Liebe Leserinnen und Leser,
freut mich sehr, daß ihr Hölderlin auch mögt! Ich verweile gern bei jedem Satz: … „meerbreit ausgeht der Strom“, doch eigentlich sind´s zwei (Ströme), dazwischen Land, und gemeint die ganze Kraft des ganzen Ozean-verbundenen Kontinents, der bis zu den Indianern/Indern reicht – wegen der dionysischen Trauben-Berge – die „luftige Spitz“ erzeugt in mir das Bild einer tibetanischen Gebetsfahne (Alexander aus der hellenischen Post-Klassik immer mitgedacht) – „Es nehmet aber und gibt Gedächtnis die See“ … als wäre damit der Ursprung des Gedächtnisses vollkommen beschrieben (Bild: Delphine, Brandung) – und ist es, so man den Rhythmus der beiden Zeiger unserer kosmischen Uhr – Sonne und Mond (und unseren kosmischen Anthropos) – im Meer verbunden sieht.
Bleibt denn etwa nur das, was die Dichter stiften? – Gewiss: nur dieses bleibt. Beschrieben ist damit Kosmologie und Bewußtseinsforschnung, Macht und Position des schöpferischen Geistes und zumal: der Imagination.
„Was bleibet aber, stiften die Dichter“, ist ein Satz über theoretische Physik, wie sich Materie wirklich bildet.
Mit freundlichen Grüßen,
Markus
„Nun aber sind zu Indiern
Die Männer gegangen,
Dort an der luftigen Spitz’
An Traubenbergen, wo herab
Die Dordogne kommt,
Und zusammen mit der prächtigen
Garonne meerbreit
Ausgehet der Strom. Es nehmet aber
Und gibt Gedächtnis die See,
Und die Lieb’ auch heftet fleißig die Augen,
Was bleibet aber, stiften die Dichter.“
Johann Charles Friedrich Hölderlin

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