Der Schutzgeist des Sokrates

Nürnberg 17:54 – es ist sonnig, es ist schön, die Katze jagt schon Vögel. Ich habe letzten Herbst vorausschauend einen kleinen Topf mit Kastanien auf meinen Balkon gestellt. Sicher, auch ich liebe Katzen. Schöne, heilige Raubtiere. Doch Vögel mag ich noch mehr. Und diese Kastanien machen ein wenig Krach und haben eine kleine Wirkung.

Sokrates (Σωκράτης) wurde in Athen um 469 v. Chr. geboren, als Sohn des Steinmetzen Sophroniskos und der Hebamme Phainarete. Er starb durch einen Justizmord um Jahre 399 v. Chr. Es mag nicht unbedeutend sein, dass wir vom Steinmetzsohn, der selbst wohl auch diese Kunst erlernt hatte, so genaue Portraits haben, die sich in einem einig sind: wie häßlich doch Sokrates war. Nicht, dass alle Widder häßlich waren, wie überhaupt diese Kategorien unter Umständen fragwürdig sind; im Gegenteil, Widder sind oft erstaunlich schöne Menschen, trotz der Fragwürdigkeit dieser Kategorien. Doch Sokrates sieht eindeutig wie ein Widder aus. Wahrscheinlich Sonne und Aszendent im Widder, Mond im Krebs.

Obwohl also offensichtlich ugly, hat er dennoch sich die Liebhaber vom Hals halten müssen, vor allem die bisexuellen Söhne der Athener Aristokratie, von denen einige in ihn, dem Lehrer der Philosophie, verliebt waren. Doch Sokrates war offensichtlich nicht homosexuell, und es ist nicht wenig erstaunlich, als welch ungeheurer Affront gegen die allgemeine Moral das damals empfunden wurde. Wir wissen von seinem Leben ziemlich genau aus zwei unterschiedlichen Quellen: Platon und Xenophon. Die Tatsache, dass insbesondere Platon in seinen Sokratischen Dialogen ein schriftstellerisches Wunderwerk geschaffen hat, dass nicht nur sehr leicht zu lesen ist, sondern die Grundlage des westlichen Denkens überhaupt darstellt, unterstreicht die Bedeutung dieses Menschen Sokrates, eines Suchers und frommen Mannes, der immer wieder um die Bedeutung des Göttlichen gerungen hat (und sich im platonischen Werk, beispielsweise in Bezug auf Eros auch widerspricht). Sokrates und Jesus haben nichts geschrieben, hinterlassen (Jesus einmal im Sand).

„Als ich mich eben anschickte, mein Guter“, sagt Sokrates im platonischen Werk Phaidros – dem tiefsten, was über Schrift geschrieben und gesagt wurde seit je – „durch den Bach zu gehen, geschah mir, wie ich es gewohnt, jenes dämonische Zeichen – immer hemmt es mich nur, wenn ich etwas unternehmen will -, und es war mir, als vernähme ich aus diesem Orte eine Stimme, die mir verbot, davonzugehen, bevor ich mich entsühnt hätte, weil ich gegen die Gottheit gefrevelt hätte.“

Was nun war dieses „dämonische Zeichen“?

Hierzu schreibt, freilich fast ein halbes Jahrtausend später Plutarch:

„Gut“, sagte Theokritos, „Aber den Schutzgeist, das Daimonion des Sokrates, mein Bester! Sollen wir das auch für Schwindel erklären und wofür?“ … Hier unterbrach mein Vater, und sagte: „Wahrhaftig Galaxidoros, auch ich habe von einem Mann aus Megara und er von Terpsion gehört, dass der Schutzgeist des Sokrates ein Niesen war, teils ein eigenes, teil von anderen; nieste ein anderer zu seiner Rechten, sei es hinter, sei es vor ihm, so schritt er zur Ausführung des Vorgehabten, wenn aber zur Linken, dann nahm er davon Abstand; und was das eigene Niesen angeht, so bestärkte es den Entschluss, wenn er noch am Überlegen war, und hielt ihn auf und hemmte ihn, wenn er schon bei der Ausführung war.“

Ich lebe danach seit einigen Jahren, und habe es für wahr befunden. Wer sich die Mühe machen will, den Original-Text bei Plutarch zu lesen: go for it, er ist tiefer, als der Tag gedacht!

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