Nürnberg 20:19 – Filme wie „Matrix“ haben dafür gesorgt, dass unser Verhältnis zur Wirklichkeit nicht mehr ganz klar ist. Doch war es das jemals? Der französische Philosph Jean Baudrillard (29. Juli 1929 in Reims) hat mit seinem Begriff der „Simulation“ eine Denkschublade geöffnet, die sich bislang wohl noch nicht schließen ließ. Simulation war für Baudrillard nicht einfach nur die Imitation von Wirklichkeit. Sie stellte die schleichende, unsere Wirklichkeit langsam überlangernde Schein-Wirklichkeit dar. Im Großen Maßstab vergleichbar mit der Landkarte, die eine Dimension einnimmt, so groß, wie das Land selbst. Baudrillard hatte wohl vorausgeahnt – er starb 2006 – dass es GPS und Google Earth geben würde, und dass dadurch tatsächlich sich langsam aber sicher über die „wahre“ Welt ein Netz der imitierten Welt spannt, die dieses, das „echte Leben“, aus bestimmten Gründen unterdrückt. Für Baudrillard hatte diese Unterdrückung ein Ziel. Wir sollten von der Wirklichkeit (z.B. in Darfur, oder den Klimawandel betreffend) abgelenkt werden, damit sich Herrschaft im Sinne einer technischen Unterdrückung möglichst lückenlos ihrer selbst gewiss sein konnte.
In dem Film „Matrix“ von 1999 wird die Vision einer totalsimulierten und von Maschinen kontrollierten Wirklichkeit grauenerregend zuende gedacht. Da ist ein Mensch, der im Laufe der Handlung erfährt, dass er sich sein scheinbar reales Leben nur einbildet. In Wirklichkeit – die der Film enthüllt – ist dieser Mensch, genannt Neo, nur in einer geträumten, programmierten Welt. Von Menschen geschaffene Maschinen haben die Herrschaft übernommen, „simulieren“ Realität in praktisch allem und benutzen die Menschen als Energiespeicher. Man muß nur zu den Erfindungen von Jules Verne zurückgehen, um zu glauben, dass reine Imagination nicht existiert. Viel von seinem technischen Repertoire ist heute völlig normal. Wenn wir nun nach Japan schauen, und sehen, wie man sich dort bemüht, den wahren Haushaltsroboter funktionabel zu machen, dann könnte man meinen … Ich habe jedoch zwei Einwände. Astrologisch ist die Simulation der Technik Neptun, der ausgerechnet im Jahr des Matrix-Films in den Wassermann ging. Er bleibt dort bis 2012, jenem ominösen Jahr, indem sich auch der Maya-Kalender erfüllen soll, und seit unvorstellbar langen Zeiträumen auf Null zurückspringt. Maya im Sinn der fernöstlichen Sicht ist aber wieder Neptun, das Unwirkliche, die Fantasie, der Schleier, der Regenbogen, aber auch der Ozean, das Weltall und sogar die Chemie und die Drogen. Bezeichnenderweise ist es eine Pille, die Neo schluckt, um von der totalen Simulation in die Wirklichkeit zu kommen. Und – Zufall? – ein Künstler aus Ostdeutschland, Neo Rauch (18. April 1960. Leipzig), feiert kommerziell Malererfolge, man reißt ihm die noch nassen Leinwände förmlich aus den Händen – dies in der Wirklichkeit. Den anderen Einwand spare ich mir für einen Post morgen oder übermorgen. Vielleicht mag die/der ein oder andere noch vorher den Film gucken?

Du muss angemeldet sein, um einen Kommentar zu veröffentlichen.