Fotos, Weltbild

Diskussion zu Ostern

Foto Termin ©

Liebe Leserinnen und Leser,

ihr kennt ja mein Steckenpferd, in den Science-Blogs einen Widerstand zu behaupten. Jörg Friedrich hat es bisher geschafft, moderat und höflich Andersdenkende zu respektieren; daher kann man sich dort auch äußern. Untenstehender Text ist mein letzter Kommentar zu einer noch laufenden Diskussion. Für – leider dort immer mögliche – Entgleisungen anderer Diskussionsteilnehmer möchte ich mich vorab schonmal entschuldigen. Aber dennoch, schaut mal rein, es verspricht gerade interessant zu werden:

Die offene Frage des Atheismus | Arte-Fakten | ScienceBlogs.de – Wissenschaft, Kultur, Politik

„Mit dem Wort „Beschaffenheit“ implizieren Sie schon wieder eine dingliche Eigenschaft. Das geht nur, weil sie bereits voraussetzen, daß Sie die Möglichkeit hätten, sich vom Geist zu distanzieren.

Können Sie das? Versuchen sie es einmal! So nach dem Motto: „Hier bin ich, und da ist mein Geist“. Ebensogut könnten sie versuchen, mit einer Hand in der Luft zu klatschen.

Wenn Sie merken, daß diese „Distanzierung“ (im Sinne von Abstand) zwar der Gewohnheit des naiven Bewußtseins, keinesfalls jedoch Ihren Möglichkeiten entspricht, werden Sie auch merken, daß es nicht möglich ist, nach der „Beschaffenheit“ des Geistes zu fragen. Sie können nach der Beschaffenheit eines beliebigen Dings fragen: der Geist ist das, womit Sie das tun.

Dies läßt sich auch logisch verifizieren: denn bei jedem denkbaren Versuch, sich zu distanzieren, ist der Geist, der dies durchführen soll, vorher schon da.

Und weiter: die Vorstellung, es könnte ein „Nichts“ geben, ist ebenfalls nicht begründbar. Geist ist daher nicht ein „Etwas“, sondern das „Etwas“ ist – frei von Gegensätzen – im Geist. Es gibt also Etwas und Geist.

Gleichwohl können wir Geist erkennen, was gleichbedeutend ist mit Erkennen überhaupt. Daraus läßt sich aber keine „Eigenschaft“ des Geistes ableiten, keine „Beschaffenheit“, wie Sie sich ausdrücken. Wohl aber können wir etwas über das Erkennen ableiten und verstehen: daß es – wie auch die Wissenschafts-Geschichte voller Anekdoten zeigt – nicht per Analyse und Distanz funktioniert, sondern nur durch Inspiration. Platon geht soweit, zu sagen: „Alles Wissen ist Erinnern.“ Parmenides drückt es so aus:

„Denn, daß man es erkennt, ist dasselbe, wie daß es ist.“ (Fragmente, 3)

Für eingefleischte Materialisten mag es nicht ohne Hintersinn sein, daß auf dem gegenwärtig untersuchbaren Grund der Materie ebenfalls der Geist wartet, und sagt: „Du glaubst nun, das Universum sei 13kommanochwas Milliarden Lichtjahre alt? Ich aber sage Dir – materiell beweisbar – Lokalität ist reine Fiktion“. Man hat jedoch den Eindruck, je unwiderlegbarer diese Erkenntis wird, um so brutaler wird das pressing, doch noch irgend etwas Anfassbares zu finden, welches – je tiefer das diggin´ – doch um so mehr zwischen den Händen zerrinnt.*

Daher ist die Sorge wegen CERN sehr wohl berechtigt. Und mehr denn je angebracht Hölderlins Satz der Hoffnung: „Denn, wo Gefahr ist, da wächst das Rettende auch.“

* „Lokalität“ – letztlich das Prinzip von Ursache und Wirkung – ist eine Grundvoraussetzung naturwissenschaftler Arbeit.

Einfach ausgedrückt: eine Kraft an einem bestimmten Ort veranlaßt einen Gegenstand an einem anderen Ort, sich ihrer Wirkung „hinzugeben“. Dieses Prinzip ist – und das erklärt vieles vom Religions-simulierenden Dogmatismus aggressiver Wissenschaftsvertreter (die sich aufführen, als stocherte man in ihrem Wespennest) – seit etwa 70 Jahren objektiv durch sie selbst , also durch sehr gewissenhafte Naturwissenschaftler, widerlegt.