Venus im Widder – über Rudolf Steiners Astrologie

Liebe Leserinnen und Leser,

bringt die Venus im Widder nicht wirklich, wie Rudolf Steiner das gesagt hat – Mystik und Idealismus zusammen? – die Venus im Widder? Wer ist denn laut Steiner ein mystischer Idealist? Mathematiker zum Beispiel sind Idealisten. Widder-Leute, weil sie einer Idee anhängen – und wer ist denn Mystiker? Einer der innerlich sucht, wenn die Seele ruhig geworden ist.

Steiner

Die Venus im Widder wird Steiner aber zu einem geistigen Symbol, das er ausdrücklich von der astrologischen Nativität abgrenzen möchte. Hegel wäre mystischer Idealist – (hat aber starke Jungfraubesetzung und keinen Widder – wenn ich recht erinnere im Geburtshoroskop). Rudolf Steiner hat im Geburtshoroskop Merkur und Neptun ebenfalls in den Fischen – eine Frequenz, die uns die nächsten Jahre rhythmisch mit Merkurs Wiederkehr zum Neptun begleiten wird.

Venus geht Montag morgen in den Stier – die Grafik unten zeigt das Bild von gestern, aber Mond ist immer noch in Taurus. Noch ist sie also im Widder. Nach Steiner wäre die Mystik (Venus) dann im Zeichen des Rationalismus – Stier – und nicht, wie man sonst annimmt – im Zeichen des körperlichen Wohlwollens – im wahrsten Sinn des Wortes, für das sonst Taurus immer gehalten wird. Andererseits könnte man Rationalismus auch als Sterben nach dem sinnlich sicher Erfahrbaren definieren. Was kann ich sinnlich sicher erfahren? So würde Stier nach Steiner als Rationalist fragen. Und tut es auch.

Was sehr verwunderlich ist – daß Steiners Astrologie in diesem Sinn nicht bekannt ist – denn es handelt sich ja um ein komplettes Lehrbuch und eine konsequente Weiterentwicklung seiner Philosophie. Es läßt sich auch ideal mit seiner praktischen Farbenlehre ergänzen! Ein unglaublicher Schatz des Wissens, der seinesgleichen sucht.

Rudolf Steiner und die Farben | Markus Termin – Astrologisches Stundenbuch

Und doch würde ich gerne die Bedeutung von Krebs als „Materialismus“ diskutieren. Bin mir auch nicht sicher, ob Hegel Logiker ist – mir erscheint er nicht logisch, wo immer ich ihn gelegentlich verstehe –  eher poetisch – Jungfrauen haben ja nicht selten Sendungsbewußtsein und sind musikalisch grundgebildet – siehe Adorno mit ganz ähnlicher Konstellation.

Ich habe noch nicht alle genauen Konstellationsangaben in dem Buch nachgeschaut. Aber ich habe schon einen Post geschrieben über die Grundsteinlegung des Goetheanums. Und die ist wieder ganz tropisch gedacht: „Mercurius in der Waage“ wird ausdrücklich und gradgenau abgewartet und erwähnt, nach tropischen Gesichtspunkten und mittagskulminierend gegen Abend.

Das Goetheanum « Markus Termin – Astrologisches Stundenbuch

Wir müssen daraus schließen, daß Rudolf Steiner auch im täglichen Navigieren mehr Astrologe war, als wir uns vorstellen wollen. Das zeigt auch seine späte Einordnung von Uranus und Neptun in das System – was er zunächst noch abgelehnt hatte – dann aber zu Geistselbst (Neptun?) und Bewußtseinsseele (Uranus?) macht – was meines Erachtens wieder genial ist – wie dieses Wort ja nicht zureichend ist.

Er scheint aber mit dem astrologischen System gerungen zu haben – und eigenartig Bedeutungen gleichzeitig verändern und auch benutzen zu wollen. Zum Beispiel dreht er den Tierkreis um: Steinbock ist das IV Haus – nicht das X Haus. Döbereiner – ein weiterer Fische-Geborener – tanzt den Tierkreis auch in jeder nur möglichen Richtung ab … aber das ist o.k. – denn es geht aus der geometrischen 12-Symbolik sehr sehr viel. Und auch die 13 ist o.k. „Jim Knopf und die wilde 13“.

Nun liegt ein kleiner Widerspruch im Benutzen der „Astrologischen Symbolik“ und des Vertauschens ihrer Bedeutung als neue – extra geistige Astrologie. Ein Gedicht Steiners für seine Fische-Frau Nr. 1 gibt sein astrologisches Ringen frei („Früher sprachen die Sterne … „) …

Genial ist natürlich der ganze Entwurf – im Sinne von: Begrenzungen mit dem Verstand überwinden – eben auch die noch aktuelle Konstellation Merkur & Neptun gleichzeitig in den Fischen …

Meine heimliche Hoffnung und mein Verdacht ist: auch Steiner ist zum Tierkreis in seiner Objektivität zurückgekehrt – und Venus im Widder könnte tatsächlich mystischer Idealismus sein – der uns im Augenblick scheint – auch die Differenz Idealismus/Realismus = Widder/Waage – passt wieder ganz gut und entspricht der traditionellen – und – wie ich meine – richtigen Deutung.

Freilich müßte man jetzt die Übergänge neu durchdenken – und: Detailaussagen des Meister in Frage stellen – durch astrologische Details. Es ist sogar erlaubt, den Psychoanalytiker zu fragen – bei zwei Frauen mit Fische-Sonne.

Das macht aber diese Kosmologie um so wertvoller – gerade die Astrologie könnte der Schlüssel sein, Details zu diskutieren. Denn nur ein in Frage gestellter Meister ist ja wirklich einer. Andernfalls lähmte ihn die starre Gefolgschaft seiner Gefolgsleute.

Indem man/frau Steiners Irrtümer erkennt, tun  sich seine Wahrheiten um so klarer kund. Rudolf Steiner hatte Venus in Wassermann (und Mars in Stier).

Mit freundlichen Grüßen,

Markus

Venus im Widder 201312.04.2013 16:01 Nürnberg

7 Gedanken zu “Venus im Widder – über Rudolf Steiners Astrologie

  1. Hallo Markus,

    ganz kurz und knapp –
    draußen lockt die Sonne..:

    Psychismus hat Steiner in den Fischen verortet,
    nicht im Stier.
    Stier sei der Rationalismus.

    Schau das nochmals nach (Graphik):
    => http://anthrowiki.at/Weltanschauung

    Die Venus (als Seelenstimmung) der Mystik
    und der Idealismus (als Weltanschauung) im Widder
    scheinen mir sehr stimmig.

    Beste Grüße
    Mythopoet

    1. markustermin

      Lieber Mythopoet,

      stimmt – der Rationalismus – das passt auch besser – kommt aber von der Umdreherei, daß ich´s verwechselt habe – wobei Rationalismus auch Vergnügungssucht ist – Freude am Materiellen – bliebe noch Krebs als Materialismus …

      Beste Grüße,

      Markus

  2. Wenn das Zweite im Ersten ist, kann diese Position durch verschiedene Wege erreicht werden.

    Einmal durch Rückfall in einen vorigen Zustand. Das Sein fiele etwa ins Beginnen zurück.

    Oder zum Anderen durch die Durchwanderung der einzelnen Stufen Drei, Vier … Zwölf bis wieder in eine neue Eins. Verwandlung wäre das.

    Venus im Widder ist die Botin der Zwei oder Sieben in Eins. Dort fragt sie nach dem Herrn von Eins, dem Widdermars. Und der ist nun zufällig auch da. Es ist so, als ob der verlorene Sohn nicht für immer nach Hause kommt, sondern nur mal auf Kurzurlaub. Man kann sich vorstellen, dass das ganz anders ausgeht als in dem bekannten Gleichnis des Lukasevangeliums. Der Mars wird etwas von der Schönheit der Venus abbekommen. Und sie etwas vom Zauber des Neubeginns dieses ersten Zeichens. Vielleicht ist das der Anhaltspunkt für den Mystikverdacht Steiners.

    Venus im Widder auf dem ersten Weg des Rückfalls sind die roten Wangen, würde ich sagen. Gewürzte Puddings und Ingwerschokolade …

    Venus im Widder auf die zweite Weise des absolvierten Weges ist die Grande Dame, sowas wie die Heilige Anna, Anna Karenina oder Anne Sophie Mutter z.B.

    1. markustermin

      „Kurzurlaub“ ist eine schöne Metapher. Sein „Mystikverdacht“ ist aber doch fundierter; er „benutzt“- nimmt – die Astrologie als Fundament. Da muß man wirklich seine oben (abgebildet) Vorträge mal lesen (geht auch über Anthrowiki) – er leitet ja die Weltanschauungen und Befindlichkeiten – das ist das Besondere – auseinandner ab. Die Zeichen sind bei ihm die Befindlichkeiten, die Weltanschauungen die Wandler (Planeten). Er spricht nicht nur von Mystik, sondern definiert sie auch. „Mystiker kann man wieder durch alle zwölf Geistes-Sternbilder hindurch sein“. Meister Eckhart ist zum Beispiel ein Mystiker des Idealismus (da kann ich sogar folgen). Aber hätten wir vemutet, daß Mathematiker Idealisten sind? Ja – nur hätten wir es nicht erkannt. „In seiner eigenen Seele erlebt er etwas über die Welt, was er äußerlich nicht erleben kann.“ So definiert er den Mystiker (Venus). Ist aber doch – wie immer beim lieben Rudolf (wenn man ihn zitiert) – aus dem Zusammenhang gerissen.

  3. Hermann

    Markus, wie sagte schon der großartige Wilhelm Busch: ‚Welch ein wirr‘ Geweb‘ wir weben, wenn wir nach der Wahrheit streben‘.

    Wer sich unbefangen auf die hier erwähnte GA 151 einlässt, wird sich doch erstmal in Demut an den großartig gestalteten Beschreibungen und ihrer Gesamtkomposition erfreuen.
    Ich habe Dich an diese Vorträge erinnert und hoffte insgeheim schon, dass sie nicht gleich zu irgendwelchen Gedankenkonstrukten umgestaltet werden. Wir haben doch schon öfter über den Schreibwahn gesprochen der allenthalben herrscht, weil derjenige, der glaubt etwas ‚erkannt‘ zu haben sich gleich hinsetzt und dieTastatur malträtiert um das Wenige das er wirklich erfasst hat allen zugänglich zu machen. Fast alles, wirklich fast alles heutzutage ist doch Unsinn der verbreitet wird (im objektiven Sinne). Man bewegt sich sonst nur auf dem dürftigen Forschungsniveau der heutigen eitlen Selbstdarsteller, die nur den persönlichen Erfolg anstreben. Sie werden ihren Dank schon hier in der Welt haben, aber nicht für die Ewigkeit. Hier beginnt erst der Weg zur Selbstlosigkeit, zur Liebe.

    Nun, Du weißt ja, dass ich zuerst dem Geistesforscher ‚glaube‘, weil ich in meinen Versuchen in den letzten 15 Jahren, ihn zu verstehen in seiner Vorgehensweise, immer wieder auf die ‚Probe‘ gestellt habe und sich mir bisher in keiner Situation etwas Falsches gezeigt hat (Ich betone aber natürlich, was ich mit meinen bescheidenen Mitteln erfasst und erlebt habe. Und bedenke auch, wie wir uns im Gespräch den Dingen näherkommen, wenn wir genaues Denken erüben. Sind doch tolle Momente, oder nicht?)

    Man tut doch jedem Menschen Unrecht, wenn man sein Werk oder seine Schriften nach seinem eigenen kleinen Denken glaubt durchdrungen zu haben, wenn man es einmal gelesen hat. Genausowenig ist es sinnhaft es sofort mit einem Berufsfeld so zu rasieren, ohne selbst einmal sein eigenes Terrain überhaupt selbst in Frage zu stellen, ob es denn so stimmt.

    Bitte kolportiere auch nicht die übliche Masche, man müsse erst jemand in Zweifel ziehen und seine Fehler feststellen, wenn man gedanklich noch gar nichts in der Hinsicht zu leisten imstande war das den echten geisteswissenschaftlich Forschenden auszeichnet. Bitte prüfe zuerst meditativ das Gelesene – und das geht nur Zeile für Zeile in Demut – und lasse die Erfahrung die sich scheinbar mit den Planeten verknüpft beiseite (durch die heutigen Astrologen sehe ich das sowieso nicht verstanden), denn das ist nun wahrlich noch nichts wirklich Gescheites. Nicht nur, dass der Tierkreis so ist, sondern was die Götterkräfte gestaltet haben, was ideell drinsteckt in diesem wunderbaren Kosmos und was das menschliche Anschauen und Denken lesen und erarbeiten und erfassen wird können im Laufe der Zeiten. Beobachtungen anhand von Phänomenen, die Du durch Deine doch schon praktizierte geisteswissenschaftliche Schulung uns oft dargestellt hast, mit den Forderungen einer neuen Astrologie zu verbinden, dass diese sich zur Astrosophie weiterentwickeln kann. Dafür brauchen wir Dich.

    In der Philosophie der Freiheit wird diese Methode doch so beschrieben, dass es durch jeden Menschen erfasst, gedacht und dann anhand des Beschriebenen an den Erscheinungen in der Welt geprüft werden kann.
    Dass dies ein langer Weg ist, und keiner der sich schon ergibt durch das einmalige Lesen eines Vortragszyklus, wird durch die dabei erlebte Bescheidenheit erst offensichtlich, welch faszieniernde Grundlage uns Rudolf Steiner und der Erforschung der geistigen Welt zur Verfügung gestellt hat.

    Hinweis: GA 102: Sonne – physischer Leib, Mo – Ätherleib, Me – Astralleib, Ve – Empfindungsseele, Ma – Vertandesseele, Ju – Bewusstseinsseele, Sa – Geistselbst (umgearbeiteter Astralleib), Ur – Lebensgeist (umgearbeiteter Ätherleib), Ne – Geistesmensch (umgearbeiteter Physischer Leib).
    Wenn auch jetzt etwas aus dem Zusammenhang gerissen, weil es unverständlich klingt, so soll es doch hier gelesen werden können. Die erwähnte Umarbeitung erfolgt durch das ‚Ich‘ des Menschen, der sich in seiner Entwicklung immer selbständiger und unabhängiger von den Hierarchien macht (also auch von den Planeten und dem Tierkreis – was aber noch sehr, sehr lange dauern wird, da uns zuerst die Synthese der Astrologie und der Astronomie auf der höheren Ebene in der Astrosophie ins Haus steht). Und dies ist erst möglich geworden durch das Oster- und Pfingstgeschehen durch Christus.

  4. markustermin

    Lieber Hermann,

    „Wer sich unbefangen auf die hier erwähnte GA 151 einlässt, wird sich doch erstmal in Demut an den großartig gestalteten Beschreibungen und ihrer Gesamtkomposition erfreuen.“ – da hast Du Recht, das gilt es hervorzuheben – soweit ist ja auch alles o.k. – wenn Du aber schreibst – „denn das ist nun wahrlich noch nichts wirklich Gescheites“ – muß ich Dir doch widersprechen, lieber Freund. Das ist eben das Wunder: nach langem Wachstum ist der Astrologie eine Blüte aufgegangen, die im Horoskop die Anlagen eines Menschen – mehr als sein Charakter – enthält und ausdrückt. Und zwar bis Chiron, mit Placidus-System und zunächst mal ganz ohne Transitbetrachtungen. Wilhelm Wundt hat eben nicht Sonne in den Zwillingen und Jupiter im Löwen, sondern Sonne im Löwen, Jupiter in den Fischen und Mond im Widder – allerdings einen Zwillings-Aszendenten könnte er haben.

    Den Löwen erkennt man aber sogar hinter dem Jupiter-Rauschebart. Was Steiner macht und versucht ist zweierlei – er erschafft einerseits eine Tierkreiszeichen-orientierte Symmetrie der Weltanschauungs- und Seelenstimmungszusammenhänge – und will sie dann aus der Verankerung nehmen, und in anderes – ein „jetzt geistig gesprochenenes“ Zuordnungssystem geben.

    Hier müssen wir astrologisch widersprechen. Das macht aber nichts. Mein Vorschlag: das System ist genial, aber Hegel ist Mystischer Realist – wie es seiner Venus in der Waage auch entspricht. Alle guten Philosophen sind ja in Wirklichkeit Dichter.

    Wir sehen es – oft schon angeführt – als Hinwendung zur Klassik bei der Grundsteinlegung für das erste Goetheanum.

    Richtig und grandios ausgedrückt:

    „Welten verhalten sich zum Geiste oder zu den Geistern des Kosmos, wie sich unser Gehirn zu unserer Seele verhält.“

    Mit herzlichen Grüßen,

    Markus

  5. Ich würde auch sagen, Mars im Widder wenn ein Planet noch passend steht und zum okkulten lockt, da gibt einer dann richtig Gas und lässt nicht mehr los.

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