Weltbild

Weihnachten

Lieber Leser und Leserinnen,

Weihnachten, die Geburt Jesus. Von Sterndeutern vorausgesagt zur großen dreifachen Konjunktion von Jupiter und Saturn, der Davidstern, der Stern von Bethlehem als Zeichen der Herrschaft, denn die beiden, oft schon erwähnt, „zeichnen“ in 60 Jahren  diese geometrische Figur in den Himmel, das Siegel Salomons, wie man auch treffend sagt, so wie die Venus ihr Pentagramm in 8 Jahren.

Welcher Herrschaft? Zum Beispiel über die Azteken. Oder die Maya. Wir können den Davidstern einfach nur den Jesus-Stern nennen, denn es wurde ein König geboren.

Nun gut, aber sein Reich, heute noch ein Baby, ist nicht von dieser Welt? Wo ist es dann? Gibt es eine andere Welt?

Dort oben hält die Mutter einen vielleicht bereits dreijährigen Knaben, der kein Baby mehr ist. Sie bringt ihn durch einen samtgrünen Vorhang aus dem Licht, barfuß auf den Wolken schreitend. Sie hält ihn, wie Eltern ihr Kind halten, wenn sie einen etwas längeren Weg mit dem Kind laufen müssen, das schon etwas zu schwere Kind in verschiedenen Positionen tragend, beispielsweise wieder auf der Hüfte, dann wieder wie abgebildet. Nackt ist der Knabe, wie wenn er aus dem Bad geholt wurde. Er ist sehr sehr schüchtern und unglaublich lieb, seine Wangen sind gerötet, weil wir ins Bild gucken, sein Blick korrespondiert mit unserer Ansicht.

Am unteren Rand schmollen und träumen zwei berühmte Engel, auch Kinder im selben Alter wie er. Sie müssen nicht getragen werden, sie haben ja Flügel und können selbst fliegen. Aber das tun sie im Augenblick keineswegs, es ist langweilig. Sie sind sogar etwas bläulich, etwas dämonisch. Sie schmollen und träumen, der eine die grübelnde, der andere die kontemplative Haltung einnehmend, weil sie selbst wohl gern ein Gott wären. Der Kinder sind drei: zwei mit Flügeln, die sie nicht gebrauchen und ein weiteres, das getragen wird von einer auf den Wolken fliegenden Frau.

Der sympatische greise Jüngling links unter der Figur hat seinen Hut abgelegt. Die drei goldnen Ringe stellen ihn in die Tradition der druidischen Kalenderhüte, der sogenannten Goldhüte, die überall in Europa gefunden wurden, damit der Signatur eines archaisch gewordenen Dings, eines symbolisch gewordenen Archaikums folgend, dessen Ursprünge damals wie heute den meisten unbekannt sind. Sie bedeuten aber im Prinzip Wissenschaft und Geist, Maß der Zeit und eben Religion, sowohl hier beim Papst, als auch bei den Maya, denn Kalenderkunde und Religion gehen unzufällig Hand in Hand. Was bedeutet das? Es bedeutet, daß die Mathematik aus dem Geist der Astrologie entstanden ist, aus dem Geist der Religion und der Zeit-Maßkunde, der Kunde vom Messen der Zeit, der Rhythmen, nicht umgekehrt, wie heute gern geglaubt wird. In jeder Kultur gibt es eine Legende, nach der diese Fähigkeiten den Priester-Mathematikern-Astrologen, den drei Weisen aus dem Morgenland, durch einen Gott, einen göttlichen Boten übergeben wurden. Und deshalb haben wir seit Jesus eine neue Zeitrechnung.

All dies verrät der abgelegte Bischofshut.

Und die andere Figur, die Frau zur rechten Seite, die eine unglaubliche Zuversicht ausstrahlt, als wollte sie sagen: seht her, so sind wir: eine von uns, die Stärkste, sie trägt den Gott in die Welt.

Maria selbst hat unverschämt schöne nackte Beine unter ihrem durchsichten Kleid. Rätselhaft, ihr Gesicht zu lesen. Auch sie weiß, daß wir etwas von ihr wissen wollen. Etwa: „Und nun, Du bringst ihn, was jetzt?“ Aber es ist absurd, zu fragen: „Was jetzt?“ Denn wir kennen die Geschichte. Maria ist ebenso schüchtern, wie der Jesusknabe; eine Magd. Mehr Sorge im Gesicht, als Triumph. Heute ist Weihnachten und der Zeitpunkt, auf den wir uns beziehen, da ist Jesus noch viel kleiner, ein Baby. Trotzdem, mit all dem Licht kann man sich das vorstellen. Das Geburts-Sinnbild des aus dem Licht tragen.

Es gibt heute das Ideal der Menschenrechte, weil Raffael dieses Bild gemalt hat. Ohne dieses Bild wäre die Idee der Menschenrechte den Menschen nicht in den Sinn gekommen. Raffael hat das bewirkt. Nun sag keiner, Kunst sei machtlos. Vielleicht gibt es keinen wichtigeren Satz für´s nächste Jahr wie diesen guten alten von Joseph Beuys: „Kunst ist Kapital“. Um zu verstehen, was er meint, brauchen wir Geist. Heiligen Geist! Frohe Weihnachten!