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Merkur und Venus

Nürnberg, Dienstag den 11. März 2008 – warm aber bedeckt, gestern Nacht Regen. Merkur läuft im Augenblick auf etwa 25 Grad Wassermann. Er ist Morgenstern und nur mit dem Fernglas in der Nähe von Venus zu entdecken, die ebenfalls im Wassermann steht. Die Messenger-Sonde der Nasa hat dieser Tage hoch auflösende Fotos zur Erde gesandt. Und von Mars erscheint ein Buch „Postkarten vom Mars“. Leider sind diese Bilder zwar wunderbar, geradezu erhaben, jedoch auch enttäuschend: man sieht nur eine Steinwüste. Auf den Fotos vom Mars erkennt man eine winzige Sonne im Aufgang. Mehr noch, als die Faszination dieser Technik rührt einen der Gedanke der menschlichen Einsamkeit im Kosmos an. Ein künstliches Auge, eine Kamera können wir in diese Einsamkeit deligieren. Was wäre wohl schrecklicher? Wenn wir Wesen auf anderen Planeten entdeckten, oder wenn wir keine entdecken? Was die Venus angeht, sind die Dinge nicht entschieden. Die Göttin der Liebe mag keine Enthüllung, sie kleidet sich in eine dichte Atmosphäre aus Wolken. Darunter könnte alles mögliche sein, Leben, Zivilisation, Wasser. Zwar wird behauptet, ihre Temperaturen seien etwas hoch und auch etwas niedrig, denn die Venus bewegt sich nur ganz langsam um ihre eigene Achse und steht dabei in einem Symmetrieverhältnis zu den Erdenbewegungen, welches einem wieder nahezu unglaubhaft erscheint. Erstmal hat die Venus eine rückläufige Bewegung um die eigene Achse. Das bedeutet, sie dreht sich in die Gegenrichtung um sich selbst, verglichen mit allen anderen Planeten des Sonnensystems. Sodann zeigt sie der Erde bei ihrer langsamen Umdrehung um sich selbst und ihrer kürzer als das Erdenjahr dauernden Umdrehung um die Sonne bei jeglicher Kardinalstellung – also untere oder obere Konjunktion mit der Sonne, – die gleiche Seite. Man könnte sagen: die Venus tanzt mit der Erde. Aber es ist ein unglaublich symmetrischer, harmonischer Tanz, der in acht Jahren jenes bekannte Pentagramm im Himmel zeichnet, verbindet man die Linien der Punkte ihrer Kardinalstellungen zu einem geometrischen Körper. Ihre umgekehrt laufende Eigenrotation macht sie auch in der astrologischen Rückläufigkeit zu einem sehr starken, quasi antimagnetischen Pool. Menschen mit einer rückläufigen Venus im Horoskop, insbesondere Frauen, sind merkwürdig gebunden an eine Art Sog des Lieben-Wollens, der fast auf der Flucht zu sein scheint vor dem Lieben-Können. Unabhängig davon, ob wir Wesen entdecken, die unsere Wahrnehmungsrealität erreichen, und die auf der Venus leben, glaube ich außerdem, dass jeder Planet und jeder Himmelskörper „bewohnt“ ist. Die Einsamkeit, die der Technik innewohnt, wird von ihren Ergebnissen reflektiert. Vielleicht müßte man auf dem Mars sitzen und lange meditieren, und dabei wie Carlos Castaneda beobachten, was in den Augenwinkeln passiert. Speziell jenem 1/64 Augen-Teilbereich, welches Toth, der Ägyptische Ibis-Gott durch Zauberei unterschlagen haben soll. Schon eine Biene sieht die Welt von anderen Wesen bevölkert, als wir.