Liebe Leserinnen und Leser,
selten hat es so viel Vergnügen gemacht, einem entschlossenen und doch rücksichtsvollen Fussballer zu begegnen. Stier mit Fische-Mond im Kontrast zu Saturn in der Jungfrau. Ein toller Preis für den richtigen Mann. Der aber auch an Kingson hätte gehen können, aber der hatte die rote Karte.
Auch die Auszeichnung für Müller ist gut gewählt. Ich hoffe, auch Arikaner wurden bedacht?
Im Gesicht von Diego sieht man diese Brücke zwischen Mond und Saturn, eine Lebensspannung zwischen Mutter und Vater, wenn man sie in diesem gleichwohl gemütvollen Habicht-Gesicht zu finden weiß!
Er mit seinen Freistößen, präzise ins lange Eck gesetzt, hätte auch um ein Haar die Deutsche Mannschaft in die Verlängerung gezwungen. Wow! An dieser Stelle auch noch mal erinnert sei an die beiden Wunderfreistöße von Japan. Und doch auch die, den Verlauf der Spiele häufig prägenden Fehlentscheidungen der Schiris bei Torsituationen …
Ghana hätte gut weiter kommen können, das ist die andere Uruguay-Problematik bei der WM geworden, seit dem Handspiel und dem sturen Fische-Schiedrichter (der vielleicht einen Draht zum Fische-Trainer hatte)?
Und zu allem noch dazu ein volksgewähltes Maskottchen, ein echtes und wahrhaftiges und dazu noch deutsches Orakel. Resultat einer augenzwinkernd erfolgreichen Marketing-Idee des Aquariums, das den Kraken – wie im Fluch der Karibik, in Funktionalität seines Hungers, den er nicht artgemäß in freier Natur erleben darf, an unsere Neugierde koppelt. Und „Paul“ sagt tatsächlich alle Spiele richtig voraus. Da kann man nur gratulieren, Paul. Du hast es allen gezeigt. Und wie zu ältesten Zeiten, denkt das Volk auch gleich über die Opferung nach. Der Spiegel ahnt schon, daß es die letzten Orakel vor dem Tod des Wesens sein werden, denn das Alter von Kraken sei schließlich nicht so hoch. Andere fordern radikaler, wenngleich scherzhaft, Kalamaris auf dem Teller.
Wenn nun die Mannschaft sich kollektiven Feiern verweigert, dann bringen sie damit einen homöopathischen Impuls Realität ins Land zurück, etwas, dass sie sich schwer in fernen Landen stellvertretend für uns erkämpft haben.
Nachdem ich Löw nun oft zugeschaut habe, ist für mich seine „Grippe“ auch ein deutliches Zeichen. Ich persönlich glaube nicht an Grippe – nicht bei Löw oder sonst irgendwem, sondern an eine durch Überforderung eintretende Schwäche. Eingesetzt hat diese Überforderung nach dem Argentinien-Spiel: schon im Gang waren die Spieler angespannt.
Sehr nett, daß Nelson Mandela sich die Zeit genommen hat, sich quer durch´s Stadion fahren zu lassen, mit einem wunderbaren Lachen, obwohl doch vor den Spielen seine Urenkelin im Auto verunglückte.
Alle fragen sich, wie es weitergehen soll in Südafrika mit den tollen Stadions? Die sonst kitschige Final-Feier krönte sich mit einem Bob-Marley Lied: „Could you be loved?“ – „Könntest Du geliebt werden?“, bestimmt gedacht in kantscher Tiefe.
Mehr Fussball, weniger Krieg für Afrika! (Ach, und nebenbei: von Diego zu Diego ist auch eine sprachliche Brücke.)
Mit freundlichen Grüßen!
Markus
Diego Forlán, 19.05.1979, unbekannte Zeit, Montevideo, Uruguay




















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