„Jupiter Ascending“

Liebe Leserinnen und Leser,

im nachhinein erweist sich dieser Film – und cineastisch von den Matrix-Machern „Wachowski Starship“ ja sogar zu Recht, weil sie im Prinzip nur den Trend fortsetzen, den sie selber in die Welt gesetzt haben, als wilde Mischung von Zitaten, dabei (wie in Hobbit) dem Slapstick nicht auszuweichen – das ist neu – alt hingegen seit Matrix jenes Ebenen/Reality-Mix, das wirklich die cineastischen Möglichkeiten einsetzt und mehr noch – nur dort anschaulich realisiert werden kann.

Und wieder ist der neue Film (Cloud-Atlas habe ich nicht gesehen) ein Spiel mit den Begriffen „Simulation“ und „Realität“.

Der magische Eingang, der interessanterweise gewählt wird, ist die Astrologie. Einmal natürlich im Namen des Films. Jupiter aufsteigend … Jupiter Jones stellt sich – ein russophobes Intro über die Ermordung ihres planetengucksüchtigen britischen Vaters in St. Petersburg geht voran – als geboren im „Sternzeichen“ Löwe* mit Jupiter am Aszendenten auf 27 Grad vor – aber /Schnitt/ und dann Gesicht der freundlichen Frau Jupiter: das Problem mit der Astrologie sei, „daß sie totaler Schwachsinn ist.“

Nächster Schnitt: es wird gleich der schakespearehafte Auftritt des bösen häßlichen Königs geboten, man glaubt sich auf der Bühne. Also etwas ebenfalls sehr unglaubwürdiges, eine bewußt zum Weltbild der Astrologie in Konkurrenz tretende Phantasiewelt, die aber gleichwohl dazu angetan sein wird, das Bewußtsein der Jupiter Jones im Reich der Phantasie – aber jenseits des „totalen Schwachsinns Astrologie“ – eine wahrere Welt erfahren zu lassen: das Reich der Technik.

Was passiert folgerichtig auf der Bühne? Sie wird durch unglaubliche technische Simulationen von raum-gleitenden Flugobjekten jeder Art vergrößert, und schließlich wird die wahre Erde, unsere blaue Murmel im Hintergrund Teil der Bühne des Films … Das ist die Spitze der Simulation.

Die Geschichte ist natürlich immer dieselbe: Prinz, Prinzessin, Kampf, Verwundung, Sieg, die Schuld einer Familienträgödie und die Überwindung dessen durch persönliche Opfer, die aber schließlich dazu führen, daß der geläuterte kehlenbeißende Wehrwolf von Mann – die Prinzessin heiraten darf, was erst möglich war durch die Tötung des bösen Königs und der Einsetzung des Regimes der Großzügigen und Gerechten – und eben die Überwindung des Bissinstinkts des Wolfhelden gegen blaues Blut, und seis das einer unbekannten Putzfrau mit russischem Familienclan als Putzkolonne, die Aber plötzlich – während sie schon in Gefahr stand, ihre Genetik zu verkaufen, ihre Eizellen, netterweise zur Besitzerin der Erde selbst wird, als quasi großer Eizelle.

Der verbrecherische Ausbeuterclan der drei Königskinder, die einen bedeutenden Teil des Universum unter sich aufgeteilt haben, einer riesigen Industrie, von der die Erde nur ein sehr kleiner Teil ist … und dafür gleich hinter dem Auge des Jupiter eine Industrie für die Produktion von „Zeit“ aus Menschenleben, deren „Gewinnung“ zynisch mit „Harvesting“ – „Ernten“ besprochen wird. All das leisten Menschen, die sind, wie wir, nur daß sie dank technischer Revolution herausgefunden haben, wie sie sich immer zellverjüngern können um z.B. 14003 Jahre alt zu werden, ein Jungbrunnen, dem Aprodite entsteigt, nachdem sie im Zeitquell anderer genommener Leben gebadet hat.

Wie gesagt, seit neuestem wird die story mit einer eingebauten Parodie ihrer selbst geliefert – Das technische Wunderstadtwerk wird „Müllhalde“ genannt.

Mühelos läßt sich diese Geschichte als Allegorie der irdischen Verhältnisse lesen. Sie ist die perfekte Simulation – die pyromanischen Szenen, die ja – wenn das Produkt aus Hollywood kommt – nicht fehlen dürfen – sind brutal übersteigert. Unumwunden werden die Attribute Roms zum x-ten Male cineastisch beschworen – Sloterdijk hat Recht – es geht nur um´s Imperium (Romanum) – also ein Film im europäischen Geiste. Im Plausch der Königsgeschwister sieht man als Zwischenschnitt (Stadtlandschaft nach „harvesting“) die Architektonik des Museums in Bilbao und das schiefe Haus zu Prag von Vlado Milunić und Frank Gehry …

Am Schluss wird die Astrologie nochmal zitiert: daß vom Freund ganz besonders wichtig das Sternzeichen sei sagt Jupiter Jones Mutter – aber wir wissen ja schon, daß er ein halber Wolf (Fische), der kosmische Krieger ist.

Im Abspann girlanden dann, gleichsam zur wortlosen Wiedergutmachung des Eingangs-Ädikts – die Tierkreiszeichen in schönsten Bändern durch den erleuchteten Kosmos von Warner Brothers …

Die Musik des Films ist insgesamt zu bombastisch – und natürlich ist das vollkommen symmetrisch durchinszenierte Drehbuch nach dem block-buster-Strickmuster immer mehr beunruhigend perfekt auf den nice & stupid militäry-user ausgerichtet, die/der sicherheitshalber  die gleiche Geschichte von seinem eigenen heldenhaften Opfer und Kampf sehen will.

Beim Kino-Start am 5/6 Februar 2015 stand Jupiter im Löwen in genauer Opposition zur Sonne im Zeichen Wassermann, Merkur ebendort rückläufig. Vielleicht sollten die „Macher“ dort die Astrologie nicht herausfordern, denn das muss ja floppen …

Mit freundlichen Grüßen,

Markus

* tatsächlich ist Mila Kunis, die Schauspielerin von Jupiter Jones: im Löwen am 14.8.1983 geboren – in der Ukraine, zufällig …

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