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Auferstehung

Samstag, den 23. März 2008 14:41 – leider immer noch kalt und jetzt dazu noch trüb. Zumindest dem Wetter nach keine frohen Ostern. Was Jesus angeht, tue ich mich schon recht schwer mit dem Glauben an seine wirklich körperliche Auferstehung. Meinem Unglauben hat ein Leserkommentar geholfen zu einem Jesus-Buch bei Amazon. Der Autor ist anonym:

„Es geht darum, einfach zu leugnen, dass Jesus Christus kein „Sozialarbeiter de luxe“ war, sondern dass er mit dem von ihm vollbrachten Wunder der von ihm vollbrachten Auferstehung d i e entscheidende Leistung der Menschheitsgeschichte vollbracht hat. Und weil im Universum keine Ursache ohne Wirkung bleibt, wurde er kraft dieser Leistung der Herrscher über den gesamten Kosmos.“

Mir fällt es leicht, mich dem Neuen Testament philosophisch zu nähern, und da sind viele Aussagen noch wesentlich tiefer, als selbst die tiefsten Interpreten dies vermuten mögen. So in etwa jene: „Lasse deine linke Hand nicht wissen, was Deine rechte tut.“ Mißtraue Deiner eigenen Vernunft. Glaube nicht an den gesunden Menschenverstand, könnte er doch krank sein. Den Krieg, den Jesus führt, leitet er meines Erachtens gegen jene „Götter“-Macht, die die Menschheit vor tausenden von Jahren unterworfen hatte, sich physisch mit ihr vermischte und von ihr „Opfer“ verlangte. Da stellt sich nun die Frage: „Brauchen wir Opfer?“ , „Wozu sind Opfer da?“ Natürlich liegt es sehr sehr nahe, das Hinschlachten des Heilands im psychologischen Sinne als Wiederholungstat der Urzeiten zu begreifen und seine Deifizierung als Umkehrung der Tatsachen, um die Schuld zu tilgen. Wozu braucht Gott ein Opferlamm, wenn doch derselbe Gott Abraham abgehalten hat, seinen Sohn zu opfern? Das Neue Testament bietet in der Tat auch den Ausweg, diese ganze Geschichte als Kriminalstory einer Trickfälschung aufzufassen: das leere Grab, der Essigschwamm, Betäubungsmittel im Essig, der Zwillingsbruder vielleicht. Unter diesen Umständen wäre Jesus tatsächlich auferstanden, er hätte schlicht die Kreuzigung überlebt. Es gab eine Zeit, da wünschte ich mir, es wäre so gewesen, denn mir kam jeder, der frag- und klaglos die Opfer-Geschichte hinnimmt tendenziell blutrünstig und kannibalistisch vor. Tatsächlich ist das Geschehen in einer Art geschildert, die, bis auf den Speerstoß in die Seite, eine solche Lese-Variante möglich macht. Dazu kommt natürlich, dass Jesus die gesamte ägyptische Osiris-Horus Tradition des gestorbenen und wiederauferstehenden Gottes auf sich nimmt, und tatsächlich ist der Kult der Kirchen ein Mischkult in den auch viele ägyptische Elemente eingegangen sind, beispielsweise die Glöckchen zur „Wandlung“, die in der Antike die Sistren waren. Tatsächlich sind die kultischen Parallelen so vielfältig, dass es umgekehrt richtig erscheint, Abweichungen zu suchen. Hätte Jesus diese Kirche gewollt? Ein anderer Weg wird von den Antroposophen beschritten. Sie haben eine Lehre der Leiblichkeit, wonach Jesus nicht körperlich auferstanden sein muß, sondern sein Ätherleib, ein Teil seiner Leiblichkeit. Er hätte demnach keine physische Auferstehung gebraucht, sondern wäre durch die Kraft des Geistes denjenigen körperlich erschienen, denen er erscheinen wollte, um sein Werk fortzusetzen. Er wäre gewissermaßen post-mortal in der Lage gewesen, seinen Leib in die Vorstellungswelt der Menschen zu projezieren. Wenn man nun noch akzeptiert, dass alle Welt Vorstellung und Wille sein mag, hat man eine reale Grundlage für die Auferstehung, und zwar als physische Auferstehung auf einer geistigen Superebene. Die Antroposophen wollen wissen, wo die Linie zwischen „physisch“ und „geistig“ verläuft und sie haben eine Wissenschaft daraus gemacht. Einen leichteren Zugang zu solchen Vorstellungswelten findet, wer schon einmal Geister oder Erscheinungen wahrgenommen hat. Diesen ist zumindest klar, dass es so real auf der Welt nicht zugeht, bzw. das Reale einen neptunischen Überbau besitzt. Aus der Wiedergeburtslehre ließe sich auch die Menschheitsschuld verstehen, denn jene opfernden Kannibalen der Frühzeit waren wir demnach selbst. Solchermaßen liest sich das Alte Testament keinesfalls als Geschichte eines blutrünstigen Gottes, sondern als Bericht einer zärtlichen Kontaktaufnahme zu Menschenwesen, die aus einer weit schlimmeren Vergangenheit kommend ihre eigenen Erstlingsgeburten opferten und dann ihre Vorhäute, bis sie schließlich, Stufe für Stufe von Gott aus dem Exil der inneren Barbarei heimgeführt bemerkenswerteweise nach und mit Jesus auch dieses, die Beschneidung – im Prinzip zumindest – für obsolet befanden.