. Wir müssen ja nur unsere eigene Gesellschaft angucken. Lesen wir alte Literatur, so ist bemerkenswert, dass insbesondere in Adelskreisen die Idee des Kinder- Ehehandels bis heute ein gewisses Ansehen genießt, fast als wäre die Staatraison in höheren Kreisen Pflicht und die Herzensdinge der Liebe den armen Menschen vorbehalten. Doch gibt es eben auch in diesen höheren Kreisen besonders beliebte Liebesmythen: –  „Ich und die Prinzessin …“ in 1000 und einer Variation.

Warum sollten man/frau frau/man sich trotzdem einer astrologischen Partnervermittlung anvertrauen?

„Lasse“, sagt Jesus,

„Deine linke Hand nicht wissen, was die rechte tut.“

Poetry

Mithilfe erbeten

Luat eienr Stduie der Cambrdige Unievrstiät seilt es kenie Rlloe in welcehr Reienfogle die Buhcstaen in eniem Wrot vorkmomen, die eingzie whctige Sahce ist, dsas der ertse und der lettze Buhestaen stmimt. Der Rset knan in eienm völilegen Dchrienanedr sein und knan trtozedm prboelmols gelseen wreden.

Ertsuanlcih, nihet? Snehcön Tag!

Das mag stimmen, aber Dennoch bitte ich um Mithilde: wer Schreibfheler entdeckt, bitte in einem kurzen Kommentar schreiben! So kann ich sie optimal korrigieren. Ich arbeite hier nämlich ohne LektorIn und bin für jeden Hinsweis dankbar!

Fotos, Poetry

Die Sonne glänzt …

Nürnberg, 15:03 – “ … und helle Tage gehen vom Himmel abwärts, wo die Tag entstehen“, das ist auch ein Denkspruch für unsere Frage nach der Beziehung von uns zu den anderen, von Haus 1 zu Haus 7. Die Tage entstehen? Umschwung ist in diesen jambischen Zeilen. Muss ein gutes Gedicht einfach sein?

Fotos:  Markus Termin ©

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Der Frühling

Die Sonne glänzt, es blühen die Gefilde,
Die Tage kommen blütenreich und milde,
Der Abend blüht hinzu, und helle Tage gehen
Vom Himmel abwärts, wo die Tag entstehen.

Das Jahr erscheint mit seinen Zeiten
Wie eine Pracht, wo sich Feste verbreiten,
Der Menschen Tätigkeit beginnt mit neuem Ziele,
So sind die Zeichen in der Welt, der Wunder viele.

von Friedrich Hölderlin

Fotos, Poetry, Weltbild

Das Lamm

Auf einem Spaziergang

img_0096Markus Termin ©

Was Schafe für mächtige Tiere sind, habe ich in dem ehrfürchtigen Film über Andy Goldsworthy und seine Land-Art gelernt: Goldsworthy, ständig mit den Händen Material aus der Natur der Disziplin seines Geistes unterwerfend, ohne dabei auf die Vermittlung von Maschinen oder Mechanik angewiesen zu sein, (sieht man einmal von seinem Fotoapparat ab, der die fragilen Eis- Stein- und Blatt-Skulpturen dieses unermüdlichen Bild und Wirklichkeit-Erschaffers immer für alle sichtbar macht und in der Zeit verlangsamt, soweit dies unser Bewußtsein betrifft).

„The shep“, sagt Goldsworthy, is a „mighty animal“ – und verweist wettergerbt über die ebenso grünen wie kurz gefressenen nahezu baumlosen Hochebenen Schottlands. Dermaleinst sei hier Wald gewesen. Die Schafe jedoch prägen die ganze Landschaft.

Schafe gelten als Tiere des Jupiter.

Astrologie Nr. 4:

Wir können uns über dieses Bild nochmal der Ich-Du-Achse annähern. Dem ersten und dem siebten Haus der Astrologie. Was ist überhaupt ein Haus? In der Astrologie ist das unsere Zeit-Raum-Einheit einer Einteilung unseres täglichen Raumens in 12 Doppelstunden. Die Häuser sind nur unterschiedlich groß, weil sie jeweils die selbe Zeiteinheit für unterschiedlich großen Raum beanspruchen, weil jener Planetengürtel, den die Sonne um sich hält, in seiner Bahn geneigt ist, gemessen an der Erdneigung. In Wahrheit ist es also umgekehrt: die Erde ist geneigt. Wo sie im Winkel zu stark geneigt ist, werden die Häuser riesig oder minimal, und an den Polen, wenn die Sonne nicht unter- oder aufgeht, bekommt man diese Häuser sehr abgewandelt, dort gibt es praktisch nur noch zwei Quadranten.

Man kommt vom hundesten ins tausendste! Die „Ich – Du-Achse“ zeigt uns das Horoskop, jenen schönen bunten Kreis, als Raum-Geist Gefüge. Doch dazu müssen wir wirklich erst einmal auf den Himmel gucken! Haben Sie es gemacht? Es ist wirklich nicht nötig, gleich den ganzen Himmel zu kennen. Dazu sollte man sich in einer lichtarmen Region extra Zeit nehmen. Aber mal heut Abend zu sehen, wie leicht es ist, Saturn zu finden, wenn man/frau sich nur am Mond orientiert, und also zu einer bestimmten Zeit – weil wir ja, sie erinnern sich, gestern gesagt haben, Saturn sei so gegen 22:30 zehn Grad vom Mond entfernt – Sie sich vorstellen können, wie räumlich wir selbst wirklich sind.

Vielleicht sollten Sie sogar schon früher gucken, denn 10 Grad ist schon erstaunlich weit weg, und Saturn ist – gemessen am großen Mond, stecknadelkopfgroß. Dies jedoch, haben wir ihn einmal entdeckt, sollte uns zu einer Meditation über die Größe des Sonnensystems veranlassen. In lichtarmen Gebieten, wo man oft die Milchstraße sehen kann, kommt eine weitere notwendige Dimension hinzu. Dimension meint hier: Differenz.

Das „In den Himmel“ gucken ist Ihnen übrigens am jetzigen Punkt gelungen, wenn sie sich anhand des Abstands von Saturn und Mond ein Bild des 360º Kreises als gedachter Gürtel um die Erde vorstellen können. Die Richtung dieses Gürtels – Ekliptik genannt – finden Sie ja in der Linie Saturn-Mond. Ich finde übrigens, man kann wirkliche Lichtlinien zwischen den Himmelskörpern sehen, spinnwebenfein. Und der Saturn? Der kleine Punkt? Diese Entfernung – seine Unschärfe rührt von den Ringen her – zeigt dann zur Orientierung unsere Position im Sonnensystem, denn Saturn ist nach dem Mond der näheste sichtbare Planetenkörper des Nachts. Natürlich nur zur Zeit! Wo aber drei Punkte sind unterschiedlicher Entfernung sind – mit der Milchstrasse wären es dann fünf, denn auch sie ist nochmal ein Hintergrund zum Raum-wahrnehmen – da ist eben auch Raum.

Dazu ein kleiner Exkurs in die Philosophie: eine Differenz entsteht immer dann, wenn wir zwei verschiedene Gegenstände haben: der eine ist immer anders, als der andere. Das ist logisch. Nun kommt aber ein nächster Sprung hinzu: wir, die wir zwei Gegenstände betrachten, sind schon ein dritter, – nun sagen wir nicht mehr „Gegenstand“, sondern sprechen von einem Subjekt – also wir selbst – und Objekten in der Außenwelt. Schon bemerkt jeder die Differenz. In der Philosphie ist also der Begriff „Differenz“ sogleich verbunden mit der Frage nach allem Sein: weil wir dadurch – und jetzt kommt das vierte – dass wir nicht nur als drittes zwischen zweien sind und diese beiden wahrnehmen, also differenzieren, denn schon wahrnehmen heißt: „Einen Unterschied machen“, sondern dass wir außer diese beiden wahrzunehmen auch noch wahrnehmen – differenzieren – können, wie wir selbst uns selbst wahrnehmen. Ab hier wird es richtig interessant. Denn damit sind Sie – Esoterik – in jenen abgelegenen Tempel gelangt, der in Ihnen selbst das Tor zur Herkunft aus der Erde zu einem offenen Tor in die Freiheit des Geistes macht. Denn „zu wissen, dass man/frau weiß“ ist schon ganz geistig, ist schon eine Gegenwart der geistigen Welt in unserem Dasein.

„Esoterik“ übrigens ganz offenbar und gar nicht geheim. Das ist, wie mit dem Duft einer Rose. Sie denken sich den Duft einer Rose, und ein klein wenig haben sie ihn in der Nase deswegen. Ihr Gegenüber weiß davon nichts. Daher ist dieses Wissen „esoterisch“. Esoterisch bedeutet im Sinne von „verborgen“ alles, was naturgemäß verborgen ist, weil wir diese Erfahrung in uns haben, und sie eben allein schon deshalb nicht objektivierbar ist, weil wir selbst ja das handelnde Subjekt sind.

Wenn wir noch weiter gehen können und wollen, dann suchen wir das philosophische Gespräch. Es gibt Menschen, die können ein solches Gespräch kaum ertragen. Oder sie führen es tief emotional. Oder gar nicht. Oder auch zynisch. Oder aber auch mit Feinfühligkeit und Interesse.

Wenn wir nun zur Ich-Du Achse zurückkommen, dann können wir merken, wie, gleich der Küstenlinie, wo das Wasser an die Felsen brandet, überall solche Grenzen sind.

Diese Grenze ist die Ich-Du Achse und darum ist der Aszendent, also das aufsteigende Zeichen im Osten: und wir erinnern uns, einmal am Tag muß jedes Teichen aufsteigen, so ist Tag einfach definiert, die Energiequelle des Horoskops, so wichtig.

Wenn Sie sich nun vorstellen, der Fluss fließt von der Quelle an, und da kommt der erste Punkt, wo sich am Ufer des Flusses Strudeln bilden, die die Fließrichtung umkehren, was ja eigentlich sofort passiert, aber hier geht es um das Bild: da fließt also das Wasser kurz in Gegenstromrichtung, um dann aber wieder den Weg in Stromrichtung zu finden, dann haben wir die Bedeutung des Du-Punktes im Horoskop.

Wenn sie in diesem Bereich – im 7. Haus, dem Du-Haus den Mars im Löwen haben, dann bleibt das ihr persönlicher Löwe-Mars. Und doch geht die Kraft, weil sie etwas entfernt steht, ebenso, wie Sie Ihnen gehört, auch von anderen aus.

Es gilt also sich zu merken: Das Horoskopbild ist ein maßstäblich reduziertes Modell des Tierkreises, der nicht von den „Sternbildern“ her stammt. Die wahrscheinlichere Herkunft des Tierkreises ist älter, als die Bezeichnung der Sternbilder, denn viele Kulturen kennen die Einteilung der Ekliptik nach 12 mythischen oder archetypischen „Bilder“, doch die Bilder sind unterschiedlich.

Personen, Poetry

„Was ist Wirklichkeit“?

Nürnberg,  – 15:07: warum die Wahrheit sich durchsetzen wird:

„Wäre mit dem Weltinhalte von vornherein der Gedankeninhalt mit dem Gegebenen vereinigt, dann gäbe es kein Erkennen. Denn es könnte nirgends das Bedürfnis entstehen, über das Gegebene hinauszugehen. Würden wir aber mit dem Denken und in demselben allen Inhalt der Welt erzeugen, dann gäbe es ebensowenig ein Erkennen. Denn was wir selbst produzieren, brauchen wir nicht zu erkennen. Das Erkennen beruht also darauf, daß uns der Weltinhalt ursprünglich in einer Form gegeben ist, die unvollständig ist, die ihn nicht ganz enthält, sondern die außer dem, was sie unmittelbar darbietet, noch eine zweite wesentliche Seite hat. Diese zweite ursprünglich nicht gegebene Seite des Welthinhalts wird durch die Erkenntnis enthüllt. Was uns im Denken abgesondert erscheint, sind also nicht leere Formen, sondern eine Summe von Bestimmungen (Kategorien), die aber für den übrigen Welthinhalt Form sind.  Erst die durch die Erkenntnis gewonnene Gestalt des Welthinhaltes, in der beide aufgezeigte Seiten desselben vereinigt sind, kann Wirklichkeit genannt werden.“

Erinnern wir uns an Aristoteles, der in seinem Werk

„Metaphysik“

eine Lehre von der Form entwickelt hat, die Wolfgang Döbereiner causa materialis, causa formalis, causa effiziens und causa finalis nennt und den vier Quadranten des persönlichen Tierkreises zuordnet. Wer ist es, der hier den wahrscheinlich wichtigsten Satz – einen der wenigen wirklich wichtigen Sätze – der Philosophie formuliert?

Aristoteles wählt das Beispiel eines ungeformten Lehmklumpens für die Causa Materialis; geformt ist dieser Klumpen Material, das aber in sich die Möglichkeit einer Form enthält. „Es ist ein Hermes im Holz“, sagt er wörtlich, und meint damit uns wohl wenig erhaltene, weil nicht steinerne Hermesbüsten, die als fertiges Kunstwerk in der Möglichkeit des Holzes vom Künstler erweckt werden will. Ganz nebenbei sagt Aristoteles mit dem „Hermes im Holz“ etwas über das Alter seines Beispiels, denn sicher sind die hölzernen Hermen älter. Hermen waren übrigens Wegkreuze und Tempel am Hauseingang. Hier sind wir schon im vierten Quadranten, bei der causa finalis, dem „Sinn“ des Kunstwerkes: der ist: die Möglichkeit, Wahrheit und Wirklichkeit menschlichen Handelns zu bezeugen.

Nun aber zu unserer Frage: Ist der obere blaue Text von:

A. Aristoteles

B. Walt Disney

C. Arthur Schopenhauer

D. Rudolf Steiner

Bei richtiger Antwort bekommt ihr bei mir eine Horoskopberatung zu zwanzig bis dreißig Minuten.

Poetry

Nachtrag zu Rilke

Archaischer Torso Apollos

Wir kannten nicht sein unerhörtes Haupt,
darin die Augenäpfel reiften. Aber
sein Torso glüht noch wie ein Kandelaber,
in dem sein Schauen, nur zurückgeschraubt,

sich hält und glänzt. Sonst könnte nicht der Bug
der Brust dich blenden, und im leisen Drehen
der Lenden könnte nicht ein Lächeln gehen
zu jener Mitte, die die Zeugung trug.

Sonst stünde dieser Stein entstellt und kurz
unter der Schultern durchsichtigem Sturz
und flimmerte nicht so wie Raubtierfelle;

und bräche nicht aus allen seinen Rändern
aus wie ein Stern: denn da ist keine Stelle,
die dich nicht sieht. Du mußt dein Leben ändern.

Aus: Der neuen Gedichte anderer Teil (1908)

Warum ich dieses Gedicht besonders schätze? Weil Rilke hier schreibt: „… und bräche nicht aus allen seinen Rändern aus wie ein Stern.“ Weil diese diese Sprachvergleiche – Metaphern –  flimmern, wie ein Stern. Er bringt es doch tatsächlich fertig, diesen marmornen Torso Apollons lebendig glitzern zu lassen, wie die atmosphärische Aura, die astrale Lichtbotschaft des ewigen Lebens eines Gottes. Es weht diese Weisheit wie eine erste laue Frühlingsnacht zu uns herüber. Ständig heulen Sirenen, weil die Menschen, noch verkrochen sind in den beleidigend kalten Winter, der nicht schnell enden will, während die Nase schon Vogelgezwitscher hört und deshalb die Ohren Frühling riechen.

„Sonst stünde dieser Stein entstellt und kurz …“ … steht er das nicht, fragt man/frau, und steht er denn nicht wirklich als marmorner Torso? Das tut er wohl. Wir wissen inzwischen aus der rekonstruierenden Forschung der Altertümer, dass jene Marmorbüsten gar nicht bleich, sondern bemalt, vielleicht auch bekleidet waren. Tatsächlich hatten also die Götterbilder etwas von jener farbigen Regenbogenaura, die spitzstrahlig und zugleich sich in Ringen verbreitend, um die Sterne legt. Schönheit ist also da, aber ist da auch Liebe? Nein, sagt die Naturwissenschaft, weil sie jene Aura nicht sieht, als was ist erstmal und überhaupt! Poetisch läßt sich´s aber sagen. Und das tut Rilke. In den Zeilen:

Sonst stünde dieser Stein entstellt und kurz
unter der Schultern durchsichtigem Sturz
und flimmerte nicht so wie Raubtierfelle;

… da zeigt er mit einer rhythmischen Geste, was er – fast schon am frivolen vorbeigleitend – meint: es ist jenes kurz … und sturz, welches den Vierzeiler in einen Dreizeiler wandelt, und die Form des Gedichts, der nach unten sich verjüngende Keil, gleichzeitig auf mehreren Ebenen den wahren Torso anschaulich macht. Als Torso, und als Geste des Umschlagens an der alten mechanischen Schreibmaschine, wo es nötig war, einen Umsetzer, den Rollenwagen zu fahren, und gleichzeitig eine neue Zeile einzustellen. So wird der „Torso“ auch akustisch in drei Ebenen geteilt.

Und nun das Wunder: der Text spricht das Gegenteil! Behauptet er doch glatt, dieser Torso, der als Torso per Definition von gebrochen Teilen des Steins verlassen. Man findet sie nicht. Doch Rilke sagt: „Er wäre entstellt“. Er nimmt also den Konjunktiv, die wenn-Form. Ist er es nicht? Nein, sagt er, er ist heil! Nun, wunderbar, so zeigt sich Rilkes Religion. Denn für Rilke und uns alle öffnet sich im Auferstehungsgedanken lebendiges Flimmern, wie um die Sterne. Zusätzlich kommt als Argument: das Gedicht selbst ist heil, also ist es auch sein Gegenstand. Wir leben in einer Welt des Analogiezaubers, ein Gedicht macht da keine Ausnahme. In diesem Sinn ist tatsächlich etwas passiert, also von extremen Enden hat es sich zusammengefunden in einen Ausdruck als Sprache und damit als Gebet, denn – Rilke war dies sehr bewußt – alle Sprache ist Gebet. Und noch mehr. Ich erwähnte oben eine fast frivole Zeile:

Sonst könnte nicht der Bug
der Brust dich blenden, und im leisen Drehen
der Lenden könnte nicht ein Lächeln gehen
zu jener Mitte, die die Zeugung trug.

Doch Rilke geht tiefer. Denn in der Leugnung des tatsächlich nicht kompletten Stein-Körpers im Sinne seiner ursprünglichen Vollständigkeit, spricht er auch das Geschlecht an, mit dem nächsten starken Reim vor kurz – sturz, nämlich Lenden – blenden. Rilke kannte die Psychoanalyse von Lou Andre Salome. Ob er sie hier meinte? Er schaut in die Vergangenheit, und zwar über einen Bug, als wär´s nun ein Schiffstorso. Und das Lächeln in Richtung Lenden landet – in der Mitte – doch das ist nicht das Geschlecht, sondern, die Vergangenheit überwindend: das Wissen um die Gegenwart des Gezeugten. Also die Ewigkeit.

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Der Anfang des Gedichts hat mich immer sehr erschreckt: „Augäpfel reiften …“ In Äpfel beißt man, und es ist ein sonderbar gartentechnischer Gedanke unserer den Surrealismus gewohnten Sichtweise, diese Äpfel sich unter dem Licht einer Sonne vorzustellen zu reifen. Und der Torso glüht noch „wie ein Kandelaber…“ … wieder tritt Rilke der heißen, erruptiven, vulkanischen Vergangenheit des Materials, des Gesteins sehr nahe, als hätte Hitze den Marmortorso verglast und wir schauten auf die Gegenwart dieses Prozesses, der noch – spöttisch fast – anhält, denn er ist ja noch warm, wie frische Brötchen! Ich habe neulich gelesen, dass auch der Mond einen heißen, womöglich flüssigen Kern hat, und es dort ständig Erdbeben gibt. Will man uns drauf vorbereiten, dass man die von den Apollo-Expeditionen auf dem Mond vergessenen Geräte nicht finden kann? Ach, Unsinn. Und „reifen“ hat Entwicklung in sich. Die folglich fortschreitet. Wenn wir bestimmen könnten, in welche Richtung, wäre es nicht mehr nötig, sich in selbige zu entwickeln.

Fotos, Poetry

Ich mag Graffity

Nürnberg – 14:40, zumindest an grauen, uninteressanten öffentlichen Gebäuden. Auch die Züge, muß ich zugeben, gefallen mir bemalt vor allem im Winter besser. Winter? Wir haben Frühling; jedoch, da Frau Venus rückläufig ist, zieht sie zurück in den Winter.

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img_3531Fotos: Markus Termin ©

Diese Bilder hier unten stellen ein doppeltes Venus-Pentagramm dar, jenes Zeichens also, welches die Venus in ihrer mit der Erde vollkommen synchronisierten Tanzbewegung an den Kardinalpunkten in den Himmel malt, so dass wir es beispielsweise in den Sand schreiben können, wie Jesus die Formel, mit der er der weiblichen Erde eine Botschaft übermittelte. Gisela von Frankenberg sieht in ihrer genial verwirrenden Kunstgeschichte in dem Zeichen einer nach außen offenen Strecke zwischen den Pentagramata „die Einheit von Zeit und Raum“, der Sternentanz, der in ihrem Konzept Wassermann vertritt. Sollte ich mich irren, oder hat hier vielleicht jemand der „ganz böse“ war eine Botschaft der ewigen Liebe manifestiert?