Liebe Leserinnen und Leser,
„Papst Benedikt XVI., der sich am Freitag vom Vorsitzenden der Bischofskonferenz Robert Zollitsch über das Ausmaß der Affäre unterrichten ließ, hält dagegen am Zölibat fest. Die Ehelosigkeit der Priester sei ein Geschenk Gottes, das nicht dem Zeitgeist geopfert werden solle, sagte der Papst.“ (Zitat: Spiegel-Online 13.03.2010)
Die Alliterationen, Gleichklänge zwischen Funktion, bzw. Amt und Geburtsnamen sind hier wie anderswo erstaunlich. Ich erinnere daran immer wieder, weil es ein schönes Beispiel ist, wie doch der Name gewisse verzauberte Schranken überwindet, auf die wir uns zwar keinen rechten und verlässlichen Reim machen können (Arsène Wenger trainiert Arsenal London, Frau Lorenz verkauft mir neben der Lorenzkirche, wo sie arbeitet, eine Brille, Buzz Aldrins Mutter hieß Marion Moon und beging Selbstmord, bevor ihr Sohn auf dem Mond landen konnte … Beispiele merkwürdigster Art sind zu Hauf zu finden) – aber die uns doch aufmerken lassen hinsichtlich dessen, was geistig so abgeht, auch, wenn wir damit die Existenz des lieben Gottes jedenfalls nicht bewiesen hätten.
Innen Joseph Ratzinger 16.04.1927 04:15 Markl am Inn, außen Transite 20.03.2010
„Pisces rising the goldfish bowl look“ – „Fische im Aufstieg haben den Goldfisch-Glas Ausdruck“, erklärt uns Steve Judd. Er meint diese offensichtlich ausgedrückte Scheu, absolut deplatziert sich zu fühlen im Außen, das Innen gleichzeitig verwischt. Ansonsten erscheint Benedikt genau, wie mein Schwiegervater: Widder sind einfach nicht zu verwechseln. Es sind wache, aber auch lebens-tollpatschige Menschen.
Dieser hier ist – man beachte bitte die darstellende Feinheit des Horoskops mit Jupiter in den Fischen im Haus 1 und Saturn in Haus 9, dem „Haus Gottes“ – zum Papst geworden, als Pluto genau auf der Spitze seines Hauses 10 stand. Zur Erinnerung: Haus 10 sind die Würden der Öffentlichkeit, die Autorität der Macht. Die Verschränkung von Saturn und Jupiter ist wieder eine Rezeption: der eine im Zeichen des anderen. Das wirkt, wie eine Konzentration um ein Vielfaches. Doch nun, da Saturn durch das Haus 7 geht – und auch, wenn ehelos, so haben katholische Prieser doch ständig ein oder mehrere Gegenüber – und darüberhinaus auch das Quadrat zu Pluto hält – gibt es beträchtlichen Gegenwind. Er muß nun, fortgeschrittenen Alters, den Gegenwind eine ganze Weile lang aushalten. Dieser Wind kommt aus dem Haus 7 und bringt die Realität an den Tag. Und wie Regenten stellvertretend für ein Land stehen, so der Papst für die katholische Kiche selbst.
Was da an die Pforte des Familiennamens pocht: Duldung, Vertuschung, Ignoranz als Verdacht bei den Domspatzen und auch dem Umgang mit bereits straffällig gewordenen Priestern, wird eben dort die Brunnen vergiften, wo bislang noch die Welt in Ordnung schien und der Papst zuhause ist: in Bayern nämlich. Eben hört man aus dem Rundfunk in den Sonntagspredikten den inzwischen üblich gewordenen Vergleich mit der Nazi-Diffamierung der Kirche durch Journalisten. Dieser Schuß geht aber nach hinten los. Und zeigt – wie bei den Pius Brüdern – vor allem die Unfähigkeit, sich zu verändern.
Ob die dieses Jahr noch folgende Uranus-Wiederkehr des Papstes im Fokus des kardinalen Kreuzes eine Befreiung seiner Person und der Kirche bringen wird? Bemerkenswert genug, daß eine so exponierte Person der Weltöffentlichkeit auch tatsächlich punktgenau die Wandlung persönlich erfährt.
Wäre der Kirche mit der Abschaffung des Zölibats gedient, das Ratzinger so als Gottesgeschenk bezeichnet, ohne, daß dies aus den Texten hervorzuholen wäre? Die evangelische Vorstellung ist auch nicht recht appetitlich. Sind beide ohnhin aufgabenteilende Seiten ein und derselben Münze.
Mir ist nicht wohl bei dem Gedanken, wie wir uns von einer moralischen Instanz verabschieden müssen, ohne, daß es eine neue – und sei`s innere Instanz der Moral zum Ersatz bereits gäbe. Wie die selbsttragende Karosserie. Keiner mehr, der Dir sagt, was richtig ist; niemandem aber bleibt es erspart, in sich hineinzuhören. Abbau von Obrigkeits-Hörigkeit. Statt künstliche Freude wahre Liebe. Doch nun machen diejenigen, die im Prinzip gar keine sexuelle Anmut kennen wollen, diejenigen jetzt mit Recht alle, die niemals eine kannten. Wenn man darüber liest, wie man noch im 19. Jahrhundert nahezu jährlich tausende Knaben kastrierte …
Magere Riesen mit hoher Stimme | Feuilleton | ZEIT ONLINE
… – der letzte starb 1922 – darf man meines Erachtens nicht glauben, diese Institution wäre etwas anderes, als im Kern verdorben. Nicht um Ausrutscher handelt es sich demnach bei den Prietsern mit Hang zur Perversion, sondern um System-immanente Bedingung. „Glaube“ im katholischen Sinne bezieht – im psycholgischen Sinn – ganz direkt seine erhaltende Energie aus der sexuellen Verdrängung.
Wahrhaft religiöse Menschen glauben auch nicht, sondern wissen. Viele von Ihnen gehen sogar in die Kirche: weil es eben der traditionelle Ort ist, wo man/frau sich mit dem Schöpfer unterhält. Der Tempel. Sollte nicht die katholische Kirche einmal den Weg frei machen für Jesus? Es gibt in diesem Rahmen natürlich aufrechte Streiter, die genau richtig in ihrer Mönchskutte sind, und die ich gerne „Vater“ nenne. Jedoch: Sünden gegen den heiligen Geist werden nicht verziehen. Auch, wenn wir gegen die Kirche nicht den ersten Stein werfen wollen, vielleicht zwingt sie jeden aufrechten Menschen, den letzten zu werfen? Was machen wir nur mit den Gebäuden?
Praktischer und praktizierbarer Vorschlag: endlich die Steuerfinanzierung der Kirchen beenden. Denn das täte richtig weh. Und sie könnten nicht groß Entschädigung von unseren Steuern anbieten, es sei denn, sie nehmen – wie in den USA – die Milliarden aus dem Klingelbeutel – „Kleine Kollekte für die Mißbrauchsopfer von Pfarrer Sowieso: wer will spenden?“ Der Kirche ist nämlich Europa nahzu wurscht: in Afrika und Lateinamerika wird so inbrünstig geglaubt, daß man dort näher dran ist am Mittelalter und daher eben in einer globalisierten Welt völlig offen ist, ob die alte, grausame Tante Kirche nicht doch eine glänzende Zukunft hat.


Du muss angemeldet sein, um einen Kommentar zu veröffentlichen.