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Nürnberg im Bardentreffen

Hartkirchen 20:37 – hier einmal eine kleine Werbung für die Aktivitäten der wunderbaren Stadt, die seit dem Mittelalter übrigens dem Zeichen Krebs und Zwillinge zugeordnet wird: „Nämberch“, wie die Einheimischen in einem der breitesten Mundarten der Republik diese Stadt nennen. Zugegeben: ich bewege mich in dieser Burgfeste fast ausschließlich im Altstadtring oder davon nicht weit weg. Die Peripherie mit den Autobahnen und dem üblichen Vorstadt-Zersiedlungsprogramm, ein Kind der Bezinverschwendung – meide ich, ich kann es nicht ertragen, die Stadt zu verlassen, und erstmal eine Autobahnbrücke zu unterqueren. Doch solches gibt es überall, und bald auch in Dresden. Just jedoch in dem Bereich, den ich mit einem Drahtesel praktisch – wie die anderen Nürnberger ständig Verkehrsregeln mißachtend, denn man ist hier nicht so „öko“, zu glauben, Fahrradwege seien ebenso, wenn nicht wichtiger, wie irgendwelche Ost-West oder Nord-Süd Tangenten – den ich also praktisch erreichen kann, dort findet dieses Jahr vom 1. bis 3. August das 33. Bardentreffen statt: http://www.bardentreffen.de/ 

Nun, es ist nicht übertrieben, zu sagen, dass dieses Treffen ein Weltereignis ist. Von den Menschenmassen zu schwärmen, setzte voraus, dass man Menschenmassen liebt. In diesem Fall ist es aber nicht schlimm. Macht es die Musik, macht es der Genius Loci?: tatsächlich sind all die Leute nett, kultiviert, ausgelassen und freundlich. Barden klingt nach Bänkelsängern und Kleinkunst. Tatsächlich hat dieses Fest etwas Intimes, doch die immer gelungene Auswahl auf sieben Bühnen erweitert die Definition des Barden zum tonerzeugenden Meister aller Klassen, oder auch Meisterin, versteht sich.  Diesjähriges Highlight ist Joan Armatrading! Da alles draußen und umsonst ist, braucht man schon manchmal einen Schirm, aber bisher hat die Choreographie des Wetter immer gepasst: „Pasd scho!“, der Nürnberger Universalkommentar, gleich, ob es um eine Zementabschischung oder den Abduft der Schöllerschen Lebkuchenbäckerei geht, den man hier schon im Sommer riechen kann. Tagesgäste erweitern die Besucherzahlen auf über 200 000 Menschen. Man wechselt die Spielorte quasi fliegend, von einer Bühne, wo man gekostet hat, zur nächsten, wo man verweilt. Zwischendurch duftende Leckereien aus Buden überall, indisch, deutsch, italienisch, einfach viel. Die Nürnberger Gastronomie verschließt die Biergärten auch nicht, und so manche Kneipe, O´Sheas sei erwähnt, steuert mit einem privat gesponserten Programm – Irish Folk in diesem Fall, no doupt! – zum Gelingen des Ganzen bei: und das Beste: zwar fordert die Stadt Nürnberg das ganze Jahr über eine Anmeldung und einen Obulus von durchziehenden Musikern, der den Auftritt nahezu unmöglich macht, weil diese freundlichen Zeitgenossen kein Organisationsbüro haben in der Regel, und deshalb übers Jahr hin die Musik gleichförmig und osteuropäisch dominiert ist: macht den Touristen „a weng Frëut“, die Bewohner der Stadt können die ewig gleichen Melodien von Frank Sinatra nicht mehr hören. Doch eben nicht während der drei tollen Tage des Bardentreffens: da ist das Nebenprogramm der unangemeldeten KünsterInnen oft genug das Hauptprogramm, und selbst die Veranstalter machen auf der Straße Entdeckungen, die im nächsten Jahr oft genug von einer Bühne singen. Nebenbei sei erwähnt, dass in Nürnberg so viele aktive Musiker in Proberäumen semiprofessionell arbeiten, wie wohl selten in einer Stadt. Ich selbst stehe während dieser Tage immer vor der Wahl: Musik hören, oder mit meiner Blus-Harp einen der vielen Gitarristen begleiten, vielleicht mit Bekannten in einem Hauseingang jammen. Am Freitag, wenn´s losgeht, steht um 19:00 Mond und Sonne und Merkur und sogar noch die Venus im Löwen. Das Publikum kommt mit großen Erwartungen, es ist ganz kurz nach Neumond. Die Venus ist noch zu nahe an der Sonne, als dass sie zum Abend sichtbar wäre, oder vielleicht gerade mal so! Doch Jupiter, wie schon dieser Tage, wird die ganze Nacht in ruhigem hellem Elfenlicht seine Weisheit verbreiten! Sicher werden es gute Tage! 

Bilder Markus Termin ©