Am Anfang das Wort

Hartkirchen – 20:58 An dieser Stelle schrieb ich neulich über die Wolken, und auch über den Ibis. Nun kommen nochmal Assoziationen zum selben Thema. Bis in die kleinsten Details hinein hat sich die Mythologie in unserer Alltagswelt einen zeitgemäßen Platz erobert. Die scheinbar unzusammenhängenden Benennungen tauchen in einer Textur der Wirklichkeit auf, die sinngemäß genau dem entspricht, was die Ägypter sich darunter vorstellten. Denn bei ihnen war alles Heilige Schrift. Die große Pyramide selbst war ein Buchstabe Δ , es war alles belebt und alles Teil eines großen Geistes. Die Seelen, an deren Unsterblichkeit zu zweifeln ein Ägypter für schwachsinnig gehalten hätte, gingen im Leben und im Leben danach einen bestimmten Weg, auf dem man sie leiten konnte. Derjenige Gott, der das leistete, war bei den Griechen Hermes, bei den Ägyptern aber Toth, der unter anderem als Ibis angebetet wurde. Von den Werkzeugen, die er uns gab, um unseren Weg zu finden, ist die Astrologie das Wertvollste. Ein Horoskop ist eine Orts-Zeit Landkarte. Sehr vergleichbar mit dem Kompass von Jack Sparrows, der nicht nach Norden, sondern immer dorthin zeigt, wo das Herz am meisten begehrt. Astrologie ist nur als Wegbeschreibung von Leben zu Leben wirklich verständlich. Wir brauchen dieses Werkzeug, weil wir nicht sehen können, weil wir die Fähigkeit verloren haben, durch unser drittes Auge zu sehen. Seth, der Feind, hat uns diese Fähigkeit genommen indem er die Pharaonische Beschneidung gebracht hat, die sich kollektiv auf die gesamte Menschheit auswirkt. Und Jesus ist gekommen, um uns herauszuführen aus unser Verblendung, um gegen den Feind anzutreten: dem offensichtlich fehlt, was wir haben, noch immer: die Liebe.

Bilder Markus Termin ©

Für die Ägypter war es keine Frage, ob es ein Jenseits gäbe. Denn jeder kannte Geister und hatte schon Erscheinungen gesehen. Das „Jenseits“ war offen sichtbar. Es zeigte sich nicht selten im „Diesseits“. Man war, so schreibt Rudolf Steiner allenthalben, noch viel näher dran am „Alten Hellsehen“, einer Fähigkeit, welcher mit der Pharaonischen Verstümmelung langsam aber sicher der Garaus gemacht wurde. Jene Traumwelt, die als Erinnerung des alten Wissens übrigblieb, ist unsere Wirklichkeit. Wir nehmen an, wie wären wach. Doch genau das ist unser Schlafzustand. Was so schwer zu vermitteln ist, dass man denkt, man müsse von dieser Realität ausgehen, ihr vielleicht etwas hinzufügen, und dann hätte man eine Wandlung. Wir können uns aber nicht vorstellen, dass wir tatsächlich Dinge nicht sehen können, weil wir nicht glauben, dass sie da sind, und weil uns das Organ dafür abhanden gekommen ist. Tiere jedoch können das, und das erklärt auch, warum sie für die Ägypter aus bestimmten Gründen heilig waren.  Würden wir auf dieser Welt nicht gründen, wir könnten es erkennen. Wenn Arséne Wenger Trainer von Arsenal London ist, mag man sich denken: „Wie merkwürdig.“ Doch hier, wie oft, blitzt nur ein Spalt weit jene magische Verschlüsselung auf, die dann und wann „zufällig“ überwunden wird, und damit den Wissenden zeigt, dass es sie noch gibt. Als etwa Mitte der 80-ger Jahre die Welt begann, sich im Stil des späten James Joyce oder Arno Schmidt aus dem Wort-Inhalts-Pakt zu lösen, wurde diese Magie befreit, wie der Geist in der Flasche: Heute trägt jemand ein T-Shirt mit der Aufschrift: „University of Bellingham“ oder „University of the West Indies“, und es wird nicht damit in Verbindung gebracht, er hätte mit diesen Orten irgendetwas zu tun. Noch in den 70-ger Jahren wäre man auf so eine Idee gar nicht gekommen. Trug jemand eine „message“ auf der Kleidung, so stand er mit dieser „message“ auch in Verbindung. Um so freier kann sich aber Schrift von selbst zu einer scheinbar zufälligen Textur formen, die für uns die Wirklichkeit tatsächlich lesbar macht, wenn wir den Schlüssel kennen. Ein Hinweis ist dieser: wenn wir sehr aufmerksam sind, können wir wahrnehmen, dass wir Texte, die im Umfeld, z.B. als Werbesprüche oder Straßenschilder auftauchen, mitunter schon ein paar Minuten vorher im Kopf lesen können, ähnlich, wie die halbstündig hellsichtige Schildkröte im Buch Momo von Michael Ende (geb. 12. Nov. 1929 in Garmisch). Wer dies übt, merkt bald: Schrift ist nicht nur Schrift. Freilich kann man über diese Dinge recht ausführlich in der ungeheuren Flut von Phantasie-Literatur lesen, die die letzten Jahre über uns hereingebrochen ist, und deren kurze Klimax bereits bemerkenswerterweise vorbei zu sein scheint, wie ein heftiger geschichtlicher Abschnitt, den man erst später als solchen erkennen wird. Daraus läßt sich immerhin schließen, dass die Menschheit bemerkenswert nahe dran ist: wenn man die Wahrheit verstecken will, dann am besten hinter der Wahrheit, die man als Erfindung tarnt.

Diese Figur ist von Johannes Brus, der sie 1982 schuf. Sie gört zu einer apparten Gruppe, „vier in Beton gegossene Tierchen, auf Baumstämmen montiert“, die er „Tempelchen“ nannte.

 

Foto Termin ©

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