Personen

James Joyce

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Photo by C. Ruf, Zürich, ca. 1918

Wer war denn dieser Joyce? Muss man den gelesen haben? Für mich jedenfalls gab es mal eine Zeit, da bin ich 17-jährig nach Dublin gepilgert, um herauszufinden, was es auf sich hat, mit den dichtenden Iren und ihrem Joyce. Und tatsächlich, es hatte was auf sich: da traf man ein Volk von Mythos-Verrückten, die in der Lage waren, obwohl oder weil voll alkoholisiert, seitenweise Prosa-Texte auswendig zu rezitieren. Entweder man liest Joyce so, oder gar nicht. Mein Lieblings-Kapitel ist das dritte im Ulysses. In gewissem Sinn war Joyce auch der Nationaldichter unserer guten alten Bundesrepublik. Und seinem Übersetzer, dem genialen Hans Wollschläger, gelang es lange kaum mit eigenen Werken aus dem Schatten der Übersetzung zu treten, die eigentlich naturgemäß eine Nachdichtung ist: denn Joyce ist nicht übersetzbar. Sei auch da – bei immer noch rückläufigem Merkur – ein wenig Nostalgie erlaubt. Denn zu dieser Zeit war man sich unter Schriftstellern und Kritikern einig, dass Joyce einfach der König war. Warum? Auch in Paris bei Shakespeare & Company, seiner Verlagsbuchhandlung, wo man einem jungen Dichter eine Mansarde hinter der Bibliothek im ersten Stock eingerichtet hatte, ging ich selbst dem meditierend nach und fand so manches magische Geheimnis auf diesem Weg: James Joyce spricht insbesondere im Ulysses zu unserer Seele so, dass sie sich selbst beim Denken zuschauen kann. Es ist, und das war das Neue, ein völlig anderer Standpunkt in der Dichtung, eine höhere Form von Intelligenz. Dazu passend wählte er seine Sujets aus dem platten Alltag. Kein Drama. Der Held war vielleicht komisch, aber doch auch total gewöhnlich. Und dennoch gerade deswegen transzendent. Im letzten, dem Penelope-Kapitel des Ulysses, erweist sich Joyce als wahrer Poet der Großen Weißen Göttin selbst, wie es einem matriarchal-patriarchalisch hellenistisch gesinnten Europa-Iren geziemt. Zeit seines Lebens hatte er mit den Augen Probleme, und oft genug sah es danach aus, als wollte er seinem blinden Blaupaus-Vorbild, Homer selbst entsprechen. Eine Wiedergeburt Homers?

Fische herrschen in Haus 2 und Neptun steht im dritten. Tatsächlich war sein Verhältnis zu Geld so ausufernd, wie sein Schreiben: er hinterließ über eine Millionen Franc Schulden, denn er war ein Meister im „Geld organisieren“.

Das vierte Haus der Heimat  hat den Pluto: da mußte er weg, das war Vergangenheit.

Imposant sind Jupiter, Saturn und Neptun im Haus 3 des Schreibens. Deutlicher könnte ein solcher König der Feder nicht charakterisiert sein, denn die Jupiter-Saturn Konjunktion, die sich im Rhythmus von etwa 20 Jahren ereignet, findet sich zum Todesjahr im selben Zeichen, wie zur Geburt wieder ein.

Dem Schriftsteller ohne Grenzen entspricht Merkur in den Fischen als Herr von Haus 5 und 6, und auch Mars im Zwilling. Sein nächstes Werk, Finnengans Wake, brach konsequent für diesen Merkur alle Sprachbarrieren ab. Es ist ein großes Gedicht, unlesbar, auf mehreren Ebenen das Maximum verlangend: an Bildung, Intuition, Sprachgeist. In mehr als einer Sprache geschrieben. Ein wahres Welt-Epos: und – Wasserman-typisch. Denn Wassermänner und Frauen, wenn sie mal loslegen, sind als einzige in der Lage gegen den Strom schwimmend ein solches Labyrinth zu erbauen. Sie geben unumwunden zu, alles sei nur für Ariadne geschrieben, die den roten Faden mit Spucke befeuchtet, und als Zwirn einnadelt, um weiter am Schicksalsteppich zu weben, aber – und deshalb sind Wassermänner Helden – das ist ihnen egal: „You can´t stop `em“, auch nicht, wenn Neptun ins zehnte Haus geht. Doch trinken sie dann vielleicht mehr.

James Joyce, 2. Februar 1882 um 06:24 in Dublin, Irland, gest. 13. Jan 1941 in Zürich:

Unteres Bild, welches sich auch ganz groß machen läßt, wenn man nur einmal und dann noch einmal draufklickt, zeigt sein Horoskop innen und den Todestag außen. Wieder einmal stimmt Döbereiners Pluto-Auslösung ziemlich genau.

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