Liebe Leserinnen und Leser,
„Mensch denkt, Gott lenkt“ heißt es oft fatalistisch – was sollte es also nützen, ins Horoskop zu gucken, um jene Sterne, die „geneigt“ machen, zu sich zu zwingen? Mit anderen Worten: was nützt uns bewußte Astrologie?
Die Konstellation meines erstes Schwitzhüttenrituals habe ich mir nicht vorher ausgesucht, sondern sie ist mir entgegengekommen – zunächst durch die freundliche Einladung eines Jungfrau-Sonne Geborenen. So ist es meist. Doch da ich Astrologe bin, werfe ich natürlich für den Tag des Rituals einen Blick ins Horoskop. Eingestellt ist meine Aspektscheibe auf den Aspekt: Jungfrau-Mars begegnet meinem Radix-Pluto, der eine genaue Opposition zu meinem Radix-Chiron (plus Sonne) hat. Hinzu kommt, daß der Feuermeister, wie sich herausstellt, also jener betriebsame Pfleger der Flamme und der Steine (der außerhalb der Hütte bleiben wird) auch im Zeichen Jungfrau geboren ist, und damit den Jungfrau-Mars/Pluto Aspekt mit seiner Persönlichkeit unterstreicht, dem die ganze Hütte (Jungfrau = Gesundheit, glühende Steine = Pluto) sowieso folgt.
Der Feuermeister ist übrigens ein wahrhaft welttrainierter Adler-Indianer, ein sehr kräftiger Mann mit tausend Geschichten der Weltreisen im Kopf. Er erscheint – wenn er die glühenden schweren Steine mit seiner großen Gabel in die Hütte schiebt, und dazu laut wie ein Nebelhorn „Ahoú Métakiássi„ ruft, wie Hephaistos – der Götterschmied selbst.
Es regnet seit Wochen zum ersten Mal, so daß die Tropfen, die von oben auf die Hütte fallen uns tonal ganz in einem Dunkelraum einhüllen, ein geheimer und intimer, zugleich gefährlicher und behaglicher Ort. Wir sitzen im Kreis – drei Frauen und vier Männer – und wenn die glühenden Steine hineingeschoben werden (es gibt vier Runden), dann ist ihr Glühen das einzige Licht in der Hütte. Sie werden mit einem Hirschgeweih in der ausgehobenen kreisrunden Senke in der Mitte der Hütte rituell nach Himmelsrichtungen positioniert. Die Kraft und die Stärke der glühenden Steine ist respekteinflößend. Unsere Ritualmeisterin nennt sie „Großväterchen“, klärt uns darüber auf, daß die Steine unsere eigenen Ahnen seien. Du bist deshalb sofort in der Steinzeit, im wahrsten Sinne des Wortes. Und nach und nach gewinnt auch der Neuling Vertrauen in diese Urgewalt, die sich uns – kommunizierend gewissermaßen – im Dampf unmittelbar mitteilen wird und die Kräuter, die duftend über dem glühenden Stein unseren Erinnerungssinn ganz in Anspruch nehmen, machen diese sinnliche Erfahrung tiefer, als der Verstand reichen kann, denn unsere Erinnerung ist so stark an Düfte/Gerüche gebunden, daß dies auch ein Weg ist, auf dem sich höhere Wesen ankündigen, ohne daß eine eigentliche Geruchsursache vorhanden sein muss.
Von nun an bestimmt das Ritual den Ablauf, und der ist ein Rhythmus – klar und tief – aber eben kein äußerer, sondern ein innerer und äußerer – der Körper schwitzt, Nacktheit wird zum Freund – aber da die Rede und das Singen von Liedern die Runde macht – reinigt sich auch der Geist und wird gleichsam nackt. Und ein Gefühl stellt sich ein, wie wenn die Erde seit langem ein mächtiger und schützender Erdenbauch wäre, dem viel mehr zu vertrauen ist, als daß er zu fürchten wäre.
Weil Jungfrau-Mars bei mir im Haus 6, dem Haus der Gesundheit läuft, darf ich dem Großen Geist mehr als dankbar sein, daß er zu so einer Gelegenheit all den angesammelten Schmodder abtransportiert hat. Und sicher ist dabei auch das Erd-Trigon hilfreich, welches Venus und Mars (und Pluto) eben heute um 16:00 Uhr bilden. Ein tiefes Gefühl der Dankbarkeit erfüllt nach so einem Ritual die Seele. Nicht alle Ebenen der seelischen Relevanz kann ich hier astrologisch erklären, aber vielleicht noch den Chiron-Bezug (der verletzte Heiler), der – gerade in der Konfrontation mit den glühenden Steinen – auch ein altes traumatisches Brand-Erlebnis milde durch neuen vertrauensvollen Eindruck wandelt.
Mars kommt alle zwei Jahre bei meinem Pluto vorbei – und für diesen Zyklus noch zweimal: und jedes Mal werde ich mir ein Feuer machen und mich innerlich an den Kraft-Ort der Schwitzhütte zurückziehen und den starken Heilungsdrang genießen, der davon ausgeht. Man fragt sich überhaupt, wie die Medizin jemals auf die Idee kommen konnte, zu versuchen den Körper zu heilen, ohne die Seele mitzunehmen?!
Mit freundlichen Grüßen,
Markus


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