Weltbild

Der durch die „Company“* gekaperte Staat

Liebe Leserinnen und Leser,

„Ich glaube nicht, dass der Euro-Raum gefährdet ist. Aber wir haben doch Turbulenzen und Situationen, die habe ich mir auch vor anderthalb Jahren nicht träumen lassen“, sagte die CDU-Politikerin am späten Dienstagabend in einem ARD-Interview, schreibt FAZ.NET über Kanzlerin Merkel.

Innen Irland 16.04.1916 12:25 pm, außen aktuelle Transite 17.11.2010

Es geht um Irland, dessen Banken den Staat, vorher ein Musterknabe der „New Economy“, ruiniert haben. Auf einen Streich. Und zwar, indem diese Banken aus Gier und legal Geld in faule Wertpapiere gesteckt haben, ungedeckte Schecks. So einfach ist das.

Im Chart: Chiron ausgelöst durch Jupiter rückläufig in Haus 8, Chiron und Neptun am DC, Südknoten über Pluto und Pluto-Opposition. Alles ein Ergebnis der Illusions-Jahre aus der Neptun-Opposition.

Und wenn wir uns erinnern, vor 2 Jahren, so war dies der Punkt, an dem die Staaten, wollten sie nicht von den Banken in den Abgrund gerissen werden, die Kasse öffnen mußten und den Banken über den Prozess, den wir kardinale Klimax genannt haben, einfach Geld auszahlen, das uns allen gehört, auch, wenn wir, wie die große Mehrheit, nicht zu den Zockern gehören. Allerdings sind auch die Banken keine anonyme Einzelmacht, sondern nur die Manager, getrieben vom Wunsch aller Anleger, wirklich maximale Gewinne einzufahren: „25Prozent“-Ackermann wurde doch glatt von seinen angeblichen Kritikern zum Bankmanager des Jahres  2010 (!) gewählt.

Da jedoch die Staaten gezwungen waren, das Geld dort zu leihen, wo es war, nämlich bei den Zockern, haben die nun doppelten Gewinn, weil sie auch noch die Zinsen von dem Geld kassieren, das wir uns von ihnen selbst geliehen haben, um den Schaden ihrer eigenen Zockerei in Grenzen zu halten plus natürlich, daß die Staaten, also alle, den Verlust tragen.

Der Coup, der hier gelungen ist, wurde offensichtlich nicht nur von unserer Kanzlerin nicht verstanden. Mit dem Szenario, daß Staaten pleite gehen könnten, verteuert sich die Verschuldung exponentiell.

Damit sind die Staaten de facto in den Besitz des Kapitals fusioniert worden, der Neoliberalismus ist nicht gescheitert, sondern war erfolgreich und wir können sagen, wir sind dabeigewesen (haben es aber nicht gemerkt)!

Natürlich erweckt die ahnungslos vorgetragene Pathetik der Kanzlerin wenig Vertrauen: die Entwicklung der Zinsspirale für überschuldete Euro-Länder ist wohl abzusehen und war es auch und gerade vor 1,5 Jahren schon gewesen. Das klingt sehr nach: „Ich stelle mich absichtlich blöd“.

Es könnte aber sein, daß das keine Rolle mehr spielt. Nicht, weil die Welt zugrunde geht, sondern weil die Fusion von Staatskasse mit dem Privatvermögen der Banken de facto gegeben ist. Denn das bedeutet die Haftung, die die Staaten für Banken eingehen, auf deren weiteres Geschäft sie jedoch nicht verzichten können und ganz wenig auch nur wollen, weswegen es natürlich so weiter läuft, wie bisher auch, mit der Ausnahme einer globalen Währungspolitik, in die alle Staaten eingebunden sind (außer Kuba?), und die einem riesigen Malstrom der Geldvermehrung gleicht.

Piraten Kapitalisten haben ganz offen die Staatskasse gekapert. Diejenigen, die ein unermeßliches Privatvermögen besitzen, haben sich die Gelddruckmaschinen angeeignet. Denn nun wird der Staat immer einspringen müssen. Was sonst? Also wir.

Mal ganz neutral betrachtet, ist das eine wirklich imposante Veränderung in dem Koordinatensystem Kapitalismus/Kommunismus: der Kapitalismus ist jetzt – wieder de facto – ein Kommunismus. Sogar dem Augenschein nach: 40% Mais Monokultur in Niedersachsen sind Planwirtschaft, sonst nichts. Die Mittel zur Steuerung des Anbaus sind etwas verkleidet. Aber nicht sehr.

Wie kann aber das unbemerkt bleiben? Europa wird von der EU-Kommission regiert. Die selbst gar nicht demokratisch, sondern parteipolitisch zusammengesetzt wird. Wir haben keine Demokratie, weder in den Betrieben, noch in den Schulen. Kein gewählter Präsident.

Und in den einzelnen Ländern werden die Menschen mit Pseudo-Konflikten aufeinander gehetzt. Immigrationsdebatten, Freizeitneid gegen Hartz 4 Leute, Atomwahnsinn.

Was wird das für Konsequenzen zeitigen? Ich meine vor allem das Einkassieren des Staates durch die Post-Kapitalisten?

Es ist simpel: entweder, es wird einen Ausgleich geben, d.h. das Kapital fließt aus seiner exponentiellen Akkumulation von oben auch wieder nach unten, oder es wird eine Kapital-Begrenzung geben müssen, weil die Entwicklung der Werte nicht mit der Vermehrung des Kapitals standhält, üblicherweise eine Inflation.

Die kommenden Pluto-Uranus Quadrate und die Jupiter-Saturn Oppositionen werden ein Kampf um die Bewältigung der Folgen der Dauer-Finanzkrise in einem Boom-Szenario der Scheinarbeitswelt.

Ein positives Procedere wäre ein Umleiten der Kapitalmassen in solarthermische Stromproduktion. Wenn wir das schaffen, dann hätten wird gewonnen! Immerhin war Westerwelle gerade in Marokko.

Warum hätten wir dann gewonnen?

Es ist auch bezeichnend für diese Zeiten, daß die Menschheit nicht wirklich begriffen hat, daß ihr Energieproblem im Grunde gelöst ist.

Es ist jenes „Rettende“ das „auch“ wächst, wo „Gefahr ist“, wie Hölderlin lehrt.

Lange gab es die Option solarthermischer Kaftwerke gar nicht: da hieß es von der Atom- und Kohlenstoff-Lobby, die Kernenergie wäre die einzig human vertretbare Energiequelle im Kampf gegen den Welthunger. Stickstoff wird bekanntlich aus der Luft gewonnen, wenn Energie zur Verfügung steht. Der Dünger daraus ernährt die Welt.

Doch jetzt haben Siemens und andere den außergewöhnlichen technischen Schritt getan, der dazu führt, daß es einen prinzipiell nahezu unbegrenzt zur Verfügung stehenden Rohstoff gibt: das Sonnenlicht. Doch anders, wie alle anderen Rohstoffe, ist Sonnenlicht kostenlos. Hier, auf seinem Höhepunkt, gibt es eine Chance, daß der Kapitalismus sich automatisch humanisiert und sich die Erkenntnis durchsetzt, daß die Anhäufung allzugroßer Vermögen psychopathologisch behandelbar ist. Dann nämlich, wenn dank Sonne alle genug haben, zumindest Wohnen und Essen und basishafte medizinische Versorgung. Das wäre der Clou am Ende des Kapitalismus: seine konsequente Weiterentwicklung zum Kommunismus; er erreicht genau das, was seine Protagonisten unbedingt zu vermeiden versuchten.

Nach kapitalkommunstischen Gesetzen wird sich damit über mittlere bis längerfristige Zeiten Energie sehr stark verbilligen. Und damit praktisch kostenlos zur Verfügung stehen.

Es bleibt interessant, zu beobachten, was sich „das System“ einfallen läßt, um den Welthunger unter diesen Umständen weiterhin aufrecht zu halten?!

 

Mit freundlichen Grüßen,

Markus

* Auch wieder eine dieser genialen Metaphern aus „Pirates of the Caribbean“. Überhaupt sind diese Piraten-Metaphern über den Globus gewandert und beschreiben die Wirklichkeit tatsächlich wieder.