Orloj – Die astrologische Uhr zu Prag

Liebe Leserinnen und Leser,

Der Wikipedia-Eintrag Prager Rathausuhr ist kenntnisreich, bis auf die Tatsache, daß der astrologische Kern der Apparatur zur Nebensache wird. Ein Horoskop, in dem die astrologischen, tropischen Sonnen- und Mondzeichen angezeigt werden: so, wie heute am Computer, nur analog.

Aber die unermüdliche szientistische Propaganda ist auf Lorbeeren erpicht, und so werden aus lauter vielschichtigen Astrologen/Astronomen/Alchemisten und Künstlern – vollständigen Persönlichkeiten des Spätmittelalters mit der Freiheit der Renaissance ganz sicher „Astronomen“, wie aus Deskartes unbarmherziger Schule – zu einer Zeit, als eine Trennung der drei Geschwister gar nicht angebracht schien – und auch heute wieder aufgehoben ist.

Wir sehen auf unterem Horoskop – obwohl ein Nachtbild und verschwommen – Sonne in Widder und Mond in Schütze, also vom 08.04 oder 09.04 …

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Foto oben Cosima ©,  Foto unten Termin ©

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Orloj – Uhr – interessant, die Idee der zwei Sonnen vertikal als untergründige graphische Botschaft in der Uhr wieder zu finden …

Orloj

25.03.1410 jul.

Oberes Horoskop mit Pluto in den Zwillingen im Quadrat zu Chiron in der Jungfrau passen gut zu den verletzenden Schauergeschichten um den Schöpfer der Uhr – Johannes von Prag, Jan Ondřejův – die aber seine persönliche Biografie, lange verborgen – nicht treffen. Wohl aber etwas sehr Wahres zum Thema Technik sagen – 1410 steht Pluto im Quadrat zu Chiron in der Jungfrau – das Wahre, das auf´s alte Ägypten verweist: –  – mit seiner dreifachen Bedeutung für „Techén“ – Obelisk, Ibis und Heilmittel für Augenverletzung …

Der Dreh- und Angelpunkt bei der Umstellung auf den gregorianischen Kalender wird die Astrologie gewesen sein, denn sie hat ja den wahren Kalender, der einfach nach den Tag- und Nachtgleichen geht – und daher – falls diese sich ändern (was gar nicht so abwegig ist … ) – derselbe bleibt, dennoch. Das muss man/frau erstmal verstehen! – Es ist einfach, aber nicht selbsterklärend: während die Kalenderrechnung sich ändern kann, ändern sich doch niemals Sonnen Auf- und Untergang* – unabhängig davon, ob die Erde 360 oder 365 1/4 Tage braucht, um ihr Muttergestirn, die Sonne, zu umrunden – und also auch nicht die Tierkreiszeichen, die ja nach dem Sonnen- Erdengang sich als gute Geister zu erkennen geben …

Daher ist die Astrologische Uhr zu Prag (wegen ihrer Rolle zur Kalenderreform und astrologscher Volksbildung) offenbar konstitutiv für unsere heute, gregorianische Berechnung: denn zumindest die Sonnen- und Mondanzeiger mussten für den neuen Kalender prinzipiell nicht neu gestellt werden!

Da nun jährlich Millionen dort vorbeikommen und es nahezu keinen Reiseführer ohne ein Bild der Uhr gibt, kann man die Astrologische Uhr zu Prag geradezu den zentralen, „weltlichen“ Punkt nennen, der all die tiefen Sakralbauten unterschiedlichster Zeitschichten, die dieser Ort hervorgebracht hat und bringt säkular, „weltlich“ im Sinne von kosmisch, aufwiegt.

Ein Ort, der solches umsetzt und bewegt, hat sich im Zentrum einen astrologischen Ausdruck seiner selbst geschaffen: ein für´s ganze Volk ablesebares Horoskop, dem die unterschiedlichsten Stundenzählungen: böhmisch, lateinisch, astrologisch nach der chaldäischen Reihe unserer Wochentage untergeordnet sind, und das durch seine etwas dezentrale Lage im oberen Sonnen-mandala den menschlichen Eigenwillen typisch tschechisch kundtut – an der Grenze zum Comic-Haften.

Solches zu Jupiter in Löwe, wie damals auch … Prag/Löwestadt …

Mit freundlichen Grüßen,

Markus

* Wie Herodot von den Priestern in Altägypten weiß, doch: mehrmals und periodisch ginge die Sonne dort auf, wo sie sonst untergeht …

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