Erstaunlich …

Liebe Leserinnen und Leser,

„Heimat“* wollen wir den Leuten bieten, aber haben wir denn eine? Zwischen Autobahn, Agrarwüste und Peter Hartz in häßlichen Städten, in denen normale Menschen sich die Miete nicht mehr leisten können? Da wollen wir den Leuten erklären, wie sie sich hier wohlfühlen werden, wenn es ihnen gelingt, soviel Geld zu verdienen, daß sie sich einen Steuerberater nehmen könnten, der ihnen dann erläutert, daß sie keine Steuern bezahlen müssen, wenn sie Ausgaben genug haben, solche „abzusetzen“?

BMW (und die meisten großen „player“) verdient inzwischen viel mehr Geld im fernen Ausland, als hier, und wenn man denen sagt, daß ihre SUVs zu viel Sprit fressen, dann meinen sie, der Markt dafür in Südamerika aber wachse schneller, wie die Zuwachsraten der Grünen … gleiches gilt für die Schweinezucht. Hält man den Maststall-Qualzüchtern (sogenannte „Bauern-Familien“) vor, der Billig-Fleischkonsum in Deutschland sei rückläufig, kontern sie feist, man „produziere“ ja für den Weltmarkt, und der steige ganz enorm … ; von „Kernkraft“ gar nicht zu reden …

Als BRD und DDR vermischt wurden (ich war dagegen!), war ziemlich bald das intellektuelle Niveau der guten alten BRD zur Bedeutungslosigkeit herabgesunken: ein Abgesang, die große Verblödung: Kitsch as Kitsch can: Grönemeier, der späte Westernhagen, die Prinzen, Helene Fischer wird Superstar und literarische „Hochkultur“ zum Abwinken; – was hatten wir denn für Kulturimpulse aus der DDR? Daß alle kleinen Kinder von der Mutter wegmüssen und ab in die Kita, das Lebensglück der HeldInnen der Arbeit im Neoliberalismus, nach dem alles gebürstet wird? … nun kommen Menschen, die sich nach nichts mehr sehnen, als den ganzen unglaublichen Schwachsinns unbeschwert genießen zu könnten, der eben gerade zu einer Stimmung des Überdrusses geführt hat, die auch für eine innere Veränderung hätte stehen können …

Denn die wollen einfach nur studieren: daß unsere Universitäten mit vollster Absicht zu Wirtschafts-Zuchtanstalten verkommen sind, werden die Neubürger nicht kritisieren, denn sie können froh sein, dort einen Platz zu bekommen – daß Wissen auch bezweifelt werden kann und Wissenschaft Ideologie ist: geschenkt – wen interessiert das, wenn man um sein Leben laufen muss?

Mit freundlichen Grüßen,

Markus

  • „Heimat“ ist aber in der Sprache, greift von dort aus heilend ein – vielleicht gelingt doch eine offene Gesellschaft, und dann wäre „Multi-Kulti“ eben doch nicht „endgültig gescheitert“ … :-)