Nürnberg, Donnerstag (Jupitertag) den 13. März 2008 17:02 – naß, kalt, trotzdem sonnig.
Es gibt in jeder Kultur Schöpfungsmythen – Erzählungen davon, wie die Welt entstand. Und diese Mythen sind in unterschiedlichen Variationen überliefert. Fest steht jedoch, dass Chronos – der Saturn der Griechen – seine Schwester Rhea heiratete. Dabei ist Rhea, grich. Ῥεία, wie auch die spätere Hera eine Alliteration des selben Grundbegiffs Erde (wie Robert Graves bemerkt) immer nur eine Abwandlung der selben, alles erschaffenden Großen dreifaltigen Göttin, deren Hüterin sie ist, um eigentlich wiederum die sich verjüngende Mutter aller Dinge zu sein. Doch wie auch immer – Uranos übernahm von der dreifaltigen Großen Göttin die „Herrschaft“ und Chronos – Saturn konnte in der zyklischen Logig der Alten Zeit seine Schwester heiraten, obwohl sie im Grunde vor seinem Vater Uranos da war, den er mit einer Sichel aus Stein entmannte. Dieses ‚Steininstrument‘ findet auch in der Bibel Erwähung, da Zippora mit einem Feuerstein ihren Sohn Gerschom beschneidet, als Mose von einer Erscheinung Gottes niedergerungen wurde, während er zurück nach Ägypten zieht. Auffällig ist dabei die Hilfe und Assistenz der Mutter – Frau in beiden Fällen, denn auch Rhea hilft Chronos, dessen Schwestergattin sie später werden soll, gegen Vater Uranos. Doch gemäß der Mythologie ist Chronos später ebenso grausam, wie sein Vater und wird später ebenfalls entthront, nun jedoch von Zeus (Jupiter) mit Hilfe von dessen Schwestergattin Hera, die eigentlich keine andere ist, als Rhea. Alle alten Geschichten dieser Art sind jedoch durch die verfälschende Schleuse patriarchalischer Überlieferung gegangen, die klug entflochten sein will, um eine Ahnung der Tiefendimension zu bekommen, die mit ihnen überliefert ist. Dabei sollte man sich hüten, das Matriarchat einseitig zu idealisieren, denn für nichts fürchteten sich die Menschen davor nicht. Spuren, und sei`s in negativer Umkehrung, finden sich überall: War im Matriarchat das Schwein ein heiliges Tier, so ist es heute ein Schimpfwort. Auffallend ist sicherlich der doppelte Sturz der Gottheiten Uranos und Chronos unter nahezu identischen Begleiterscheinungen. Dabei wird nach der Lehre der fünf Menschheitsrassen (ein Wort, welches man sich kaum getraut in den Mund zu nehmen), die von einigen antiken Autoren überliefert ist, in Bezug auf die vierte Menschheitsrasse, der zweiten „bronzenen“ davon gesprochen, dass Götter die Menschen mit sterblichen Müttern gezeugt hätten, als wäre dies erst nach den uralten Ereignissen geschehen!? Welcher Gott regiert uns heute, und wo ist sein Planet? Nach Jupiter wäre Mars die logische Reihenfolge und danach – die Erde wieder selbst.
Nun finden dieser Tage zeitsynchron zwei Geschehnisse den Weg in die Meldungen, die beide mit oben dargestellten Themen verbunden sind. Die Worte Chronologie oder Chronometer und Realität gehören ja tatsächlich zu unserem Alltagswortschatz, und dies allein bestätigt schon die Präsenz ihrer göttlichen Anwesenheit. Zum anderen hat die Raumsonde Cassini-Huygens Rheas Ring entdeckt. Saturn – Chronos, der mindestens 52 Monde hat, die ziemlich schnell um ihn herum sausen, hat ja bekanntlich ein Ringsystem, welches sich bereits mit der Fernglas beobachten läßt. Doch nun wurde bei Rhea, deren Degradierung von der Mutter des Universums zum begleitenden Satelliten eines gestürzten Gottes kaum größer sein könnte, ebenfalls ein Ringsystem entdeckt.
Das zweite Ereignis ist die Verurteilung eines vierfachen Vaters zu einer Gefängnisstrafe. Er lebte mit seiner Schwester und zeugte mit ihr Kinder. Die Urteilsbegründung des Bundesverfassungsgerichts rechtfertigt das harte Urteil mit dem Schutz der moralischen Instanz der Ehe und behauptet, dies sei internationaler Standart. Und natürlich wird wieder jenes eugenische Argument der Erbgutschädigung vorgebracht. Tatsächlich stimmt weder das eine, noch das andere. In Wirklichkeit steckt dahinter die wohlbegründete uralte Angst vor den blutigen Riten aus der Zeit des pervertierten Matriarchats, welches eben nicht immer und vor allem nicht zum Schluß ein friedvolles war. Doch so sinnvoll und wichtig das Gesetz für den Fall von Kindesmißbrauch ist, so haarstreubend steht die gegenwärtige Verurteilung im Raum. Patrick S. ist nicht mit seiner Schwester aufgewachsen, die beiden Eltern leben nicht mehr, er ist acht Jahre älter als seine Schwester und Frau. Alle Kinder sind gesund. Keiner wurde zu irgendetwas gezwungen. Die Beziehung ist Schicksal. Er dürfte gute Aussichten haben, wenn er vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte zieht, denn Deutschland gehört zu einer Minderheit von Ländern, die Inzest zwischen Geschwistern solchermaßen unter Strafe stellen. Andere Länder haben diesen Paragrafen schon im Zuge der französischen Revolution abgeschaft, spätestens mit der Beseitigung der gesetzlichen Diskreminierung von Homosexuellen. Ich gebe zu, dass man beim Thema Inzest zwischen Geschwistern erst mal schlucken muß. Es ist aber sicher so, dass der verurteilte „Sittentäter“ Patrick S. gemäß einer eigenartigen Logig des Rechts Alimente für seine vier Kinder bezahlen muß, ob sie nun bei der Mutter verbleiben dürfen oder nicht. Über das Schicksal der Kinder berichten die Zeitungen nicht. Und schließlich mauschelt sich die Urteilbegründung auf eigenartig absichtsvolle Weise am Konsens der europäischen Rechtsprechung vorbei, was geradezu den Verdacht bestätigt, dass Jurisprudenz und Ignoranz ein Pärchen bilden und die Herren und Damen RichterInnen mit vielbeworteten Paragraphen allzu oft nur einen Ausdruck für ihr Bauchgefühl finden, das natürlich abhängig ist von der Entwicklung des moralischen Urteilsvermögens, von dem man meinen mag, dass gerade dies durch den Alltag der Rechtsspechung mitunter Schaden nehmen kann. Jedenfalls mehren sich die Fälle, wo Europäische Rechtsprechung und Sitte die hierzulande doch noch immer ziemlich träge Rechthaberei anstubst, siehe Nichtraucherschutz und Feinstaubbelastung der Luft.
All dies geschieht bei rückläufigem Saturn in der Jungfrau, es werden also nicht nur alte, sondern, wegen der Rückläufigkeit uralte Bezüge hergestellt. Wenn manch einer seinen Steuerbescheid zur nochmaligen Bearbeitung zurückbekommt, erklärt sich dies auch durch den rückläufigen Saturn. Und es steht zu erwarten, dass das Urteil im Fall Patrick S. und seiner Frau und Schwester keinen Bestand hat. Das wird ihm aber nichts nützen, denn wenn es aufgehoben wird, hat er schon drei Jahre im Gefängnis verbracht. Den Ring, den Rhea bekommen hat, wie sollen wir den deuten? Ist es ein Hochzeitsring? Ist es die Wende der Zeiten, die wieder angelangt sind an dem Punkt, wo die Uranos, Chronos, Zeus Söhne sich der Weisheit der Weltenmutter beugen müssen, warum auch immer? Es sind klitzkleine Zeichen, oftmals interessanter als spektakuläre Ereignisse. Der freche Friedrich Nietzsche (Waage-Sonne Haus 11, AC Schütze oder Skorpion, Mond Schütze) war ja der Meinung, es sei ein fahrlässig gewesen, Frauen das Lesen und Schreiben zu gestatten. Klug impliziert er den Untergang des Abendlandes, sofern dies ein Patriarchat ist. Vielleicht sollte man retten, was sich zu retten lohnt und alles andere lassen.