Vom Umgang mit schwierigen Aspekten und dem Lesen der Zeitzeichen

IMG_0233Foto Termin ©

Liebe Leser,

im Lauf der Woche habe ich versucht, mein Fahrrad reparieren zu lassen. Hinterrad  platt. Ich bin nicht so dekadent, sowas normalerweise nicht selbst zu machen. Aber am Hinterrad ist die Gangschaltung, die muss man einstellen, etc. Am Samstag hatte ich Glück bei meinem Fahrradhändler des Vertrauens, er war gerade noch da: Montag abholbereit. Doch, was soll ich euch sagen? – : ich setz mich drauf und gleich vor dem REWE – ein paar hundert Meter weiter ist es – –  wieder platt.

Nun denk ich erstmal einen Tag darüber nach, ob ich zu meinem Fahrradladen zurücksoll oder nun doch selbst die Schraubenschlüssel & Flickzeug zusammensuchen.

Nach einer Nacht drüber schlafen, entschloss ich mich, den Meister anzurufen: „Gewährleistung, klarer Fall. Bring vorbei – wir machen eine Express-Flickung … „. Gesagt getan. Wir haben ein nettes Gespräch über E-Roller, Freiburg, Prag – und ich bekomme noch einen Expresso … Dann – ich sitze wieder auf meinem Rad – keine 200 Meter später jenes bekannte Geräusch: „Pfüüütschsch … „. Nun fange ich langsam an, mit Gedanken über mein Karma zu machen, und werde leicht depressiv. Nun doch selber machen? Aber jetzt bin ich trotzig.

Wir – ich und mein Rad – gehen jetzt zu Oli in der Lindengasse, der Herr Rose ist gerade zum dritten Mal Vater geworden – das kostet jetzt doppelt (doch auf gar keinen Fall kann ich Frank, den ersten Meister, mit dem nächsten Platten heimsuchen – Frank ist Jungfrau geboren) – aber was gibt´s besseres, als ein junges Paar zu unterstützen?! Oliver findet endlich die Glasscherbe: – ich denke – ach so läuft Neptun/Saturn bei Jupiter/Chiron (plus!) Opposition!; – und erinnere mich an die Mysterien des Hermes, wonach das erste Wort war, welches der Pilger hörte, wenn er den Tempel verließ, auch das Orakel war. Ich verlasse den Fahrradtempel von Oli, und das erste Wort – eine Freundin sprich zu ihrer Freundin – ist der in den warmen Wind gesprochene Satzfetzen: “ … und da gab er mir ein Zeichen, das ich nicht verstehen konnte … „.

Nun entschließe ich mich das Rad – obwohl endlich voll funktionstüchtig (Bremsen neu eingestellt, etc. … ) zu schieben. Der Aspekt ist nahender Mars/Saturn in Schütze, steht zu mir in Quadrat und gehört im weiteren Sinne mit der Zwillings-Opposition zum Bewegungsapparat.

Wenn mir nix (mit dem Rad) passiert – ich fahre jetzt im August Roller – wird man anhand dieser Anekdote (ἀνέκδοτον, anékdoton, „nicht herausgegeben“) niemals beweisen können, daß Astrologie „funktioniert“ – denn es ist ja nix passiert. Aber genau das ist merkwürdigerweise der tiefere Sinn des Gebrauchs der Astrologie: daß nix passiert – oder jedenfalls die schlimmen Sachen umschifft werden können.

Man merke: zutreffende Vorhersagen sind oft Mist und verbauen die unbefangene Zukunft.

Die unerbittlichste Vorhersagekunst ist die Naturwissenschaft: obwohl sie – wenige merken es – an den Rändern sich irrational zu verfranzen geneigt ist, dort ins Gegenteil umschlägt – hier geht es (fast) nur um zutreffende Vorhersagen. Es erscheint merkwürdig, daß genau das für unser wahres Leben im Grunde genommen sehr wenig, vielleicht nichts bedeutet, denn wenn unser Lebensweg vollkommen vorhersehbar wäre, hätten wir keine Freiheit. Heute steht die Astrologie für die Freiheit, und die Naturwissenschaft für den Determinamismus, die Vorherbestimmungslehre, die unzufällig – Kismet – قسمة- – auch im alten Islam so zentral ist …

Mit freundlichen Grüßen,

Markus

4 Gedanken zu “Vom Umgang mit schwierigen Aspekten und dem Lesen der Zeitzeichen

  1. Mythopoet

    Hallo Markus,

    in diesem Zusammenhang vielleicht ein Steiner-Gedanke:

    „“Weil wir (nur) den Blick richten auf das, was geschieht in unserem Leben und in unserer Umwelt, und nicht richten den Blick auf dasjenige, was nicht geschieht, was immerfort abgehalten wird, was immerfort zurückgehalten wird. Von einem gewissen Momente des geistigen Erlebens an kann dasjenige, was nicht geschieht, wovon wir gewissermaßen bewahrt oder zurückgehalten worden sind, uns ebenso zum Bewußtsein kommen wie dasjenige, was geschehen ist. Nur kommt es uns zum Bewußtsein als eine andere Weltenordnung. Was der Mensch da nicht beachtet, das hängt innig zusammen mit dem Reiche, in dem die Toten sind, in dem wir selbst sind mit unserem träumenden Fühlen, mit unserem schlafenden Willen. Wir trennen uns in uns selber von einer ganz anderen Welt dadurch ab, daß auch in das wache Leben der Traum, der Schlaf hineinspielen. Und was da alles brodelt und lebt und webt unter der Grenze, die unser Vorstellen von unserem Fühlen trennt, das ist zugleich dasjenige, was einschließt die Geheimnisse, welche die Brücke bilden zwischen den sogenannten Lebendigen und den sogenannten Toten, aber auch die Brücke bilden zwischen dem Reich der Notwendigkeit und dem Reich der Freiheit und dem sogenannten Zufall.““

    (GA 179, Seite 52f)

    Beste Grüße
    Mythopoet

  2. Hallo Markus,
    ich hab seit Jahren die sogenannten „unplattbaren“ Reifen auf meinem Fahrrad, frag mal deinen Händler. Die Reifen sind ein wenig teurer, aber damit geben die Sterne Ruhe… :)
    Herzlichst
    Conny

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