Poetry, Weltbild

Dreikönig – „Aberglaube“?!

780px-Magi_(1)http://nina.kunsthistorie.com/ Bild in Ravenna

Liebe Leserinnen und Leser,

da tut man sich an einem Tag des Jahres auch im Gottesdienst schwer, zu erklären, wer denn diese Magier waren, die da bei Matthäus erwähnt werden? Denn sie sind nun einmal Sterndeuter; sie lassen sich nicht – obwohl man sich alle Mühe gibt – in den sogenannten „Aberglauben“ abdrängen. Burkhard Müller – Wikipedia (10. Dez. 1959 – Lilith auf 13 Grad Zwillinge, exakt wie heuer!) schreibt im Geist allgemeiner Gewissheit (S.Z. 2013 Nr. 4 – „Die dunkelsten Figuren im Ensemble“):

„Astrologie und Astronomie hatten sich damals noch nicht getrennt, und wer Nachts in den Himmel blickte, genoß Respekt, weil die Genauigkeit seiner Beobachtungen sich mit dem Schicksal verband. Die Verbindung beider macht aus der Astrologie einen eigentümlich präzisen Aberglauben – darauf beruht ihre Reputation ja bis heute.“

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Der schwarze Mond in den Zwillingen – ausgelöst durch sich selbst im Radix, ergibt die Überschrift: „Die dunkelsten Figuren im Ensemble“.

Fast versöhnlich klingt nach der Brunnenvergiftung der dreifachdeutigen Überschrift der Schlusssatz Burkhards: „Die drei Weisen, deren Tag am 6. Januar begangen wird, bleiben das Rätsel der Weihnachtsgeschichte.“

Nun weiß aber selbst Wikipedia heute, … „Da sich der Begriff von der jeweils herrschenden Welt- und Glaubenssicht her definiert, der Inhalt von dem jeweiligen wissenschaftlichen oder religiösen Standpunkt des Darstellers bestimmt (wird).“ Aberglaube – Wikipedia

Allein die Astrologie bleibt ungeachtet jeder Aufklärung ein Terrain, das man in der öffentlichen Meinung jederzeit unhinterfragt als „Aberglaube“ bezeichnen kann – man verzichtet auf eine Absicherung durch die kritische Vernunft – die den eigenen Glaubensstandpunkt reflektieren könnte – und dies darf man im Grunde einzig der Astrologie gegenüber – wenn man sonst von Tuten und Blasen keine Ahnung hat – die Astrologie als Aberglauben zu bezeichnen ist gesellschafts- und salongfähig – größeren Widerspruch wird der Schreiber heuer nicht erwarten können.

Dazu Rudolf Steiner: „Aberglaube, was ist Aberglaube?! – schon wenn Sie auf die Uhr gucken, betreiben Sie Astrologie.“

Was gibt es dazu 2013 zu sagen? – : dass der breite Konsens über die Astrologie – sie sei ein Aberglaube – gar keine Grundlage hat, sondern dass es sich genau umgekehrt verhält: dass gerade diejenigen, die unseren unmittelbaren Zusammenhalt mit den natürlichen Lichtern des Himmels leugnen – selbst ihren eigenen Mutmaßungen über die Natur der Welt gemäß (Pflanzen, Wasser, Tiere, Rhythmen: schlicht alles) – wirklich nicht bei Trost sind, wie Burkhard Müller eigentlich weiß.

Dem Geheimnis um die drei Sterndeuter aus dem Osten ist nur astrologisch auf die Spur zu kommen: der Stern zu Bethlehem, der „stillsteht“ ist die dreifache Konjunktion von Jupiter und Saturn – und logischerweise deren „Stillstand“ zum Zeitpunkt der Geburt(en) Christi. Was sie dem neuen König übergeben, Weihrauch, Gold, Myrre –  Bewußtseinserweiterung durch Rausch (Weihrauch), Reichtum (Gold) und Gesundheit (Myrre) – sind die Gaben der alten Welt an die Neue Welt.

Für die Astrologie hat sich dadurch eine Wende ergeben, die es nie zuvor gegeben hatte: der Tierkreis, der mit den Fixsternen verbunden war, wurde in und um diese Zeit zum tropisch fixierten Sonnentierkreis: der Frühlingspunkt ist seither der Null-Grad-Widder Punkt der Tag und Nachtgleiche im Frühling – das All ist uns ferner geworden – die Sonne näher gekommen. Widder – das Lamm – der um die Zeitenwende herum seit Jahrtausenden „erstmals“ synchron zum Frühlingspunkt stand – wird zum Schlüssel für die moderne, exakte Astrologie der Ich-Persönlichkeit. Die „Tat des Christus Jesus“ manifestiert sich zuallererst in der Welt der zauberhaften Geometrie: der Astrologie.

So flankiert die moderne Astrologie das Erscheinen des kosmischen Christus – und sagt uns, dass Christus Jesus nicht eine wichtige Erscheinung unter vielen ist, sondern die Ankunft des modernen und vor allem freien Bewußtseins schlechthin – da ist es natürlich besonders perfide, wenn genau dieses Bewußtsein „Ich bin“ – die Spur zu seiner Existenz spöttelnd selbst zu verwischen versucht.

Soweit die Überlegungen zum natürlichen Licht der Sterne – auf diesem Gebiet kann man den Szientisten nur Schlamperei und mangelnde Übersicht über die eigene Erkenntnislage (Biologie) vorwerfen – vom göttlichen Licht, das Paracelsus und alle anderen vom natürlichen Licht unterscheiden – ist noch nicht gesprochen – die drei Magier folgten dem natürlichen Licht von Jupiter und Saturn in den Fischen (tropisch, wie heute!) – und hatten doch auch Kenntnis vom göttlichen Licht – denn sie werden im „Traum“, wie es heißt – geleitet.

Die drei Magier auf dem Fresko von Ravenna tragen übrigens die typischen Mützen der Mithras-Religion:

„Die ganze Sternentheologie, die Lehre von der Seelenwanderung und von der ethischen Vervollkommnung, dürfte nun nicht mehr persischen Ursprungs sein wie der Stierkult. () Einen Mithrasgottesdienst kann man sich nicht ohne Texte vorstellen. Es sind leider nur wenige erhalten geblieben, so eine Mithraslithurgie; die Traditionen der Christengegner wurden später getilgt. Aber es hat Erzählungen über die Planetengötter gegeben, wie es gab auch eine Mithrasschöpfungsgeschichte existierte. Interessant ist die Geburtsgeschichte des Mithras, der aus einer Höhle von den Hirten begrüsst hervorgetreten sei. Auch von Jesus wird bereichtet, er sei in einer Höhle zur Welt gekommen und in seiner Geburtserzählung fehlen ebenso Hirten und Sterne nicht. Bemerkenswert ist auch die Benennung der Mithraspriester: Sie nannten sich in der persischen Tradition Magier wie die Magier aus dem Morgenland bei Jesus.“

Mithras-Kult

Mit freundlichen Grüßen,

Markus

P.S.: Siehe auch: Gedanken, angeregt durch Burkhard Müller « Markus Termin – Astrologisches Stundenbuch