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Merkur in Zwillinge oder der doppelte Christoph

William-Adolphe Bouguereau („Charity“ – 1859)

Liebe Leser,

Nürnberg – 20:59, es gibt wegen des Wetters rein gar nichts auszusetzen. Jedenfalls hier nicht. Dafür ein anderes interessantes Thema: Namen und Magie. Folgendes hat sich zugetragen. Heute morgen rief eine Klientin an, die mit mir einen Termin ausmachen wollte, eben hatte sie ihre Geburtszeit gefunden. Ich kenne sie seit Jahren. Sie hat einen Sohn namens Christoph, der seit einiger Zeit bei seinem Vater lebt, der nun, obwohl er selbst nie einen Pfennig Unterhalt bezahlt hat, plötzlich, weil der Sohn bei ihm lebt, von ihr, der Mutter, Unterhalt verlangen kann, schlicht weil sie hat, was er nie hatte. Gut, wir machen also diesen Termin aus. Ich bin nachmittags unterwegs, um ein Fahrrad abzuholen, dass ich bei ebay für meinen Sohn erstand, und begegne, indem ich an der Merkur-Apotheke am Aufsessplatz vorbei radle einem alten Bekannten: Christoph, jedoch nicht dem Sohn meiner Klientin, sondern einem Musiker-Kollegen, mit dem ich vor Jahren einmal in einer Band gespielt habe. Ich radle also weiter, und treffe meinen jüngsten Sohn vor seiner Wohnung. Er hat natürlich schon vor Wochen und zum x-ten Mal seinen Haustürschlüssel verloren, Mama, Schwester, Bruder sind ausgeflogen, und er kommt nicht rein. Prima, denke ich mir, nehme ich den gleich mit zu mir. Er ist aber konkret pubertierend und es kostet Überredungskraft, ihn zu mir zu bringen, wo es frischen Apfelsaft, eventuell ein Mittagessen und unter Umständen ein Schach-Spiel gibt. Während wir also noch laufen, sehe ich plötzlich ein mir bekanntes Gesicht: „Kennen wir uns?“ Es ist Christoph, doch nun tatsächlich der Sohn meiner Klientin, mit der ich eben diesen Morgen telefoniert hatte, auf den Stufen einer Treppe sitzend, mit einem Freund, wo er den „Bund der Naturfreunde“ sucht. Hm … ? Christoph erkennt eher mich, als ich ihn; er hat sich sehr verändert, und zwar zu seinem Vorteil. Nun ist Nürnberg nicht klein genug, um alle Nasen lang den Kindern von Müttern zu begegnen, mit denen man am selben Morgen telefoniert hat. Was mir jedoch zu denken gibt, ist der doppelte Christoph. Dieses Rätsel – denn die beiden waren in der selben Straße – einer dritten Person vorgelegt, sagt ihr natürlich nichts, denn solche Koinzidenzen, obwohl sie jeder ständig erlebt, sind einem Dritten in ihrer Exklusivität nicht vermittelbar. Nun kommt aber zu all dem noch hinzu, dass ich mit einer lieben Klientin am Tag zuvor ein Gespräch hatte über vermehrt auftretende Dopplungen. Ihr sei, so berichtete sie, ihr Wagen zweimal an dem selben Teil kaputtgegangen, und auch sonst würden sich Dinge in zweifacher, gedoppelter Gestalt augenblicklich durchaus in ihr Leben drängen. Ich kann mir darauf durchaus einen Reim machen. In Bezug auf den doppelten Christoph ist es folgender: die Verbindung zu seiner Mutter am Morgen hat ein Feld ausgelöst, dass – wir könnten es nach Rupert Shelldrake morphogenetisches Feld nennen – die Energie „Christophs Mutter“ beinhaltet, zusammen mit der Vorstellung von familiärer Sorge und Freundschaft. Da dieses Feld stark ist (wir haben eine Subsistenz Beziehung, das heißt, ich ernte im Herbst bei ihr Mirabellen, sie bekommt dafür das Horoskop erklärt (Interessenten mit Obstbäumen bitte melden …!) fällt mein Freund Christoph, der Musiker, ebenso darunter, wie ihr Sohn, ebenfalls Christoph. Dem Vorgang kann also ein Hinweis auf die Funtionsweise der Sprach-Magie entnommen werden: es scheint weniger bedeutend zu sein, welcher Christoph in der Ansammlung dieser Buchstaben gefunden werden kann, sondern allein, dass es ein Christoph ist. Demnach hätte Platon recht, dass Namen eben mitnichten Schall und Rauch sind, sondern es eine höhere, wirklichkeitsgestaltende und lautempfängliche Ebene gibt, die auf bestimmte Lautfolgen in Kombination mit einer bestimmten emotionalen , authentischen Kraft auf eine kräftige, wirklichkeitsgestaltende Art reagiert. All dies sicherlich nicht zufällig, wenn Merkur in Zwillinge steht, mit einem Quadrat zu Uranus und einem Trigon zu Neptun. Und schließlich: auch unser gestriger Blick auf Jesus Christus gehört zu den potenzierenden Aspekten einer solchen Sicht.

Mit freundlichen Grüßen,

Markus Termin