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Steve Gibbons

Steve GibbonsSteve Gibbons 13. Juli 1941 Birmingham

Steve Gibbons

Gestern als das absolute high-light auf dem Sebaldus-Platz. Dieser Mann (und Band, die ich namentlich leider nicht kenne) ist sowas, wie ein Kultur-Botschafter des Rock `n Roll. Man kann hier auch sehr gut lernen, warum das Motto des ersten Klassik Open Air dieses Jahres mit den Philharmonikern „Swing und Symphonie“ nicht funktionierte. Denn man kann´s drehen und wenden, „Klassik“ hat keinen Swing. Bei dem, was Gibbons macht, kommt es jedoch in der Haupsache auf jenes synchrone Einpendeln seiner meisterhaft im understatement spielenden Truppe an, welches man „Swing“ nennt und sich von selbst auf alle Tanzmuskeln ausbreitet. Es ist ein Schwingen, ein Hin- und Herpendeln (nicht nur der Klassik, auch Punk und Techno fehlt das völlig). Dabei wird Einzelleistung zur Gruppenleistung.  Steve Gibbons gibt  mit seiner Gitarre kurz ein paar Takte vor, leitet mit einer Melodie ein: und schon schnurrt die „Maschine“ seiner Begleitband, dass einem die Gänsehaut vor Glück über den Rücken läuft. Man wirft Krebsen oft vor, sie seien nur kreativ in Zusammenarbeit mit anderen, bräuchten Vorgaben. Sicher, Gibbons Stimme klingt oft wie Bob Dylan (und will das wohl auch), er hat witzige Anspielungen auf „The Who“ und Jonny Cash drauf (mit denen er wohl schon spielte). Aber das eigene, das ist jenes unglaubliche Rock ´n Roll – Reiten, dass diesen alten Cowboy, der auftritt, wie ein edler Dracula,  jung und vital hält. Wenn nicht hier, wo wolltet ihr glauben, dass der große Rock ´n Roll es allemal aufnehmen kann mit der Klassik, wenn man/frau nur bereit ist, sein Gelingen nach anderen Massgaben zu beurteilen … Wenn Leute wie Gibbons dieses Wunder einmal nicht mehr live beweisen, wird keiner mehr glauben, dass es so was gibt. Tonträger können das nicht rüberbringen. Und um es so zu machen, wie Gibbons, braucht es vierzig Jahre Reifung. Natürlich ist die Bühne an der Sebaldus-Kirche – dieser nach außen gestülpte sakrale Raum – ideal für solche Auftritte. Und klar ist, Rock ´n Roll geht ohne Ohrenschaden, nahezu leise! Das Konzept der großen elektrischen Bands, die E-Gitarre und der Synthesizer, dessen man sich durch Weltmusik und akustische Gitarre zu entledigen suchte, kehrt so auf leisen Sohlen ins Zentrum des Barden-Wesens zurück und offenbart, dass es ein kristallklares Muster gibt, nach dem sich diese Klänge freiwillig und gern organisieren. Zum Lob Gottes und zum Vergnügen der Menschen. Drei obligatorische Zugaben, und dann war der Weg frei für die dieses Jahr außerordentlich interessante Off-Szene des Bardentreffens, Leute die einfach irgendwo ihre Kunst vorstellten.

Unter diesen zwei junge Frauen, die eine mit Gitarre, die andere mit Stimme, irgendwo auf dem Weg hoch zur Burg in der Nähe des Dürer-Platzes. Also sowas unglaublich Gutes! Das Mädel hat eine Stimme, so klar und laut und extatisch, wird kongenial von ihrer stillen Freundin begleitet. Alle sind zufrieden, nur die Anwohner lassen krachend die Rolläden fallen. Doch diese drei Tage haben sie gegen gute Musik keine Chance, den Rest des Jahres bleibt dann in Nürnberg alles streng geordnet: die Stadt vergibt Wochenlizenzen an immer dieselben wackeren Musik-Professoren aus der Ukraine und anderswo, die sich ihr schmales Gehalt mit Straßenmusik aufbessern, und leider selbst im Winter immer denselben Diedeldidum spielen – bis zum nächsten Bardentreffen. Mal gucken. ich ziehe heut nochmal los, auch gestern Nacht habe ich wieder einen tollen Gitarristen gefunden, zu dem meine Blues-Harp gut passte …