„Der Laboratoriumstisch muß erst zum Altar werden.“

Liebe Leserinnen und Leser,

dankbar nehme ich hier dieses Zitat Rudolf Steiner-Zitat auf, wie hier im letzten Post kommentiert wurde. Im Grunde gab es bislang nur vier oder fünf Menschen des Geistes, denen zuzutrauen gewesen wäre, daß sie verstünden, was Steiner damit oben meinte. Das waren Martin Heidegger, Michel Foucault und Jacques Derrida. Und wenn einige etwas verstehen, dann können wir alle es verstehen.

Wie aber verträgt sich das mit dem Begriff „Wissenschaftsreligion“, den Paul Feyerabend, den wir auch noch in die Runde aufnehmen müssen, (Widder-Mond und Steinbock-Sonne, Mars im Krebs und Venus im Wassermann; Jupiter im Schützen und Saturn im Skorpion, Merkur in Cazimi … ) … den also Paul Feyerabend prägte, wie verträgt es sich mit dem Satz Rudolf Steiners vom Laboratoriumstisch und dem Altar? Man denkt gleich an die „Ethikkommission“ und die sogenannte Pränataldiagnostik, und jetzt auch die „Ethikkommission“ in Bezug auf das „Moratorium“ der „Alten Meiler“

Ihr merkt vielleicht, liebe Leser, daß ich Worte in Anführungsstrichlein setzte, die durch die Hervorhebung ihren mythischen Sound offenbaren. Martin Heidegger ist derjenige, der uns erklärt, warum Fukoshima und die Pränataldiagnostik ein Thema sind, nämlich unter dem Begriff der Technik. Das heißt, wie auf allen Lebensgebieten, finden wir die Lösung in einem höheren Standpunkt, der Dinge führen und zusammenfassen kann. Ohne viel nachzudenken, werden wir auch den Begriff „Verantwortung“ wegweisend zu Fukoshima und Pränataldiagnostik hinzufügen dürfen, als einem der unmittelbar verständlichen gemeinsamen Nenner, ich denke, da werden alle zustimmen.

Selbstkritisch müssen wir zugeben, daß dieser Titel auch uns Astrologen zu denken geben sollte: wobei Feyerabend ganz praktisch erläutert, daß es tatsächlich mehrere denkbare Erkenntniswege gibt, und klar beschreibt, daß die naturwissenschaftliche Methode nur ein möglicher Erkenntnisweg ist.

Rudolf Steiner würde ihm vehement widersprechen, und klar Stellung für die wissenschaftliche Methode nehmen, und obwohl Feyerabend (und auch Steiner) erklärte Freunde der Astrologie sind, finden wir hier eine Differenz, (zwischen Steiner und Feyerabend), die Derrida und Foucault vielleicht gern mit dem Dekonstruktivisten Meister Eckhart diskutiert hätten?

Der springende Punkt ist der: Steiner sagt, daß die wissenschaftliche Methode auf die Gebiete des Geistes erweitert werden kann, und dann, wenn man es tut, sich eine Welt eröffnet, die dem inneren Auge wahrnehmbar ist, aber diese Welt ist logisch, wie die Welt des alltäglichen Gegenstands-Schauens auch. Eine andere Form von objektiver Bewegung ist in dieser Welt, die man auch als „Jenseits“ bezeichnen könnte.

Feyerabend denkt in der Öffnung des wissenschaftlichen Horizontes an Methoden der praktischen Philosophie. Er sagt: „Woher wollen wir wissen, daß ein „Regentanz“ der Hopi-Indianer funktioniert, oder nicht, wenn die Hopi-Indianer selbst zum Funktionieren ihrer Methode sagen, daß alles nur aus der ganzen Kraft ihres intakten Sozialwesens funktionieren würde, einer Erkenntnis, der wir uns sofort anschließen würden, was unsere Heimat betrifft, die wir aber in Bezug auf die Kraft des Regentanzes belächeln zu können meinen, oder nicht begreifen überhaupt.

Paul Feyerabend meint mit „Wissenschaftsreligion“ den Glauben einer Sozialgemeinschaft, die ihre eigene Methode zum Dogma erklärt hat.

Steiner sagt, man könnte der Relativitätstheorie nicht „logisch“ beikommen. Und hier irrt sich Steiner, und das ist bemerkenswert. Nicht, um ihn  zu „fangen“, sondern um zu begreifen, was einer sagt, und wo seine Grenzen sind … Was aber bei Rudolf Steiner zugegebenermaßen ziemlich egal ist, weil seine grandiosen „Visionen“ weniges Nötige durchaus entschuldigen.

Mars auf „kritischen Grad“, wechselt das Zeichen …

Mit freundlichen Grüßen,

Markus


8 Gedanken zu “„Der Laboratoriumstisch muß erst zum Altar werden.“

  1. Es ist bezeichnend, daß in der Weltsicht durch die Brille „der“ wissenschaftlichen Methode, die Welt gestaltlos wird. Diese Gestaltlosigkeit des wissenschaftlichen Weltbildes (besser, der wissenschaftlichen Weltformalismen) ist eine direkte Konsequenz der verwendeten Methode und hat keinerlei Aussagekraft über eine Realität die ihrem Wesen auch gestalthaft/wirklich ist. Sich darüber zu wundern ist, als ob man eine rote Brille aufsetzte und dann überrascht wäre, daß alles nun rot erscheint.
    Inhaltliche Fragen, also auch solche nach dem „Geist“ (Defintion bitte, dieser Begriff ist einer der am häufigsten gebrauchten und am wenigsten verstandenen/definierten Begriffe überhaupt) können mit der wissenschaftlichen Methode nicht beantwortet werden. Somit ist eine umfassende, holistische Erforschung von Universum und Leben mit dem, was wir heutzutage Wissenschaft nennen und Leute wie Dawkins als das Größte seit der Erfindung von Schnittbrot feiern, nicht möglich.

  2. Conny

    „Der Laboratoriumstisch muß erst zum Altar werden.“
    So manches Experiment würde dann gar nicht erst in Frage kommen, weil man gewisse Dinge auf einem Altar, d.h. in Anerkennung des Prinzips, einfach nicht tut.

    Gruß,
    Conny

  3. Ich stolpere immer, wenn der Begriff „Wissenschaftlichkeit“ als stehender, definierter Begriff verstanden wird und die Aussagen verschiedener Menschen und unterschiedlicher Zeiten zur Wissenschaft einfach nebeneinander gestellt werden.
    Rudolf Steiner hat den Wissenschaftsbegriff seiner damaligen Zeit(!) in seinen eigenen geistenswissenschaftlichen Begrifflichkeiten neu definiert. Ich denke, es war der Versuch einer kosmopolitischen Erweiterung einer starken Verengung der Sicht auf die damaligen Lebensbedingungen und Realitäten in der Wissenschaft.
    Der heutige Wissenschaftsbegriff lässt sich auch nicht mehr ohne weiteres mit dem von vor hundert Jahren eins zu eins setzen, deswegen halte ich es für problematisch, Aussagen zur Wissenschaft aus verschiedenen Zeiten nebeneinander zu diskutieren, ohne die Differenzen zu beachten.
    Innerhalb der gegenwärtigen Wissenschaftsszene ist Dawkins auch nicht „der Nabel der Welt“. Er hat eine gute Presse nach außen und wirkt so wie ein Alleinvertreter der Wissenschaft. Die Riege der Quantenpysiker und Neurowissenschaftler, die in ganz andere Ebenen der Wissenschaft vordringen, schreien nicht so laut und haben auch keine so effektive Presse.
    Was ich damit sagen will: Wissenschaft ist kein stehender Begriff, nichts statisches sondern ein lebendiger Prozess der sich ständig verändert. Die Art der wissenschaftlichen Forschung hängt von den Menschen ab, die forschen und von denen, die das Geld für die Forschungen geben. Und sie ändert sich laufend, angelehnt an die Bedürfnisse einer Mehrheit von Geldgebern. Und nach diesen Bedingungen definiert sich Wissenschaft. Wer anderes forschen möchte, muss sich damit mutig in den „unwissenschaftlichen“ Bereich begeben, wie z.B. Rupert Sheldrake, um nur einen prominenten Namen zu erwähnen.

    grüße
    ameli

  4. Ich möchte den Begriff der „Verantwortung“ am Ende des Berichtes aufnehmen und zitieren den Schweizer Philosoph und Schriftsteller Armin Risi:
    Als Begriff ohne Plural bezeichnet „Religion“ das Zentrale, Gemeinsame und Verbindende aller Religionen und ist damit gleichbedeutend mit dem neutralen Begriff „Spiritualität“, von dem es ebenfalls keinen Plural gibt.
    ….. Essenz aller Religionen: die individuelle Beziehung von Mensch und Gott, das innere Wort Gottes an den Menschen und die Ant-Wort des Menschen an Gott. Dieses innere Wort -der Ruf Gottes im Herzen- ruft nach Antwort, und Antwort zu geben ist die Verantwortung des Menschen!* Mit anderen Worten: Leben in echter Spiritualität (Religion) ist die Verantwortung des Menschen und gegenüber sich selbst und gegenüber der Welt.

    *Noch deutlicher … im Englischen: response (Antwort) und responsibility (Verantwortung)= response-ability, die Antwort-Fähigkeit.

    Jetzt ich: Bewusstwerdung macht Antwortfähigkeit.

    Herzlich Monika

  5. Hallo Monika,

    vielleicht dazu noch diese Worte von Steiner:

    „Verantwortung des Menschen gegenüber den Göttern“

    „Wir müssen durchaus daran festhalten, daß wir Menschen nicht um unserer selbst willen da sind, sondern um die göttlichen Pläne mit der Welt zu verwirklichen. Halten wir uns das vor, daß wir eigentlich, indem wir das eine oder andere tun, die Intentionen der Götter ausführen, daß wir gewissermaßen die Gehäuse sind, um das zu verwirklichen, was als Strömungen herunter fließt und sich verwirklichen will in der Welt; daß wir keinen Augenblick ermangeln, den ganzen Ernst und die ganze Würde zu empfinden.“
    (aus GA 300a)

    Herzliche Grüße
    Mythopoet

  6. Was ich damit sagen will: Wissenschaft ist kein stehender Begriff, nichts statisches sondern ein lebendiger Prozess der sich ständig verändert.

    Das ist absolut gesehen richtig, in Bezug auf die Realitäten der heutigen Gesellschaften aber eben leider nicht. Das wissenschaftliche Establishment hat sich selbst einen Rahmen verordnet, die „wissenschaftliche Methode“, ein Art Standard, der es dem Establishment erlaubt, die Reichweite der Wissenschaft zu kontrollieren, begrenzen. Was nicht der wissenschaftlichen Methode genügt, sich also nicht der gewünschten Matrix unterwirft, wird als „unwissenschaftlich“ diffamiert, mit weitreichenden Folgen für die diffamierten Personen und ihre Möglichkeiten ihre Forschungen zu betreiben und einem breiten Publikum zugänglich zu machen.

  7. Cheironos

    „Der Laboratoriumstisch muß erst zum Altar werden.“
    Die Alchemisten haben das auch gewußt, ich vermute mal lange vor Steiner! ;-)
    Und, sie wußten auch, daß es dienlich ist, ein Musikinstrument zu meistern.

  8. Conny

    Hallo Scorpiosgladius,

    das ist allerdings wahr und deshalb kommt auch über den offiziellen „wissenschaftlichen“ Forschungsweg nichts wirklich Neues. Kein Rahmen wird je seine eigene Sprengung fördern oder unterstützen, im Gegenteil, so dass sich das Neue zwangsläufig im Inoffiziellen manifestieren muss, am Rande der Stadt sozusagen und außerhalb ihrer Mauern. Das war schon vor 2000 Jahren so und ist eigentlich in Ordnung, dann müssen sich die Menschen auf den Weg machen und damit sprengt sich die Matrix von selbst. Mauerfall.

    Gruß,
    Conny

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