Καιρός im Morgenrot

Foto Termin ©

Liebe Leserinnen und Leser,

endlich tut sich was im Land. Die FDP hat schon jetzt, außerhalb der Regierung, Politik gemacht. Was wird man weiter zulassen? Und vor allem, wie löst sich die Souveränitäts-Frage? Was bisher geschah:

Das Volk wählte am 24. September diesen Jahres ein neues Parlament. Da die SPD ihrer eigenen Leitung Meinung nach zu viele Stimmen für zu gute Politik verloren hat, denkt sie jetzt auch mal an sich, und nicht ans Land. Denn auch mal an sich denken ist bekanntlich auch wichtig, wenn´s dem Land gut gehen soll, schließlich ist man/frau als Partei auch Teil des Landes. Oder wie? Daraufhin kamen die Jamaika-Gespräche in Gang – frenetisch gewollt von unserer Presse, die jetzt fast so enttäuscht ist, wie nach der Wahl von Donald Trump. Ein paar Tage später erst hört die bürgerliche Presse auf, auf Lindner rumzupöbeln vom Übelsten: „Hätte sich wie ein kleiner Junge verhalten … “ (ZOn) – Boahhh … ?! Nun erst wird ihm – wahrscheinlich hat di Lorenzo von der ZEIT seine jungen Bluthunde zurückgepfiffen – Gelegenheit gegeben, sich rational zu positionieren: „Man hätte sich zum nützlichen Idioten gemacht“ – Und nun? Was bisher geschah:

Das Volk, der Souverän, hat gewählt. Die Parteien, Beauftragte der Wähler, finden aber keine Mehrheit, weil sich der „Junior-Partner“ SPD schmollend zurückzieht. Damit hat er die Souveränität an sich gerissen, der Schulz, vom Souverän, dem Volk. Stolz konnte man sich als Antifaschist vor die rechtsradikale andere Oppositionspartei stellen, deren Namen man nur in den Mund nimmt, wie wenn man Pistazienschalen ausspucken würde, salzig und klebrig. „Ihr habt uns abgewählt, Leute, wir haben verstanden.“ Umsetzung des Wählerwillens. What went wrong? Die Kanzlerin hätte ebenfalls den Wählerwillen respektieren müssen, zurücktreten als Parteivorsitzende und dann Kanzlerin to go.  Seehofer soll endlich den Stuhl räumen für unseren Franken. Damit den Weg freimachen für eine weitere große, aber verjüngte Koalition. Freude hätte geherrscht, wie nach dem Rücktritt des Papstes. Und nun ist Kairos verpasst, der hübsche junge Mann hat kein Vertrauen zum Matriarchat, sieht er doch in seinen unmittelbaren Vorgängern Opfer der alles verschlingenden großen weißen Göttin.

Francesco Salviati, Rom 1552/54

Spätestens jetzt war Καιρός vorüber – und ein cooler player namens Lindner hält durch sein „Nein“ die Souveränität des Wählerwillens weiter in der Hand. Kairos wäre gewesen, den jungen Mann als Engel zu erkennen, und ihm entsprechend einen Logenplatz in der Geschichte anzubieten. Gar noch mit Pluto im Sonnenzeichen und in Opposition zu Merkels Sonne: „Dis uan `im a´ true Killa, mon, me a tell ya´- ¡ Jo ! … “ würde man tatsächlich auf Patois im karibischen Jamaica gesagt haben, wo die deutschen Ereignisse mit Interesse verfolgt wurden – das hat sie nicht gemacht und daher die Lage völlig falsch eingeschätzt. Wie geht es weiter?

Folglich gibt es für Merkel nur noch eine Möglichkeit, souverän zu handeln: alle Optionen sonst sind von Lindner bestimmt: Neuwahl, Groko, selbst Schwarz & Grün, = alles. Es gibt also für Merkel gar keine Möglichkeit, von Lindner den Ball zurück zu bekommen, als allein das, womit sie ihn marginalisieren könnte: als souveräne Chefin einer schwarz/schwarzen Minderheitsregierung. Plötzlich sind wirklich alle Piraten. Und Lindner wäre ein gezähmter Lindwurm, das Matriarchat feiert Karneval, der Prinz wird durch Freundlichkeit geschluckt.

Das allein könnte – von der SPD mitgewählt – Merkel noch machen. Aber mal ehrlich – schafft sie das mit Saturn am AC? Ihre Erfahrung in Ehren, aber dafür braucht es eine gesellschaftliche Vision, die Bewusstwerdung der Gesellschaft. Es kommt die Zeit ohne „Mutti“. Daher doch kurz die GroKo – und dann Neuwahlen mit Vertrauensfrage: ein würdevoller Abtritt.

Mit freundlichen Grüßen,

Markus

P.S. Auch in Böhmen findet eine zentrale Partei, die „populistische“ ANO („Ja“ – akce nespokojených občanů „Aktion unzufriedener Bürger“), obwohl sehr stark (30%), keine Mehrheit und keinen Koalitionspartner. Und man hält sich an die Ehre, zumindest nicht mit den Rechtsradikalen zusammen zu gehen. Gleichzeitig ist die Staatsanwaltschaft dabei, die Immunität des Wahlsiegers – ehemaliger Geheimdienstler und jetziger Oligarch – aufzuheben. Auch dort ist der Präsident – ein bekennender Alkoholiker – plötzlich Entscheider. Wenn Tschechien und Deutschland eine Minderheitsregierung hätten, würde das Interesse füreinander wachsen?

 

 

Ein Gedanke zu “Καιρός im Morgenrot

  1. Hermann

    Sers Markus,

    wohl ist es wahr, dass die SPD nicht mehr wollte nach der Wahl. Aber das ist doch in Ordnung. Was gibt es zu klagen über ihr vermeintliches Schmollen. Gestern sagte einer, dass er auch eine starke Opposition als Demokratie versteht und nicht vorwiegend eine Verbindung der größten Parteien, wo sogar die Gefahr für Verfassungsänderungen, nicht gerade der guten Art, passieren könnten.

    Außerdem war doch sofort der kleine Klüngel unterwegs um Regierungsverantwortung übernehmen zu wollen. Das ist auch legitim. Nur ist es halt bei einem bestimmten Wollen allein geblieben, weil es sich nicht durchsetzten konnte. Es war doch korrekt es erüben zu lassen, auch wenn man scheiterte.

    Dass jetzt ausgerechnet auch noch der Siemens Kaeser sich über Herrn Schulzens Unverantwortlichkeit hermacht um ihn zu kritisieren, weil er sich erdreistete, die Siemenspolitik zu geißeln, zeigt, dass es nicht um Verantwortung geht. Gerade ein Konzernboss sollte doch etwas besser zu denken gelernt haben. Oder etwa nicht. Ist doch ein Studierter. Aber letztlich haben alle – Wirtschaft und Politik – weitgehendst dafür gesorgt, dass es überhaupt solche Verhältnisse gibt.

    Herr Lindner allein hat doch mit seinem persönlichem Egoismus die Verantwortung abgegegeben. Übrigens hat Herr Steinmeier letztens – ungefähr – gesagt, dass, wer Verantwortung vor der Wahl postuliert und sich dann nicht dazu bekennen will, seinen Beitrag zum Scheitern von Verhandlungen ausdrückt. Nicht oft kommt m.E. etwas so Gescheites von unseren ‚Volksvertretern‘. Herrn Lindner geht es doch nur darum, dass seine wenigen Gutbürger die Gelder, die er für sie vorgesehen hat, bei einer Regierungsmitverantwortung, erhalten. Jetzt aber bekommt er nichts. Man frägt sich doch, was da in seinem Hirnkastl herumspukt.

    Jetzt kann es sein, dass die SPD sich doch noch zur GroKo hinwendet. Und? Ist eigentlich egal, weil Frau Merkel ja deutlich gemacht hat, dass – trotz großer Verluste bei der Wahl – die Politik doch richtig gewesen sein muss, also sei da nichts zu ändern. Wer will ihr denn das absprechen? Die Bürger straften sie nicht wirklich ab, weil sie eigentlich einer GroKo weiterhin ihr Vertrauen ausgesprochen haben. Wenn sich die SPD aber wider Erwarten erstmal zurückzieht – dem Bürger ist es trotzdem egal und Europa auch. Wie war man noch vor vier Jahren erpicht, dass in Deutschland endlich eine Regierung zusammengestrickt wird.

    Und 2017? Kein Mensch will mehr was von den Deutschen. Wäre es den anderen Europäern ganz recht, wenn eine Minderheitsregierung in Deutschland regierte? Ob das jetzt in Tschechien oder anderswo ist, das ist egal. Es zählt in Europa nur Deutschland. Da wäre es doch denkbar, wenn man meinte, dadurch Deutschlands Einfluss verringern zu können. Vielleicht ist in ihrer politischen Raffinesse Frau Merkel das auch bewusst, als dass sie das befürworten wollte. Also GroKo und weiter so. Geht aber eigentlich nicht. Oder doch? Hat jetzt eventuell die SPD mehr Einflussmöglichkeiten bei einer etwaigen Regierungsgestaltung?

    Viele Grüße

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