Offener Leserbrief an Evelyn Scherfenberg

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Sehr geehrte Frau Scherfenberg,

„Hurra, wir leben noch“ – ist Ihr Artikel im Wochenendmagazin der Nürnberger Nachrichten übertitelt. Ja – wie denn nun? – wird der Weltuntergang kommen, oder nicht?

„Der Autor und Astronom Florian Freistetter“, schreiben Sie, „der dank seines beliebten deutschen (!; M.T) Astronomie-Blogs … die kollektive Seelenlage gut überblickt, registriert einen Anfrage-Boom bezüglich Weltuntergang.“

Sicher überblickt er die kollektive Seelenlage gut – daher hat er auch sein „Plädoyer für den Weltuntergang“ verfasst. Und Fachmann für die „seelischen Dinge“ – Priester seiner Zunft gewissermaßen – ist er bestimmt: das merkt man schon an den Titeln seiner Schriften:

„Hat das Universum einen Zweck?

Wieso sollte Gott ein so komplexes Universum schaffen, in dem wir Menschen eine verschwindend geringe Rolle spielen? Wenn sich alles darum dreht, was wir Menschen machen, wozu muss Gott dann Galaxien erschaffen, die 10 Milliarden Lichtjahre weit weg sind? Wir Menschen brauchen kein so gewaltiges Universum!“

Hat das Universum einen Zweck? – Astrodicticum Simplex

Man sieht, wie hier der Gottesbeweis gelingt. Offenbar braucht nur Gott ein so gewaltiges Universum!

Leben und Sterben der Sterne in zwei Minuten – Astrodicticum Simplex

In oberem Titel wird offenbar, dass Freistetter ganz richtig Sterne für Lebewesen hält – womit er sich in der Tradition Giordano Brunos sehen kann! Hingegen: Sterne sind faszinierend – aber sind sie auch lebendig?! Welch ungeheure Perspektive täte sich auf, wäre dies nicht nur Metaphern-Sprache verspielter Astronomen. Zumal man ja eine solche Sicht eher bei Freistetters ausgesuchten Feinden, den Esoterikern findet – wo jedoch wieder das, wovon Freistetter ständig spricht – um natürlich auch sein Buch zu vermarkten – von der „einschlägigen Szene“ gar nicht oder nur in Außenseiter-Positionen behauptet wird. In Wahrhheit spricht man seit der Entdeckung des Kalenders der Maya von „Transformation, Verwandlung, Bewußtsein“, nicht von „Weltuntergang“.

Wirklich überrascht kann man aber von Ihrer Sicht auf „seriöse“ Forscher sein. Wer kann behaupten, sie hätten herausgefunden, zu welchen Ereignissen der Maya-Kalender tatsächlich passt? Das wissen die gar nicht – alle Thesen sind Mutmaßungen. Was wir aber wissen können – und das schreiben Sie, Frau Scherfenberg, selbst: „Unsere Zivilisation wird untergehen … Leider kann man prophezeihen: Ein entschlossenes Umlenken wird nicht stattfinden.“

Wie nun – ?! Den ‚falschen‘ esoterischen Weltuntergang wird es nicht geben, aber den ‚wahren‘ wissenschaftlich nachgewiesenen „Zivilisationuntergang“ – wie Sie es nennen, gibt es schon?!

Merken Sie denn, dass sie sich widersprechen? Freistetter merkts nicht oder schert sich nicht drum: und „Das Spiel mit den Urängsten vom Sterben der Sterne“ füllt seine: und ihre Kassen offenbar ebenfalls – anders ist der Untertitel seines Buches „Plädoyer für den Weltuntergang“ schwer zu verstehen – und die Auswahl Ihres Katastrophen-Bildes auch nicht. Angst schüren dürfen nur die Richtigen?

Wenig beruhigend ist ihr Wahrscheinlichkeitsausblick für die nächsten „20, 30 Generationen“, die sich vor einer großen Katastrophe relativ sicher fühlen können: statistisch! Das ist wenig beruhigend. So, wie bei Fukushima. Und nun haben wir Gott sei Dank den tollen Herrn Freistetter, der uns sicher helfen wird gegen den Weltuntergang in „20, 30 Generationen“, wenn es darum geht, Meteoriten abzuknallen, Vulkane zu stopfen oder Homöopathen an den Pranger zu stellen?

Die Religion, der wir diese Weltsicht, die Sie da meines Erachtens verbreiten, verdanken, nennt sich Szientismus. Sie trägt ein dogmatisches Kleid und hat, ich befürchte es, in Nürnberg von einigen Institutionen Besitz ergriffen …

IMG_3240Fotos Termin ©

Mit freundlichen Grüßen,

Markus

4 Gedanken zu “Offener Leserbrief an Evelyn Scherfenberg

  1. Hat dieser Herr schon mal was gehört vom Zeitenwandel, den es immer wieder gab seit Bestehen des blauen Planeten?
    Hat dieser Herr schon mal was gehört von der allumfassenden Christusliebe?
    Hat dieser Herr schon mal was gehört von Machtstrukturen, die in einem lieblosen EGO-Tripp enden?

    Ach was, er ringt darum mit seinem Wissen, was er heiligt, nicht nass werden zu müssen mit dem großen Universum und der allumfassenden Liebe.
    Dann könnte es so leicht werden.

    Ab warum nicht einfach lichtvoll und weit mit Liebe betrachten?
    Es gibt doch auch den dornigen und schweren Weg der Schlauen.

    Jeder hat die Wahl und viele Jahre diesen Erdenlebens Zeit, den inneren Wandel zu leben.
    Ich weiß, der LIEBE GOTT gibt jedem von uns mindestens drei ganz große Chancen.

    Ich jedenfalls kämpfe nicht mehr gegen Dinge und Situationen an – viel zu anstrengend. Da lasse ich mich lieber führen, was leichter ist und frei von Muss und Soll,

    Ganz herzlich

    1. markustermin

      Ja, mein Lieber, wir haben ja diese Meßkirchener-Verbindung, gewiss. Wie hätte man sonst eine Idee haben sollen?! Ja, und so dauert der Tanz an und ist Leben und Kraft und Daimonion. Im Wald ist die Kraft! Aber ich nehm den Tip auch ernst. Außerdem ist das tanzende Lichtmännchen – schon klar – Deine Ästhetik.

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