Liebe Leserinnen und Leser,
von so einer Reise in eine Skorpion-Stadt des tiefsten und gegenwärtigsten Mittelalters bringt man ein Staunen barocker Stille mit. Da Weihrauch so gegenwärtig und Meditation in stillsten und leeren Kirchen (dazu totaler Kontrast: im Herzen der Stadt, wie das Gift des Skorpion: ein groteskes Kirchenaustrittsbüro) irgendwann unter der Woche immer noch grandios mit Weihrauch unterlegt ist, bring man auch ein paar Grillen bei – wie zum Beispiel diejenige der Frage, warum denn Moses – siehe oberes Foto – Hörner hat? Im Harry Potter wäre er ein Mischwesen. Er schaut – trotz Rute – nich´ grad drein, wie der Böse leibhaftig. Freud hat dem „Mann Mose“ und seinen Hörnern eine psychoanalytische Abfassung gewidmet:
„Unter einer dünnen Tünche von Christentum sind sie geblieben, was ihre Ahnen waren, die einem barbarischen Polytheismus huldigten. Sie haben ihren Groll gegen die neue, ihnen aufgedrängte Religion nicht überwunden, aber sie haben ihn auf die Quelle verschoben, von der das Christentum zu ihnen kam. (…) Ihr Judenhass ist im Grunde Christenhass.“ …
File:Der Mann Moses 1939.jpg – Wikimedia Commons
… sagt Freud und hat – wie ich meine – Recht – den Christus-Impuls lehnen sie ab, heißt das auf antroposophisch. Freuds Urteil gegen den Polytheismus fällt aber zu unbeherrscht aus und bedarf selbst der Analyse – warum „barabarisch“? – für Freud ist der Schritt zum Monotheismus – den er analytisch auf den Moses-Mord – wie er sagt – zurückführt – real vom Barbarischen geschieden, edler. Diese Haltung hat er selbst verinnerlicht und hinterfragt sie deshalb nicht.
Was nun aber die Hörner betrifft, würden wir vielleicht eher bei Thomas Mann „Joseph und sein Brüder“ fündig.
Und natürlich – dem Widder der Astrologie.
Zu wollen und böse – oder nur störend sein, – : sei eins?!? Sagt das Tao sinngemäß – Christus sagt sinngemäß: gut wollen ist möglich und wirklich – hier liegt vielleicht das Geheimnis Moses´ Hörner: guter Widder; – : guter Wille, Herr der Herden mit dem Zauberstab in der Hand – nicht der Rute – im intelligenten und gelassenen Gesicht eine Idee der Vermehrung – grün – rot – weiß – Italien (oder besser in Steiners Farbenlehre zu lesen) – und dennoch bleibt das Bild ein Rätsel.
Meine Grille ist …
… solche Rätselbilder zu fügen, um Wissen fragwürdig zu machen … und zwar mehr wegen der Würde, weniger der Frage …
Mit freundlichen Grüßen,
Markus

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