Plejaden wechseln das Zeichen

plejaden

Bild: Nasa (ohne copyright)

Manilius scheint die Plejaden für das weibliche im Stier gehalten zu haben. Wie immer, macht es Vergnügen, dem Text zu folgen:

„Wenn der Stier, verkehrt und nach vorn gesunken, emporkommt,

führt er im sechsten Grad die um Lichtstärke eifernden Schwestern

mit, die Plejaden. In ihrem Hauche erblickt der Sonne

nährendes Licht die Anhängerschaft von Baccus und Venus

und obendrein die bei Festmahl und Tafelgelagen frivolen

und auch im beißenden Witz die Fröhlichkeit suchenden Seelen.

Um ihre Kleidung sowie um den Schmuck ihrer Stirn werden diese

immer sich sorgen: die Kräuselhaare in Wellen zu legen …

… Lieben ist immer zu wenig: sie wollen als Liebhaber gelten.

Wenn dann der Zwilling verschwisterte Sterne zum Himmel emporträgt …“

Übersetzung Wolfgang Fels

Für Hesiod, der sechhundert Jahre früher schreibt, sind sie Teil eines Bauernkalenders:

„Wenn das Gestirn der Pejaden, der Atlastöchter, emporsteigt,

dann beginne die Ernte, doch pflüge, wenn sie hinabgehen.

Vierzig Tage und Nächte hindurch sind diese verborgen

Doch wenn im kreisenden Laufe des Jahres sie wieder erscheinen,

Dann beginn die Sichel zur neuen Ernte zu wetzen!

(Zitat aus Van der Waerden, Astronomie, Verse 609-611)

Abgebildet finden wir sie in Höhle von Lascaux – Wikipedia, und dort wurde schon Astrologie betrieben, das sind 30 000 Jahre. Sie spielten bei der Ausrichtung der Maya-Pyramiden eine zentrale Rolle, und ihre Lageveränderung durch die Präzession hat die Maya bewogen, ganze Städte aufzugeben. In Mesopotamien stand das Siebengestrin für den Monat „Gu(sisa)“ und wurde mit den „Großen Göttern“ in Verbindung gebracht, denen wir in der ältesten griechischen Mythologie auf Samothraki (Σαμoθράκη) begegnen. Die Beschreibung der „weiblichen“ Art der Plejaden bezieht Manilius auf den Aufgang des Subaru (japanisch) Gestirns am Osthorizont. Und nun sind wir Zeuge, wie die Plejaden ins Tierkreiszeichen Zwillinge wechseln. So wird es Zeit, sich ihrer Bedeutung neu anzunehmen, die die Astrologie all zu lange aus dem Blick verloren hat. Demnächst mehr dazu in diesem Blog.

Wer diesen Blog schon länger beobachtet, wird festgestellt haben, dass es eine rege Diskussion mit Wissenschaftlern und Astronomen gibt, die zwar nicht immer erfreulich ist, doch allein dass es sie gibt, kann schon als positives Zeichen gewertet werden. Hier möchte ich wiederholt besonders auf den Wissenschafts-Blog von Florian Freistetter hinweisen.

Dr. Freistetter hat einen lesenswerten Post zu den Sternbildern verfasst: Sternbilder und Sternzeichen | Astrodicticum Simplex | ScienceBlogs.de – Wissenschaft, Kultur, Politik

Seiner Anregung folgend hier dieser Post:

… – wie wärs mal mit einer Serie über deine „Theorie“ der Astrologie? Wäre sicher interessant.“

Dr. Freistetter stichelt immer gern auch ein wenig (Merkur ist im Skorpion), und hat auch konkrete Vorstellungen, auf die wir eingehen müssen:

„Und ich habe nie daran gezweifelt, dass die Astrologen sich Erklärungen zu dem Problem der Präzession ausgedacht haben. Vermutlich gibt es auch „gute“ astrologische Gründe, warum in den Horoskopen die Stellung der Planeten überhalb bzw. unterhalb der Ekliptik ignoriert wird?“

Ich nehme diese Anregung hier auf, denn gerade die Theorie der Astrologie interessiert mich sehr und mein Blog ist voll davon, es gibt diesen Blog gewissermaßen nur deshalb, weil mich genau das bewegt. Den einzigen mir bekannten Ansatz einer Philosophie der Astrologie hat der Karlsruher Professor Marc Jongen angekündigt, dessen äußerst lesenswertes Buch „Das Wesen spiritueller Erkenntnis“ vielversprechend ist. Es gibt auch wirklich in der Astrologie offene Fragen, und nicht zu knapp! Die Stellung der Planeten unterhalb und oberhalb der Ekliptik ist es nicht. Im Gegenteil, die ist sogar sehr bedeutend und in jedes gute Astrologieprogramm integriert. Man nennt es Planetenknoten, und der gebräuchlichste ist der Mondknoten. Ein Spezialist für Plantenknoten ist der Nürnberger Astroconsultant Peter Schübel. Gerade jetzt bei der Wahl Obamas schauen viele Astrologen auf die Konjunktion der Mondknotenachse mit Obamas Sonne. William Lillys Werk ist voll von weiteren Hinweisen über die Höhe der Planeten in Bezug auf die Ekliptik. Astrologen sind – sofern sie an Erkenntnis interessiert sind – Menschen, die staunend vor einem uralten und gewachsenen System stehen, das mit ihren Erfahrungen korreliert. Dies versuchen sie sich dann zu erklären und daraus Hinweise zu gewinnen. Es gibt aber in der Astrologie keinen „Papst“, der verbindliche Regeln bestimmte. Nostradamus betrieb eine ganz andere Astrologie als Kepler. Jeder Mensch, der sich damit beschäftigt, betritt ein Gebäude, an dem sie/er selbst weiterbauen muß, wenn Verständnis sich einstellen soll. Die Geschichte der Astrologie zeigt, dass die jeweilige Astrologie oft ein Portrait der Geisteshaltung der Zeit ist. Besonders interessant ist die Renaissance. Das System, welches Manilius in seiner von Kaiser Augustus in Auftrag gegebenen „Astronomica“ in Versen niedergelgt hat, unterscheidet sich dennoch nicht wesentlich von der Astrologie, die wir heute betreiben. Die „vedische“ Astrologie, die in Indien auf den Dörfern und Städten immer noch und wieder den Status einer allgemein anerkannten Institution hat, rechnet die Präzession um, braucht dafür jedoch den tropischen Tierkreis als Bezugssystem. Es gibt also mit ihr eine Differenz, aber es ist keine, mit der das System selbst in Frage gestellt würde, denn die Gemeinsamkeiten überwiegen bei weitem. Allerdings fehlen der „vedischen“ Astrologie die neuen Planeten Uranus, Neptun und Pluto, Chiron (der bei uns aus bestimmten Gründen Planetenstatus hat), die „unsere“ westliche Astrologie völlig revolutioniert haben. Dabei ist deren Integration in das „Lehrgebäude“ immer noch nicht abgeschlossen. Was jedoch dazu gekommen ist, hat um so bedeutendere Auswirkungen, weil die ältesten bekannten Tierkreise über 12000 Jahre alt sind, und wir können Zeuge und Mitgestalter einer unglaublichen Erweiterung und Veränderung sein. Der Astronom Herschel, der den Planeten zuerst „bewußt“ entdeckte, lebte fast auf den Tag genau so lang, wie dieser Planet braucht, um seine Runde durch den Tierkreis zu vollenden. Und fast ebenfalls auf den Tag genau eine Runde später wurde Neptun wiederentdeckt (denn schon Gallileo hatte ihn am 28.12.1612, 4:00h wahre Ortszeit, Florenz, höchstwahrscheinlich gesehen, jedoch nicht erkannt).

Die oben abgebildeten Plejaden kann man Mitte November besonders gut ohne optisches Werkzeug beobachten. „Der volle Mond geht am 13. um 15 Uhr 47 MEZ auf, die Sonne geht am gleichen Tag um 16 Uhr 14 unter. Rund zwei Stunden später um 18 Uhr sollten die ersten Sterne zu sehen sein. Zu dieser Zeit hat der Mond einen Abstand von 1,7 Grad zum Hauptstern der Plejaden: Alcyone. Um 21 Uhr bedeckt der Mond Alcyone, während um 24 Uhr der Abstand schon wieder 1,6 Grad beträgt. Der Mond geht am 14. um 9 Uhr 26 MEZ unter.“ Zitat aus: Der Himmel über Berlin