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Philosophie der Astrologie 3

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Liebe Leserinnen und Leser,

Nachdem wir im ersten Part auf die geheimnisvolle Geschichte unserer Astrologie hingewiesen haben, im zweiten auf ihre bemerkenswerte Gegenwart – nur skizzenhaft, klar – werden wir im dritten nun Segel setzen und die Richtung unserer Philosophie bestimmen.

herzlichen Dank zu euren Anregungen zum Thema! Diese sind mir besonders aufgefallen:

„Das heißt, die Astrologie ist der Psychologie kognitiv übergeordnet.“

Dieser Satz ist besonders weise. Lange, Conny, habe ich mich auch gefragt, ob nicht die Astrologie und die Philosophie kognitiv gleichwertig wären? – equal – Marc Jongen | www.hfg-karlsruhe.de, von dem der Titel „Philosophie der Astrologie“ stammt, wird, so ahne ich, aus diesem Grund Abstand von dem Versuch genommen haben, eine solche zu formulieren. Dagegen spricht in der Tat der universelle Anspruch der Philosophie: alles seinem Wesen nach zu erkennen und zu benennen – warum sollte die Astrologie eine Ausnahme sein? Den Anspruch dazu kann die Philosophie auch nicht aufgeben, denn sie ist das Wissen-wollen, das Denken selbst. Wir Menschen können uns nicht – jedenfalls dauerhaft – gegen das Wissen entscheiden. Andererseits – woher wollen wir wissen, daß nicht die Astrologie mehr über die Philosphie weiß, als die Philosophie über die Astrologie? Ob nicht die Entdeckung der Einheit vor der Entdeckung des Logos stand? Doch nein – das kann nicht sein – λόγος (Logos) muss vorher dagewesen sein.

„Es würde sich für mich so darstellen, dass es einer bewussten Integration des psychisch, irrational Mythischen ins rational, kausal gerichtete Mentale bedarf. Nun, ich finde ja, es ist allgemein so und betrifft nicht nur explizit Astrologie. Haben wir diesen Ansatz nicht schon bereits in Form der Quantentheorie vor uns liegen?“

Und auch hier wieder wird Wesentliches berührt. Haben wir das – in der Quantenphysik? – Jochen Kirchhoff spricht hier von einer „Verzifferung“ der Welt.

Sicher sprengt die Quantenphysik die universelle Bedingtheit der Welt in Ursache und Folge*. Für das tiefe und wahre Empfinden von Gegenwart, zu der unser Bewußtsein und damit das „Ich“ fähig ist, handelt es sich bei den plausiblen Ergebnissen der Gleichzeitigkeit, die die Quantenphysik als Sensation verkauft, gar nicht um etwas Besonderes, sondern um einen selbstverständlichen Ausgangspunkt. Die Quantenphysik reflektiert uns die Gegegenwart, die uns die Relativitätstheorie vorübergehend relativiert hat – darin liegt auch ihr Verdienst: – „Lasse deine linke Hand nicht wissen, was die rechte Hand tut“.

„If man thinks of the totality as constituted of independent fragments, then that is how his mind will tend to operate, but if he can include everything coherently and harmoniously in an overall whole that is undivided, unbroken, and without a border then his mind will tend to move in a similar way, and from this will flow an orderly action within the whole.“

Hier wird angesprochen, was die Astrologie im tiefsten bewegt: der Ausgang aus der Einheit an Stelle des Bruchs. Durch die Größe „c“ erhebt die Physik Anspruch auf die Umkehrung dieser Grundlage: ausgehend vom Bruch Einheit zu finden.

Ausgehend von beiden Erklärungsansätzen, fällt Eines auf: wenn wir einen physikalischen Moment für eine nicht nur mögliche, sondern physikalisch wirkliche Einwirkung finden, eine unendlich schnell ablaufende Korrelation in einem ortsunabhängigen Ding, dann haben wir noch lange keine Erklärung für das der Astrologie innewohnende zeitrhythmische Element des Hinauftragens der Vergangenheit in die Gegenwart aus der Tagesbewegung des Gestirns heraus auf dem wir leben.

Dieses Element ist aber gerade die Wesentliche: die Frage lautet z.B. – warum Saturn, wenn er seine Runde macht und vom zwölften Haus im Transit ins erste geht – in Bezug auf das Geburtshoroskop, das derweil als Markierung dient – tatsächlich die Auflösung und den Neuanfang darstellt – zumal wir wissen, daß sich diese Auslösung auf die Geburtsstunde, bzw. Minute und den Ort der Geburt bezieht. Oder warum – obwohl es eben gerade nur die Stunde der Geburt ist – das Partnerhaus so vieler Menschen so exakt mit dem anderen Zeichen, dem Zeichen, das am Deszendenten herrscht, besetzt ist?!

Im Klartext bedeutet das: wäre die Person zu einer anderen Tageszeit (oder an einem anderen Ort zur selben Zeit) geboren, dann hätte sie einen anderen Entwicklungsrhythmus, andere Not-wendigkeiten der Partnerschaft. Wie genau die Entwicklung verlaufen wird, will die Astrologie heute wohl zu Recht nicht mehr sagen, weil es die Freiheit einschränkt. Den Rhythmus jedoch kann und muss sie angeben; – sehr genau sogar, allein anhand dieser „Transite“, der Weiterbewegung der Planeten in Bezug auf den Moment des Geburts-Radix.

Die Tagesbewegung greift die Lebenswegung auf – proportional zur Jahres-Bewegung – ist das nicht das Wesentliche? Wie kommt das? Welche Proportionalität übersetzt sich hier? – begrifflich zu fassen im Zahnrad (klein/groß – und doch ineinander greifend).

Doch selbst, wenn wir diese Proportionalität fassen könnten, würden wir noch verharren im Versuch, Sicherheit zu gewinnen in der Gewissheit, daß dies jenes verursacht – und lägen damit nicht ganz falsch: doch der Zauber ist gerade dieses nicht – sondern ist das unvermutete Kleid der Wirklichkeit und doch verkörpert im transitierenden Symbol. Festgelegt und dennoch flexibel – im Rahmen der Freiheit – wird zur entscheidenden Frage. Und Verantwortung der Astrologie: wie kann sie beitragen zur Freiheit?! Wir sind mittendrin!

Mit freundlichen Grüßen,

Markus

* durch das Un-Wort: „Nichtlokalität“