Gemüt & Rührung: wir sitzen in einem Boot …

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Liebe Leserinnen und Leser,

was ist Rührung? Ich jedenfalls, ganz Wasser-Wesen, werde bei jedem Kitsch-Film bis zu Tränen gerührt, kann nichts dagegen machen – außer eben die Filme nicht anzugucken. Ich falle insbesondere auf jene unendlich oft erzählte US-Standardgeschichte vom Helden und seiner Frau herein – habe gleichzeitig in voller Schizoidität – scharfsinnig & psychologisch geschult bis in die Haarspitzen – die Rührung auch bereits entlarvt als „selbsterzeugten Selbstmitleidsanfall“ – der ja gar niemals angebracht ist – : aber zum Gemüt gehört in der ängstlichen Zwiesprache mit sich selbst, die wir überhaupt erst „Gemüt“ nennen: das Gefäß des „Ich“ – der heilige Gral.

Als Geistesforscher habe ich den Verdacht, daß „Rührung“ und „Kitsch“ den Kontakt zur „geistigen Welt“ blockieren – Rührung erscheint immer dort, wo wir eigentlich wirklich vom Geist unserer Verstorbenen oder auch der mythischen Volksseele angesprochen werden, in der der Einzelne immer aus Dankbarkeit hofft, dem Ganzen dienen zu können – zumindest basic Blechtasse im Schrank vorausgesetzt. Und das ist eben auch benutzbar.

Doch die Tränen sind der Vorhang vor der geistigen Welt. Der zeitgeistige Imperativ: „zeige Emotionen“ ist leider hinterlistige Aufforderung zur Lüge, behaupten zumindest meine drei Wassermann-Planeten …

Und – wer weiß das alles? – : Mond im Zeichen Zwillinge kurz nach Neumond in Konjunktion mit Mars … „Rührung“ ist das substantivierte Bewegt-werden: eine per Definition passive Erfahrung – von Freiwilligkeit frei: „gerührt“ werden – schnief …

Die Begriffe bilden die Wahrheit ab, wenn man sie nur genau stimmt, wohltemperiert …

Flüchtlinge: EU beschließt Militäreinsatz gegen Schleuser | ZEIT ONLINE

Das Signal an Menschen in Not: die Mittelmeerroute wird erheblich teurer … besser wäre, man würde die Einreise der Flüchtlinge organisieren und sie versorgen. Jüngst wird sogar das Gerücht gestreut, da könnten ja ISIS-„Kämpfer“ einwandern, und man glaubt´s nicht – bei manchen Gemütern verschlägt so eine Ente – als hätten´s die nötig … oben im Boot steuert auch so ein Schleuser – und alle im Boot waren mal Flüchtlinge …

Mit freundlichen Grüßen,

Markus

4 Gedanken zu “Gemüt & Rührung: wir sitzen in einem Boot …

  1. Gegen die Schleuser muss in jedem Fall vorgegangen werden, das ist eine Verbrecherbande wie die Coyotes in den USA. Die Flüchtlinge sind schon arm genug dran und brauchen die Abzocke nicht. Wenn es geregelte Einwanderungsprogramme gibt, können die 5000 EUR, die anscheinend für die lebensgefährliche Überfahrt verlangt werden, sinnvoll genutzt werden, z.B. für Antragsgebühren und Einrichtungskosten bei der Ankunft.

    Bei „zeige Emotionen“ sehe ich das Problem im „zeige“ und in der Tatsache, dass die zu fühlenden Emotionen im Kitsch vorgegeben sind. Also zeige, was vorgegeben ist.
    Doch, wurde nicht der Geist durch den Mond in die Welt geboren? Ich denke, hier hilft die Unterscheidung zwischen „Fühlen“ von außen nach innen (gerührt werden), und „Empfinden“ von innen nach außen (in sich finden und gebären), von W. Döbereiner.

    1. markustermin

      Sehr gut gesagt, liebe Conny! Mit Geist & Mond –

      … bei den „Schleusern“ hab ich mich schon oft gefragt: was sind das für wunderschöne Fischerboote zum Teil, die da geopfert werden – nur: wo sollen denn die Menschen hin, die wegmüssen? Wenn wir Waffen liefern, müssen wir auch die Flüchtlinge aufnehmen. Es braucht eine zentrale, gesicherte Aufnahmestation in Nordafrika und von dort aus eine geregelte Einreise mit medizinischer Versorgung, Sprachkurs & Eingliederungshilfe nach einem klugen Schlüssel für ganz Europa. Das gibt es aber nicht – welchen Sinn macht es also, die „Schleuser“ anzugreifen – um Leben zu retten sollte man sie eskortieren. Ob nun ein italienischer General in der Lage ist, das Mafia-Problem zu lösen, sei dahingestellt. Ich erinnere mich noch an Gaddafis Zelt in Rom.

      1. Hallo Markus, da hast du völlig recht, wenn es geregelte Aufnahmeprogramme gäbe, bräuchte man sich um die Schleuser nicht zu kümmern, denn sie sind nur das Symptom des eigentlichen Unheils. Vielleicht würde so eine Eskorte schon genügen, um sie abzuschrecken? Oder man könnte die Flüchtlinge auf regulären, sicheren Booten nach Europa und in die USA bringen, kostenlos, dann wären die Ausbeuter sofort weg vom Fenster. Oder man hat den Mut, an der Wurzel anzusetzen, nämlich: Ausbeute schafft Ausbeuter, Gerechtigkeit schafft Freunde, und Freunde schaffen Frieden. Gruß, Conny

  2. Lieber Markus,

    eine Rührung kommt aus der Empfindung, eine Herzensbewegung also.
    Da kann man sich selbst die Frage stellen, wodrauf resoniere ich, wenn ich etwas sehe und höre.
    Zum Zentrum hinschauen, dahin, wo das Gefühl am stärksten entstand, zu dem Moment, was am meisten bewegte, dann kommt man dahin, warum das Herz aus eigener Thematik nicht ruhig und gelassen bleiben kann.
    Das lässt sich dann in der eigenen Seelengeschichte lösen. Wenn das gelingt, kann man ruhiger hinschauen oder braucht das andere nicht mehr, um mal wieder rauszuweinen.

    Natürlich ist bei allen Menschen gleich: Die Suche nach friedvollem, glücklichen Leben.
    Und da gibt es leider zu viele Orte auf dieser Erde, wo das kaum noch geht.
    Mich rühren dann die Mütter mit den Kindern an und sehr die hilflosen Väter, die ihre Familien nicht schützen und versorgen können. Es reicht, ein einziges leidvolles Leben zu verstehen, um alles zu erkennen.
    Ich schaue mir diese Bilder nicht mehr an – (ich meide sie nicht), es reicht, dass es so viel Leid gibt, was mir bewusst ist.
    Dann gehe ich lieber zur lichtvollen Seite und bete, immer wieder nur kurze Gebete, wie sie mir gerade aus dem Herzen fließen. Mehr geht manchmal nicht und das kann viel sein.

    Wenn nicht wir Deutschen verstehen – politsche Zwänge, Mord, Tod, Elend, Vertreibung, zerissenen Familien, Hunger und Neubeginn -, wer dann?
    Der wichtigste Satz meines 1909 geb.,/1993 gest. Vaters war: Bei mir soll niemand mehr hungern und frieren.

    Dennoch ist es manchmal angebracht, Empathie zu zeigen, bei so viel Leid, wovon die Medien/Zeitungen in der Wiedergabe an uns satt leben.

    Frohe Pfingsten

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