Geschichte, Poetry, Weltbild

Astrologische Partner-vermittlung

Niemals würde ich zu einer Partnervermittlung gehen! Mein Saturn steht im Wassermann: ich habe edle Prinzipien. Dazu gehört die Magie des Zufalls und des Augenblicks. Als gäbe es ein geheimes Abkommen unter den Menschen: die Liebe muß sich per Zufall ergeben.

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Was ist Zufall? Zufall ist all das, was sich einstellt, sich ergibt, ohne durch eine logische Schlussfolgerung in den Sinnzusammenhang einer praktischen Tätigkeitsabfolge zu passen. Von der Liebe eben erwarten wir, dass sie sich solcherart zufällig ergibt.  Offensichtlich ist das die Sicherheitsschranke, die die Liebe passieren muß, bevor sie in unser Leben darf. Was fürchten wir? Fürchten wir, kontrolliert zu werden, wenn wir nach Vereinbarung handeln? Sobald die Liebe auch nur einen Augenblick alt ist, erwarten wir von der Partnerin/dem Partner sofortige Verlässlichkeit.

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Jetzt darf sich nichts mehr „zufällig“ ereignen.  Doch  muß sich die Liebe zuvor zufällig an allen Regularien des Lebens vorbeischmuggeln, und es wird als Makel ausgelegt, wenn ein Paar öffentlich bekennt, es habe sich durch eine Partnervermittlung kennengelernt. Alles andere halten wir für weniger gültig. Woran liegt das? Wie bekannt, gibt es Länder mit anderen Sitten, die drehen obige Regel geradezu um: Verbindungen kommen dort nur und ausschließlich durch Vermittlung zustande, und die Eheunterhändler sind oft die eigenen Eltern, die mit den Kindern, die verheiratet werden, ihr „Eigentum“ zu bestimmten Bedingungen „verleasen“. Gerade in diesen Ländern – wo Liebe und Tod sehr nahe verbunden sind (Schehezerade in den Märchen „1001 Nacht“ muß den Kalifen während anhaltender Todesdrohung unterhalten) – gedeiht eine traurige Liebesromantik, die sich durch alle Schlager zieht. Wo alle Liebe bedingt ist, leistet man/frau kollektiv Anarchie und lebt in Wahrheit nur in seinen Gefühlen, betrügt, richtet sich sein Leben ein und schmachtet un-be-Dingt nach ausschließlich den reinen Dingen des Herzens, die durch die Braut oder den Bräutigam kommen werden, als hätte es den Handel um materielle Dinge nicht gegeben.

img_0344Fotos Markus Termin ©

Matriarchatsforscher unter den Ethnologen bestätigen außerdem, dass die Ehe mit der traditionellen Mitgift eine alte Form des Zusammenlebens ablöste, in der Frauen im Mittelpunkt ihrer Familie standen und am Rand gab es eine Männergruppe, aus denen Liebhaber, Sakralkönige, Krieger, Bauern, ect. hervorgingen. Es ist geschichtlich, aber Romantik als Sehnsucht nach dem Matriarchat, ist nicht angebracht. Die Gründe, dem nachzuforschen, warum und wie solche Gesellschaften sich ändern mußten, und über welchen Weg sie die Entwicklung bis heute genommen haben, gehört zu den spannendsten Pfaden, die wir in Erkenntnis unserer Zukunft gehen können. Das ist leicht. Wir müssen ja nur unsere eigene Gesellschaft angucken. Lesen wir alte Literatur, so ist bemerkenswert, dass insbesondere in Adelskreisen die Idee des Kinder- Ehehandels bis heute ein gewisses Ansehen genießt, fast als wäre die Staatraison in höheren Kreisen Pflicht und die Herzensdinge der Liebe den armen Menschen vorbehalten. Doch gibt es eben auch in diesen höheren Kreisen besonders beliebte Liebesmythen: –  „Ich und die Prinzessin …“ in 1000 und einer Variation.

Warum sollten man/frau frau/man sich trotzdem einer astrologischen Partnervermittlung anvertrauen?

„Lasse“, sagt Jesus,

„Deine linke Hand nicht wissen, was die rechte tut.“