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Unser tägliches Brot gib uns heute, und …

Nürnberg, 17:10 – ja, dieses „und“, denn obwohl wir nicht undankbar sein wollen, so ist es doch oft schwer, allein durchs Leben zu gehen. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Gemeinsamkeit eine Freundschaft, Liebe, beides, oder auch etwas völlig anderes ist, ein Arbeitsbündnis oder so. Die Partnervermittlung im „Programm“ mag dem ein oder anderen aufgefallen sein. Es gibt dazu ein Horoskop:

img_0286Markus Termin ©

So sieht es aus (28.04.2009 12:21, Nürnberg):

astrologische-partnervermittlung

Als ich den Löwe-AC mit der Sonne im Stier, eingeschlossen mit Merkur im Haus 10, dem Haus der Bestimmung sah, wußte ich: das ist eine interessante Idee.  Zumal ja der bestimmende Planet, Mars, heuer einen Walzer mit Venus tanzt. Saturn im Haus 2 sollte mich nicht erschrecken, denn damit will ich nicht verdienen. Die astrologische Partner- /ja, und jetzt ändern wir das Wort in: -zusammenführung/ – ist kostenlos.  Jedenfalls liegt der Glückspunkt im Haus der Kommunikation. Und mit Jupiter in Haus 7 begegnen mir Weise, Heilende und Spirituelle Menschen. Das ist gut.  Und was macht der Mond? Wird noch ein Quadrat zu Venus und Mars bilden … nun, es kann ja nicht alles perfekt sein.

Dafür habe ich zwei Details zur Zeppelin-Forschung gefunden. Einmal dies, bitte anklicken:

Airship Ventures

Up Ship!: One word down..

Diese Flüge gibt es also jetzt nicht nur in Tokio, sondern auch in San Francisco und natürlich  Friedrichshafen am Bodensee.

Und dann kommt die Information, dass es nicht-brennbares Helium gibt, mit dem die Zeppeline problemlos fliegen können. Wow, was für ein Abenteuer! Nun ist die Idee, kleine Zeppeline für eine geringe Flughöhe und wenige Menschen zu bauen, gar nicht so utopisch, obwohl sie „voll abgefahren“  ist.

Die angebotenen Rundflüge sind sehr teuer und offensichtlich exklusiv. Das muss nicht so bleiben.

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Waahlprogramm – Lokomotive: Lebensarbeitszeitarbeitsplätze

Nürnberg, 13:29 – Weiter auf meinem grünen Pfad:

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Um es gleich zu sagen: die „-plätze“ dieses ultra-langen und wenig modernen Wortes  ragen absichtlich über den Rahmen des Layouts hinaus. Und, Lokomotive? Noch mehr Gene in den Topf – nicht nur Flugzeug, Auto und Fahrrad, sondern auch die Eisenbahn? Jenem uralten Vorgänger-Ungetüm der Zivilisation, welches mit seiner unbändigen Ameisenkraft die Kolonisation der gesamten Welt erzwungen hat, zusammen mit den Nautikern? Ja, überhaupt, was wird mit den Schiffen, den Wasserfahrzeugen, wenn wir eine neue Art Luftfahrzeuge erlauben?

img_0447Fotos Markus Termin ©

Und das hängt nur von uns ab. Den Interessen des Volkes. Meine politische Vision ist geleitet von dem Wunsch, wertvolle Lebensarbeitszeitarbeitsplätze zu schaffen. Warum „Lebensarbeitszeit“? Sind wir denn nicht gerade darauf angewiesen worden, alle in der Gesellschaft, vom Greis bis zum Baby, hätten sich ständig zu bilden und mindestens drei mal im Leben den Beruf und den Wohnort zu wechseln? Am Besten Auslandserfahrung?

Aber vielleicht stimmt das nur begrenzt. Ich habe ja nichts gegen Auslandserfahrung. Aber niemand würde im Ernst von einem Pianisten, einem Meister seines Faches, verlangen, den Beruf zu wechseln, wenn er gerade gut geworden ist.

Fangen wir mit den Fußgängerzonen an. Sie sind relativ windsicher und viele alte Leute mögen sie vielleicht nur deshalb weniger gern besuchen, weil es sehr anstrengend ist, ohne Chauffeur mit dem eigenen Pkw – durchs Parkhaus und hinein ins Gewühl der bei schönem Wetter chronisch überfüllten Straßencafés zu gelangen? Und die Geschäftsleute beklagen, dass es durch die ungeheure Konzentration der Einkäufer und Bummler auf den Bezirk der Fußgängerzone mitunter schon eine Straße weiter schwer möglich ist, überhaupt einen Laden in der zweiten Reihe profitabel zu führen, während die Mieten in der ersten Reihe in aller Regel dem Marktanteil-Potential der großen Konsortien entsprechen.

Doch wie sollte man – obwohl dies tatsächlich als Alternative erwogen wurde – je wieder Autos in der Stadt zulassen? Eben so: andere Autos! Hier ließe sich leicht, in Nürnberg zwischen Carolinenstraße und Kaiserstrasse, in der Adlerstrasse zum Beispiel, ein „utopisches“ Zeppelin-Transportsystem installieren. Dies hätte dann eben solche Auswirkungen, wie die erste Eisenbahnfahrt auf dem alten Kontinent 1835 zwischen Nürnberg Plärrer und Fürth mit dem „Adler“, woran dieser Straßenname erinnert. Eine Weltsensation! Wie früher Magnetschwebebahnen, Transrapid-Züge, so könnten wir versuchen, eine neue technische Vision erst bei uns zum Erfolg und dann zum Erfolgsexportschlager werden zu lassen.

„Wie soll das gehen?“, mögt ihr fragen, „Wir haben doch die Krise?“ Nein, die haben wir nicht. Wir leben nach wie vor in einer Fülle, die allen ein Überleben, ein Dach über dem Kopf, ausreichend zu Essen  und eine menschenwürdige Behandlung gewährleisten kann. Zumindest dem Anspruch nach und immer stärker auch nicht erfüllt in manchen Großstädten; aber auch ländlichen Regionen aus unterschiedlichen Ursachen, die oft in ein soziales System hinein verankert und deshalb schwer zu verändern sind. Aber auch die Solidarität wächst. Dennoch müssen wir den Sprung in die Freiheit wagen.

Vielleicht brauchen wir auch mehr gut bezahlte Helfer im sozialen System, damit wir hier  Qualitätsarbeit und Anspruch bekommen, wie heut oft schon durch Idealismus? Für Demonstrationen und Straßenschlachten habe ich gar kein Verständnis. Früher mag das anders gewesen sein. Jetzt geht es nicht mehr um die Demo, sondern um die Wirkung im ganzen Land durch Medien-Übertragung. Solange die Medien – mit ihrem dadurch pervertierten Kontrollauftrag der Demokratie – so darüber berichten, geht das weiter: ein kleiner, geduldeter Krieg zum ersten Mai, in den wir unschuldige Polizeikräfte stellen, als hätten die nichts besseres zu tun, sich dort Verletzungen, Verbrennungen zu holen. Wie durch jedes mal ein Wunder – man schmeißt mit ganzen Betonplatten – hat es noch keinen Toten gegeben.   Ich habe drei Jahre in Kreuzberg gelebt und es war jedes Jahr schlimmer. Vielleicht sollte man das durch eine Kalenderreform beenden?

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Die Umkehrung des Jupiter

img_04303Bild Markus Termin ©

Aufmerksame LeserInnen dieses Blogs werden bemerken, wie obiges Bild an unser gestriges Thema anschließt. Ich habe mich diesbezüglich mit meinem Sohn besprochen. Er ist 25 und kennt die Ansichten seiner Generation. Er meinte: selber vormachen das Elektrische Zeppelin-Bike. Ich konterte, und sagte, ich sei kein Daniel Düsentrieb (wie er, denn er repariert und baut einfach alles, was er will), aber eine Konstruktionszeichnung für mein völlig utopisches, aber gleichwohl möglicherweise realistisches Gefährt könnte ich schon machen, worauf mein Sohn Zustimmung signalisierte, und meinte: „Genau so machen es alle!“ Welches nicht-brennbare Gas kommt in Frage  um die Luftschiffe zu füllen? So lange Zeit nach Lakehurst? -:

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Daher also eine Konstruktionszeichnung im Stil Leonardo da Vincis. Und Joseph Beuys. Das Streichholz bitte nicht als subversives Anti-Auto-Pamphlet ansehen! Im Gegenteil: manche Autos lösen bei mir ein wehmütiges Gefühl der Nostalgie aus. Vielleicht wird es ja möglich sein auf abgelegenen Inseln ein paar Landrover, R4s und vielleicht noch RO 80 für Freizeit-Touristen zu vermieten? Aber ob man das dann wirklich noch will? Man stelle sich einfach mal die Bemalung des Gefährts vor, dieses Zeppelins! Seine Flinkheit. Intelligenz und vielleicht sogar  eine neue soziale Komponente, denn es wäre möglich, unkompliziert kleine Büros zwischen Städten hin- und herfahren zu lassen. Natürlich brauchen wir einen TÜV! Und Verkehrsregeln. Was sollten wir nicht regulieren? Die Selbststeuerung? Knifflige philosophische Fragen … Astrologisch habe ich in diese Zeichnung vor allem das Wassermann-Symbol und Jupiter in einen Energiekreislauf gebracht, wer mag, kann darin ein anschließendes Bild an Uranus in den Fischen erblicken. Das Horoskop zum Bild, darauf bin ich jetzt gespannt! Mal gucken:

umkehrung-des-jupiter1Nürnberg 02.05.09 13:05 „Umkehrung des Jupiter“

Merkur oben, hat gerade das Zeichen gewechselt! Das auch in den Zwillingen, zu Information und Verkehr. Genau das ist ja auch das Thema trauriger Aktualität: dürfen Autos Waffen sein? Sind sie es nicht ohnehin viel zu sehr? Welcher Fußgänger wäre noch nicht durch einen absichtlich oder gedankenlos mit dem Gaspedal spielenden Sportwagenfahrer erschreckt worden?

Das Thema meines Bildes findet sich im Haus 7, auch nach Wolfgang Döbereiner und seinem „Weg der Aphrodite“, welches sympathischerweise einfach bei Haus 7 abbricht. Es sind Jupiter, Chiron und Neptun. Im Technik -Zeichen Wassermann zeigt Chiron mit den beiden großen die Tendenz, durch Technik zu verletzen. Der Anschlag auf die Königin in Holland, die dort eine so beliebte, Konsens-stiftende Persönlichkeit ist, mit einem Auto als Mord-Waffe? Das ist leider auch ein Bild für Chiron, Neptun und Jupiter.

Diesen Sommer lang – denn Jupiter wird ja rückläufig ab dem 16. Juni 2009 –  soll also wirklich viel in Richtung Vision möglich werden.  Jupiter macht das im Wassermann. Daher nimmt er alle Energie mit, die der Wassermann hat. Und das sind zur Zeit eben Chiron und Neptun.

Chiron hat aber auch eine heilende Seite, die ebenso mächtig ist, wie seine verletzende. Jupiter ist weise. Und Neptun? Verbindet sich mit Uranus in den Fischen und löst damit auf, weil Neues tatsächlich ansteht. Hier werden wir den Wassermann-Vollmond beobachten müssen, wenn die Sonne im Löwen ist.

Also eine völlig neue, moderne, energiesparende und umweltgerechte Verkehrspolitik. Vielleicht müssen wir uns dafür von der Forderung verabschieden, möglichst schnell am nächsten Ziel zu sein. Sicherheit, Effizienz und Arbeitsplatz-Garantie könnten wichtiger sein?

Der Mond im obigen Horoskop ist noch im Löwen und hält die Opposition zur technischen Vision eines Zukunftsbildes in Haus 7. Dies ist aber ein guter Aspekt: der Mond leitet das Licht dadurch auf diese Planetengruppe. Und Licht ist Energie. Alle Regeln der Astrologie finden sich als Lichtspiel im Sonnensystem.

Und nun nochmal zum Streichholz: der Pkw im Bild hat Holz und Schwefel. Das ist grundsätzlich wertvoll und positiv, denn die Magie des Feuers steckt da drinnen. Es ist also keine Anspielung, etwa Autos anzuzünden, so etwas stinkt und ist gemein! Sondern es geht bei diesem Streichholz im Bild darum, den Energieaspekt durch Holz und Feuer zu symbolisieren, wie Beuys das auch gemacht hat.

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Waalkampf*

Nürnberg, 14:48 – nun wird es aber Zeit, in den Waalkampf einzusteigen, das Buch Jonas gehört zu meinen Lieblingsbüchern in der Bibel. Jonas wird drei Tage vom Wal geschluckt, bevor er bereit ist, nach Ninive zu gehen, und Umkehr zu predigen.

img_0373Foto Markus Termin © aus der Serie: Nürnberger Häuser

Ich will hier vor allem ein eigenes Waalprogramm verkünden: die wahre ökologische Wende. Dazu muß in unserem Land folgendes passieren: es gibt ein drittes Konjunkturpaket mit Schwerpunkt Ökologie.

Mit in diesem Programm ist eine Abwrackprämie für Radfahrer und der Aufbau einer Infrastruktur für die zukünftigen super-ergonomischen Fahrräder mit viel mehr Luxus. Diese neuen Fahrräder – technische Wunderwerke an Leichtgängigkeit Komfort und Elektro-Energiezuführung – liegen bei jungen, mutigen IngenieurInnen des Typs Daniel Düsentrieb schon lange in den Schubladen.

* Waal aus lat. ’’AQUALIS’’ Wasserlauf oder keltisch ’’BUOL’’, ein künstlich angelegter Bewässerungskanal, -graben, künstliche Rinne. Passend zu Jupiter-Neptun-Chiron im Wassermann

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Südamerika

img_0369Foto: Markus Termin ©

Claude Lévi-Strauss, der französische Ethnologe, hat ein unglaubliches Buch geschrieben: „Die Traurigen Tropen“. Es beschreibt seine Erlebnisse und Studienergebnisse bei der ethnologischen Grundarbeit: dem Studium der Daseinsart und Kultur anderer, von Kontakt mit der Zivilisation weitgehend verschonter Völker, Indianern mitten im Wald. Daraus möchte ich einen Ausschnitt zitieren:

„Ferner wohnte in Kejara ein Eingeborener, der mein Dolmetscher und mein wichtigster Informant werden sollte. Dieser etwas 35 Jahre alte Mann sprach recht gut portugiesisch. Wenn man ihm Glauben schenken durfte, hatte er einmal lesen und schreiben können (es inzwischen aber wieder verlernt), Ergebnis einer Erziehung in der Mission. Stolz auf ihren Erfolg hatten die Patres ihn nach Rom geschickt, wo er vom Papst empfangen worden war. Nach seiner Rückkehr wollte man ihn anscheinend in christlicher Weise und ohne Rücksicht auf die traditionellen Regeln verheiraten. Dieser Versuch stürzte ihn in eine geistige Krise, aus der er zum alten Bororo-Ideal (Bororo ist der Name des Stammes, M.T.) geläutert hervorkam: er ließ sich in Kejara nieder, wo er seit zehn oder fünfzehn Jahren das vorbildliche Leben eines Wilden führte. Nackt, rot bemalt, Nase und Unterlippe von Stab und Lippenpflock durchbohrt, mit Federn geschmückt, erwies sich der Indianer des Papstes als ein hervorragender Professor für Bororo-Soziologie.“

img_0364Foto: Markus Termin ©

Natürlich. Auch die Kartoffel kommt aus Südamerika und bei den Kastanien scheint es auch so zu sein. Der Mais? Sowieso. Aber auch der Jaguar. Und Sedna, der zehnte Planet! – von Indianern aus Nordamerika.

claude-levi-straussClaude Lévi-Strauss 28. November, 1908 um 01:00 in der Nacht
in Brüssel, Belgien, geht also auf seinen 101 Geburtstag zu. Das ist die Nummer von Donald Duck´s Auto.

An der Reisebeschreibung „Traurige Tropen“ ist das Phänomenale, dass dieses wunderbare Buch Zeile für Zeile in eine Welt vordringt, die es fast nicht mehr gibt (tatsächlich ging letztes Jahr das Bild von den aus der Luft fotografierten Indianern um die Welt, wie sie ein Flugzeug mit Pfeilen beschossen) und die dennoch unsere eigene Welt ist: wir lernen, dass die Völker Südamerikas zum Teil von einer höher entwickelten Zivilisation abstammen, gleichzeitig begegnen wir mit den Indianern – vielleicht vom Jaguar-Clan oder durch den Jaguar-Gott der Azteken – unserer eigenen Mythologie, die sich doch tatsächlich in Form einer Automarke vor uns dämonisch offenbart. Wir sind von Maschinen in Anspruch genommen. Was bedeutet das?

img_03671Foto: Markus Termin ©

Zum Glück hatten wir hier einen Philosophen Namens Martin Heidegger. Der hat uns erst mal die Sprache erklärt. Wenn ich richtig informiert bin, wurde er hier nicht anerkannt, aber sehr wohl in Frankreich. Dort interessierte man sich für ihn. Und da er sich als Professor und Universitäts-Rektor mit den Nazis – brillant kurz zwar, zu sehr früher Zeit, aber dennoch ein halbes Jahr incl. Lederhosenromantik, die bei Waagen so lächerlich aussieht, wie Wolfgang Döbereiner treffend bezüglich Hitler (AC Waage) vermerkt, kompromittiert hatte, brauchte es einen Jaques Derrida um ihn – in der Durchreiche einer französische-afrikanischen Landgaststätte quasi – philosophisch zu bestätigen, der ihn einfach mit den großen bekannten Philosphen und Geistesgrößen Deutschlands in einer Reihe nennt. Derrida, jüdischen Glaubens, ließ seine Söhne nicht beschneiden.

Heidegger nun, sagt dieses: wenn wir von den Maschinen in An-Spruch genommen werden, so bedeutet dies vor allem, dass – wie Heidegger sich ausdrücken würde – ein „Spruch“ von den Maschinen ausgeht. Was soll das sein? Zunächst einmal eine Aktivität. „Wie“, sind wir gewohnt, zu denken, „Maschinen sind doch eigentlich nur durch uns aktiv?“ Wir sind es doch, die sie anschalten und/oder ausschalten. Eben nicht. Schon während Sie dies vielleicht an ihrem oder einem anderen Computer lesen, setzt es meinerseits den Gebrauch mehrerer Maschinen voraus: mein eigener Computer, die stromerzeugenden Betriebe, deren Zulieferer und Versorger, etc. Einige von diesen Maschinen bedienen auch Sie selbst mit ihrer augenblicklichen Aktivität, diesen Artikel zu lesen. Mindestens ihren Computer. Daraus folgt: obwohl wir tatsächlich Maschinen gebrauchen, so bedienen wir sie doch auch gleichzeitig. Denn unser Gebrauch ist gebunden an das Bedienen der Maschine. Wir müssen zunächst in einer von der Funktionalität vorgeschriebenen Art und Weise gegenüber der Maschine aktiv werden, sonst läuft nichts. Dies gilt auch für selbsteinschaltbare oder daueraktive Kameras. Denn der An-Spruch ergeht von den Maschinen an uns. Warum? Einfach deshalb: weil der Satz: „Wir werden von den Maschinen in Anspruch genommen“ ohne die Betonung des Wortes „An-Spruch“ durch Silbentrennung nicht als Aktivität durch ein Objekt verstanden wird. Nehmen wir den Satz: „Wir werden von den Schwestern in Anspruch genommen.“ Dann ist es klar, es sind die Schwestern. Aber Maschinen? Tun sie Dinge durch eigenen Willen? Wir glauben nein, aber die Grammatik des Satzes sagt: ja. Warum? Weil der Satz möglich ist und in seiner Gestaltung klar und verständlich ist: „Wir werden von den Maschinen in Anspruch genommen“ könnte in jeder Zeitschrift als Klischee-Satz jeden Tag zu lesen sein. Doch durch die Silbentrennung An-Spruch erst wird offenbar wer an-spricht und wer zu-hört. Können Maschinen sprechen? Was sagen sie? Sie sagen vor allem: „Füttert uns mit Energie, als wären wir Lebewesen.“ Nun gut, aber nicht zu sehr.

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Astrologische Partner-vermittlung

Niemals würde ich zu einer Partnervermittlung gehen! Mein Saturn steht im Wassermann: ich habe edle Prinzipien. Dazu gehört die Magie des Zufalls und des Augenblicks. Als gäbe es ein geheimes Abkommen unter den Menschen: die Liebe muß sich per Zufall ergeben.

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Was ist Zufall? Zufall ist all das, was sich einstellt, sich ergibt, ohne durch eine logische Schlussfolgerung in den Sinnzusammenhang einer praktischen Tätigkeitsabfolge zu passen. Von der Liebe eben erwarten wir, dass sie sich solcherart zufällig ergibt.  Offensichtlich ist das die Sicherheitsschranke, die die Liebe passieren muß, bevor sie in unser Leben darf. Was fürchten wir? Fürchten wir, kontrolliert zu werden, wenn wir nach Vereinbarung handeln? Sobald die Liebe auch nur einen Augenblick alt ist, erwarten wir von der Partnerin/dem Partner sofortige Verlässlichkeit.

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Jetzt darf sich nichts mehr „zufällig“ ereignen.  Doch  muß sich die Liebe zuvor zufällig an allen Regularien des Lebens vorbeischmuggeln, und es wird als Makel ausgelegt, wenn ein Paar öffentlich bekennt, es habe sich durch eine Partnervermittlung kennengelernt. Alles andere halten wir für weniger gültig. Woran liegt das? Wie bekannt, gibt es Länder mit anderen Sitten, die drehen obige Regel geradezu um: Verbindungen kommen dort nur und ausschließlich durch Vermittlung zustande, und die Eheunterhändler sind oft die eigenen Eltern, die mit den Kindern, die verheiratet werden, ihr „Eigentum“ zu bestimmten Bedingungen „verleasen“. Gerade in diesen Ländern – wo Liebe und Tod sehr nahe verbunden sind (Schehezerade in den Märchen „1001 Nacht“ muß den Kalifen während anhaltender Todesdrohung unterhalten) – gedeiht eine traurige Liebesromantik, die sich durch alle Schlager zieht. Wo alle Liebe bedingt ist, leistet man/frau kollektiv Anarchie und lebt in Wahrheit nur in seinen Gefühlen, betrügt, richtet sich sein Leben ein und schmachtet un-be-Dingt nach ausschließlich den reinen Dingen des Herzens, die durch die Braut oder den Bräutigam kommen werden, als hätte es den Handel um materielle Dinge nicht gegeben.

img_0344Fotos Markus Termin ©

Matriarchatsforscher unter den Ethnologen bestätigen außerdem, dass die Ehe mit der traditionellen Mitgift eine alte Form des Zusammenlebens ablöste, in der Frauen im Mittelpunkt ihrer Familie standen und am Rand gab es eine Männergruppe, aus denen Liebhaber, Sakralkönige, Krieger, Bauern, ect. hervorgingen. Es ist geschichtlich, aber Romantik als Sehnsucht nach dem Matriarchat, ist nicht angebracht. Die Gründe, dem nachzuforschen, warum und wie solche Gesellschaften sich ändern mußten, und über welchen Weg sie die Entwicklung bis heute genommen haben, gehört zu den spannendsten Pfaden, die wir in Erkenntnis unserer Zukunft gehen können. Das ist leicht. Wir müssen ja nur unsere eigene Gesellschaft angucken. Lesen wir alte Literatur, so ist bemerkenswert, dass insbesondere in Adelskreisen die Idee des Kinder- Ehehandels bis heute ein gewisses Ansehen genießt, fast als wäre die Staatraison in höheren Kreisen Pflicht und die Herzensdinge der Liebe den armen Menschen vorbehalten. Doch gibt es eben auch in diesen höheren Kreisen besonders beliebte Liebesmythen: –  „Ich und die Prinzessin …“ in 1000 und einer Variation.

Warum sollten man/frau frau/man sich trotzdem einer astrologischen Partnervermittlung anvertrauen?

„Lasse“, sagt Jesus,

„Deine linke Hand nicht wissen, was die rechte tut.“

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Sonne im siebten Haus

Nürnberg, 17:01 – das ist nicht New York, sondern unser schönes Nürnberg. Was der Zeitgeist bringt, läßt sich dieser Tage bemerkenswert deutlich studieren. Als die Krise noch ganz frisch war, gab es Werbe-Kampagnen der Auto-Konzerne, die einen glauben machen konnten, nicht mit Benzin wird gefahren, sondern mit reiner Sonnenenergie. Dann kam die Abwrackprämie – zu spät für Saab, die sind schon pleite, Opel und Chevrolet könnten folgen – und nun kann man wieder Anzeigen bewundern, die noch dickere, teuerere und schnellere Vehikel anpreisen, als jemals zuvor! Der Porsche „Panamera“ wird in Shanghai „präsentiert“: klar, sowas braucht der chinesische Reis-Bauer. Gibt es in China ein Geschwindigkeits-Limit? Und sind die Herren so einfältig, nach ihrer VW-Übernahme die Bruchlandung in China erzwingen zu müssen, wo sich dort dieses Jahr die Sonnenfinsternis auswirken wird?

Dies zeigt, dass die Menschen und insbesondere die Auto-Bauer offensichtlich gar nicht in der Lage sind, umzudenken. Ich persönlich als Nicht-Autofahrer kann es gar nicht fassen, wie der Staat dazu kommt, an Autofahrer einfach mal so 2500 Euro zu verschenken. Warum gehen denn wir Fahrradfahrer leer aus?

Unteres Bild mag eine gewisse Schönheit haben, es zeigt jedoch auch ganz eindeutig: da sind zu viele Blechkisten rumstehend (ich schlafe im Fenster gleich gegenüber). Dem Auto mit Benzinantrieb wird aber, glaube ich, keine große Zukunft prophezeit werden können. Bin gespannt, ob wir, wenn Saturn im Mai (18.05.09) direkt geht, substantielle Vorschläge und realistische Utopien zu hören bekommen, dem Notstand abzuhelfen.

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Je rascher man anfängt, einzusehen, dass auch ein neues Fahrzeug, wenn es nur mit Benzin läuft, schon beim Kauf eine Antiquität ist, um so schneller wird sich die sogenannte Weltwirtschaft erholen. Und so funktionierts: sobald die Wirtschaft auch nur marginal wieder anfängt, zu wachsen, werden die Ölpreise explodieren. Der Staat wird auch die Steuern hochfahren müssen, denn schließlich wollen die Schulden zur Banken-Rettung bezahlt werden. Plötzlich sind Autos der Renner, die so gut wie nichts verbrauchen. Das kann man heute schon wissen, das wissen die Herren Porsche & Co. Doch sie melken den Staat, wie eine fette Kuh, also uns. Sie verzichten auf vorausschauendes Planen und wollen erst einmal die Kosten der Entwicklung ihrer Modelle reinholen, die sie vor 10 Jahren geplant haben. Ich kann die Linken nicht wählen, denn ich mag die SED einfach nicht. Diese Wahl ist wirklich ein Dilemma. Und Europa? Nie war das Defizit an Demokratie größer. Kein Mensch weiß doch, wer uns überhaupt in Straßburg vertritt. Und was dort entschieden werden kann, oder ob alles diese ominöse EU-Komission bestimmt, die ohnehin nicht demokratisch ist.

P.S.: Heute ist Pluto-Mars Quadrat, also Obacht: keinen Streit vom Zaun brechen. Pluto-Mars ist eine Einladung, Geschirr zu zerbrechen und bleibenden Schaden anzurichten. Halten wir es lieben mit Ghandi: verändern wir selbst uns so, wie wir die Welt verändern wollen (oder den Partner).

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Das Lamm

Auf einem Spaziergang

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Was Schafe für mächtige Tiere sind, habe ich in dem ehrfürchtigen Film über Andy Goldsworthy und seine Land-Art gelernt: Goldsworthy, ständig mit den Händen Material aus der Natur der Disziplin seines Geistes unterwerfend, ohne dabei auf die Vermittlung von Maschinen oder Mechanik angewiesen zu sein, (sieht man einmal von seinem Fotoapparat ab, der die fragilen Eis- Stein- und Blatt-Skulpturen dieses unermüdlichen Bild und Wirklichkeit-Erschaffers immer für alle sichtbar macht und in der Zeit verlangsamt, soweit dies unser Bewußtsein betrifft).

„The shep“, sagt Goldsworthy, is a „mighty animal“ – und verweist wettergerbt über die ebenso grünen wie kurz gefressenen nahezu baumlosen Hochebenen Schottlands. Dermaleinst sei hier Wald gewesen. Die Schafe jedoch prägen die ganze Landschaft.

Schafe gelten als Tiere des Jupiter.

Astrologie Nr. 4:

Wir können uns über dieses Bild nochmal der Ich-Du-Achse annähern. Dem ersten und dem siebten Haus der Astrologie. Was ist überhaupt ein Haus? In der Astrologie ist das unsere Zeit-Raum-Einheit einer Einteilung unseres täglichen Raumens in 12 Doppelstunden. Die Häuser sind nur unterschiedlich groß, weil sie jeweils die selbe Zeiteinheit für unterschiedlich großen Raum beanspruchen, weil jener Planetengürtel, den die Sonne um sich hält, in seiner Bahn geneigt ist, gemessen an der Erdneigung. In Wahrheit ist es also umgekehrt: die Erde ist geneigt. Wo sie im Winkel zu stark geneigt ist, werden die Häuser riesig oder minimal, und an den Polen, wenn die Sonne nicht unter- oder aufgeht, bekommt man diese Häuser sehr abgewandelt, dort gibt es praktisch nur noch zwei Quadranten.

Man kommt vom hundesten ins tausendste! Die „Ich – Du-Achse“ zeigt uns das Horoskop, jenen schönen bunten Kreis, als Raum-Geist Gefüge. Doch dazu müssen wir wirklich erst einmal auf den Himmel gucken! Haben Sie es gemacht? Es ist wirklich nicht nötig, gleich den ganzen Himmel zu kennen. Dazu sollte man sich in einer lichtarmen Region extra Zeit nehmen. Aber mal heut Abend zu sehen, wie leicht es ist, Saturn zu finden, wenn man/frau sich nur am Mond orientiert, und also zu einer bestimmten Zeit – weil wir ja, sie erinnern sich, gestern gesagt haben, Saturn sei so gegen 22:30 zehn Grad vom Mond entfernt – Sie sich vorstellen können, wie räumlich wir selbst wirklich sind.

Vielleicht sollten Sie sogar schon früher gucken, denn 10 Grad ist schon erstaunlich weit weg, und Saturn ist – gemessen am großen Mond, stecknadelkopfgroß. Dies jedoch, haben wir ihn einmal entdeckt, sollte uns zu einer Meditation über die Größe des Sonnensystems veranlassen. In lichtarmen Gebieten, wo man oft die Milchstraße sehen kann, kommt eine weitere notwendige Dimension hinzu. Dimension meint hier: Differenz.

Das „In den Himmel“ gucken ist Ihnen übrigens am jetzigen Punkt gelungen, wenn sie sich anhand des Abstands von Saturn und Mond ein Bild des 360º Kreises als gedachter Gürtel um die Erde vorstellen können. Die Richtung dieses Gürtels – Ekliptik genannt – finden Sie ja in der Linie Saturn-Mond. Ich finde übrigens, man kann wirkliche Lichtlinien zwischen den Himmelskörpern sehen, spinnwebenfein. Und der Saturn? Der kleine Punkt? Diese Entfernung – seine Unschärfe rührt von den Ringen her – zeigt dann zur Orientierung unsere Position im Sonnensystem, denn Saturn ist nach dem Mond der näheste sichtbare Planetenkörper des Nachts. Natürlich nur zur Zeit! Wo aber drei Punkte sind unterschiedlicher Entfernung sind – mit der Milchstrasse wären es dann fünf, denn auch sie ist nochmal ein Hintergrund zum Raum-wahrnehmen – da ist eben auch Raum.

Dazu ein kleiner Exkurs in die Philosophie: eine Differenz entsteht immer dann, wenn wir zwei verschiedene Gegenstände haben: der eine ist immer anders, als der andere. Das ist logisch. Nun kommt aber ein nächster Sprung hinzu: wir, die wir zwei Gegenstände betrachten, sind schon ein dritter, – nun sagen wir nicht mehr „Gegenstand“, sondern sprechen von einem Subjekt – also wir selbst – und Objekten in der Außenwelt. Schon bemerkt jeder die Differenz. In der Philosphie ist also der Begriff „Differenz“ sogleich verbunden mit der Frage nach allem Sein: weil wir dadurch – und jetzt kommt das vierte – dass wir nicht nur als drittes zwischen zweien sind und diese beiden wahrnehmen, also differenzieren, denn schon wahrnehmen heißt: „Einen Unterschied machen“, sondern dass wir außer diese beiden wahrzunehmen auch noch wahrnehmen – differenzieren – können, wie wir selbst uns selbst wahrnehmen. Ab hier wird es richtig interessant. Denn damit sind Sie – Esoterik – in jenen abgelegenen Tempel gelangt, der in Ihnen selbst das Tor zur Herkunft aus der Erde zu einem offenen Tor in die Freiheit des Geistes macht. Denn „zu wissen, dass man/frau weiß“ ist schon ganz geistig, ist schon eine Gegenwart der geistigen Welt in unserem Dasein.

„Esoterik“ übrigens ganz offenbar und gar nicht geheim. Das ist, wie mit dem Duft einer Rose. Sie denken sich den Duft einer Rose, und ein klein wenig haben sie ihn in der Nase deswegen. Ihr Gegenüber weiß davon nichts. Daher ist dieses Wissen „esoterisch“. Esoterisch bedeutet im Sinne von „verborgen“ alles, was naturgemäß verborgen ist, weil wir diese Erfahrung in uns haben, und sie eben allein schon deshalb nicht objektivierbar ist, weil wir selbst ja das handelnde Subjekt sind.

Wenn wir noch weiter gehen können und wollen, dann suchen wir das philosophische Gespräch. Es gibt Menschen, die können ein solches Gespräch kaum ertragen. Oder sie führen es tief emotional. Oder gar nicht. Oder auch zynisch. Oder aber auch mit Feinfühligkeit und Interesse.

Wenn wir nun zur Ich-Du Achse zurückkommen, dann können wir merken, wie, gleich der Küstenlinie, wo das Wasser an die Felsen brandet, überall solche Grenzen sind.

Diese Grenze ist die Ich-Du Achse und darum ist der Aszendent, also das aufsteigende Zeichen im Osten: und wir erinnern uns, einmal am Tag muß jedes Teichen aufsteigen, so ist Tag einfach definiert, die Energiequelle des Horoskops, so wichtig.

Wenn Sie sich nun vorstellen, der Fluss fließt von der Quelle an, und da kommt der erste Punkt, wo sich am Ufer des Flusses Strudeln bilden, die die Fließrichtung umkehren, was ja eigentlich sofort passiert, aber hier geht es um das Bild: da fließt also das Wasser kurz in Gegenstromrichtung, um dann aber wieder den Weg in Stromrichtung zu finden, dann haben wir die Bedeutung des Du-Punktes im Horoskop.

Wenn sie in diesem Bereich – im 7. Haus, dem Du-Haus den Mars im Löwen haben, dann bleibt das ihr persönlicher Löwe-Mars. Und doch geht die Kraft, weil sie etwas entfernt steht, ebenso, wie Sie Ihnen gehört, auch von anderen aus.

Es gilt also sich zu merken: Das Horoskopbild ist ein maßstäblich reduziertes Modell des Tierkreises, der nicht von den „Sternbildern“ her stammt. Die wahrscheinlichere Herkunft des Tierkreises ist älter, als die Bezeichnung der Sternbilder, denn viele Kulturen kennen die Einteilung der Ekliptik nach 12 mythischen oder archetypischen „Bilder“, doch die Bilder sind unterschiedlich.

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Keine Stelle, die Dich nicht sieht …

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Peter Sloterdijk (26.06.1947 in Karlsruhe), der größte lebende Sophist unserer Sprache, hat eben ein Buch veröffentlicht. Es heißt: „Du mußt Dein Leben ändern.“ Darin entwirft er ein Szenarium unserer Zukunft. Er bietet einen philosophischen und zeithistorischen Leitfaden, unsere Zeit zu verstehen und die richtigen Dinge zu tun. Richtig ist, und das sagt schon der Titel: „Du mußt Dein Leben ändern.“ Dieses Zitat ist einem Rainer Maria Rilke Gedicht entnommen, das mir durch meinen Freund B. „Doc“ Frank vertraut wurde:

Archaischer Torso Apollos

Wir kannten nicht sein unerhörtes Haupt,
darin die Augenäpfel reiften. Aber
sein Torso glüht noch wie ein Kandelaber,
in dem sein Schauen, nur zurückgeschraubt,

sich hält und glänzt. Sonst könnte nicht der Bug
der Brust dich blenden, und im leisen Drehen
der Lenden könnte nicht ein Lächeln gehen
zu jener Mitte, die die Zeugung trug.

Sonst stünde dieser Stein entstellt und kurz
unter der Schultern durchsichtigem Sturz
und flimmerte nicht so wie Raubtierfelle;

und bräche nicht aus allen seinen Rändern
aus wie ein Stern: denn da ist keine Stelle,
die dich nicht sieht. Du mußt dein Leben ändern.

Aus: Der neuen Gedichte anderer Teil (1908)

Ich habe das obige Buch von Sloterdijk noch nicht gelesen, sondern, er möge es mir verzeihen, nur sein Interview/bzw. Rezension zur Veröffentlichung in der Zeit und auch im Spiegel gesehen. Daran, dass beide konservativen Meinungsmacher – weitere kommen sicher hinzu und sind nur mir bisher entgangen – sich zeitgleich zu Wort melden, sieht man, wie es Sloterdijk gelungen ist, die Flügel des Zeitgeist-Drachens gleichzeitig auszubreiten, wie schon so oft – erinnern wir uns an seine Rede „Regeln für den Menschenpark“. Er vertritt seine Sache im Interview knapp und gut, vor allem aber selbstbewußt. Er sei, sagt er, eine geteilte Persönlichkeit: einerseits ein ratloser Zeitgenosse, wie alle anderen auch, andererseits jedoch ein gewissenhafter Auswerter von historischen Großzyklen, und er kann deshalb ungefähr die Richtung angeben, Rat geben, wie er sich wörtlich ausdrückt. Aus seiner Intention, sein Buch zu vermarkten, um damit selbst auch keine Krise zu haben, dürfen wir uns endgültig nicht mehr stoßen. Es ist bekannt, wie Gutes auch unter die Leute gebracht werden will: der Markt ist der wahre Demokrat. Sloterdijk hat jedoch, jeweils zur richtigen Zeit, mehr als poetologische Bestandsaufnahmen in einem unterhaltenden Kompositionsstil aus Philosophie, Soziologie und Zeitgenossenschaft mit einer ungeheuren Informationsfülle an Spezialwissen „angereichert“, welches Sloderdijk auch noch humorvoll präsentiert, oder gemessen, je nach Anlass. Dieses Spezialwissen ist durch ein ungeheures Gespühr für übergeordnete Ebenen gesegnet. Es gibt außerdem geradezu geniale Gedanken von ihm. Dazu zählt der Begriff „Eurotaoismus“ und überhaupt seine politische Europa-Vision, die einen starken Akkord in die alte/neue Orgel bläst. Ich nenne ihn nur deshalb „Sophist“, weil er atheistisch argumentiert. Und zwar gleich im Interview erklärt er uns seine mitgebrachte und grund-konstitutive Weisheit: Gott sei so eine Art unglaublich gelungene Selbmotivations-Fiktion gewesen. Jetzt aber dürfen wir nicht mehr auf Gott vertrauen: wir müssen selbst die Ärmel hochkrempeln, und etwas verändern – um wieder den Titel zu streifen – – – -:

Solderdijk wäre nicht Sloterdijk, würde er nicht in seinem Buch, welches ich unverschämterweise hier bespreche, ohne es gelesen zu haben, ebenfalls auf das Gedicht eingehen, dessen letzte Zeile er zum Titel seines Werkes macht. Und diese Analyse ist bei ihm immer sehr scharfsinnig und auch inspirierend. Doch wegen des angekündigten Atheismus werde ich es nicht lesen! Rilke, der dem Titel die Zeile geliehen hat, war selbst zutiefst religiös.

Sloderdijk ist ein Krebs mit Waage-Mond. Rilke hat einen Wasserman-Fische Mond, einen Jungfrau AC und die Sonne auf 12.26 Grad Schütze. Doch der eine hat Saturn im Löwen, der andere im Wassermann. So ist der eine auf Wassermann-Art getauft – durch Geist – der andere nach Löwen-Art beherrscht in seinen Herzens-Entscheidungen (und mit Pluto-Saturn Konjunktion im Löwen auch wirklich machthungrig!), die gleichzeitig ein Höchstmaß an Struktur von ihm verlangen. Mir fiel besonders die Mars-Pluto Verbindung zwischen Rilke und Sloterdijk auf. Und es wäre Sloterdijks Mars, der ungefähr auf Rilkes Pluto trifft.

Der Moment, an dem Philosophen zur gesellschaftsverändernden Tat schreiten wollen, indem sie den kategorischen Imperativ „Du mußt“, zitieren, sollte zumindest aktuell – bei einem Quadrat Merkur-Pluto, einer rückläufigen Venus, die mehrere Quadrate zu Lilith und Pluto bildet, genau beobachtet werden. Und das wird es, so dass man ausnahmsweise den Spiegel loben muß mit seiner zynischen Vernunft.

Natürlich bin ich mir dessen bewußt, jetzt in die christlich fundamentalistische Ecke gestellt zu werden. Kann der Mann nicht dennoch gute Gedanken haben? Und bietet der Papst in seiner moralischen Schwäche aus machtpolitischen Gründen, die auch er selbst aber für das hält, was seine Aufgabe in der Menschheit ist, ein schwaches Bild. Ist er nicht durch die Allianz mit dem gesunden Menschenverstand der Urknall-Fetischisten kompromittiert? Das sind alles Gedanken dazu. Mein Hauptargument ist aber die Zeit: jemand, der öffentlich die Richtung als ohne Gott denkend propagiert, kann mir, so glaube ich, nicht wirklich Tiefes sagen. Dennoch ist Sloderdijks Anliegen richtig. Ob er aber die Richtung der Änderung kennt?

Ich glaube, Sloterdijk, wie er im Interview ja auch sagt, ist eine gespaltene Persönlichkeit, ein Gott-Verneiner als Gott-Suchender. Er hält es mit der Gestaltkraft von tiefen Visionen und betrachtet sich als verantwortlich: so ist auch der praktische Effekt seiner Haltung deutlich: dadurch, dass ich mich selbst verantwortlich mache, und nicht Gott, kann ich wirklich etwas erreichen.

Können wir anders, als uns dem anschließen? Vielleicht ändern sich einige Leute doch. Und Sloterdijk bleibt seiner „Kritik der zynischen Vernunft“treu?

Wie steht nun ein tief spiritueller Mensch, wie beispielsweise Marc Jongen, ein Mitarbeiter und Kollege an der Karlsruher Hochschule für Gestaltung Peter Sloterdijkts zu seinem Gedankengut? Ich weiß es leider nicht, aber ich bin gespannt auf seine Gedanken. Sloterdijkt dominiert als Medien-Philosoph den Diskurs. Er kann wirklich sehr sehr gut mit Sprache Bilder malen. Ein spiritueller Mensch würde sagen: „Peter, es geht über unsere Vernunft und auch die Fähigkeit zu steuern hinaus. Menschen erleben dies aus der Entschlüsselung dessen, was ihnen im Alltag begegnet.“ „Denn da ist keine Stelle, die Dich nicht sieht.“

Mit freundlichen Grüßen,

Markus

Weltbild

Till Eulenspiegel

till_eulenspiegelAbbildung 1515, erste erhaltene Ausgabe, da ging Pluto in den Steinbock, wie heuer auch.

Schon gestern hatte ich Gelegenheit, das Mond-Saturn Thema in Verbindung mit der Eule zu bringen.

„In großen Tagesreisen wanderte Eulenspiegel nach Nürnberg und blieb da 14 Tage. In der Nähe der Herberge, in der er sich aufhielt, wohnte ein frommer Mann, …“

so fängt die Geschichte an;  sie endet wie folgt, nachdem Eulenspiegel, der nicht zur Tafel geladen war, im Stil seiner naiv-derben Possen den Herren im Nebenzimmer tüchtig eingestänkert hat:

“ … Der Wirt merkte an seinen Worten, daß er von dem Gestank etwas wußte. …“

Hier ist alles schon passiert, Eulenspiegel war´s, jedoch er gibt es nicht zu!:

Aber er konnte nicht begreifen, wie Eulenspiegel das gemacht hatte, und wunderte sich sehr. Als Eulenspiegel aus der Stadt heraus war, begann der Wirt, in seinem Haus zu suchen, und fand den Blasebalg, der arg beschissen war. Er fand auch das Loch, das Eulenspiegel durch die Wand in seines Nachbarn Haus gebohrt hatte. Da durchschaute er die Sache sogleich, holte seinen Nachbarn dazu und erzählte ihm, wie Eulenspiegel dies alles getan habe und wie seine Worte gewesen seien.“

Nun hat gestern die NGO Attac, eine Nicht-Regierungs-Organsitation zu der als prominenter Vertreter in Deutschland auch Heiner Geißler gehört, eine Zeit-Ausgabe optisch gekapert, und das Erscheinungsbild des erlauchten Wochenblatts benutzt, um ein Spiegelbildliches Doppel zu produzieren, in dem Zukunftsnachrichten entworfen wurden. Also eine Art „Beschiss“.

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Und so geht der Original-Eulenspiegel weiter:

„Der reiche Mann sprach: »Lieber Nachbar, von Toren und Spielleuten hat niemand einen Vorteil. Darum will ich sie nicht in meinem Haus haben. Ist mir nun diese Büberei durch Euer Haus geschehn, so kann ich nichts dabei tun. Ich sah Euern Gast als einen Schalk an, das las ich an seinem Wahrzeichen. So ist es besser in Euerm Haus als in meinem Haus geschehen, vielleicht hätte er mir noch schädlichere Dinge angetan.«

Gleich doppelt ist Eulenspiegel Mond-Saturn, der Spiegel aber selbst ein Mond-Merkur Thema. Wir haben also die Eule: Mond-Saturn, und auf der anderen Seite den Spiegel: Mond-Merkur. Die Verdopplung einer Drucksache ist also wirklich eine gelungene Eulenspiegeliade, zumal DIE ZEIT sich nicht wehren kann, müßte sie doch andernfalls gegen diejenigen vorgehen, über die sie selbst zu berichten hat, und sich daher von Anfang an mit dem Befangenheits-Nimbus für einen objektiven Bericht disqualifizieren.

„Eulenspiegels Wirt sagte: »Lieber Nachbar, Ihr habt es wohl gehört, und also ist es auch: Vor einen Schalk soll man zwei Lichter setzen, und das muß ich wohl auch tun, denn ich muß immer allerlei Gäste beherbergen. Wenn ein Schalk kommt, muß man ihn aufs Beste bewirten.«“

Eine weitere Möglichkeit wäre, sie hätten es abgesprochen und DIE ZEIT war einverstanden, ein wenig nordisch-style verschaukelt zu werden. Dafür spricht die außerordentliche Qualität des Plagiats. Dies wäre dann jenes kluge „auf´s Beste bewirten“. Die Leute, in diesem Fall mein Café-Haus-Wirt, haben zwar z. Zt. wenig Humor und müssen extra darauf verweisen, dass dies nicht echt sei, die Vorschläge des Zeit-Plagiats selbst sind aber prächtig.

„Damit schieden sie voneinander. Eulenspiegel war dagewesen und kam nicht wieder.“

Die fiktiven guten Nachrichten sind vom 1. Mai 2010; ob dieses Beispiel wiederholt wird, sagt noch keiner:

„Sicherlich – ein paar Weltverbesserer wollten schon damals alles ändern. Eine gerechtere Gesellschaft sei möglich, das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht, hieß es. Wenn jemand überhaupt darauf reagierte, dann mit Spott oder Entrüstung. „Unrealistisch, Wünsch-Dir-was-Politik, unbezahlbar,“ war die einhellige Meinung von Chefredakteuren, Professoren und Ministerinnen. Doch um die Meinungsführer von damals ist es längst still geworden. In den vergangenen Monaten wurde die Welt derartig auf den Kopf gestellt, dass dem einen oder anderen immer noch schwindelig ist.“

Von 13:10 bis 22:08 war gestern der Mond „void of course“ also im Wassermann nur Neptun getränkt, denn die Konjunktion zu Neptun war im Wassermann sein letzter Aspekt. Und Neptun: sagt nicht immer die ganze Wahrheit!

mond-neptun