Philosophie der Astrologie 2

Liebe Leserinnen und Leser,

ich habe gestern versucht, zwei sich ergänzende Fenster zur Vergangenheit der Astrologie im Rahmen dieser philosophischen Betrachtung anzudeuten*. Dabei wird es nicht bleiben, die geknüpften Fäden werden wieder aufgenommen. Heute geht es aber um ein anderes Kapitel, eine andere Seite der Sache, was Astrologie eigentlich heute genau ist.

Astrologie ist wie eine Blume, die nach langer Entwicklungsphase endlich eine eindeutige und wahrhafte Blüte hervorgebracht hat.

So sehr uns die Historie interessiert – gerade und auch, wenn sie in grauen Vorzeit zunächst unfassbar erscheint – wenn wir wissen wollen, was Astrologie wirklich ist, wird uns das andere Ende der Entwicklung einer Sache – die aktuelle Astrologie – nicht schlechter Auskunft über das Wesen einer Sache geben, als ihre Herkunft.

Wir haben – spätestens seit der Entdeckung und der Integration von Chiron ins astrologische System 1977 – eine geschlossene Beschreibung der menschlichen Psyche an der Hand, deren Vortrefflichkeit ans Wunderbare grenzt.

Verstehen Sie bitte richtig: wir haben gestern versucht, zwei Stränge der astrologisch/astronomischen Vergangenheit anzudeuten – es könnte jedoch sein, daß sich die Astrologie viel besser aus ihrer Gegenwart erschließt, als aus der Vergangenheit; daß man eine Sache nicht nur von ihrem Ursprung her, sondern auch von ihrem Ergebnis aus denken kann.

Denn erst in jüngster Zeit ist die Astrologie wahrhaft beim Individuum angekommen.

Greene, Roscher, Maier, Riemann, Sasportas, Barbault, Ebertin, Jung und viele andere sind/waren Astrologen und Psychologen, die eine seriöse Brückenarbeit von der einen zur anderen Seite des Bewußtseins geleistet haben.

Der entscheidende Wandel kam dann mit der Entwicklung des Computers. Wie so vieles, war der Computer als Uhrwerk in der Antike bereits konstruiert, ähnlich jener aus der Ägäis geborgenen astrologischen Uhr, dem Mechanismus von Antikythera – Wikipedia – sie stellt eine funktionable Simulation des Planetengeschehens dar.

Durch die Wiederentdeckung und Metamorphose der Astrologie als Computer-Simulation ist der Menschheit etwas gelungen, das gar nicht hoch genug bewertet werden kann.

Was haben wir gemacht? Nur dieses: den Himmel nach dem Sonnenstand eingeteilt, und diese Einteilung auf eine 2-dimensionale Fläche projiziert. Die Projektion ist durchaus objektiv – die Himmelkörper werden ja nicht nach Belieben verschoben.

Wenn wir diese Projektion für den Augenblick des ersten Atemzugs einer Person erstellen, dann können wir an der Grafik die Persönlichkeitsstruktur eines Charakters genauestens ablesen.

Doch warum ist das so? Warum kann eine 2-dimensionale Projektion des Geschehens am Himmel zum Zeitpunkt des ersten Atemzugs die innerste und intimste Verfasstheit eines Menschen beschreiben?

Nur dann kann sie das, wenn die Planeten da draußen tatsächlich in einem persönlichen Zusammenhang mit uns Menschen selbst stehen. Ein Mars-Rover von der Nasa hochgeschickt würde demnach tatsächlich nicht im Außen wandern, sondern eher wie ein Endoskop – freilich völlig sinnlos – unseren eigenen kosmischen Innenraum erkunden. Nur dann hat der Bezug zum Planetensystem einen Aussagewert, wenn wir selbst verteilt und teil-habend mit unserer Individualität am gesamten Planetensystem (und darüber hinaus) teilhaben.

Die Kosmologen und Astronomen behaupten, dies könnte nicht stimmen, denn die einzig denkbare Kraft der Einflussnahme sei – so sagen sie – die Gravitationskraft – und die – so behaupten sie weiter – sei viel zu gering um hier auf der Erde auf einzelne Lebewesen einen direkten Einfluss auszuüben. So sicher man sich in diesem Urteil ist, so wahr ist es auch, daß den Kosmologen und Astronomen die Natur der Gravitation völlig unbekannt ist. Gravitationskraft ist nicht die Formel ihrer Berechnung – und mehr als diese Formel – sie nimmt ab zum Quadrat ihrer Entfernung – ist darüber nicht bekannt. Nichts weiß man über die eigentliche Natur ihrer Wirksamkeit – und deswegen perlt die Kritik auch ab: sie imaginiert den Kosmos als rein materiellen Chemie-Baukasten.

Nicht so die Astrologie – sie apostrophiert den Menschen als kosmischen Menschen, als “All-Meister”, dessen seelische und sogar auch körperliche Struktur mit allen Bewegungen – und besonders den näheren – des Kosmos nicht nur verbunden oder verwandt ist, sondern in diesen Bewegungen einen unmittelbaren Zusammenhang zur seelischen Verfasstheit erkennt.

Nun gut – wenn dem aber so ist – wie konkret ist dieser unmittelbare Zusammenhang zu erklären? Wie käme Jupiter dazu, persönliche Botschaften ohne Zeitverzögerung in die Seele einzelner Menschen zu verschicken?

Genauer: wie wirkt Astrologie im mechanistischen Sinn? Vielleicht gar nicht, im mechanistischen Sinn. Was wir aber wissen – und da hilft die moderne Physik – daß der “mechanistische Sinn” offenbar nicht universelle Gültigkeit hat.  Unter dem Stichwort Nichtlokalität: Fernwirkung wird heute physikalisch exakt die Bedingung angezweifelt, nach der man von der Astrologie einen Nachweis materieller Wirkungs-Verbundenheit mit dem Kosmos verlangen könnte. Im Klartext bedeut das: es gibt Dinge, die auf große Entfernung hin koordinieren, scheinbar ohne dafür Zeit zu brauchen.

So banal es sein mag: für die Frage, wie denn Jupiter direkt Einfluss auf unser Leben nehmen könnte, obwohl doch die Schwerkraft zu gering sei, hat die moderne Physik ein einfaches und gut funktionierendes Konzept zu Verfügung gestellt: demnach sind die Dinge nicht lokal, sie sind nichtlokal – einmal aufeinander abgestimmt, behalten sie den Zusammenhang über unendliche Entfernung, frei von Zeit.

Wird nun weiter vorausgesetzt, daß der Mensch nicht “Teil des Kosmos”, sonders Kosmos-integriert ist, braucht es keinen weiteren Schritt, um zu verstehen, daß tatsächlich alles direkt und in Jetzt-Zeit miteinander verbunden sein muss.

Wir haben also jetzt zwei interessante Details, die durchaus zusammenpassen: aus der Astrologie wissen wir, daß der Zusammenhang von Kosmos und Persönlichkeit tatsächlich gegeben ist. Von der Physik wissen wir, daß dieser Zusammenhang – ob geistig oder materiell – instantan ebenfalls tatsächlich gegeben ist.

Mit freundlichen Grüßen,

Markus

*Ziel dieser nun regelmäßig hier erscheinenden “Philosophie”-Posts ist letztlich ein Buch, das ich aus den Posts zusammenstellen werde – die ihr bis dahin frei lesen könnt – und gerne mitgestalten! Der Grund ist einfach: ich schaffe es nicht, neben meiner astrologischen Beratungs-Arbeit und dem Schreiben von Posts hier auch noch ein veritables Buch zusammenzustellen und versinke in Text-Versatzstücken!

5 Gedanken zu “Philosophie der Astrologie 2

  1. Hallo Markus,

    Die Ursünde der Wissenschaft, des Denkens ist wohl dass wir die Welt als quasi geronnene Milch ansehen mal so salopp gesagt… es sind ja wir selbst in unserer geronnenen Natur die das sieht….

    Einer meiner “Denker”-Favoriten ist David Bohm. Er äußerte sich sinngemäß so, dass ein lokalisiertes Teilchen eher die absolute Ausnahme darstellt in einem ständig dynamischen fließenden Ganzen.

    Auch von Ihm:
    If man thinks of the totality as constituted of independent fragments, then that is how his mind will tend to operate, but if he can include everything coherently and harmoniously in an overall whole that is undivided, unbroken, and without a border then his mind will tend to move in a similar way, and from this will flow an orderly action within the whole.

    Ich weiß, es ja schon lange… Das Kloster ist wohl die höhere “Univers”ität

    gruß, Thorsten

  2. Also, ich habe höchstens eine Ahnung was Astrologie meint, deshalb kommen mir die Erläuterungen gerade recht. Was ich bemerke, der Blick zum Sternenhimmel macht was mit mir, also wie gesagt: Ich hab` keine Ahnung :-)
    Mal schauen ob ich in ein paar Monaten schlauer bin. Jetzt schon mal ein
    ~ Dankeschön ~ an Herrn Markus Termin!

  3. Hallo Markus,

    zu diesem Thema eine Beobachtung, wenn man von der Philosophie der Astrologie spricht, ist das etwa so wie mit der Philosophie der Wissenschaften (Epistemologie). Die Philosophie hat also einen kognitiven Status, der es erlaubt, über die Fundamente der Astrologie nachzusinnen. Mit der Psychologie verhält es sich anders, niemand würde von einer Psychologie der Astrologie reden, sondern unter den astrologischen Richtungen gibt es eine Psychologische Astrologie. Das heißt, die Astrologie ist der Psychologie kognitiv übergeordnet, was ja auch richtig ist. Deshalb denke ich, dass die Entdeckung und Überbewertung des Chiron ein Bestreben darstellt, den Status der Psychologie innerhalb der Astrologie durch den Wounded Healer aufzuwerten. Ich habe auch beobachtet, dass Astrologen neuerdings gerne bei Chiron verweilen, während Neptun, Uranus, und vor allem Saturn, bei der Analyse mehr oder weniger bewusst „übergangen“ werden. Wie gesagt, eine Beobachtung und keine Wertung.

    Gruß
    Conny

    • @Conny

      Birthdays are filled with yesterday’s memories,
      today’s joys,
      and tomorrow’s dreams.

      May God soften the pillow you rest your head on at night
      May He make smooth the path you walk by day
      Not just today but everyday

      Dearest Conny ~ over the ocean,

      ein wundervolles Neues Lebens&Liebensjahr

      wünscht Dir allerherzlichst

      Mythopoet

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