Personen

Oskar Adler

Nürnberg, 19:34 – jeder große Astrologe hinterläßt uns ein geschlossenes Weltgebäude seiner Astrologie. Das fängt an mit Hypatia, Ptolemäus, Manilius, Maternus, Benetti,  bis zu Oskar Adler, Thomas Ring, Rudolf Steiner*, Wolfgang Döbereiner und Liz Greene, Stephen Arroyo, Randolf Schäfer, Frank Felber und Tracy Marks, beide mit gründlichem Gespür für Feinheiten, den um die Wahrheit ringenden Rafael Gil Brand, William Lilly mit seiner raffinierten Stundenastrologie als Lesekunst des Augenblicks, Johannes Kepler und viele andere hier nicht angeführte (die Riemanns), bekannte und weniger bekannte Astrologen, selbst solche, die im Hauptberuf Maler waren, wie Albrecht Dürer, die immer auch gute Autoren sind.

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Bemerkenswert: wirklich jeder dieser AutorInnen schafft oder schuf ein ganz eigenes Werk der Astrologie. Unterscheiden tun sie sich vor allem im Charakter und manchen Techniken sowie deren Interpretation. Die Übereinstimmung all dieser Autoren unterschiedlichster Interpretations-Gesten mit dem Kern der Astrologie, dem Verständnis der symbolischen seelischen Gliederung als mikrokosmisches Abbild des großen makrokosmischen Bildes am Himmel ist für sich gesehen erstaunlich. „Wie“, mag ein unbefangener Betrachter sich fragen, „kommen denn diese Planetenforscher dazu, den Ausdruck aller Bewegungen für synchron zu halten, und in dem Ausdruck des Himmels den Verlauf des Geschehens verstehen zu können?“

oskar-adlerOskar Adler, geb.: 04.06.1875 05:35 LMT Wien

In lockerer Folge will ich auf diesem Blog Meister der Astrologie und deren Eigenart vorstellen. Sie bieten unterschiedliche Antworten auf die obige Frage. Oskar Adler mit seiner Mond-Sonnen Konjunktion in den Zwillingen im Haus 12 war nicht nur Astrologe, sondern auch Arzt und Musiker und leistete in allen drei Berufen Außerordentliches. Soll er selbst sprechen:

„Es besitzt das Gedächtnis die Kraft, ungeheure Zeiträume in einem einzigen kurzen Moment zu komprimieren. Aus dieser Kraft des Gedächtnisses, die am Leitfaden des Rhythmus fortlaufend durch die Zeiten geht, erwächst jenes esoterische Reigenerlebnis des Weltgeschehens, erwächst das astrologische Weltbild der Planetenfunktion als zeitliches Richtmaß aller irdischen Gesetzmäßigkeiten.

Es ist nun eine besondere Form des Gedächtnisses, die wir hier vor uns haben, die als Wiederholung des Gleichartigen in Gedanken, das Einmalige, Unwiederholbare verschüttend, sich ausnimmt, wie das in uns lebendig gewordene Bewußtsein des Weltrhythmus selbst, dessen verkleinertes Abbild es geworden ist, wie etwa das Netzhautbild ein verkleinertes Bild des ‚Außen‘.

Wir wollen diese Gedächtnisfunktion des Menschenbewußtseins, durch die dieses vom Weltrhythmus Besitz ergreift, zum Ausgangspunkt unserer Betrachtungen über Planetenwelt und Mensch nehmen und in ihr eine Brücke von ähnlicher Bedeutung  erblicken, wie sie der Menschenleib uns darbot zwischen „Ich“ und All.“

Man/frau muß diesen Oskar Adler sehr genau lesen, weil er Sätze schreibt, wie diesen:

„… die als Wiederholung des Gleichartigen in Gedanken, das Einmalige, Unwiederholbare verschüttend …“

Was mag dieses „Einmalige“ sein? Ist es gleichfalls ein Rhythmus, den die Maya kannten? Oder ist es anderweitig ‚verschüttet‘? Ist die Präzession und damit der Wandel der Weltzeitalter vielleicht schon länger bekannt, als sich selbst Oskar Adler, der wunderbarste Philosoph der Astrologie, sich vorstellen wollte?

* Zu Rudolf Steiner, den ich nicht ohne Hintersinn in diese Reihe aufgenommen haben, ist wie bei vielen anderen anzumerken, dass er natürlich nicht hauptsächlich Astrologe war. Dennoch ist sein gesamtes Werk von astrologischen Betrachtungsweisen – teilweise explizit, teilweise implitiert – durchwoben, und kaum möglich in einem Auszug zusammenzutragen, weil man fast in jeden zweiten Satz den Inhalt von einem Planetenverweis trennen müßte, was jedoch kaum geht. Daher gehört Steiner klar auch zu denjenigen, die ein ganz eigenes astrologisches Lehrgebäude hinterlassen haben, wenn man dies im tatsächlich weitesten Sinne denkt, und nur der ist hier gemeint. Außerdem hat obige Reihung von Namen auch demokratischen Zweck und Nutzen …