2 Gedanken zu “Passauer Dom

  1. Hallo Markus,

    Deine Photos inspirieren mich,
    dies hier hinzuzugesellen –

    Rudolf Steiner zum Verhältnis
    Griechischer Tempel | Gotischer Dom :

    “Der griechische Tempel ist der Leib des Gottes, er steht allein für sich da. Die gotische Kirche stellt sich dar als etwas, was die Gemeinde ruft; sie ist kein Tempel, sondern ein Dom. Dom ist dasselbe Wort, das sich in der Nachsilbe «tum» ausdrückt, wie zum Beispiel in dem Worte Menschentum oder Volkstum. Auch dem russischen Worte Duma (Versammlung, Parlament) liegt das Wort «tum» zugrunde. Ein Dom, ein «Tum» ist das, wo die einzelnen Glieder zu einer Gemeinde zusammengerufen werden.

    Wir versenken uns (betrachtend) in den gotischen Dom mit seinem wunderbaren Spitzbogenbau; wir rufen vor unsere Seele, was da im Mittelalter sich abspielte in den Versammlungen, wo die wirklich Gläubigen wirklichen Priestern gegenüberstanden. Wir gedenken, wie dieser gotische Dom wirkte mit seinen verschiedenfarbigen Fensterscheiben, durch die das Sonnenlicht hereindrang; wir gedenken, wie da manche von denen, die von den tieferen Geheimnissen des Weltenwerdens sprechen konnten, Töne erklingen lassen konnten, die ihr äußeres Abbild hatten in dem wunderbaren, farbenzerteilten Lichte. Und immer wieder kam es vor, daß die Priester darauf hinwiesen, daß die gemeinsame Kraft des göttlichen Daseins sich der Menschheit mitteilt so in einzelnen Kräftestrahlen, wie dieses Licht, das durch die farbigen Fenster hereindringt. Dem Sinne stellte sich die Zerteilung des Lichtes dar, und in der Seele wurde angeregt, was geistig diesem Bilde zugrunde lag. So durchsetzte die Gemüts- und Empfindungskraft einen solchen Dom. Im gotischen Dom haben wir das Streben der Gemeinde, nicht nur die eigene Persönlichkeit des Einzelnen hineinzutragen in das Tempelhaus, sondern auch die Arbeit des Einzelnen hineinzutragen; und das drückt sich aus in den Formen der gotischen Baukunst. Man fühlt gleichsam, wie das, was in der Umgebung gearbeitet worden ist, in den baukünstlerischen Formen zusammen-getragen worden ist und sich wie eine Bitte, wie eine Händefaltung erhebt zu dem Geistigen. Der griechische Tempel ist ein Ganzes ohne die Menschen, der gotische Dom nur, wenn er die Gemeinde in sich birgt und wenn zu den Spitzbogen die gefalteten Hände dazu kommen, wenn die Gedanken und die Gefühle sich vereinigen mit den architektonischen Formen. Er ist ein anderer architektonischer Gedanke, herausgeboren aus dem geistigen Raum in grandioser Weise, aber ohne Menschen ist er kein Ganzes. Wenn er angefüllt ist mit der gläubigen Gemeinde, so können sich geistige Wesenheiten, die den Ätherleib zum untersten Gliede haben, sich hinuntersenken.”

    Mit besten Grüßen
    Mythopoet

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