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Neptun und Tabak

Nürnberg 16:05 – es gewittert sich kraftig ein, und die Luft riecht nach Baumharz von all den gebrochenen Ästen. Schauen wir uns mal die unteren Bilder an. Was sehen wir?

Fotos Markus Termin ©

Es ist der blaue Dunst, wie er in meinem Lieblingscafé wabbert. Denn seit die Raucher nicht mehr innen rauchen dürfen, haben sie außen jegliche Hemmung abgelegt – wenn es die, außer zu Goethes Zeiten, je gab – und betrachten nun als natürliches Vorrecht, gleich neben stillenden Müttern oder sauerstoffinhalierenden Rollstuhlfahrern zu rauchen: man ist ja im Freien, wem schadet denn das? Da ich selbst in dieser Beziehung lange mit der Entwöhnung gerungen habe, kann ich auch die Raucher gut verstehen, denen schlicht jedes Vorstellungsvermögen dafür fehlt, wie destruktiv und anderer Leute Lebensqualität beeinträchtigend ihr vorgeblicher Genuß ist, den sie sich freilich nur einbilden. So war ich auch. Astrologisch ist auch dies ein Neptun-Thema: die Droge. Und das ist der Tabak wahrlich: eine Massendroge. Ich muß immer schmunzeln, wenn ich unsere bayerischen Polizisten rauchend in ihren grünen Autos vorbeifahren sehe: „Stark im Leben ohne Alkohol und Drogen“, steht auf ihren Wagen. Doch dieses Sprüchlein impliziert, dass Alkohol keine Droge, sondern etwas extra sei. Hierzu ist bemerkenswert, dass das Thema „Sucht“, wie Peter Sloterdijk schreibt (geb. 26. Juni 1947 in Karlsruhe) im Altertum unbekannt war, obwohl der Gebrauch von allerlei Drogen zu kultischen Zwecken üblich war: Pilze, Cannabis, Mohn, alles war durchaus ohne Tabus verfügbar. Der Unterschied, so der Philosoph, lag in der „kultischen“ Verwendung. Die damit verbundene Bewußtseinserweiterung, wie heute noch bei den Rastas in Jamaica, war nicht profanisiert, gewöhnlich, nicht in die banale Sphäre der Selbstdarstellung gerutscht. Neptun freilich muß diese negative Darstellung keineswegs übernehmen. Tut er es, unserer eignen Wahl gemäß, so überspannt er mit seinem blauen Dunst das ganze Geburtsbild wie einen Filter, der die Wirklichkeit nicht mehr durchläßt. „Ein Raucher“, vermerkte Thomas Bernhard, „denkt nur ans Rauchen.“ Vielleicht gibt es keinen Bereich der Gegenwart, in dem das dämonische so direkt greifbar wäre, wie gerade darin. Natürlich beeinflußt Tabak das Denken ebenso stark, wie irgendeine andere Droge. Da man jedoch glaubt, er tue dies nicht, ist er weitaus gefährlicher, wie Drogen, deren Einfluss offensichtlich ist. Seine Sucht-Affinität liegt angeblich sogar über der von Heroin. Tabak wurde und wird auch, als starker Sud getrunken, in Südamerika tatsächlich von Schamanen eingesetzt. Diese Schamanen kontrollieren das dämonische, morphogenetische Feld des Tabak-Dämons in seiner reinsten Ausprägung (Jeremy Narby, „Die Kosmische Schlange“). Den Dämon zu besiegen, heißt, Neptun zu befreien. Den Geist aus der Flasche lassen. Denn positiv ist Neptun die Brücke zur Geist-Welt. Die Beziehungen, die Neptun zur Zeit astrologisch unterhält, erkennen wir (zweimal draufklicken) auf dem unteren Bild:

Immer noch bildet Neptun im Wassermann eine Einheit mit dem Mondknoten, Tor des Neuen, und dem „Verletzten Heiler“, dem menschheitserlösenden Centaurenkönig Chiron. Zusätzlich trägt Neptun das lang anhaltende Sextil – denn, da diese Planeten so langsam sind, dauert auch der Aspekt lange – zu Pluto. Dieses Sextil wird nicht mehr so schnell genauer, aber es ist genügend eng, um zu wirken, auch noch wenn die Sonne am 15. August in Opposition zu Neptun tritt. Dieser Zeitpunkt ist eine ausgezeichnete Möglichkeit, für alle Süchtigen, sich ihrer Sucht zu entledigen, um auf die Sonnenseite zu wechseln. Wem die Metapher vom Dämon zu haarig ist, der möge doch bedenken, dass diese Wesen in einer bestimmten Form sehr wohl existieren, was auch dem vermeintlich modernen Menschen einsichtig sein wird, sobald er sich von den Erscheinungsformen des Spektakulären, wie wir es aus Märchen kennen, verabschiedet. Für Sokrates war sogar Eros ein Dämon. Dies sind also ganz normale Dinge, die sich freilich verändern, wenn man Tabak trinkt, wie dies die südamerikanischen Schamanen tun!