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Venus in den Fischen

Nürnberg, den 14. März 2008 16:46 – Regen, ziemlich kühl. Was haben wir nur für ein Glück, in Breitengraden zu leben, wo die Erde rechtzeitig vor dem Frühling dermaßen mit Wasser gesättigt wird, dass die Pflanzen später ganze Monate trinken können und alle Flüsse voller Wasser sind. Ich hoffe, es kommt bald wieder eine Zeit, in der dieser Segen als solcher empfunden, wahrgenommen, gepflegt und gefeiert wird. Leider sieht es zunächst nicht danach aus. Da kam gestern über die Medien die Nachricht, Kroatien hätte nun in der Frage seiner einseitig seit 2004 eingerichteten Fischereischutzzone in der Ost-Adria zu Gunsten des EU-Beitritts, der ansonsten gefährdet gewesen wäre, nachgegeben, und die Schutzzone aufgehoben. Wie bitte? Umgekehrt würde ein Schuh draus! Dort gibt es Delfine, das sind Venus-Tiere, wahrscheinlich intelligenter als Menschen, und die Adria ist ohne Zweifel ein Fische-Revier (wenn auch Kroatien der Jungfrau zugeordnet wird). Jeder weiß, dass die Adria so hoffnungslos überfischt ist, man importiert gefrohrenen Seelachs aus dem Nordatlantik, den man dann in den Hafenrestaurants in Zagreb oder Split angeblich fangfrisch serviert. Statt nun die Schutzzone für eine prima Idee zu halten und auf Italien und Slowenien und am besten die ganze Adria auszudehnen, damit sich die Bestände erholen können, wird Kroatien EU-seits erpresst, doch bitte solche Eskapaden zu lassen. Es gehört nicht zu den kleinen Enttäuschungen meines Wahlbürgerlebens, wie sich der Grüne Ex-Außenminister Fischer in seiner Staatsmannspose noch immer gefällt, gefallen hat, ohne auch nur einen Deut an diesen oder anderen internationalen Raubtiergrundhaltungen, von denen die industrielle Ausbeutung der Meere nur eine ist, zu ändern, geändert zu haben, oder wenigstens als Themenschwerpunkt in der Welt zu etablieren. Auch dies, zugegeben, ein Neben-Katastrophen-Effekt des Krieges, von wichtigen Dingen abzulenken. Die Presse interessiert sich scheinbar einzig für einen Hoheitsgebiets-technischen Polit-Krimi, und nicht für die Frage, warum man nun diese Fischereischutzzone eigentlich für nötig hielt? Hier exisitiert dieselbe Kollektiv-Hypnose in der Ursachenfrage, wie bei der Frage des immer breiter werdenden Grabens zwischen Reich und Arm oder dem Zusammenhang der Amerikanischen Wirtschaftskriese mit dem Iraq-Krieg. Venus, die in den Fischen erhöht ist (kein Wunder, wurde sie doch als Aphrodite aus den Blutstropfen ihres verstümmelten Vaters Uranos und dessen Gemächte, die Chronos ins Meer geworfen hatte, erschaffen) steht seit heute ebendort in den Fischen und wird sich mit dem Götterboten, ihrem Bruder Hermes treffen. Mögen die beiden allen Fischen Liebe bringen und der angekündigten Mittelmehrunion (auch so eine neptunische Nachricht von gestern) die Erleuchtung, das ganze Meer zur Schutzzone zu erklären! Ich bestehe darauf.