Nürnberg – 17:05 es ist wieder dieses Wetter, bei dem ab und an ein hypnotischer Wind durch die Blätter fährt. Derselbe Wind wohl, auf dem die Greifvögel ihre Kreise ziehen. Kein Wunder, dass man in der Antike die Weissagung aus dem Vogelflug – „Auspicia“ – betrieb. Ironischerweise heißt so das lateinische Bildungswerk an Bayerischen Gymnasien. Ironischerweise deswegen, weil mit solchen Dingen können die dort bestimmt nichts anfangen. Man weiß von dem, was man lehrt, so gut wie nichts. Mag es auch einzelne geniale Lehrer geben, das will ich nicht abstreiten. Selbst gegen Kritik aus dem Ausland ist unser Bildungswesen völlig immun. Wie jüngst wieder in der Zeit zu lesen, gehen hierzulande weit über achzig Prozent Schüler aus Akademiker Familien wiederum auf Gymnasium, kaum unter zwanzig Prozent aus Nicht Akademiker Familien. Was das Ausland beklagt, ist die frühe Selektion der Kinder. Man fragt sich, ob die Deutschen noch bei Trost sind, von einem Viertklässler zu verlangen, sich für eine Karriere zu entscheiden. Auch sonst ist das Bildungswesen voller Schildbürgerstreiche, Privatschulen werden systematisch gegängelt und benachteiligt. Die Hauptschulen selbst sind aggressions potenziernde Anstalten. Ich habe dort zwei Söhne, und bin regelmäßig überrascht, wie entspannt die aussehen können, wenn mal eine Zeit lang keine Schule ist. Dabei weiß man: jedes Kind lernt gern. Doch unsere Schulen bekommen es hin, den Meisten dieses natürliche Glück schnurstracks zu verleiden. Und doch wird man – einem Nazi-Gesetz gemäß! – gezwungen, die armen Kinder in die Schule zu schicken, damit sie dort komplett verblöden. Mit welcher Unverschämtheit drangegangen wurde, die Universiäten zu ruinieren, und das Grundgesetz mit seinem Gleichheitsgrundsatz zu desavouieren, zeigt sich am Beispiel Studiengebühren besonders deutlich. (Ein anderes Beispiel ist das skanalöse Elite Erziehungsgeld.) Da ist es nun auffällig, dass auf beiden Feldern der rückläufige Merkur eine Korrektur verlangt. In Hessen ist dieses Schauspiel besonders und obendrei noch doppelt merkurial sichtbar – denn Bildung ist die Achse 3/9, Merkur-Jupiter: dort wurde erst das Gesetz zur Erhebung von Studiengebühren zurückgenommen, und dann weigerte sich Roland Koch, geb. am 23.03.1958, wegen eines Formfehlers, den er schon bei der Einreichung bemerkte, zu unterschreiben. Er wird es, nach der dritten Lesung, hoffentlich müssen, denn Jupiter ist ja auch rückläufig. Trickser Merkur eben. Kochs eigener Hermes steht im Widder, der ist bockig. Und die andere Sache wird vom Bundesverfassungsgericht hoffentlich gestoppt: es klagt nämlich eine Mutter von vier Kindern, beim vierten nicht mehr berufstätig, die zu Recht nicht einsieht, warum sie für das vierte Kind weniger kriegen soll, wie eine Akademikerin im Elternjahr fürs erste. Und wenn es nicht so tragisch wäre, kommt noch das gesammelte Bonmont hinzu zu den Anektoten rückläufiger Merkur: wie da eine Ehe in Nordfrankreich annuliert wurde, weil die Braut keine Jungfrau mehr war, und nunmehr auf Betreiben der bedrängten Justizministerin Dati (bei der es nicht gereicht hat zum vonselbst draufkommen!) die Staatsanwaltschaft bemüht ist, die Entscheidung des Gerichts in Lille wegen der Annulierung wiederum rückgängig zu machen. Noch weitaus tragischer: italienische Gerichte wollen endlich Zwangsarbeiter des zweiten Weltkriegs entschädigt sehen: auch Jupiter rückläufig und Merkur. Und tief in die Zeiten hinein geht es. Ebenso tief, wie das Reichsschulpflichtgesetz von 1938. Die notwendige gänzliche Neuerfindung der Schule wird in Deutschland von einem Berufsstand blockiert, der reichlich praxisfern im mitteleren Beamten Management sitzt. Das sind Menschen, die zwischen vier bis sechstausend Euro netto verdienen, eine fünf Tage-Woche ohne Nachtschichten haben, Freitags meinst um 11:30 telefonisch nicht mehr zu erreichen sind, und die vorgeben, unglaublich was für die Schulen und die Schüler zu tun, in dem sie hi und da mal ein Regelchen ändern, oder einen Lehrplan verschlanken. Naturgemäß ist es vordringlichstes Interesse dieser Menschen, so wenig wie möglich wirklich zu verändern, um die eigene Position zu erhalten bis zur Rentenanwartschaft. Ich selbst kenne eine Rätin oder so, die sich offen brüstet, ein halbes Jahr pro Jahr auf Gran Canaria zu verbringen. Sofern sie nichts tun, ist ihnen solches absolut sicher. Jede Reform wäre ein Risiko, denn sie kann danebengehen. So wird also das Elend verwaltet, und ebenso naturgemäß schlägt die Sinnlosigkeit der eigenen Tätigkeit in Aggression um gegen diejenigen, die sich – vielleicht auf privater Ebene – das Recht zu mehr Freiheit nehmen. Doch wollen wir nicht nur lamentieren, sondern auch fragen: läßt sich das wohl ändern? Auch das Parlament beherbergt einen Durchschnitt verbeamteter Abgeordneter im Bereich der absoluten Mehrheit. Ist es untertrieben, von einer Beamten Tyrannis zu sprechen? So läuft für das Überleben unseres Landes – vielleicht sogar Europas – alles auf die Frage hinaus: ist die Demokratie reformierbar? Wie zieht sich Münchhausen aus dem Sumpf? Die Zeitungen gegenwärtig voll von simplen Analogien offen diktatorische Regimes betreffend – Russland, China – die wirtschaftlich erfolgreich sind, und ihre Landschaften noch leichter ruinieren dürfen, als die Dresdner (Elbbrücke) oder die Bayern (Donaubegradigung), ohne dabei lästigerweise das Volk fragen zu müssen. Hierzulande nun wird über die grundlegende Reformnotwendigkeit der Demokratie bislang wenig diskutiert. Ein sehr schönes Model ist die soziale Dreigliederung von Rudolf Steiner.

Aus der Erkenntnis heraus, dass nicht jeder für alles kompetent ist, schläg Steiner – die Gegenwärtigkeit der Schrift erlaubt das Präsens – vor, die Regierung der Gesellschaft aufzuteilen in kulturelle Kompetenz, rechtliche Kompetenz und wirtschaftliche Kompetenz. Er ist der Meinung, dass die Demokratie unglaublich wichtig ist, doch ebenso eigentlich nur rechtliche Fragen demokratisch entschieden werden können. Im Gegensatz dazu, führt die Demokratie bei geistigen und wirtschaftlichen Fragen ins Chaos. Geistiges sollte von Fachleuten entschieden werden, wirtschaftliches von kompetenten Gruppen. Dies beweisen die beiden komplementären Sumpfblüten Bildung und Staatsverschuldung, die ja beide nichts anderes sind, wie eine Umverteilung von arm zu reich und eine Anleitung zur geistigen Verarmung. Im Grunde genommen würde ich heute – wäre überhaupt einem Politiker zu trauen – am Liebsten FDP wählen, denn sie sind – bemerkenswerte Übereinstimmung – ebenso, wie die Linken für das Grundeinkommen, welches niemand mehr fördert, wie die geistigen Nachkommen Steiners (also Streichung aller staatlichen Zuwendungen zugunsten eines einheitlichen und unkontrollierten Grundbetrags, den jede/r bekommt, und sich dann frei entscheiden kann, ob er darüberhinaus noch arbeiten will, oder nicht). Auch intelligente CDU-ler wissen davon. Und finanzierbar ist es sowieso: nichts ist teurer, als das, was wir jetzt haben. Die Linke, denen man leider überhaupt nicht trauen kann, ist in ihrem Wirtschaftsprogramm weniger sozialistisch, als die Regierung, deren umfassende Wirtschafts Sozialhilfe nach wie vor ein Subventions Selbstbedienungsladen ist für Firmen, die groß genug sind, eine eigene Rechtsabteilung zu unterhalten. Meine Traumkoalition: Linke, Grüne (als Einzige der drei gegen das Grundeinkommen, wieder herbe Enttäuschung) und FDP: doch wie kann man eine Partei wählen, deren Vorsitzender Westerwelle (27.12.1961, Bad Honnef) sich damit brüstet, noch nie einen Naturkostladen betreten zu haben? Und doch: allenthalben mag er sogar Recht haben, denn dass es überhaupt nötig ist, unsere Nahrung in „Bio“ und „Mit giftigen Substanzen belastet“ einzuteilen, ohne, dass uns der dahinter stehende Zynismus recht in den Sinn will, das ist …
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