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Astrologie und Psychologie

Nürnberg, 22:43, kühl und nass. Mond in den Fischen. Dax-Index ist gefallen, Dow-Jones gestiegen.

Der Unterschied der Astrologie zur Psychologie ist hauptsächlich der, dass die Psychologie glaubt, alles wäre in der Persönlichkeit verborgen, wie in einem Gefäß, es müsste nur heraus geholt werden. In der Astrologie ist das anders. Dort finden wir Symbole und Planeten, die unserer Anlage entsprechen, doch diese können von innen oder von außen, oder auch beides gleichzeitig sich bemerkbar machen. Das bedeutet konkret, manche Reaktionen Deiner Außenwelt scheinen mit Deinem „Ich“ nichts zu tun zu haben. Beispielsweise wenn Neptun über meinen Merkur wandert, und dabei regelmäßig meine Telefonanlage ausfällt. Dennoch lernen wir im Laufe des Lebens zu erfahren, dass wir solche und andere „Reaktionen“ auf uns beziehen müssen, weil wir sie immer wieder von außen erfahren oder sogar vorgehalten bekommen. Wie aber kann das sein? Sind wir denn nicht hier und jetzt da, und kennen wir nicht genau den Unterschied zwischen uns und den anderen? Tatsächlich verhält es sich anders. Wir sind nicht hier. Oberflächlich aufgeklärte Geister mögen es für Haarspalterei halten, Tatsache ist jedoch, dass wir einen Weg gehen, der von einem Punkt A zu einem Punkt B führt. Was für „Zeit“ gehalten wird, ist die Bewegung von Dingen im Raum. Unter diesem Gesichtspunkt sind wir selbst ein sich bewegendes Ding im Raum. Und noch mehr. Denn die Bewegung ist sowohl in uns, als auch um uns herum. Die Bewegung in uns können wir als Altersprozess beschreiben. Wollen wir ganz exakt sein, so sind wir niemals, sondern wir werden ständig, wir verändern uns dauernd. Man kann es recht gut nachvollziehen, wenn man sich Fotografien von verstorbenen Persönlichkeiten anschaut. Wer waren sie wirklich? Jener forsche junge Mann, oder dieser alte, würdige Greis? Es wirkt hoffnungslos naiv, sich auf ein Bild von sich selbst festzulegen, und die Fotografie mit ihrer Vorliebe für morbide Sujets enthüllt uns auf eigenartige Weise, dass sie eigentlich eine Kunst der Trauer ist, weil sie den Stillstand festhält, den es nur scheinbar gibt. Doch ihre Trauer ist im Grunde genommen die Trauer der Vergeblichkeit eines Irrtums: in äußeren Bildern inneres Leben fassen zu wollen. Denn andererseits gibt es sehr wohl etwas, das wir wirklich sind, und es mag sogar unveränderlich und ewig sein; allein, man kann es nicht fotografieren! Es wäre nun banal, zu sagen, dieses etwas ist eben die Seele. Denn was können wir uns heute schon unter Seele vorstellen? Um jedoch die Astrologie zu verstehen, und auch um von ihr wirklich zu profitieren, müssen wir eine genauere Vorstellung des Begriffes „Seele“ finden. Wie, magst Du vielleicht sagen, Du bist mir ein schöner Astrologe: ich will von Dir wissen, was es mit mir auf sich hat, und Du willst mit mir über Religion sprechen? Natürlich kann die Astrologie sagen: Du bist soundso, Du hast soundso eine Anlage und Deine Zukunftsaussichten gestalten sich etwa folgendermaßen. Doch nützt das was? Die einzige Möglichkeit, einen persönlichen Fortschritt zu machen, haben wir, wenn wir uns verstehen. Und dieser Fortschritt wird auch die Zukunft verändern. Hier kommt ein weiterer Unterschied zur Psychologie zu tragen. Während die Psychologie glaubt, das Leben zwischen Geburt und Tod zu ihrem Gegenstand machen zu können, bekommt die Astrologie erst dann Sinn, wenn wir akzeptieren, dass unsere aktuelle Existenz in diesem Umfeld ein vorher und ein nachher hat. Das ist einerseits beruhigend, weil wir damit wissen können, dass nach dem Tod mitnichten alles vorbei ist, andererseits verwirrend, weil wir die beiden Pfosten des akzeptierten Realitätsbewusstseins hinter uns lassen, und ein unbekannten, abenteuerliches Terrain betreten. Um den großen Bogen zu schließen: hier liegt der Grund, warum wir von der Außenwelt Reaktionen erfahren, die wir nicht eigentlich auf unser „Ich“ beziehen können, die uns aber dennoch regelmäßig treffen. Denn unser Ich, wie wir es empfinden, ist nicht gebunden an die Bewegung im Raum, die wir für Zeit halten. Das Ich macht Erfahrungen, doch es altert nicht; jedenfalls nicht in dem Sinne, wie der Körper. Daher ist das Horoskop, also der Symbolkreis aus Planeten, Zeichen und Aspekten, vergleichbar mit einer Landkarte, die es uns erlaubt, unseren Lebensschatz zu finden.

Unser „Ich“ ist nicht im Horoskop, es drückt sich nur durch das Horoskop aus, sei es von innen, sei es durch äußere Kräfte.