Nürnberg 14:47 – schöne Wolken am Himmel, wieder wärmer. Wie mag es bloß kommen, dass so viele Menschen eine ihrem Namen gemäße gesellschaftliche Stellung einnehmen? Die Hebamme ist Frau Geburtsi, Dr. Heilberger wurde Arzt, seine Kollegin Frau Dr. Heiland Augenärztin, Frau Buchholz Buchhändlerin, Herr Markwort ist Chefredakteur eines wirtschaftliberalen Magazins … man könnte endlos fortfahren! Natürlich gibt es ebensoviele Menschen, deren Namen zu ihrer Profession nicht passen. Platon, der große Intellektuelle der abendländischen Mystik, ein Zeitenwender von berauschender Weisheit und tiefstem Wissen, hielt Namen mitnichten für Schall und Rauch. Thomas Mann, mit seiner zwillingshaften Doppeldeutigkeit, dem akribischen Jungfrau-Aszendenten und dem schamanistischen Krebs-Mond war ein Meister in dem Spiel der Namensführung. Seine Erfindungen sind der Wirklichkeit so absurd enthoben, man glaubt, er triebe es zu weit. Die Namen klingen dennoch bei ihm immer so, als könnte es sie wirklich geben. „Felix Krull“ …!? Der Schönling, eben doch nicht harmonisch gefügt, denn er ist irgendwie „krull“ …?
Doch ausgerechnet an dem Punkt, wo ich dachte, eine solch zappaeske Namensgebung führt Dichtung und Wahrheit ad absurdum, da Thomas Mann im „Doktor Faustus“ einen „Alexander von Gleichen-Rußwurm“ einführt, täuschte ich mich: gerade dieser Name war nicht erfunden! So heist tatsächlich der Übersetzer Ovidscher und anderer Verse, dessen Leben so abenteuerlich war, wie ein Roman. Hier hat Mann, genialer Schelm, den kritischen Geist ins Labyrinth der Wirklichkeit entführt, das noch viel absurder ist, wie seine Erfindung. Solche Zufälle des Magischen, die alle menschlichen Dinge anrühren, nennt man oft genug „Ironie des Schicksals“. Als gäbe es hinter den Dingen einen Arrangeur, der darauf achtete, wie denn die Ästhetik stilistisch wirkt, mit der die Lebens-Tragödie oder Komödie uns erscheint. Man könnte schmunzeln, wäre die Wirklichkeit mitunter nicht so grausam, dass einem das Lachen vergeht. Dennoch ist es ein Hinweis darauf: was wir für Wirklichkeit halten, ist nur das eine Ufer in der Mitte von mindestens zwei Dingen. An Thomas Manns Horoskop ist die regelrecht schulmäßige Verteilung der Komponenten „erfolgreicher Schriftsteller“ bemerkenswert. Sie lassen sich aber ebenso bei Goethe, Handke oder Grass finden, wenn auch in anderer Gewichtung. In Thomas Manns Horoskop ist es vor allem Jupiter in der Waage an der Spitze zu Haus 3, der starke Merkur im Zwilling und das Haus 9 im Widder, dessen Herrscher, Mars stark im Steinbock an der Spitze zum kreativen Haus 5 steht. Thomas Mann beschreibt in Joseph und seine Brüder sein eigenes Horoskop recht kunstvoll als das von Joseph, Jaakobs Sohn (Joseph und seine Brüder S. 78).
Wie immer auf das Bild zweimal klicken, um ein großes, klares Horoskop zu sehen!
