Peter-Paul Zahl

Liebe Leserinnen und Leser,

Zahl, der Mann mit dem merkwürdigen Nachnahmen, ein Fische-Geborener, war einer der drei Schriftsteller, die ich persönlich kannte, die anderen beiden waren Wollschläger und Böll. Zahl ist vor zwei Tagen in Port Antonio, Jamaika, gestorben und – was auch immer er in der Vergangenheit zu verantworten hatte, der Landkreis Port Antonio, wo ehedem Errol Flynn sein süßes Leben feierte, wird ihn vermissen, als Familienvater zweier Töchter (soweit ich weiß), unermüdlichen Organisator von praktischen Lebenserleichterungen für die Bürger, der nur äußerst ungern jemanden am Wegesrand stehen ließ, auch wenn schon 10 oder 12 Personen in seinem Landrover, Käfer, Toyota-Bus (je nachdem, welche Schrottkarre er sich gerade leisten konnte) gezwängt saßen, wie in einer Büchse die Ölfische. Wardy auf seinem Esel braucht ein Saxophon um Rocksteady zu spielen? Auf Zahl konnten die Leute zählen. Es gab eine Zeit, da traf man ihn nachmittags zuverlässig bei einem White Rum mit Ting oder Cola in der Seabreeze-Bar, später am Abend ganz sicher im Bamboo-Lawn, ebenfalls mit White Rum – und er wäre niemals um eine handfeste politische Diskussion verlegen gewesen, denn politisch war er bis in die kleinste Haarspitze. Sein Buch „Der Domraub“…

… liest sich mit dem größten Vergnügen. Wie wenig Distanz er jedoch zu sich selbst hatte, konnte man bei seinen Lesungen erfahren, die er mit monotoner Stimme und dem Veteranen-Ernst der eigenen Bedeutung vortrug. Deshalb war er auch ein Arschloch (er hätte diese Direktheit sehr geschätzt), der sich wenig bis keine Gedanken um den von ihm verwundeten Polizisten machte. Mars/Saturn Konjunktion gibt den Wüterich, wenn es sein muß. Ob es deswegen anging, ihm verfassungswidrig für das selbe Vergehen zweimal den Prozess zu machen? Die junge Dame auf dem Buch unten (das beste Jamaika-Buch mit echter Information) ist übrigens, wenn ich nicht irre, seine letzte Lebensgefährtin. „She´s from Granada“, pflegte er stolz zu sagen, während sie daneben stand und pflichtschuldig grinste. Zahl war leider ein totaler Macho (Jupiter Pluto im Löwen). „Neues Land, neue Frau“, pflegte er zu sagen, und was konnte er denn dafür, daß es in der Karibik so viele hübsche junge Frauen gab?!  Schließlich wäre es Selbstmord gewesen, dort in Longbay, im neuen Paradies, kein Macho zu sein. „Ich hasse Kingston“, sagte er einmal. Doch dort mußte er öfter hin, denn da ist die Deutsche Botschaft. War besonders stolz auf seine beiden Pässe, bis man ihm einen entzog. Aber sein Instinkt verriet ihm ganz korrekt, daß man nicht einfach auswandern kann, sondern als Heimatloser zur Wanderschaft verpflichtet bleibt – gescheiterte Gegenbeispiele vor der Haustür seines Paradieses gab es genug. Aber die Wassermann-Venus liebt ohnehin immer den Wechsel.

Möge dort oben jemand für Dich einsprechen, Peter!

Mit freundlichen Grüßen,

Markus

Peter-Paul Zahl – Rose Hill Cottage – Jamaica

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Peter-Paul Zahl gestorben: Der Halbjamaikaner – taz.de

Freiheit und Glück – Peter Paul Zahl | Sein Redaktion

Peter Paul Zahl 14.03.1944, keine Zeit,  Freiburg im Breisgau

Ein Gedanke zu “Peter-Paul Zahl

  1. Sich selbst
    treu zu bleiben setzt voraus
    bei sich selbst zu SEIN
    ©B.S., 2010

    wie wird wohl P.-P. Z. in seiner ‚letzten Stunde‘ sein Leben in der Rückschau betrachtet haben….

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