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Das Wesen des Seins

Nürnberg 19:00, kühl aber schön …

Besonders die formelle Schönheit der Astrologie, habe es ihr angetan, berichtet Liz Greene, die nicht nur Astrologin, sondern auch promovierte Psychologin ist. Bei dem Retro-Trend, den die Astrologie zur Zeit mit den allgemeinen Moden teilt – Robert Hand schrieb ein Buch über traditionelle Astrologie, Kurse zur klassischen Astrologie werden vermehrt angeboten und die Stundenastrologie befindet sich in einer Renaissance – darf man nicht vergessen, wie genial die Kooperation zwischen Astrologie und Psychologie „funktioniert“. Dass dann auch noch zur Tiefendimension die Mythologie hinzukommt, als der Verbundstoff zweier Welten, ist schlicht revolutionär. Denn hier kommt ein zeitloses Element der Menschenseele zur Anschauung, eine flugfähige Doppeldeckerrealität. Könnte man sich dazu durchringen, auch Gesundheit und Krankheit unter den Dispositionen der astrologischen Vorgaben zu kurieren und zu vermeiden, wäre viel gewonnen. Die Realität ist davon weit entfernt. Sie besteht auf ihrem mechanistischen Ansatz, wie auf der Keule als Jagdinstrument. So bewegen wir uns, wie in einem Gemischtwarenladen: dort etwas Wissenschaft, hier die Information, Bildung in den Einkaufswagen, vielleicht Altesvorsorge noch und Unterhaltung und … ja vielleicht noch ein wenig Astrologie. Doch das ist es nicht. Astrologie ist nicht eins unter anderen Dingen. Dieses, die Dinge aufzuteilen, einzuteilen, zuzuordnen und in Bedeutungsgruppen auflisten, nennt Martin Heidegger – Sonne, Mond, Merkur und Uranus in Waage, Schütze Aszendent – das „Die Dinge stellen“, wie ein Jäger sein Wild stellt. Er spricht vom Wesen des Seins, welches durch die Technik „gestellt“ werde. Das Wesen der Technik sei nichts technisches, sondern einem Vorgang der Zuordnung zu vergleichen, in dem es vor allem darum ginge, alle Dinge gemäß ihrer Verfügbarkeit zu klassifizieren und dies, die Verfügbarkeit im System, als einzige Qualität gelten zu lassen. Wir erfahren solches „Stellen“ des „Wesens des Seins“ unmittelbar, wenn wir die Nachtigall singen hören, und daneben den Autoverkehr in seinem ampelrhythmischen Auf- und Abbranden. Hier grenzen zwei Welten aufeinander. Die ursprüngliche Art der Nachtigall, auf ihre Art das „Wesen des Seins“ zu hüten, prallt auf die Verwahrlosung der menschlichen Aufgabe, dieses selbige Wesen auf eine menschliche Art „zu hüten“. Die Missverständnisse des Begreifens wollen die notwendige Stille zwischen zwei Lauten nicht verstehen. Dabei, und dies ist mit „hüten“ gemeint, gibt es nur das Verstehen und Begreifen als ein Weitertragen der Dinge. So tragen wir „Sorge“, kümmern uns, wie in einer Eimerkette, die gemeinsam daran arbeitet, das brennende Zivilisationshaus zu löschen, zu erhalten. Es ist schier unmöglich, etwas „direkt“ ausdrücken. Sprache ist immer dazwischen. Immer Brücke. Dies wusste Jesus, als er anfing in Gleichnissen zu sprechen. Wenn sich jemand „konkret äußern“ soll, wie eine der Worthülsen lautet, so wird er „gestellt“. Dann schwindet die Wahrheit, weil sie niemals „ist“, sondern sich immer ereignet. Der technische Vorgang versucht dies auf den Kopf zu drehen, und auch die Ansammlung von Kapital ist nur eine Zwischenstufe in diesem Umkehrungsprozess: Technik will vom „Sein“ zum „Ist“. Dies zeigt sich exemplarisch in der Fotografie, im gefrorenen Augenblick. Natürlich stellen wir dieselben Ansprüche an die Astrologie. Doch so ist sie flüchtig, wie ein scheues Reh. Sie kommt nur zu uns, wenn wir den Zauber zulassen, wenn wir Antworten aus dem Fluss der Dinge zulassen, eher, als wenn wir Wahrheiten für alle Zeit festlegen wollten. Dass dabei der Erfahrungsschatz der Alten nicht willkürlich verschoben werden kann, einerseits, andererseits jeder, der sich mit Astrologie beschäftigt, an dem großen Bild der Sache mitmalen muß, soll sie sich ihr/ihm erschließen als Quell der Weisheit, macht Astrologie zur modernen, aktuellen, schamanistischen Kunst. Wollen wir die Frage nach dem „warum“ klären, welche überhaupt nur solche zu stellen in der Lage sind, die sich eben nicht mehr mit der Frage des vermeintlichen „daran glaubens“ aufhalten, so werden wir die Reise der Seele im Kosmos und Weltall verstehen lernen müssen. Astrologie ohne Reinkarnationslehre bleibt eine stumpfe Sache, obwohl die psychologischen Vertreter der Zunft dazu neigen. Doch wahre Tiefe bekommen wir nur in der vollen Dimension. Es geht nicht um Feindlichkeit der Technik gegenüber; das wäre lächerlich, denn wir benutzen sie. Benutzen wir sie? Oder benutzt sie uns? Ist es möglich, sie, die Technik, zu benutzen, oder hat sie eine Tendenz, immer nur zu unterwerfen? Es ist sehr auffallend, dass nicht immer die besten Möglichkeiten gefunden werden, auch technisch nicht. Statt allgemein zu versuchen, das Prinzip des Verbrennungsmotors zu überwinden, verlegt man sich lieber auf „nachwachsende Rohstoffe“. Es gibt hier etwas zu denken, liebe Philosophen! Morgen vielleicht mehr dazu …