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Mein Jesus

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Liebe Leserinnen und Leser,

was ist das eigentlich, diese Auferstehungsgeschichte? Ist Jesus leiblich auferstanden? Rudolf Steiner modifiziert das Bild von Leiblichkeit, bevor er „Ja“ sagt: es sind „Äther-“ und „Astralleibe“, die sich sichtbar den Jüngern gezeigt haben, bald nach der dunkelsten Stunde der Welt, als man Gott opferte.

Damit folgt Rudolf Steiner der Thomas-Tradition, der seine „Finger in die Wunden“ legen muss, bevor er glaubt – denn „Wissen“ ist hier ein Umweg – und die Schöpfer der Evangelien haben z.B. die Thomas-Geschichte sehr bewußt zum „Riegel“ in den Ablauf des Geschehnisses „eingebaut“, indem sie klarstellen wollten, daß eben das steinersche, feinsinnige Wissen-wollen in Bezug auf die Wahrheit der Auferstehung ausdrücklich von der Erfahrbarkeit des christlichen Einweihungsweges, den die Evangielien darstellen, ausgeschlossen wird. Sie taten dies mit der „Finger-in-die-Wunde“-Geschichte. Sie wollten darstellen, daß die Auferstehung real, auf dem physischen Plan „wahr“ – und nicht „feinstofflich“ allein gewesen sei. Die Schöpfer der Evangelien kannten den steinerschen Erklärungsansatz, und trachteten danach, ihn von vornherein auszuschließen.

Die Geschichte, die sie erzählen, ist gesammelt, nicht erfunden. Zu den Eigentümlichkeiten dieser Geschichte gehört aber auch, daß – ohne Steiners Evangelien-Erklärung zu all dem wieder kein Zugang zu finden wäre – er geht den sprachlichen Grals-Weg, und auch der ist, man spürt es durch jedes Wort, wahr – und scheint auf poetischen Wegen eine Burg in Frankreich zu integrieren.

Die Wunder der Evangelien sind alle in dieser Art. Sie tragen fast alle den Stempel des Irrealen: Jungfrauengeburt, übers Wasser wandeln – Speisenvermehrung – Totenerweckung – Baumverfluchung … andere Dinge, wie Heilungen, Tempelwut, Predigten sind uns sogar an der Grenze oder ganz rational vorstellbar.

Nun kommt hinzu, daß Jesus – gerade in den letzten Jahrzehnten ist das durch mannigfaltigste Bucherscheinungen deutlich geworden – von absolut jedem, der sich mit ihm beschäftigt, anders interpretiert wird.

Da gibt es diejenigen, die wie Augstein oder Miller, Jesus als historische Rebellenfigur sehen, die vergöttlicht wurde – und deren Darstellungen haben viel für sich. Dann gibt es diejenigen, die in Jesus eine symbolisch erschienene historische Figur sehen, die auf eine „spirituelle“ Erleuchtungsstufe zu den großen Lehrern der Menschheit gehört. Weiter die, die ihn für einen Magier, einen geschulten Zauberer halten. Dann die, die Jesus als den Erlöser des Weltbewußtseins sehen, der als Gottgeist am dunkelsten Punkt der Zeit das Bewußtsein der Menschen durch sein eigenes Opfer aus dem Untergang bewahrt hat; dann die, die glauben, Jesus sei als Zwilling und vom Bund der Essener ganz kontrolliert zum Messias erzogen worden, um durch eine Täuschung eine Befreiungsreligion von der Besatzungsmacht zu erreichen, hätte die Kreuzigung durch den Belladonna-Schwamm betäubt überlebt und sei alt und befreit in Südfrankreich gestorben.

Gerade für diese Version hat das Neue Testament durch den Schwamm-Gnadenakt – in der Kirche wird der „Essig“ als Verhöhnung missinterpretiert – eine Fährte gelegt.

Historiker erkennen im gestorbenen Gott den Wiedergänger des Osiris – der als Symbolgeschichte und Naturpersonifizierung die Wiederauferstehung im Rhythmus der Naturkräfte interpretiert, und überall, wo das Christentum Religion machte, wird der Natur- und Vegetationsablauf der älteren Kulte einbezogen, besonders bei uns zu Ostern – an den alten Mondkalender gebunden – und damit kalendarisch auch mit anderen Mondkalenderreligionen verbunden.

Andere halten die Kreuzigungs-Geschichte für nichts weiter, als eine blutrünstige Mordtat, der man einen höheren Sinn zu geben versucht. Diesen Standpunkt der Empörung hatte ich mit etwa 21, und er war nicht falsch – denn er führte mich zu Gott.

Die Rasta-Leute glauben, Jesus sei als Kind der Königslinie ein prophetischer Vorfahr ihrer israelitischen Stammeslinie zur Königin von Saba, und gelehrte Muslim bezeugen einen Propheten Jesus.

Es gibt auch welche, denen Jesus eine komplette Fiktion ist, ein Spott ist er nur für wieder andere weitere, und sogar solche gibt es, die glauben, daß Jesus der intergalaktische Gottgeist ist, der uns aus der Sklaverei des Nachbarplaneten befreite.*

Alle diese Geschichten bilden eine Mega-Geschichte, in deren Zentrum die Möglichkeit steht, zu Jesus direkt Kontakt aufzunehmen. Jesus lebt und hat Zugang zu Dir durch Dein eigenes Ich – und mehr – aber dies ist das Entscheidende: sobald Du „Ich“ sagst, bist Du Jesus. Wenn Du nur sprichst, betest Du.

Astrologisch ist Jesus die Sonne – und natürlich seit Neuestem auch Chiron. Die Kreuzigung habe ich lange nicht verstanden, und noch immer wehrt sich etwas in mir, dem Grund dieser Folter Sinngebung zuzubilligen. Ist es denn nicht ein Menschenbruder, dessen Leiden verklärt wird – für Nichts?

Wer nicht so fragt, wird die Tiefen der Lehre des Meisters nicht verstehen. Wer die Stimme Gottes in der Bibel nicht mit Mitleid betrachtet, in seinem Bemühen, den Menschen aus Verstrickung zu befreien – die Dokumentation einer Volksgeschichte im alten Testament als langsame, im Rahmen des Möglichen möglichst fürsorgliche Befreiung: nicht nur aus Babylon, sondern aus der Sklaverei, in der das Bewußtseins überhaupt unverschuldet ist.

Derselbe Geist, der unseren Körper bildet, kann u. U. tatsächlich körperlich erscheinen und wieder verschwinden – es gibt mehr „Dimensionen“ des Bewußtseins (nicht aber der „Raumzeit“ – das ist Fiktion), als wir in unserem Alltags-Zustand wissen, und die Kraft, die in Jesus war, konnte diese Dinge – in uns und außerhalb von uns – unsere Wahrnehmung und den Gegenstand unserer Wahrnehmung – nach Belieben verändern.

Ja – gewiss: auch ich ein Thomas!

Mit freundlichen Ostergrüßen,

Markus Thomas

* Zu diesen gehöre ich auch!