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Die Häuserfrage

Nürnberg, Montag den 17. März 2008 um 21:36 – kälter heute und bedeckt. Die Häuserfrage in der Astrologie mag machen Studierenden zumindest anfangs zur Verzeiflung treiben. Dabei muß man die Gemeinsamkeiten betonen. Zunächst sind sich alle Systeme darüber einig , dass mit Aszendent, Deszendent, Medium und Immum Coeli gültige und starke Punkte sozialer Interpretation gefunden sind, auf die man sich durchaus verlassen kann. Davon abgesehen gibt es einige „Häusersysteme“, doch sie beziehen sich eigentlich nur auf die Teilung der Abschnitte in den jeweiligen Quadranten. Ebertin arbeitet ganz ohne Häuser, Merz mit äqualen, gleichen Häusern, Regiomontanus aus Nürnberg und Placidus de Tito haben leicht voneinander durch die Berechnungsmethode bedingte Abweichungen, Koch, eine moderne Manier, die viele mögen, aber Dane Rudhyar für unbrauchbar hält, gleichfalls. Dann wäre da noch die Methode nach ganzen Zeichen, ect. Was sind Häuser? Oskar Adler spricht vom dritten Tierkreis. Der erste ist die gleichmäßige Teilung des Fixsternhimmels, der zweite der davon abgeleitete tropische Tierkreis und der dritte der quasi individuelle, zwölf geteilte Raum-Tierkreis des einzelnen Individuums an einem ganz bestimmten Ort. Massstab (irgendwie beeindrucken, diese Worte mit drei Schlangen) ist hier der Zeit-Raum. Da Erde und Ekliptik, jener Gürtel, in dem die Planeten um die Erde kreisen, unterschiedliche Schrägen bilden, sind die Zeiträume, die die Sonne braucht, um vom Aufgangspunkt zum Mittagspunkt auf der Ekliptik zu gelangen, unterschiedlich lang. Der Mittagspunkt der Ekliptik ist nicht der höchste Punkt des Tagessonnenstandes und beide nur am Äquator identisch. Schräg gestellt durchläuft die Sonne in der selben Zeit einen größeren oder kleineren Raum. Es ist eine Frage des Winkels. Deshalb sind die Häusereinteilungen für Äquatorgeburten kein Problem: hier ist dieser Raum praktisch immer gleich, ein Haus ist dort der zwölfte Teil des Tierkreises. Die Gleichung, Aszendentenzeichen gleich erstes Haus würde die Tatsache mißachten, dass der Aszendent oft in der Mitte eines Zeichens liegt. Doch weiter nördlich oder südlich ändert sich das tropische dreißig Grad Gefüge, und der Bezug des Individuums zum Tierkreis verlangt nach einer Proportionalität, der dem gleichen Zeitraum dadurch Genüge tut, dass unterschiedlich große Häuser gefunden werden, die aus dem ganzen letztlich wieder ein gleiches machen. Insofern sind die Hausberechnungen das Bemühen, eine Verzerrung zu korrigieren, die sich zwangsläufig in unseren Breitengraden ergeben würde, wenn wir die rein tropische Einteilung beibehalten würden. Doch welche Einteilung ist die richtige? Der Eintritt in ein Lehrgebäude, in dem jede anerkannte Autorität der anderen zu widersprechen scheint, mag dem Versuch ähneln, als Harry Potter in Hogwards eine verbindliche Lehrmeinung über Zauberei zu finden. Vielleicht ist dieses Ringen um die höheren Würden der Haarspalterei der Eintrittspreis in eine Wissenschaft, die vom Studenten Autorität verlangt. Der tolle Unterschied zwischen einer echten, demokratischen Wissenschaft, wie der Astrologie, und autoritären, letzlich falschen Wissenschaften, wie dem ganzen Rest. (Ich hoffe mein Bruder, der Chemiker ist, liest diese Zeilen nicht, oder ich habe ein Problem.) Damit ist noch lange nicht alles zu den Häusern gesagt. Wozu brauchen wir sie, was machen sie, und warum glaubt Ebertin ohne sie auskommen zu können? Doch für heute genug. Ich werde in diesem Blog eine eigene Kategorie „Häuser“ einrichten, und morgen darüber schreiben, warum und wie ich persönlich zu Placidus de Tito halte, wenn mir die Bankenkriese in Amerika kein dringenderes Thema diktiert.
Jupiter Spitze Haus 12. Sonne Spitze Haus 7
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